Häufigste Fehlbildung bei Babys

Hüftdysplasie: Symptome und welche Behandlung es gibt

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Eine Hüftdysplasie ist eine Fehlstellung des Hüftgelenks bei Neugeborenen, wodurch das Gelenk instabil wird. Auf welche Anzeichen Eltern achten sollten und welche Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen.

Übungen mit Baby, um Hüftdysplasie vorzubeugen
© Getty Images/SanyaSM

Die Hüftdysplasie gilt als häufigste angeborene Fehlbildung des Skeletts: Etwa vier Prozent der Babys sind betroffen, Mädchen öfter als Jungen. Meist liegt die Dysplasie nur an einer Seite vor. Andere Namen sind Hüftreifestörung, Hüftgelenksdysplasie oder Dysplasia coxae congenita. Unbehandelt wird aus der Hüftdysplasie eine Hüftluxation – die Verrenkung oder Ausrenkung des Hüftgelenks.

Artikelinhalte im Überblick:

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Ursachen und Risikofaktoren für eine Hüftdysplasie

Das Hüftgelenk verbindet die Beine mit dem Becken. Der kugelförmige Hüftkopf sitzt am oberen Ende des Oberschenkelknochens und liegt bei einem gesunden Gelenk in der Hüftpfanne, die zum Becken gehört. Mit jeder Bewegung der Beine gleitet der Hüftkopf in der Hüftgelenkspfanne, ohne sie dabei zu verlassen.

Bei Babys im Mutterleib besteht die Hüftpfanne jedoch noch aus weicherem Knorpel und kann sich durch verschiedene Einflüsse leicht verformen – zum Beispiel, wenn das Kind falsch liegt und der Hüftkopf stark gegen den Rand der Hüftpfanne drückt. Dann sitzt er nach der Geburt nicht richtig in der Pfanne: Das Baby hat eine Hüftdysplasie.

Bei einer Dysplasie spielen verschiedene Ursachen eine Rolle:

  • eingeengte Lage des Fötus im Mutterleib
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • ungünstige Lage des Babys (Beckenendlage)
  • genetische Disposition
  • Mangel an Fruchtwasservolumen (Oligohydramnion)
  • hormonelle Faktoren
  • Fehlbildungen der Wirbelsäule, Beine oder Füße
  • neurologische oder muskuläre Erkrankungen, zum Beispiel Spina bifida

Hüftdysplasie erkennen: Welche Symptome sind typisch?

Ein Baby mit Hüftdysplasie hat normalerweise keine Schmerzen und zeigt im Säuglingsalter auch sonst kaum Symptome. Dagegen können sich bei einer Hüftluxation mit der Zeit deutlichere Beschwerden entwickeln. Ein Bein wirkt dann kürzer als das andere. Zudem sehen die Hautfalten zwischen Beinen und Po des Kindes manchmal asymmetrisch aus. Beim Wickeln kann den Eltern auffallen, dass das Kind eines der Beine nicht richtig abspreizen kann.

Manchmal wird eine Hüftdysplasie von weiteren Symptomen begleitet, die sich ebenfalls bei einer "eingeklemmten" Lage des Kindes im Mutterleib entwickeln. Dazu gehören beispielsweise Verformungen der Füße, asymmetrische Schädelknochen oder ein Schiefhals.

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Diagnose bei Verdacht auf Hüftreifestörung

Je früher die Therapie beginnt, desto besser lässt sich die Form des Hüftgelenks noch beeinflussen. Deswegen gehört eine Ultraschalluntersuchung der Hüften in Deutschland zur Vorsorgeuntersuchung U3, die in der vierten bis sechsten Lebenswoche stattfindet. Auch eine Röntgenuntersuchung kann bei der Diagnose der Hüftdysplasie Klarheit bringen. Sie erfolgt jedoch meist erst bei älteren Säuglingen ab dem achten Lebensmonat.

