Häufige Ursache für Infekte

Nasenpolypen (Polyposis nasi): Symptome der gutartigen Schleimhautwucherung

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Nasenpolypen sind gutartige kleine Wucherungen der Nasenschleimhaut. Häufig sind sie die Ursache von immer wiederkehrenden Nasennebenhöhlenentzündungen und anderen Atemwegsinfekten. Wann ist eine Entfernung sinnvoll?

Junge Frau hat Schmerzen in der Nase
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Artikelinhalte im Überblick:

Was hilft gegen Schnarchen?

Was sind Nasenpolypen?

Nasenpolypen (Polyposis nasi) entstehen in den Nasennebenhöhlen oder in der Nasenschleimhaut und wachsen von dort aus in die Nasenhöhle hinein. Die Ausstülpungen der Schleimhaut treten meist auf beiden Seiten auf, sie sind honigfarben, gräulich oder rosa glänzend und sehen aus wie kleine gestielte Pilze oder Tropfen. In ihrer Größe können sie stark variieren, von wenigen Millimetern Durchmesser bis hin zu Zentimetern.

Schätzungsweise vier bis fünf Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter Nasenpolypen, Männer doppelt so häufig wie Frauen. Im Normalfall treten die Schleimhautwucherungen erst nach dem 30. Lebensjahr auf. Kommt es bei Kindern oder jungen Menschen zu Nasenpolypen, steckt fast immer eine systemische Erkrankung dahinter.

Anzeichen für Nasenpolypen – Symptome erkennen

Solange die Schleimhautwucherungen eher gering sind, verursachen Nasenpolypen kaum Symptome. Erst wenn die Belüftung der Nase durch größere Wucherungen deutlich eingeschränkt ist, kommt es zu Beschwerden. Folgende Anzeichen können auf Nasenpolypen hindeuten oder treten häufig in Verbindung mit diesen auf:

  • behinderte Nasenatmung
  • verstopfte Nase
  • verstärkte Sekretbildung ("laufende Nase")
  • Druckgefühl in Nase und Nebenhöhlen
  • Riechstörungen (eingeschränktes Riechvermögen)
  • veränderter Geschmackssinn
  • näselnde Stimme
  • schlechtes Hören, vor allem bei Kindern
  • Mundatmung, Mundgeruch
  • Schnarchen
  • Schlafstörungen

Viele Menschen merken gar nicht, dass sie Nasenpolypen haben. Mit zunehmendem Wachstum stören die Polypen aber in den Atemwegen und behindern die Nasenatmung. Das kann zu vielfältigen Problemen führen, denn die Nase hat die wichtige Aufgabe, die Atemluft zu filtern, zu befeuchten und zu erwärmen. Atmet man permanent durch den Mund, weil die Nase verstopft ist, gelangt die Luft ungefiltert in die Bronchien. Erreger können so leicht in die Atemwege eindringen, Nasensekret kann nicht richtig abfließen. Immer wiederkehrende Atemwegsinfekte wie Mandelentzündung, Bronchitis und Nasennebenhöhlenentzündungen können die Folge sein.

Patient*innen mit Nasenpolypen leiden außerdem häufig unter Mundgeruch, da die Mundatmung die Mundschleimhaut austrocknet. Bei anhaltenden Schnarchproblemen und Schlafstörungen sollten diese ärztlich abgeklärt werden. Kopfschmerzen oder Gesichtsschmerzen sind meist Symptome, die durch eine begleitende Entzündung der Nebenhöhlen verursacht werden.

Ursache von Nasenpolypen

Wie es genau zu Nasenpolypen kommt, ist noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist jedoch, dass chronische Entzündungen im Bereich der Nasenschleimhaut der Hauptauslöser sind. Normalerweise sorgen Flimmerhärchen in der Schleimhaut für einen reibungslosen Abtransport des Nasensekrets. Staut sich dieses, bildet das Nasensekret einen idealen Nährboden für Keime – wiederkehrende Entzündungen sind die Folge. Die Schleimhaut reagiert gereizt, schwillt an und es entstehen Nasenpolypen.

