Stoma: Leben mit künstlichem Darmausgang

Ein Stoma ist eine operativ geschaffene Verbindung zwischen dem Darm und der Bauchdecke. Es ermöglicht die Ausscheidung von Stuhl in einen am Bauch angebrachten Beutel, wenn der normale Stuhlgang aufgrund einer Erkrankung oder Operation nicht mehr möglich ist. Wann wird ein Stoma angelegt?

Junge Frau mit Stoma betrachtet sich im Spiegel
© Getty Images/Sheila Alonso

Kurzübersicht: Stoma

Definition: Ein Stoma ist eine operativ angelegte Verbindung zwischen Darm und Bauchdecke, die der Ausscheidung von Stuhl in einen Stomabeutel dient.

Ursache: Ein Stoma wird angelegt, wenn der Schließmuskel entfernt oder ein Darmabschnitt nach einer OP oder wegen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung geschont werden muss.

Versorgung: Spezielle geruchs- und wasserdichte Stomabeutel werden auf der Bauchdecke angebracht und fangen den abgehenden Stuhl auf. Sie müssen regelmäßig geleert und/oder gewechselt werden. Gute Stomapflege ist daher unerlässlich.

Alltag und Ernährung: Mit einem Stoma ist ein normaler Alltag möglich, lediglich beim Sport und bei der Ernährung sind einige Anpassungen erforderlich.

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Was ist ein Stoma?

Stoma ist das griechische Wort für "Mund, Öffnung" und bezeichnet eine in einer Operation angelegte Verbindung zwischen einem Hohlorgan und der Körperoberfläche. Befindet sich diese Verbindung zwischen dem Darm und der Bauchdecke, spricht man von einem Enterostoma (auch künstlicher Darmausgang oder Anus praeter genannt). Als Kurzform hat sich der Begriff "Stoma" durchgesetzt.

Je nachdem, welcher Darmabschnitt mit der Bauchdecke verbunden wird, unterscheiden Fachleute zwei Stomaarten:

  • Bei einem Ileostoma wird eine künstliche Öffnung des Dünndarms geschaffen.

  • Ein Kolostoma wird im Bereich des Dickdarms angelegt und ist deutlich häufiger als ein Ileostoma.

Zudem gibt es Gastrostoma (künstlicher Ausgang des Magens) und Urostoma (künstlicher Blasenausgang).

In Deutschland leben circa 150.000 Menschen mit einem künstlichen Darmausgang. Sie werden Stomaträger*innen genannt.

Wie sieht ein Stoma aus und wie wird es versorgt?

Bei einem Stoma ragt ein kleines Stück des Darmes aus dem Körper heraus. Da es sich um die Schleimhaut des Darmes handelt, ist ein Stoma rot und feucht und verfügt über keinerlei Schmerzempfinden. Idealerweise befindet es sich ein wenig über Hautniveau, damit der Stuhl in den angebrachten Beutel abgehen kann, ohne die umgebende Haut zu reizen.

Da der künstliche Darmausgang keinen Schließmuskel hat, geht der Stuhl unkontrolliert über die künstlich geschaffene Öffnung ab. Aufgefangen wird er über einen geruchsdichten Spezialbeutel, der mithilfe einer Haftfläche (Basisplatte) an der Haut angebracht wird und regelmäßig ausgeleert oder gewechselt werden muss. Im Krankenhaus gibt es speziell ausgebildete Mitarbeitende, die Betroffene nach der Operation im Umgang mit dem Stoma und der Stomaversorgung schulen.

Anlage des Stomas

Die Operation zur Schaffung eines künstlichen Darmausgangs wird Stomaanlage genannt. Bei einer Stomaanlage wird ein kleines Stück des Darms durch einen zwei bis drei Zentimeter langen Schnitt der Bauchdecke gezogen und mit der umgebenden Haut vernäht (damit es nicht wieder in die Bauchhöhle zurückrutscht). Je nachdem, ob das Stoma dauerhaft oder vorübergehend angelegt wird, werden unterschiedliche Formen des künstlichen Darmausgangs angelegt:

  • endständiges Stoma: Hierbei wird der Darm komplett durchtrennt. Das obere Ende wird durch die Haut nach außen geführt, das untere Ende wird verschlossen und verbleibt im Bauchraum oder wird komplett entfernt. Ein endständiges Stoma wird meist angelegt, weil der darunterliegende Darmteil so stark erkrankt ist, dass er entfernt oder dauerhaft geschont werden muss.

  • doppelläufiges Stoma: Es wird vorübergehend angelegt, um den darunterliegenden Darmteil (beispielsweise nach einer Operation) zu schützen, indem der Stuhl über die Bauchdecke abgeleitet wird. Dabei wird eine Schlinge des Darms durch die Bauchwand gezogen, an der Vorderseite eingeschnitten und mit der Bauchdecke vernäht. So entsteht ein Stoma mit zwei Öffnungen, die nach einiger Zeit wieder miteinander verbunden und in den Bauch zurückverlegt werden können.

