Medikament und Nahrungsergänzungsmittel

CBD Öl: Wirkt das freiverkäufliche Öl berauschend?

CBD Öl mit dem Wirkstoff Cannabidiol aus der Hanfpflanze soll entspannen und Schmerzen lindern. Welche Wirkung haben CBD Öle, kann der Verzehr gefährliche Nebenwirkungen verursachen und bei welchen Beschwerden können Produkte mit CBD hilfreich sein?

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CBD Öl ist umstritten – bei einigen Produkten ist die Qualität der Inhaltstoffe nicht gesichert.
© iStock.com/Tinnakorn Jorruang

Neben der Anwendung von Cannabis als Droge werden Wirkstoffe aus der Hanfpflanze auch in Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt, unter anderem in CBD Öl. Doch der Einsatz und die Qualität der Produkte sind umstritten. Was ist dran an den gehypten Ölen mit dem Wirkstoff Cannabidiol, kann es berauschend wirken und was sind die Unterschiede zu medizinischem CBD Öl, das es nur auf Rezept gibt?

Artikelinhalte im Überblick

Medizinisches Cannabis: Einsatzgebiete

Was ist CBD Öl?

CBD steht für Cannabidiol, einem Phytocannabinoid aus der weiblichen Hanfpflanze Cannabis (Cannabis Sativa L), das in der Pflanze überwiegend als Säure vorliegt. Hanfpflanzen bestehen aus über 100 verschiedenen Phytocannabinoiden, die bekanntesten sind THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD.

Bei THC handelt es sich um einen psychoaktiven, berauschenden Wirkstoff. CBD hingegen hat keine high machende Wirkung. Doch auch Cannabidiol passiert die Blut-Hirn-Schranke, dockt an die gleichen Rezeptoren an wie THC und kann Wahrnehmung und Verhalten beeinflussen.

Cannabidiolhaltiges Öl wird aus den Blüten und Blättern THC-armer und CBD-reicher Hanfpflanzen gewonnen. Die Basis für Nahrungsergänzungsmittel mit CBD ist meist ein Speiseöl (zum Beispiel Sesamöl oder Öl aus Hanfsamen – das übrigens kein Cannabidiol enthält). Produkte mit CBD Öl haben beispielsweise Konzentration an Cannabidiol von 2,5 Prozent, 5 Prozent, 10 Prozent oder 20 Prozent. Übrigens ist in jedem CBD Öl auch ein gewisser Anteil an THC enthalten, dieser darf allerdings einen Grenzwert von 0,2 Prozent nicht überschreiten.

Die rechtliche Lage für freiverkäufliche Produkte mit CBD Öl ist in Deutschland unklar. Cannabinoide wurden 2019 in den Novel-Food-Katalog der EU aufgenommen. In den Katalog sind Lebensmittel gelistet, die vor dem 15. Mai 1997 nicht in nennswertem Unfamg in der EU für den menschlichen Verzehr verwendet wurden. Produkte mit Cannabidiol gelten damit offiziell als neuartige Lebensmittel, deren Verzehr zunächst hinsichtlich gesundheitlicher Folgen bewertet werden muss, um verkehrsfähig zu sein.

Im Falle von Cannabinoiden wurde der Eintrag mit dem Zusatz versehen, dass Produkte mit dem Wirkstoff CBD immer dann zu den neuartigen Lebensmitteln zählen, wenn Cannabinoide speziell angereichert wurden oder deren Konzentration im Produkt verringert wurde, also wenn mit isolierten Extrakten gearbeitet wird.

Als Folge der Deklarierung als neuartiges Lebensmittel verschwanden CBD-Produkte aus den Regalen von Drogeriemärkten und die Polizei beschlagnahmte zahlreiche Produkte in stationären Verkaufsstellen wie Hanfläden. Auch verwaltungsgerichtlich wurde 2019 in zwei Eilverfahren das Vertriebsverbot für Nahrungsergänzungsmittel mit CBD ausgesprochen.

Nach den Bestimmungen der Novel-Food-Verordnung ist also der Verkauf von Cannabisextrakten mit Cannabinoiden eine Straftat. Hersteller von CBD Produkten müssen die Unbedenklichkeit für den menschlichen Verzehr theoretisch prüfen lassen. Aufgrund der immensen Kosten eines solchen Verfahrens und der gesetzlichen Grauzone werden CBD Öle vor allem im Internet – und zwar teilweise ohne genaue Informationen zum Produkt – gehandelt.

CBD Öl als Medikament und Nahrungsergänzungsmittel

CBD Öl ist nicht gleich CBD Öl. Eine wichtige Unterscheidung ist zu machen zwischen CBD Öl als Medikament, das es nur auf Rezept gibt, und freiverkäuflichem CBD Öl als Nahrungsergänzungsmittel.

CBD Öl als Medikament

Die Unterschiede beginnen bereits bei der Herstellung. Die Ursprungspflanze ist in beiden Fällen zwar dieselbe, doch deren Anbau für CBD Öl als Medikament unterliegt streng kontrollierten Bedingungen. Diese garantieren die Kontrolle über die Qualität und Konzentrationen der Inhaltstoffe. Die Tagesdosen bei medikamentösem CBD Öl unterscheiden sich außerdem bis über das 100-fache von denen eines freiverkäuflichen CBD Öls.

Das Wichtigste zum medizinischen Einsatz von Cannabis lesen Sie in diesem Artikel.