Da eine Hüftreifestörung häufig auch eine erbliche Komponente als Ursache hat, erkundigt sich die*der Ärztin*Arzt zunächst in einem Gespräch danach, ob eventuell bei den Eltern oder Geschwistern eine Hüftgelenksdysplasie bekannt ist.

Im Anschluss wird die Stellung der Hüftgelenke untersucht. Der*die Kinderarzt*Kinderärztin kann die Stabilität der Hüfte testen, indem das Bein des Babys in einem bestimmten Ablauf nach oben und außen gedreht und nachgefühlt wird, ob der Hüftkopf dabei ein Stück weit aus der Hüftpfanne springt (Ortolani-Zeichen). Dieser Test wird inzwischen kontrovers diskutiert und sollte wegen der leichten Verletzungsgefahr von Babys nur einmalig durchgeführt werden.

Liegt das Baby auf dem Rücken, fällt bei einer Hüftreifestörung unter Umständen auf, dass das Neugeborene ein Bein weniger weit abspreizt als das andere Bein (Abspreizhemmung). Ob die beiden Querfalten unterhalb des Pos symmetrisch verlaufen, ist keine sichere Diagnostikmethode zum Zustand der Hüftgelenke. Eine Asymmetrie der Gesäßfalten kann ein Hinweis auf eine Hüftdysplasie sein. Verlaufen die Falten spiegelgleich, schließt dies umgekehrt jedoch eine Hüftreifestörung nicht aus.

Therapie zur Korrektur der Hüftdysplasie

In den meisten Fällen lässt sich eine Hüftdysplasie mit verschiedenen Maßnahmen wie bestimmten Wickeltechniken, Spreizhosen oder Schienen gut behandeln. Welche Therapie die*der Ärztin*Arzt bei einer Hüftdysplasie vorschlägt, hängt davon ab, wie ausgeprägt die Symptome sind. Bei leichten Formen ist oftmals keine spezielle Behandlung erforderlich und die Hüftgelenke reifen auch ohne Korrektur in eine gesunde Position aus.

In manchen Fällen wird empfohlen, das Baby in den ersten Lebenswochen breit zu wickeln. Durch diese Wickelmethode werden die Beine in eine breite Haltung gebracht. Auch wenn der Säugling häufig in einer "Hock-Spreiz-Stellung" getragen wird, kann dies die Ausbildung der Hüftgelenke positiv beeinflussen. Es gibt verschiedene Tragesysteme oder Tragetücher, mit deren Hilfe das Baby auf dem Bauch, der Hüfte oder dem Rücken getragen werden kann.

  • Orthopädische Hilfsmittel: Ist die Hüftdysplasie ausgeprägter, können zum Beispiel ein Spreizhöschen oder eine Hüftbeugeschiene verordnet werden. Auch sie dient dem Zweck, die Beine dauerhaft in einer abgewinkelten, gespreizten Stellung zu halten, was den Hüftkopf verstärkt in die Gelenkpfanne drückt und eine gesunde Ausformung der Hüftgelenke unterstützt. Dabei sollte das Baby die Spreizhose mindestens drei Monate tragen – in manchen Fällen ist auch ein längerer Zeitraum notwendig. Zusätzlich sind begleitende physiotherapeutische Maßnahmen hilfreich.

  • Gips: Bei schwerwiegenderen Formen der Hüftdysplasie erfolgt die Therapie mit speziellen Bandagen, Apparaten oder durch einen Gips. Diese Hilfsmittel kommen auch zum Einsatz, wenn der Hüftkopf bereits teilweise (Subluxation) oder vollständig (Luxation) aus der Hüftpfanne gerutscht ist.

  • Operation: In manchen Fällen ist die Hüftdysplasie so ausgeprägt, dass sie sich nicht durch konservative Maßnahmen beheben lässt. Dann ist eine operative Korrektur notwendig.

Operation bei Hüftdysplasie

Es stehen verschiedene Operationstechniken zur Verfügung, die abhängig vom Alter der Betroffenen und der Schwere der Hüftdysplasie zum Einsatz kommen. Die unterschiedlichen Operationen haben das gemeinsame Ziel, die Hüftpfanne in eine mechanisch günstige Position zum Hüftkopf zu bringen. Dazu durchtrennt der*die Chirurg*in den Hüftknochen an unterschiedlichen Stellen und fixiert die Knochenteile anschließend derart, dass die Hüftpfanne den Hüftkopf stabiler umschließt.

Folgende OP-Methoden kommen bei ausgeprägten Formen der Hüftdysplasie zum Einsatz:

  • Acetabulum-Plastik nach Pemberton: Bei diesem Verfahren wird die zu flache Hüftpfanne zu einer runderen Form ausgeformt. Dazu müssen bestimmte Stellen am Hüftknochen durchtrennt und neu zusammenfügt werden. Die OP kann bei Kindern im Alter zwischen zwei und sechs Jahren angewendet werden.

  • Salter-Osteotomie: Auch diese Methode hat zum Ziel, die Hüftpfanne so zu formen, dass sie den Hüftgelenkkopf besser überdacht. Ein Teil des Hüftknochens wird dabei durchtrennt und in eine neue Position gebracht. Die Operation eignet sich für Patient*innen zwischen dem dritten und achten Lebensjahr.

  • Dreifachosteotomie nach Tönnies: Die Operation erfolgt bei größeren Kindern, ab acht Jahren. Der*die Arzt*Ärztin durchtrennt bei dieser Technik den Beckenknochen an drei verschiedenen Stellen und positioniert die Knochenteile anschließend neu.

  • Osteotomie nach Ganz: Hier wird der Beckenknochen rund um die Hüftpfanne getrennt und der abgetrennte Knochenteil etwas abgesenkt. Dadurch ist der Hüftkopf von oben besser überdacht und sitzt stabiler in der Hüftpfanne. Spezielle Knochenschrauben fixieren den abgetrennten Knochenteil. Die Operation kann ab etwa 15 Jahren erfolgen.

Hüftdysplasie bei Erwachsenen

Eine frühzeitige Therapie ist unter anderem wichtig, weil durch eine Hüftdysplasie das Gelenk schneller verschleißt. Als Spätfolgen kann eine Gehbehinderung auftreten oder sich früh im Erwachsenenalter eine Arthrose entwickeln. Patient*innen mit Hüftarthrose durch die Dysplasie bekommen häufig Physiotherapie verschrieben, um Schmerzen zu lindern und beim Gehen weniger eingeschränkt zu sein. Funktionelles Training kann stabilisierende Muskeln stärken und für eine bessere Beweglichkeit sorgen.

Verlauf und Prognose der Hüftdysplasie

Bei einer Hüftdysplasie hängt der Verlauf in erster Linie von ihrem Schweregrad ab. In acht von zehn Fällen reichen frühzeitige konservative Behandlungsmethoden aus, um innerhalb der ersten beiden Lebensmonate eine Heilung zu erzielen. Die Chancen, dass sich die Hüftgelenke normal ausformen, sind dabei am größten, wenn die Therapie innerhalb des ersten Lebensjahrs erfolgt – idealerweise in der Zeit nach der Geburt.

Risiken von orthopädischen Hilfsmitteln und Operation

Manche orthopädischen Hilfsmittel üben einen relativ starken Druck auf den Hüftkopf aus. Dadurch besteht die Gefahr, dass der Knochen nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Hält die Durchblutungsstörung an, kann Knochengewebe absterben (Nekrose).

Eine Operation der Hüftdysplasie ist wie jeder chirurgische Eingriff mit gewissen Risiken verbunden. Bei Operationen einer Hüftdysplasie bestehen unter anderem folgende Risiken:

  • Verletzung des Ischiasnervs (N. ischiadicus)

  • Knochenheilungsstörungen

  • Wachstumsstörungen, wenn die Wachstumsfuge verletzt wurde

Bleibt eine Hüftdysplasie unbehandelt, kann das Hüftgelenk vorzeitig, das heißt bereits in jungen Jahren, verschleißen (Hüftgelenksarthrose).

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