Schuppende Gesichts- und Kopfhaut

Seborrhoisches Ekzem: Was hilft?

Ein Seborrhoisches Ekzem ist eine verbreitete, entzündlich-schuppende Erkrankung der Haut. Ist ein Seborrhoisches Ekzem ansteckend? Wie unterscheidet es sich von anderen Hautkrankheiten? Und was hilft wirklich dagegen?

Seborrhoisches Ekzem bei Baby
Häufig tritt ein Seborrhoisches Ekzem auf der Kopfhaut und im Gesicht auf.
© iStock.com/russaquarius

Artikelinhalte im Überblick

Hautkrankheiten mit diesen Bildern erkennen

Was ist ein Seborrhoisches Ekzem?

Ein Seborrhoisches Ekzem, auch Seborrhoische Dermatitis genannt, ist eine nicht-ansteckende Erkrankung der Haut, die sich durch rote Entzündungsherde mit gelblich-fettigen Schuppen äußert. Sie tritt in unterschiedlichen Schweregraden und überwiegend auf der Kopfhaut und im Gesicht (Nasolabialfalten, Stirn, Augenbrauen) auf, kann sich aber auch auf andere Körperareale mit hoher Talgproduktion wie Brustbein, Rücken, Achseln, Leisten oder Genitalbereich ausbreiten.

Die Erkrankung ist ungefährlich, wird jedoch von vielen Betroffenen als sehr belastend empfunden. Schätzungen zufolge leiden in Europa zwischen drei und zehn Prozent der Bevölkerung an einem Seborrhoischen Ekzem.

Unterschieden werden zwei Typen der Hauterkrankung:

  • Seborrhoisches Ekzem bei Jugendlichen und Erwachsenen (Typ I): Tritt häufig erstmals in der Pubertät oder zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahrzehnt auf, ist behandlungsbedürftig und meist chronisch oder chronisch-wiederkehrend. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.

  • Seborrhoisches Ekzem bei Säuglingen (Typ II): In den ersten Lebensmonaten leiden etwa drei bis fünf Prozent aller Säuglinge darunter. Das Ekzem befällt vor allem Kopfhaut und Stirn sowie vereinzelt Hautfalten, Körperbeugen und Windelbereich, äußert sich in fettigen, kleieförmigen Schuppungen und heilt in der Regel auch ohne Behandlung dauerhaft aus. Umgangssprachlich wird das Seborrhoische Ekzem bei Säuglingen als (Kopf-)Gneis bezeichnet. Der häufig verwendete Begriff Milchschorf ist nicht korrekt, da Milchschorf eine beginnende Neurodermitis bei Kindern anzeigen kann.

Wie kommt es zum Seborrhoischen Ekzem?

Die genauen Ursachen des Seborrhoischen Ekzems sind noch nicht abschließend erforscht. Experten gehen davon aus, dass für den Ausbruch der Erkrankung verschiedene Faktoren zusammenkommen müssen. Dazu gehören beispielsweise eine (genetisch bedingte) Überproduktivität der Talgdrüsen und die übermäßige Besiedlung der Haut mit bestimmten Pilzen, den Malassezia-Hautpilzen. Wie bei anderen Ekzemen entzünden sich die Haarbälge, wodurch der Prozess der Hauterneuerung gestört wird und vermehrt Hautpartikel (Schuppen) abgestoßen werden. Auch ein verstärkter Bakterienbefall (Staphylokokken) der betroffenen Hautstellen wird häufig beobachtet.

Als weitere Risikofaktoren für ein Seborrhoisches Ekzem im Jugend- und Erwachsenenalter (Typ I) gelten:

  • Geschwächtes Immunsystem: Liegt eine HIV-Infektion vor, so steigt die Erkrankungswahrscheinlichkeit auf 30 bis 80 Prozent, zudem werden in diesem Fall häufig besonders ausgeprägte und schwer behandelbare Formen des Seborrhoischen Ekzems diagnostiziert.

  • Hormonelles Ungleichgewicht: Das erstmalige Auftreten eines Seborrhoischen Ekzems fällt oft in die Pubertät oder (bei Frauen) in die Wechseljahre.

  • Neurologische Beeinträchtigungen: Menschen, die an Parkinson oder anderen Nervenerkrankungen leiden oder einen Schlaganfall erlitten haben, neigen verstärkt zum Seborrhoischen Ekzem.

  • Stress: Viele Erkrankte beobachten in besonders anstrengenden Lebensphasen eine Verstärkung der Symptome.

  • Bestimmte Medikamente: Zytostatika gegen Krebs wie Erlotinib, Sorafenib oder Interleukin-2, aber auch Neuroleptika, die gegen verschiedene psychiatrischen Erkrankungen eingesetzt werden, können das Ekzem auslösen.

  • Klimatische Faktoren: Bei nass-kalter Witterung verschlimmert sich ein Seborrhoisches Ekzem häufig, in den Sommermonaten kommt es hingegen meist zu einer Besserung der Symptome.

Als Auslöser für ein Seborrhoisches Ekzem in den ersten Lebensmonaten (Typ II) wird eine Überproduktion von Talg durch Rückstände mütterlicher Hormone vermutet, die sich noch im Blut des Säuglings befinden und mit der Zeit abgebaut werden.

Woran lässt sich ein Seborrhoisches Ekzem erkennen?

Im Gegensatz zu den meisten anderen entzündlichen Hauterkrankungen löst ein Seborrhoisches Ekzem in der Regel keinen oder kaum Juckreiz aus. Manchmal kommt es durch die Entzündungen und den Befall der betroffenen Hautstellen mit Pilzen oder Bakterien zu verstärktem Haarausfall oder das Ekzem geht mit einem stellenweisen Verlust der Hautpigmente einher.

Symptome Typ I

Die Entzündung der Haarbälge führt typischerweise zu fleckigen roten Hautstellen, die gelblich-fettige Schuppen absondern. Bei einer schwachen Ausprägung oder Vorstufe des Seborrhoischen Ekzems kann auch nur eine vermehrte Hautschuppung auftreten. Wie viel Haut betroffen ist, ist individuell: In schweren Fällen kommt es an mehreren Arealen gleichzeitig zu starken Entzündungen. Aus den Ekzemen können nässende und verkrustende Hautdefekte entstehen.

Symptome Typ II

Ein Seborrhoisches Ekzem bei Säuglingen betrifft in den meisten Fällen nur den Kopf (Kopfgneis) und wird dort durch dicke, gelb-fettige Schuppen sichtbar. Ausgangsort der Entzündungen ist in der Regel der Scheitelbereich. Im Gegensatz zu anderen Ekzemen wie der Neurodermitis (atopisches Ekzem) juckt und schmerzt der Gneis nicht.

Wie wird ein Seborrhoisches Ekzem diagnostiziert?

Richtiger Ansprechpartner bei Verdacht auf ein Seborrhoisches Ekzem Typ I ist der Hautarzt. Im Rahmen der Anamnese fragt er unter anderem, wie lange die Symptome bereits anhalten, ob das Ekzem juckt oder schmerzt, ob es in der Vergangenheit oder in der Familie bereits ähnliche Erkrankungen gab und ob andere Erkrankungen, bestimmte Ernährungsgewohnheiten oder Medikamenteneinnahmen vorliegen, die mit den Hautproblemen in Zusammenhang stehen könnten. Anschließend begutachtet der Facharzt die betroffenen Körperareale.

Da viele weitere Hauterkrankungen, wie beispielsweise

  • Neurodermitis
  • Schuppenflechte
  • allergisches/toxisches Kontaktekzem
  • Röschenflechte
  • Rosazea
  • Impetigo contagiosa und
  • Scherpilzflechte

ein ähnliches Erscheinungsbild haben wie das Seborrhoische Ekzem, ist eine gründliche Abgrenzung (Differenzialdiagnose) notwendig.

Im Zweifelsfall kann die Analyse einer kleinen Hautprobe (histologische Untersuchung) Klarheit schaffen. Auch der mikroskopische Nachweis von Hautpilzen oder übermäßigem Bakterienbefall kann Hinweise über die vorliegende Erkrankung geben. Allergische Kontaktekzeme können durch einen Allergietest ausgeschlossen werden.

Im Säuglingsalter können sich beispielsweise Windelsoor oder Milchschorf ähnlich äußern wie ein Seborrhoisches Ekzem.

Was hilft gegen ein Seborrhoisches Ekzem?

Behandlung Typ I

Liegt ein akuter Erkrankungsschub vor, stehen eine Linderung der Entzündung sowie die Eindämmung des Pilz- und Bakterienbefalls im Vordergrund. Der Hautarzt verschreibt dafür Salben, Cremes oder Gels mit Wirkstoffen wie Ciclopirox, Ketoconazol, Clotrimazol oder Metronidazol. Auch Shampoos, die Teer, Selendisulfid oder Zinkpyrithion enthalten, können den Befall mit schädigenden Mikroorganismen reduzieren. In schweren Fällen kann die Einnahme bestimmter Antibiotika, Antimykotika oder Kortisonpräparate notwendig sein.


Bei sehr hoher Beeinträchtigung können vorübergehend auch sogenannte Calcineurininhibitoren eingesetzt werden, die entzündungshemmend und immununterdrückend wirken.

Gegen ausgeprägte Schuppenbildung haben sich Präparate mit Salicylsäure und Urea (Harnstoff) als nützlich erwiesen; eine übermäßige Talgproduktion wird beispielsweise durch den Wirkstoff Isotretinoin reguliert. Da UV-Licht die Beschwerden in der Regel bessert, verschreiben einige Hautärzte auch eine Fototherapie gegen ein schweres Seborrhoisches Ekzem.

Als Erhaltungstherapie wird die (wichtige) Behandlung zwischen zwei Ekzemschüben bezeichnet. Sie besteht in der Regel aus der Anwendung von Shampoos und Cremes mit schuppenlösenden Wirkstoffen (Keratolytika).

Viele Menschen mit Seborrhoischem Ekzem in leichterer Ausprägung machen nach Rücksprache mit ihrem Hautarzt gute Erfahrungen mit verschiedenen Hausmitteln:

  • Apfelessig (verdünnt)

  • Stiefmütterchenkraut-/Löwenzahn- oder Schachtelhalm-Tee

  • Aloe-Vera-Gel

  • Ringelblumensalbe

  • Ölbäder

Hausmittel gegen Schuppen: Elf natürliche Helfer

Behandlung Typ II

Gneis bei Säuglingen heilt zwar in der Regel ohne Behandlung aus, die unschönen Schuppen auf der Kopfhaut können aber sanft entfernt werden. Laut einer kleinen Vergleichsstudie eignet sich dafür ein spezielles Ölgel (Oleogel) besser als das häufig empfohlene Oliven- oder Mandelöl.

Niedrigdosierte Zinksalben trocknen nässende Stellen in Hautfalten oder Körperbeugen aus und helfen gegen entsprechende Entzündungen im Windelbereich.

Falls ein Pilzbefall der Babyhaut hinzukommt, verordnet der Arzt Salben mit Wirkstoffen wie Nystatin, Clotrimazol oder Fusidinsäure. Bei sehr starken Entzündungen können für kurze Zeit auch Cremes mit schwachen Glukokortikoiden (Kortison) sinnvoll sein.

Ist ein Seborrhoisches Ekzem heilbar?

Während Typ II in der Regel nach wenigen Monaten von allein und endgültig abheilt, gilt Typ I als unheilbar – insbesondere, weil die zugrundeliegende vermehrte Talgproduktion genetisch bedingt ist. Durch die richtige Therapie kann das Seborrhoische Ekzem aber erfolgreich eingedämmt werden.

In den Wintermonaten und bei hoher Stressbelastung verstärken sich die Symptome häufig. Als positiv gilt hingegen ein sommerlich-maritimes Klima, unter dessen Einfluss viele Betroffene vorübergehend eine vollständige Abheilung des Ekzems beobachten.

Bleibt das Seborrhoische Ekzem Typ I unbehandelt, so kann sich Zustand der Haut weiter verschlechtern. Selten kann ein Seborrhoisches Ekzem in eine Schuppenflechte (Psoriasis) übergehen.

Wie lässt sich einer Seborrhoischen Dermatitis vorbeugen?

Da dem Ekzem in der Regel genetische Faktoren zugrunde liegen, kann es durch präventive Maßnahmen nicht verhindert, aber gegebenenfalls abgeschwächt werden.

Empfohlen wird:

  • regelmäßiges Haarewaschen

  • eine gute Belüftung der Kopfhaut (Kurzhaarschnitt, Meiden von modischen Kopfbedeckungen)

  • eine regelmäßige, sanfte Hautreinigung

  • der Verzicht auf reichhaltige, fettende Kosmetika

  • der Verzicht auf Pflegeprodukte und Kosmetika mit hautreizenden Bestandteilen (Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe)

  • die Verwendung hypoallergener, rückfettender Mittel

  • ein maßvoller Umgang mit der Sonne/ ein guter hypoallergener Sonnenschutz

  • die gründliche Reinigung hautanliegender Kleidung bei mindestens 60 Grad

  • eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung

  • regelmäßige Bewegung (Sport)

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