Freiverkäufliches CBD Öl kaufen

CBD Öl als Nahrungsergänzungsmittel gibt es von zahlreichen Herstellern online, in Bio-Läden und Hanfläden sowie in der Apotheke für Personen ab 18 Jahren zu kaufen. Bei den freiverkäuflichen CBD Ölen sind die Qualität der Produkte, die Inhaltstoffe und deren Konzentrationen schwankend, weil die Produkte als Nahrungsergänzungsmittel nicht so stark kontrolliert sind wie Medikamente. Oft fehlen Angaben zu der genauen Zusammensetzung des Cannabinoidprofils sowie Verzehrempfehlungen. Sind die Inhaltstoffe und deren Konzentrationen angegeben, stimmen sie zudem oft nicht mit denen im Produkt überein.

Auch ist ohne Kontrolle nicht definitv ausgeschlossen, dass sich unerwünschte Substanzen, etwa Pestizide, darin befinden. Es gibt unabhängige Gütesiegel, die die Qualität eines Öls garantieren. Hersteller sind allerdings nicht verpflichtet, eine solche Qualitätskontrolle durchführen zu lassen und tragen die hohen Kosten selbst.

Anwendungsbereiche von CBD Öl

Studien geben erste Hinweise darauf, dass Cannabidiol, vor allem im Falle von hochdosiertem medizinischem CBD Öl, bei zahlreichen Beschwerden einen positiven Einfluss haben kann, die durch verschiedene Erkrankungen auftreten können, darunter:

Wirkung von CBD Öl

Insgesamt sind die Wirkung von Cannabidiol und deren langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit bislang nicht gut erforscht. Die Basis für die Wirkung von Cannabidiol im menschlichen Körper liegt im Endocannabinoidsystem. Das Endocannabinoidsystem ist für das normale Funktionieren vieler Körperfunktionen mitverantwortlich und reguliert die Wirkung körpereigener Botenstoffe. Es stellt in nahezu allen Körpergeweben selbst Endocannabinoide her, die an verschiedenen Cannabinoidrezeptoren andocken und wichtige Stoffwechselvorgänge regulieren.


Wenn Endocannabinoide beispielsweise Cannabinoid-1-Rezeptoren aktivieren, werden Signalweiterleitungen im Gehirn ins Gleichgewicht gebracht. Es schützt damit unter anderem vor Zuständen der Übererregung im zentralen Nervensystem.

Und Cannabinoid-2-Rezeptoren haben vorrangig wichtige Funktionen für das Immunsystem.

Aufgrund der ähnlichen Strukturen können auch Cannabinoide aus der Hanfpflanze an diesen Rezeptoren binden und unterdrückend oder aktivierend auf Signalweiterleitungen wirken. Erste Studienergebnisse geben Hinweise darauf, dass Cannabidiol

  • entkrampfend,
  • entzündungshemmend und
  • schmerzlindernd wirkt.

Verschiedene Studien untersuchten auch den Einfluss von Cannabidiol bei gleichzeitiger Einnahme von THC. Die Ergebnisse zeigen, dass Cannabidiol in niedrigen Dosen die berauschende Wirkung von THC unterdrücken und hingegen in sehr hohen Dosierungen verstärken kann.

Wie schnell und lange wirkt CBD Öl?

Bei oraler Einnahme ist nach etwa zwanzig Minuten bis zwei Stunden mit einem Wirkeintritt zu rechnen. Eine Rolle spielen dabei auch das Körpergewicht sowie gleichzeitig zugeführte Nahrung. Es kann bis zu fünf Tage dauern, bis CBD vom Körper vollständig abgebaut ist.

Nebenwirkungen von CBD Öl

In der Regel wird sowohl CBD Öl in Form eines Nahrungsergänzungsmittels als auch CBD Öl als Medikament gut vertragen.

Die U.S. amerikanische Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration), warnte in diesem Jahr allerdings davor, dass Cannabidiol das Potenzial hätte zu schaden – auch, bevor Anwender dies selbst bemerken. Gegenstand der Untersuchungen war das auch in Europa zugelassene Arzneimittel Epidiolex, das bei schweren, therapieresistenten Formen der Epilepsie Anwendung findet. Die Behörde warnt bei hohen Dosen vor folgenden Risiken:

  • Leberschäden

  • erhöhtes Risiko für Sedierung bei gleichzeitiger Einnahme von Alkohol und anderen Drogen, die auf das zentrale Nervensystem einwirken

  • Beeinflussung der Verstoffwechselung anderer Drogen mit ernsten Nebenwirkungen

  • Durchfall

  • Verminderung des Appetits

  • Unruhe und Reizbarkeit

  • Schläfrigkeit

CBD Öl einnehmen: Anwendung und Dosierung

CBD Öl sollte immer entsprechend der Dosierungsanweisung eingenommen werden, die je nach Produkt unterschiedlich ist. Am besten wird der Wirkstoff über die Mundschleimhaut aufgenommen. Die Tropfen können direkt unter die Zunge gegeben werden und sollten dort für etwa eine bis zwei Minuten behalten werden, bevor wieder geschluckt wird.

Neben CBD Öl in Form von Tropfen gibt es auch CBD Kapseln zum Schlucken. Der Vorteil von CBD Kapseln liegt für viele Anwender in der Darreichungsform. Ein Nachteil ist allerdings, dass Cannabidiol von der Mundschleimhaut besser und schneller aufgenommen werden kann als vom Magen. Ein voller Magen verzögert die Aufnahme zusätzlich.

Auf CBD Ölen und anderen Hanfprodukten mit Cannabidiol angegebene Tagesdosen sollten keinesfalls ohne ärztliche Abklärung überschritten werden, da Wechselwirkungen mit anderen Stoffen möglich sind und jeder anders auf die Wirkstoffe THC und Cannabidiol reagiert.

Experten raten dazu, nur CBD Öle zu kaufen, die eine Zertifizierung besitzen. Auch, wenn diese in der Regel teurer sind. Abstand nehmen sollten Verbraucher in jedem Fall von CBD Ölen, die keine Inhaltsstoffe und Dosierempfehlungen ausweisen.

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