Krankheiten der Atemwege

Diphtherie und gefährliche Komplikationen: Nur die Impfung schützt!

Diphtherie ist zwar selten, aber sehr gefährlich. Die meldepflichtige Infektionskrankheit wird durch ein Bakterium (Corynebacterium diphteriae) ausgelöst. Die Schutzimpfung gegen Diphtherie muss regelmäßig aufgefrischt werden, der Impfstoff wird häufig mit anderen Krankheiten wie Keuchhusten oder Tetanus kombiniert.

diphterie impfpass
Für bestimmte Urlaubsländer, etwa Indonesien und die Philippinen, ist eine Reiseimpfung gegen Diphtherie empfehlenswert.
iStock

Diphtherie tritt weltweit auf, vor allem in den GUS-Staaten, Afrika, Afghanistan, Indonesien, Indien, Philippinen und auf Haiti. Gab es in Deutschland noch in den 50er Jahren ausgeprägte Diphtherie-Epidemien im Herbst und Winter, ebbten die Erkrankungen danach ab. Denn nun erhielten die meisten Babys die Impfung gegen Diphtherie. Allerdings hält der Schutz gegen Diphtherie nur rund zehn Jahre an, danach muss aufgefrischt werden.

Die wichtigsten Impfungen

Diphtherie gefährdet Herz, Hirn, Lunge, Nieren

In den 90er Jahren kam es jedoch erneut zu einem Aufflammen der Diphtherie, in den GUS-Staaten eine starke Infektionswelle wütete. Diphtherie tritt seitdem in Deutschland zwar sehr selten auf, ist aber äußerst gefährlich und deshalb meldepflichtig. Die Infektionskrankheit wird durch Bakterien ausgelöst (Corynebacterium diphtheriae). Sie können nicht nur den Rachen derart anschwellen lassen, dass Ersticken droht, sondern bilden Giftstoffe, also Toxine, die mit dem Blutkreislauf zu allen Organen gelangen und dort lebensbedrohliche Komplikationen hervorrufen können.

Dabei gibt es verschiedene Formen der Diphtherie:

  • Rachendiphtherie, die in Europa häufigste Form der Diphtherie
  • blutige Nasendiphtherie, die meist Säuglinge betrifft
  • Haut- oder Wunddiphtherie, die vor allem in tropischen Ländern grassiert

Die Behandlung von Diphtherie muss so rasch wie möglich erfolgen – am besten noch bevor sich die Toxine an Zellen gebunden haben. Antitoxine und Antibiotika eliminieren Bakterien und Giftstoffe. Gibt es bei Diphtherie Komplikationen, kann intensivmedizinische Behandlung erforderlich werden. Zusätzlich

Diese Symptome sind typisch für Diphtherie

Die meisten verwechseln Diphtherie anfangs mit einer starken Erkältung oder Grippe. Denn die Symptome einer Diphtherie im Rachenbereich sind anfangs Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Danach werden die Krankheitszeichen jedoch stärker:

Bei Fortschreiten der Diphtherie kann das Gaumensegel gelähmt werden. Die Rachenmandeln und der gesamte Rachen entzünden sich. Grau-weißer oder bräunlicher Belag bildet sich. Schwillt der Rachen stark an, droht Luftnot bis zu Ersticken. Diese Komplikation wird als Krupp bezeichnet. Typisch bei Diphtherie ist außerdem ein süßlicher Mundgeruch.

Die Anzeichen bei anderen Diphtherie-Formen

  • Kehlkopfdiphtherie: Husten und Heiserkeit
  • nasale Diphtherie: Blutiger Ausfluss aus der Nase
  • Haut- oder Wunddiphtherie: eitrige Entzündungen, Abszesse

Ursache der Diphtherie sind spezielle Bakterien

Ursache der Diphtherie sind bestimmte Bakterien und zwar drei Wuchsformtypen mit mehreren Serotypen des  Bakteriuem Corynebacterium diphtheriae. Dabei handelt es sich um gram-positive Bakterien. Wie die Erreger einer Erkältung werden die Diphtherie-Bakterien ebenfalls per Tröpfcheninfektion übertragen, also mit:

  • Husten,
  • Niesen,
  • Türklinken und Griffe,
  • gemeinsam benutztes Besteck und Gläser
  • Handtücher
  • Händedruck
  • Küssen

Diphtherie übertragen, ohne selbst erkrankt zu sein

Besonders tückisch: Sie können mit Diphtherie infiziert sein, ohne selbst daran zu erkranken - können gleichzeitig jedoch andere Menschen mit Diphtherie anstecken. Die Ansteckungszeit (Inkubationszeit), also die Zeit vom Kontakt mit dem Bakterium bis zum Ausbruch der Diphtherie beträgt zwei bis fünf Tage, manchmal bis zu einer Woche.

Wer Diphtherie hat und Antibiotika einnimmt, ist meist zwei bis vier Tage nach beginn der Antibiotika-Therapie nicht mehr ansteckend. Ohne Antibiotika-Therapie besteht die Ansteckungsgefahr noch zwei bis vier Wochen.

