Natürliche Medizin

Weihrauch und Myrrhe – uralte Naturmedizin

Seit Jahrtausenden nutzen die Menschen Weihrauch und Myrrhe als Arzneimittel in der Naturmedizin. Die unterschiedlichsten Krankheiten wurden damit behandelt. Heute sind die Wundermittel weitgehend in Vergessenheit geraten – außer in der Adventszeit.

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Weihrauch und Myrrhe sind uralte Naturmittel.
Getty Images/iStockphoto

Weihrauch als Geschenk verweist auf die Göttlichkeit des Beschenkten. Es gilt als Gottesduft mit geheimen Kräften, apotropäischer Wirkung und der Fähigkeit, Verbindung mit göttlichen Menschen herzustellen. Das Aufsteigen des Weihrauchs symbolisiert die Entfaltung der Gottheit - dem Menschen sinnlich erfahrbar. Weihrauch, das sakrale Symbol Gottes.

Die Zeichenhaftigkeit von Myrrhe basiert auf ihrer Bitterkeit, der Heilung körperlicher Leiden sowie ihrer Wirkung bei der Leichenkonservierung. In der Bibel steht die Myrrhe in Verbindung mit der menschlichen Natur und dem Leiden und Sterben Christi. Weihrauch und Myrrhe sind Harze. Weihrauch-Bäume und Myrrhe-Sträucher sind eng miteinander verwandt und gedeihen vor allem in Nordostafrika, auf der Arabischen Halbinsel und im Fernen Osten. Die alten Ägypter nannten die Harze "Tränen des Horus". Horus war der Gott der Sonne und des Mondes. Bereits 1500 v. Chr. beschrieben Priester die segensreichen Wirkungen der Harze bei der Behandlung von Wunden und Hautausschlägen. Anderthalb Jahrtausende später wurde in Rom Weihrauch zur Behandlung von Wunden und zur Stillung von Blutungen empfohlen. Im 16. Jahrhundert galten aus Weihrauch zubereitete Substanzen in England als probates Mittel gegen Magengeschwüre und Blutergüsse; indische Ärzte behandelten mit Weihrauch Rheumatismus, Chinesen Hautkrankheiten, darunter auch die Lepra.

Myrrhe war noch vielseitiger: Bei den Sumerern, vor 5.000 Jahren, wurde die Wirksamkeit einer Myrrhe-Tinktur gegen Zahn- bzw. Zahnfleisch- und Wurmkrankheiten beschrieben. Griechen und Römer waren überzeugt, dass Myrrhe gegen den Biss giftiger Schlangen helfe. Asiatische Heilkundige empfahlen vor ca. 1.000 Jahren Myrrhe gegen Husten und Brustbeschwerden, gegen Hautinfektionen und gegen gefährliche Pilzkrankheiten bei Kindern. Schon im frühen Mittelalter gelangten Rezepte für die Zubereitung von Myrrhe-Arzneien aus dem Nahen Osten nach England. Unter den Angelsachsen war Lepra eine häufige Krankheit und Wissenschaftler vermuten, dass Myrrhe-Tinkturen als Heilmittel dagegen eingesetzt wurden. Später wurde Myrrhe gegen Übelkeit und Durchfall, gegen Blutungen und zur Behandlung von Skorbut gebraucht. Im vergangenen Jahrhundert diente eine Mischung aus Myrrhe und Borax als "Zahnpasta".

In neuesten Forschungen wird die Wirkung von Weihrauch "H 15" bei Morbus-Crohn-Patienten getestet und auch Neurochirurgen wurden auf die Substanz aufmerksam. An der Uniklinik Gießen wurde "H 15" z. B. an Patienten mit aggressiven Hirntumoren erprobt. Bei der höchsten Dosierung soll sich das Ödem um ein Drittel zurückgebildet haben, auch bei der mittleren war noch eine Verringerung um ein gutes Zehntel messbar. Die operative Entfernung verkrebsten Gewebes gelang angeblich leichter, die Überlebenschancen der Patienten stiegen.

Ob nun Teufelswerk oder Gottes Geschenk - Weihrauch und Myrrhe scheinen zu vielerlei brauchbar - schon deshalb, weil die Zahl ihrer Bestandteile sehr groß ist. Biochemiker können noch nicht genau eingrenzen, welche der Substanzen in Weihrauch und Myrrhe den größten Effekt haben. So gesehen wissen wir heute auch nicht viel mehr als die Weisen aus dem Morgenland vor zwei Jahrtausenden.

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Letzte Aktualisierung: 09. August 2009

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