Mögliche Ursachen für Nasenpolypen:

  • chronische Nasennebenhöhlenentzündungen (chronische Sinusitis polyposis)
  • allergische Rhinitis bei Heuschnupfen oder Hausstaubmilbenallergie
  • Schleimhautreizungen aufgrund trockener Luft oder Schadstoffbelastung
  • Asthma bronchiale
  • Schmerzmittelunverträglichkeit
  • Stoffwechselerkrankungen wie Mukoviszidose
  • Kartagener-Syndrom (sehr seltene Ebrankheit, bei der eine Funktionsstörung der Atemwege vorliegt)
  • erbliche Veranlagung

Samter-Trias: Nasenpolypen, Asthma und Schmerzmittelunverträglichkeit

Auffallend häufig treten Nasenpolypen in Verbindung mit Asthma auf. So leiden etwa 40 Prozent der Asthmatiker*innen gleichzeitig unter Nasenpolypen. Auch Menschen, die unter einer schweren Unverträglichkeit von Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder ähnlichen Schmerzmitteln leiden und bei diesen Analgetika mit Asthmabeschwerden reagieren, neigen zu Polypen. Besonders betroffen sind Frauen im mittleren Lebensalter. Fachleute sprechen von der sogenannten Samter-Trias, wenn diese drei typischen Anzeichen zusammenkommen:

  • Schmerzmittelintoleranz,
  • Asthma bronchiale und
  • Polyposis nasi.

Nasenpolypen bei Kindern können Zeichen für Mukoviszidose sein

Nasenpolypen sind eine häufige Begleiterscheinung der Erbkrankheit Mukoviszidose (zystische Fibrose). Bei dieser angeborenen Stoffwechselerkrankung ist der Schleim, den die Drüsen des Körpers absondern, generell zu dickflüssig und zäh, sodass die Drüsen verstopfen und sich entzünden. Neben dem Verdauungsapparat können die Schweißdrüsen, die Bronchien und auch die schleimabsondernden Drüsen der Nase betroffen sein. So kommt es häufig zu Nasennebenhöhlenentzündungen und einer Polypenbildung. Nasenpolypen bei Kindern können in seltenen Fällen ein erstes Anzeichen für Mukoviszidose sein.


Diagnose bei Verdacht auf Nasenpolypen

Bei Verdacht auf Nasenpolypen ist eine Hals-Nasen-Ohren-ärztliche Praxis die richtige Anlaufstelle. Nach einem Anamnesegespräch untersucht die*der Ärztin*Arzt zunächst die Nasengänge mithilfe einer Nasenspreizzange und eines Endoskops. Große Polypen sind dabei meist gut erkennbar, kleinere werden bei einer Nasenspiegelung (Rhinoskopie) diagnostiziert. Eventuell sind auch bildgebende Untersuchungen wie Ultraschall (Sonografie), Röntgen oder eine Computertomografie (CT) nötig.

Differenzialdiagnose Nasentumor

Manchmal stecken auch andere Ursachen hinter einer Verengung der Nasennebenhöhlen und der Nasenmuschel. So können gutartige oder bösartige Nasentumoren zu ähnlichen Symptomen wie Polypen führen. Ein erstes Warnzeichen für einen Tumor kann häufiges, starkes Nasenbluten (Epistaxis) sein, das bei Nasenpolypen normalerweise nicht auftritt.

Nasenpolypen behandeln – Entzündung eindämmen

Mittel der Wahl zur Therapie von Nasenpolypen ist Kortison. Es wirkt stark antientzündlich, sodass kleinere Polypen damit häufig innerhalb von ein paar Monaten komplett verschwinden. Größere Polypen schrumpfen deutlich, weshalb Kortison meistens begleitend vor einer geplanten Operation als auch postoperativ zur Vermeidung von Rückfällen (Rezidiven) angewandt wird.

Meist applizieren Patient*innen den Wirkstoff als kortisonhaltiges Nasenspray direkt auf die betroffene Schleimhaut. Die Anwendung erfolgt über sechs bis zwölf Monate. Auch die orale Gabe von Glukokortikoiden kommt infrage, allerdings sprechen die meisten Nasenpolypen gut auf die Nasensprays an. Bei lokaler Kortisongabe kann es allerdings zu unerwünschten Hautreaktionen in der Nasenschleimhaut kommen.

Polypektomie: Nasenpolypen entfernen

Sind die Polypen zu groß oder sprechen sie nicht auf die Kortisonbehandlung an, müssen die Wucherungen operativ entfernt werden. Bei einer Polypektomie werden die Polypen mittels einer Schlinge von außen durch das Nasenloch gefasst und entfernt. Dieser Eingriff kann bei kleineren, gutzugänglichen Polypen unter lokaler Betäubung direkt in der HNO-Praxis durchgeführt werden. Häufig werden bei einer Polypektomie auch gleich die Nasennebenhöhlen saniert sowie begünstigende Faktoren beseitigt, wie etwa eine schiefe Nasenscheidewand begradigt oder zu enge Öffnungen der Nebenhöhlen vergrößert. Solch aufwendigere Operationen werden minimal-invasiv durchgeführt mit einem kurzen stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus.

Nach der Operation sollten Betroffene alles vermeiden, was unnötigen Druck auf die Nase ausübt:

  • Bücken mit dem Kopf nach unten,
  • körperliche Anstrengung und Sport oder
  • Baden in heißem Wasser.

Abfließendes Nasensekret darf in den ersten Tagen nach der OP nur vorsichtig abgewischt werden, starkes Nasenschnäuzen sollte bis zur vollständigen Heilung der Wundflächen unterbleiben.

Neue Behandlungsmethode mit Antikörpern

Seit 2019 ist der Antikörper Dupilumab zur Behandlung der schweren chronischen Rhinosinusitis mit Nasenpolypen zugelassen. Erwachsene können den Wirkstoff verschrieben bekommen, wenn die Anwendung von Kortisontabletten oder eine Operation nicht den gewünschten Behandlungserfolg zeigt. Dupilumab wird ergänzend zu kortisonhaltigem Nasenspray eingesetzt.

Nasenpolypen natürlich behandeln mit Hausmitteln?

Nach aktuellem Stand der Forschung kann man bestehende und störende Polypen nicht mit Hausmitteln effektiv loswerden. Diese Methoden können jedoch hilfreich sein, prädisponierende Faktoren wie etwa eine allergische Veranlagung zu verringern. Außerdem kommen sie zur Unterstützung der Heilung und zur Verhinderung von Rückfällen zum Einsatz:

  • Regelmäßige Nasendusche mit Kochsalzlösung, um die Schleimhäute feucht zu halten und Entzündungen vorzubeugen.

  • Ausreichend Wasser trinken, damit die Nasenschleimhaut befeuchtet bleibt.

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten können bei der Entstehung von Nasenpolypen ebenfalls eine Rolle spielen. Dazu zählen Lebensmittel mit Weizen, Gluten oder Milchprodukte.

  • Für gesunde Schleimhäute ist eine ausreichende Versorgung mit entzündungshemmendem Vitamin A, außerdem mit B-Vitaminen und Selen sowie Omega-3-Fettsäuren. Sie sind in hochwertigen Ölen wie Weizenkeimöl oder Leinöl enthalten und wirken ebenfalls entzündungshemmend.

Prognose: Polypen sind gutartig, aber oft hartnäckig

Die meisten Betroffenen erfahren eine deutliche Besserung ihrer Symptomatik durch eine Operation. Schmerzen, Druckgefühl und behinderte Nasenatmung sind meist wenige Tage nach der OP verschwunden und auch die Begleiterscheinungen wie häufige Infekte und chronische Sinusitis bessern sich meist nachhaltig. Allerdings kehren Nasenpolypen recht hartnäckig wieder: So kommt es bei vielen Patient*innen bereits Monate bis wenige Jahre nach der Polypektomie zu Rezidiven.

Deutlich verringern kann man das Wiederauftreten durch eine anschließende Behandlung mit kortisonhaltigen Nasensprays über mehrere Monate. Eine wesentliche Voraussetzung für einen anhaltenden Heilungserfolg ist aber auch die Behandlung von eventuell zugrundeliegenden Erkrankungen und auslösenden Allergiefaktoren.

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