Abstrich und typische Symptome erlauben Diphtherie-Diagnose

Meist erkennt der Arzt bereits mit einem Blick in den entzündeten Rachen und über den typisch süßlichen Mundgeruch der Patienten, dass Diphtherie vorliegt. Um die Diagnose abzusichern und genau zu erkennen, ob es sich um eine durch andere Bakterien hervorgerufene Rachenentzündung oder Diphtherie handelt, wird der Arzt einen Abstrich aus dem Hals nehmen.

Nach vier Tagen sichere Diagnose von Diphtherie

Es dauert allerdings etwa vier Tage, bis die Ergebnisse des Tests vorliegen. Allerdings bieten nicht alle medizinischen Labore den Diphtherienachweis an, am sichersten sind deshalb Konsiliarlaboratorien für Diphtherie.

Die Therapie beginnt jedoch meist schon vor dem Nachweis, kann danach falls nötig noch modifiziert werden. Zusätzlich muss der Arzt, wenn der Nachweis erbracht ist, den Diphtheriefall ans zuständige Gesundheitsamt melden.

Diphtherie-Behandlung: Medikamentöse Therapiemaßnahmen

Diphtherie
Eine schnelle Behandlung der Diphtherie ist unerlässlich, um die Bakterien-Toxine im Körper unschädlich zu machen.

 

Die Therapie von Diphtherie sollte so schnell wie möglich einsetzen, um lebensbedrohliche Komplikationen zu verhindern. Deshalb wird der Arzt bereits beim Verdacht einer Diphtherie die entsprechenden Medikamente verschreiben. Dazu gehören:

  • Antitoxine, um Bakteriengifte unschädlich zu machen, bevor sie sich an Zellen binden,
  • Antibiotika gegen die Bakterien.

Als Antibiotika eignen sich Penicillin, Erythromycin und Tretrazykline. Wichtig ist, die Medikamente gegen Diphtherie ausreichend lange und in der richtigen Dosis einzunehmen.

Komplikationen bei Diphtherie wie Nierenversagen, Atemstillstand oder Herzrhythmusstörungen werden intensivmedizinisch behandelt.

Verlauf und Komplikationen der gefährlichen Diphtherie

Je nachdem, wo die Bakterien sich zuerst eingenistet haben, entwickelt sich die spezielle Form der Diphtherie – in der Nase, dem Rachen, dem Kehlkopf. Die Entzündung breitet sich bereits nach wenigen Tagen im Körper aus.

Daraus können die gefürchteten Komplikationen entstehen:

  • Verengung der Atemwege mit Erstickungsgefahr
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis
  • Gehirnentzündung (Enzephalitis)
  • Nierenentzündung mit Versagen
  • zentrales Nervensystem (Polyneuritis)

Die Erkrankungsdauer unter Antibiotikabehandlung beträgt zwei bis drei Wochen. Bettruhe ist sinnvoll.

Sterberisiko bei Diphtherie

Heute noch beträgt die Sterblichkeitsrate bei Diphtherie etwa sieben Prozent. Wird Diphtherie zu spät behandelt oder unzureichend, steigt dieses Risiko auf bis zu 25 Prozent.

Diphtherie vorbeugen mit regelmäßiger Impfung

Das einzig wirksame Mittel, einer Diphtherie vorzubeugen, ist die Impfung. Sie verhindert, dass die Krankheit ausbricht. Trotzdem ist eine Infektion mit dem Diphtherie-Erreger möglich. Geimpfte können also Überträger von Diphtherie sein, ohne selbst daran zu erkranken.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät, dass grundsätzlich jeder gegen Diphtherie geimpft sein sollte. Babys erhalten sie im Rahmen der Grundimmunisierung mit den Impfungen im dritten, vierten, fünften, zwischen dem zwölften und 15. Lebensmonat. Danach ist eine Auffrischung empfohlen zwischen dem elften und dem 18. Lebensjahr. Denn die Wirkung der Impfung hält nur zehn Jahre an.

Darüber hinaus empfehlen die Experten die Diphtherie-Impfung vor allem für:

  • Reisende in Gebiete mit hohem Diphtherie-Risiko
  • Personal in Laboratorien mit Diphtherie-Risiko
  • Bedienstete des Bundesgrenzschutzes und der Zollverwaltung
  • Flüchtlinge, Aussiedler und Asylbewerber aus Gebieten mit hohem Diphtherie-Risiko
  • medizinisches Personal, das ersten Kontakt mit Erkrankten hat

Kombi-Impfung gegen Diphtherie und Keuchhusten

Momentan verfügt nur ein Drittel der erwachsenen Deutschen über einen ausreichenden Diphtherie-Schutz. Im Erwachsenenalter wird der Impfstoff gegen Diphtherie häufig als Kombinationsimpfung angeboten und immunisiert dann zugleich etwa gegen Keuchhusten (Pertussis), Wundstarrkrampf (Tetanus) und/oder Kinderlähmung (Polio). Die Diphtherie-Impfung wird in aller Regel gut vertragen, Nebenwirkungen sind selten.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 31. Januar 2017
Durch: Sarah Baumann
Quellen: RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Diphtherie. Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: 2015), Ärzteblatt 4/2012 Diphtherie;

Beitrag zum Thema aus der Community
Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang