Darmspiegelung und Test auf okkultes Blut

Diagnose von Darmkrebs: So untersucht der Arzt

Die wichtigste Untersuchung bei Verdacht auf Darmkrebs und zur Vorsorge ist die Darmspiegelung, bei der Veränderungen im gesamten Dickdarm aufgespürt werden können.

Älterer Mann lächelt Arzt an
Mit steigendem Alter nimmt das Darmkrebsrisiko zu, weshalb eine Koloskopie, wie die Darmspiegelung fachsprachlich heißt, dringend anzuraten ist.
Getty Images/Hemera

Der erste wichtige Schritt bei der Diagnose von Darmkrebs wie auch bei einer Vorsorgeuntersuchung ist ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt (Anamnese). Wichtig sind dabei bereits vorhandene Beschwerden, aber auch Informationen darüber, ob in der Familie bereits Fälle von Darmkrebs aufgetreten sind, um ein mögliches familiäres Risiko für die Erkrankung abschätzen zu können.

Danach schließen sich eine Reihe von Untersuchungen an:

  • Tastuntersuchung des Enddarms

  • Laboruntersuchungen, vor allem der Okkult-Bluttest

  • Rektoskopie, Darmspiegelung, Darm-CT und oder Kernspintomographie (auch Magnetresonanztomographie, MRT)

Während der Tastuntersuchung nicht verkrampfen

Ein Teil der Darmtumoren kann durch eine Tastuntersuchung des Enddarms (digitale rektale Untersuchung) entdeckt werden. Dabei tastet der Arzt mit dem Finger den Enddarm über den After ab und kann so Schleimhautvorwölbungen (Polypen) oder Tumoren erfühlen. Manche Patienten mögen dies als peinlich empfinden. Doch für den Arzt ist das reine Routine. Je weniger der Patient verkrampft, desto schneller wird er sie erledigen können. Ist der Beckenboden entspannt, bereitet die Untersuchung normalerweise keine Schmerzen. Während des Austastens trägt der Arzt einen dünnen, eingefetteten Handschuh.

Die Bauchdecke tastet der Arzt ebenfalls ab: Sollten sich im vorderen Darmbereich Tumore befinden, kann er sie auf diese Weise manchmal spüren. Mithilfe des Stethoskops stellt er zudem fest, ob die Darmgeräusche normal klingen oder Hinweis auf eine Erkrankung geben.

Hämocculttest

Ob Blut im Stuhl vorhanden ist, kann mit dem sogenannten Hämocculttest (oder Okkultbluttest) herausgefunden werden. Bei einer Laboruntersuchung des Stuhls wird dabei auch für das bloße Auge unsichtbares Blut entdeckt. Für den Test auf verstecktes (okkultes) Blut muss der Patient ein wenig Stuhl auf eine kleine Pappkarte streichen. Am besten holt er sich das Testbriefchen schon vor der Untersuchung und bringt es zum Arzttermin mit. Macht er den Test erst nach der Untersuchung, wird erfahrungsgemäß leicht versäumt, ihn abzugeben.

In der Blutuntersuchung wird auch nach besonderen Tumormarkern gesucht. Tumormarker sind spezielle Substanzen, die von einigen Krebsarten gebildet und vermehrt ins Blut abgegeben werden. Eine Erhöhung ihrer Werte muss jedoch nicht auf bestimmte Krebsarten hinweisen.

Ermittlung des Krankheitsstadiums

Liegt eine Krebserkrankung vor, muss geklärt werden, in welchem Stadium sich der Tumor befindet. Für Ärzte ist diese Frage nicht nur zentral, um die Heilungschancen zu beurteilen. Die Stadieneinteilung hilft ihnen auch, die Behandlung zu planen: Sie entscheidet darüber, ob bei dem Darmkrebspatienten eine Operation, eine konventionelle Bestrahlung oder eine Chemotherapie am besten geeignet ist. Oft kombinieren Ärzte die unterschiedlichen Therapieformen.

Mediziner unterscheiden sechs verschiedene Darmkrebs-Stadien:

  • Stadium 0 oder Carcinoma in situ: Dieses Stadium ist ein Frühstadium. Der Krebs wird nur in der oberflächlichen Schleimhaut des Dickdarms festgestellt.

  • Stadium 1: Der Krebs ist nicht mehr nur auf die oberste Schleimhaut begrenzt, sondern hat sich auf die tieferliegende zweite und dritte Schicht der Darmwand sowie die umgebende Muskelschicht des Darms ausgebreitet. Allerdings sind keine Krebszellen in der zum Bauchraum gelegenen Wand oder außerhalb des Dickdarms festzustellen.

  • Stadium 2: Der Krebs breitet sich auf das umliegende Gewebe aus, hat allerdings noch keine Lymphknoten befallen.

  • Stadium 3: Infiltration der benachbarten Lymphknoten, aber sonst keine weitere Ausbreitung auf andere Körperregionen.

  • Stadium 4: In anderen Körperregionen und Organen werden Metastasen gefunden.

  • Rezidiv: Nach Abschluss einer Behandlung tritt der Darmkrebs wieder auf oder erscheint als Organmetastase in einer anderen Körperregion. Oft werden Metastasen in der Leber oder der Lunge gefunden.

