Sehnengleitstörung der Hand

Schnappfinger: Was hilft bei schnellendem Finger?

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Bei einem schnellenden Finger, umgangssprachlich Schnappfinger, liegt eine Verdickung oder Einengung der Beugesehne des Fingers vor. Der Finger lässt sich nur schwer strecken, schmerzt und schnalzt bei Kraftanwendung ruckartig nach vorn. Welche konservativen Maßnahmen helfen und wann ist eine Operation notwendig?

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© Getty Images/eyepark

Der Schnappfinger ist eine häufige Funktionsstörung der Hand. Etwa 28 von 100.000 Menschen erkranken jährlich neu an einem schnellenden Finger. Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten, besonders häufig entwickeln allerdings Menschen ab 50 Jahren einen Schnappfinger. Frauen sind etwa sechsmal häufiger betroffen als Männer.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist ein Schnappfinger?

Bei einem Schnappfinger handelt es sich um eine Erkrankung der Fingersehne, bei der Betroffene den Finger nur unter Kraftaufwendung bewegen können. Der Finger bleibt beim Bewegen kurzfristig in gebeugter Stellung hängen, bevor er dann plötzlich nach vorn springt.

Grundsätzlich kann ein Schnappfinger an allen Fingern auftreten, am häufigsten sind jedoch Ring- und Mittelfinger sowie Daumen betroffen. Bei Letzterem ist auch von einem schnellenden Daumen, Schnappdaumen oder springenden Daumen die Rede.

Ursachen und Risikofaktoren: Wie entsteht ein Schnappfinger?

Die Hand des Menschen besitzt eine ausgetüftelte Struktur. Für zahlreiche Bewegungen der Hand wie das Ballen der Faust oder vorsichtige Aufnehmen kleiner Gegenstände sind kräftige Beugesehnen verantwortlich. Die Sehnen verlaufen an der Unterseite des Unterarms durch den Karpaltunnel und ziehen sich bis zu den Fingerspitzen. Um ein reibungsloses Gleiten zu ermöglichen, sind die Beugesehnen mit einem Gewebe umhüllt, den Beugesehnenscheiden. Zudem sind die Sehnen mit ihrer Sehnenscheide durch sogenannte Ringbänder an den Fingerknochen befestigt.

Bei einem Schnappfinger schwillt das Sehnengleitgewebe infolge einer Entzündung an und es entsteht eine knotenartige Verdickung. Dies führt dazu, dass die Sehne vor dem Ringband verhakt. Erst durch stärkere Anstrengung rutscht die Sehne durch das Ringband und der Finger klappt plötzlich auf.

Illustration von Schnappfinger
© barks – stock.adobe.com

Risikofaktoren für einen Schnappfinger

Welche Ursachen genau für einen schnellenden Finger verantwortlich sind, ist bisher noch nicht bekannt. Folgende Faktoren können jedoch Entzündungen oder Verdickungen der Sehnen begünstigen:

  • Verletzungen an der Hand (z. B. Sehnenriss)
  • Chronische Überlastung der Hand
  • Entzündliche Gelenkerkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis)
  • Altersbedingter Gelenkverschleiß (z. B. Fingerarthrose)
  • Stoffwechselstörungen (wie Diabetes mellitus, Gicht)
  • Karpaltunnelsyndrom

Eine besondere Form ist der sogenannte Pollex flexus congenitus. Die Beugefehlstellung des Daumens ist angeboren und wird meist erst dann erkannt, wenn Kinder zu greifen anfangen.

Schnappfinger: Welche Symptome sind typisch?

Ein Schnappfinger entwickelt sich oftmals infolge einer Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis stenosans). Meist ist das Ringband A1 betroffen, das am Übergang von der Mittelhand zum Finger auf der Handinnenseite liegt. Aufgrund seiner Position ist es einer besonders großen mechanischen Belastung ausgesetzt.

Betroffene erkennen einen schnellenden Finger an folgenden Beschwerden:

  • Morgensteifigkeit des Fingers
  • Bildung tastbarer Knötchen im Fingergrundgelenk
  • Verhaken des Fingers bei der Beugung
  • Druckschmerzen
  • Spannungsgefühl in der Hand
  • Schwellung des Fingergelenks
  • Schmerzen bei Rückführung des Fingers in die Streckung

Der Schnappfinger kann mit der Zeit meist nur noch durch starke Kraftaufwendung oder mithilfe der anderen Hand gestreckt werden. Im fortgeschrittenen Stadium wird das Strecken des Fingers unmöglich (blockierter Finger).


Wie wird die Diagnose Schnappfinger gestellt?

Die Diagnose eines schnellenden Fingers beruht auf einer ausführlichen Schilderung der Beschwerden. Zudem untersucht der*die Arzt*Ärztin die Hand beispielsweise auf Schwellungen oder Verdickungen.

Kann der*die Patient*in das Schnappen des Fingers demonstrieren, sind in der Regel keine weiteren Untersuchungen notwendig. Bei Unklarheiten oder um andere Erkrankungen auszuschließen, können bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonografie), Röntgen oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) die Diagnose sichern.

Wie wird ein Schnappfinger behandelt?

In einigen Fällen kann ein Schnappfinger auch unbehandelt von allein wieder zurückgehen. Es gibt aber keine Studien darüber, wie häufig das der Fall ist. Tritt keine Besserung ein, stehen verschiedene konservative Behandlungsmethoden zur Linderung der Beschwerden zur Verfügung. Bleibt die Therapie ohne Erfolg, kommt eine Operation in Betracht.

Nicht-operative Behandlung eines Schnappfingers

Vor allem wenn der Schnappfinger erst weniger als drei Monate besteht, wird dieser zunächst mit konservativen Maßnahmen behandelt.

Infrage kommen etwa:

  • Entzündungshemmende Salben und Medikamente

  • Injektionen von Kortison am Klappfinger

  • Vorübergehende Ruhigstellung des Fingers mit einer Orthese

  • Behandlung mit einem therapeutischen Laser, der entzündungshemmend, schmerzlindernd und abschwellend wirkt

OP des Schnappfingers: Ringbandspaltung

Häufig wird ein schnellender Finger mit einer Operation behandelt. Diese gilt als risikoarm und kann unter lokaler Betäubung durchgeführt werden. Der*die Chirurg*in setzt einen kleinen Hautschnitt über dem betroffenen Ringband und durchtrennt es. Dadurch bleibt die verdickte Sehne bei Bewegungen nicht mehr am Ringband hängen und die Gleitfähigkeit der Fingerbeugesehne kann in über 90 Prozent der Fälle wiederhergestellt werden.

Etwa zwei Wochen nach dem chirurgischen Eingriff ist die Wundheilung abgeschlossen und die Fäden können entfernt werden. Bis die volle Beweglichkeit wieder vorhanden ist, kann es noch einige Wochen dauern.

Übungen nach Operation des schnellenden Fingers

Nach einer chirurgischen Therapie des Schnappfingers sollte dieser möglichst schnell wieder bewegt werden. Daher erhalten Patient*innen im Anschluss häufig eine Überweisung für eine Physiotherapie. Hier werden unter anderem folgende Dehnübungen angewandt, die Betroffene – nach ärztlicher Rücksprache – auch selbst durchführen können.

Einfache Fingerübungen für zu Hause:

  • Finger beider Hände ineinander verschränken und nach vorne ausstrecken.

  • Finger der betroffenen Hand in die andere legen und leicht nach oben ziehen.

  • Finger öffnen und schließen, beim Öffnen weit spreizen.

  • Einen Küchengummi um die Finger legen und Finger gegen die Spannung öffnen.

Diese sollten jeweils zehn Sekunden gehalten und mehrmals täglich wiederholt werden.

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Zusammenfassung


Symptome: Typische Beschwerden bei einem Schnappfinger sind Verhaken bei Beugung des Fingers, Druckschmerzen, Schwellungen, tastbare Knötchen und Morgensteifigkeit.

Ursachen: Ein Schnappfinger entsteht meist infolge einer Sehnenscheidenentzündung durch Über- oder Fehlbelastungen. Ebenso gelten Verletzungen der Hand, Gelenkerkrankungen oder Stoffwechselstörungen wie Diabetes als Risikofaktoren.

Diagnose: Ein schnellender Finger lässt sich meist durch ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung feststellen.

Therapie: Helfen keine konservativen Methoden (Ruhigstellung, entzündungshemmende Medikamente), ist eine Operation notwendig.

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