Wann und warum wird ein Stoma angelegt?

Der häufigste Grund für die Anlage eines künstlichen Darmausgangs ist Darmkrebs. Wenn der letzte Abschnitt des Dickdarms, der Mastdarm, davon betroffen ist, ist der Tumor oft auch in den Schließmuskel eingewachsen. Dann muss im Rahmen der Tumorentfernung auch der Schließmuskel entfernt werden, eine kontrollierte Ausscheidung von Stuhl ist danach nicht mehr möglich.

Auch bei stark ausgeprägten entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Divertikulitis) wird manchmal die Anlage eines Stomas erforderlich. Ein künstlicher Darmausgang wird beispielsweise angelegt, wenn

  • ein bestimmter Darmabschnitt so stark entzündet ist, dass ihm Ruhe zur Heilung gegeben werden soll. In diesem Fall wird das Stoma oberhalb des entsprechenden Darmabschnittes angelegt, um den Stuhl an den entzündeten Stellen vorbeizuleiten.

  • ein stark entzündeter Darmabschnitt operativ entfernt werden muss. Dann wird oberhalb der Operationsstelle ein Stoma angelegt, damit die Darmnähte ausheilen können, ohne dass Stuhl an der kritischen Stelle vorbeifließt und die Naht möglicherweise undicht wird.

  • der Leidensdruck aufgrund von Schmerzen und Durchfällen so groß wird, dass große Teile des Dickdarms oder sogar der komplette Dickdarm entfernt werden und ein dauerhaftes Stoma angelegt wird.

In seltenen Fällen können auch Analfisteln die Anlage eines Stomas erforderlich machen. Analfisteln sind unnatürliche Gänge, die sich zwischen dem Analkanal und der Hautoberfläche bilden und oft mit eitrigen Abszessen in der Analregion einhergehen. Wenn diese Fisteln operativ entfernt werden, ist während der Heilungsphase manchmal ein künstlicher Darmausgang nötig.

Mögliche Komplikationen bei einem Stoma

Die Versorgung des Stomas und die Auswahl der richtigen Stomabeutel bedarf großer Sorgfalt – andernfalls kann es zu mechanischen Reizungen der Haut, allergischen Reaktionen auf das Beutelmaterial oder Pilzinfektionen kommen. Manchmal kommt es zu einem Bauchdeckenbruch neben dem Stoma (parastomale Hernie), der gegebenenfalls eine weitere Operation erforderlich macht.

Auch ein Stomaprolaps oder eine Stomastenose sind möglich: Bei einem Prolaps schiebt der Darm sich durch das Stoma nach außen, bei einer Stenose verengt das Stoma sich bis hin zu einem Verschluss. Bei Menschen mit einem Ileostoma droht das Risiko der Austrocknung (Dehydratation), weil sie sehr viel Flüssigkeit über den Stuhl verlieren.

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Ernährung mit einem Stoma

Die meisten Menschen mit einem Stoma können normal essen und trinken. In den Wochen nach der Operation ist der Darm oft zunächst ein wenig empfindlich, das legt sich aber nach einiger Zeit. Je nachdem, ob der Stuhl zu dick- oder zu dünnflüssig ist, kann mit stopfenden oder abführend wirkenden Lebensmitteln gegengesteuert werden.

Da das Stoma bei Luftabgängen unkontrollierbare Geräusche macht, verzichten viele Stomaträger*innen auf blähende Lebensmittel. Damit das Stoma nicht verstopft, empfiehlt sich der Verzicht auf stark faserhaltige Lebensmittel (wie Spargel), grundsätzlich sollte immer gut gekaut werden.

Menschen mit Ileostoma sollten besonders auf ihren Flüssigkeitshaushalt achten: Da bei ihnen der Dickdarm außer Kraft gesetzt ist (welcher dem Stuhl Flüssigkeit entzieht), haben sie oft sehr dünnflüssigen Stuhl – hier droht die Gefahr der Austrocknung.

Alltag mit einem Stoma

Mit einer guten Stomapflege ist ein nahezu unbeschwertes Leben möglich, es gibt auch verschiedene Hilfsmittel wie Beutel, Kappen oder Hautschutz zur Versorgung. Viele Patient*innen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen empfinden es sogar als große Erleichterung, nach der Stomaanlage nicht mehr ständig durch massive Durchfälle eingeschränkt zu werden. Mit den unter der Kleidung unsichtbaren Stomabeuteln können sie wieder arbeiten, reisen und Sport machen. Lediglich das Heben schwerer Gegenstände sowie eine starke Beanspruchung der Bauchmuskulatur sollten vermieden werden, um keinen Bauchdeckenbruch zu provozieren.

Auch das Baden, Schwimmen und Saunieren ist mit Stomabeuteln möglich, da diese wasser- und geruchsdicht mit der Haut verbunden sind. Sogar eine Schwangerschaft ist mit künstlichem Darmausgang möglich, gilt aber als Risikoschwangerschaft und sollte besonders intensiv ärztlich betreut werden.

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