Die Eigenschaften eines Darmtumors lassen sich erst nach der Darmspiegelung mit Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) oder nach einer Operation bewerten. Denn der Pathologe muss den betroffenen Darmabschnitt sowie die ihn umgebenden Lymphkoten dafür unter dem Mikroskop untersuchen.

Wichtigste Untersuchung ist die Darmspiegelung

Die aussagekräftigste Untersuchung bei Verdacht auf Darmkrebs, aber auch als Vorsorgemaßnahme ist die Darmspiegelung oder Koloskopie. Dabei führt der Arzt einen biegsamen, etwa 1,5 Meter langen Schlauch (Endoskop) über den After in den Darm ein. An der Spitze des Schlauchs befindet sich eine kleine Kamera, die Bilder aus dem Inneren des Darms liefert. So kann die Schleimhaut des gesamten Dickdarms beurteilt werden. Werden dabei Darmpolypen entdeckt, können diese mithilfe eines Zusatzinstruments direkt entfernt werden. Aus verdächtigen Veränderungen können Gewebeproben entnommen werden, die anschließend im Labor auf mögliche Krebszellen untersucht werden. Die Darmspiegelung, Biopsie und Entnahme von Polypen sind in der Regel schmerzlos.

Allerdings ist die Untersuchung für den Patienten verhältnismäßig aufwendig: Einen Tag zuvor muss er vier Liter Abführlösung trinken, bis der Darm nur noch klare Flüssigkeit ausscheidet. Die intensive Darmreinigung ist notwendig, damit der Arzt den Darm ungestört betrachten kann und sich keine Stuhlreste vor das Endoskop schieben.

Häufig erhalten die Patienten vor der Koloskopie ein Beruhigungsmittel, sodass sie sich hinterher am besten noch ein wenig in einem Ruheraum der Praxis ausruhen. Es ist zudem ratsam, sich abholen zu lassen, denn leichtes Schwanken ist durchaus möglich. Autofahren ist daher tabu.

Als Alternative zur herkömmlichen Darmspiegelung mit einem Endoskop gibt es die Kapselkoloskopie oder Kapselendoskopie. Dabei schluckt der Patient eine etwa 25 Millimeter lange und 11 Millimeter dicke Kapsel, die mit Video- und Sendetechnik ausgestattet ist. Die Kapselkoloskopie eignet sich für Patienten, bei denen eine endoskopische Untersuchung des Dickdarms wegen möglicher Blutungen zu riskant ist.

Ausführliche Informationen zur Darmspiegelung mit Endoskop und zur Kapselendoskopie finden Sie im Lexikon Untersuchungen.

Darm-CT als Alternative zur Koloskopie

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Die Koloskopie ist mit einigen Risiken verbunden. Möglich sind – wenn auch nur in sehr seltenen Fällen – Blutungen, Verletzungen der Darmschleimhaut und ein Durchstoßen (Perforation) der Darmwand. Diese Komplikationen treten während der "virtuellen Darmspiegelung" oder "Darm-CT" so gut wie nicht auf, da der Darm nicht angerührt wird. Der Patient benötigt kein Beruhigungsmittel, er kann nach der Untersuchung sofort nach Hause gehen.

Ausführliche Informationen zur virtuellen Darmspiegelung finden Sie im Lexikon der Untersuchungen unter "Computertomographie (CT)".

Die virtuelle Koloskopie ist jedoch nicht so zuverlässig wie eine klassische Darmspiegelung per Endoskop, da durch die Darm-CT entzündliche Bereiche und kleine Polypen nicht so gut erkannt werden. Werden Polypen entdeckt, müssen diese in einem separaten Eingriff entfernt werden.

Genauso wie vor einer normalen Darmspiegelung ist es auch bei der virtuellen Koloskopie notwendig, den Darm vorab zu reinigen, um die Sicht auf die Darmwand zu ermöglichen. Die virtuelle Koloskopie wird nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Die Röntgenuntersuchung des Darms mit Kontrasteinlauf, die in den 70er Jahren noch üblich war, gilt heute als überholt: Sie wurde weitgehend durch die Koloskopie abgelöst.

Weitere Untersuchungen nach Darmkrebs-Befund

Liegt nach den ersten Befunden tatsächlich eine bösartige Geschwulst vor, so klärt der Arzt durch zusätzliche Untersuchungen, ob diese bereits die Lymphknoten in ihrer Umgebung befallen hat oder sogar Tochtergeschwülste in anderen Organen bildet:

  • Mit der Ultraschalluntersuchung, die schmerzfrei und ohne Strahlenbelastung abläuft, lassen sich Tochtergeschwülste in der Leber als auch Lymphknotenvergrößerungen in der Bauchhöhle nachweisen.

  • Computertomographische Aufnahmen der Bauchhöhle können weitere Ergebnisse liefern.

  • Zum Nachweis oder Ausschluss von Tochtergeschwülsten in der Lunge wird der Brustkorb geröntgt.

Zwölf Fakten zum Darmkrebs

 

Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. Juni 2016
Durch: es
Quellen: Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Onlineinformationen zu Darmkrebs: Informationen für Patienten, Angehörige und Interessierte, Stand: April 2016, abgerufen Juni 2016; S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): Kolorektales Karzinom. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021 - 007OL; Online-Informationen der Deutschen Krebshilfe: http://www.krebshilfe.de Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut, http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_node.html, abgerufen 02/2014

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