Trauer-Ritual

Trauerweg – ein Besuch im Lebensgarten

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Friedhöfe sind für Viele ein wichtiger Ort der Trauer.
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„Friedhöfe sind vor allem Orte der Lebenden“ – gemäß diesem Leitgedanken entstand auf dem Karlsruher Hauptfriedhof einer Trauerweg mit Anlagen und Orten, an denen trauernde Menschen einen Platz für ihre Gefühle und Gedanken finden.

Der "symbolische Trauerweg" in Karlsruhe trägt dazu bei, dass die Besucher spüren können: „Ich bin in meiner Trauer nicht allein.“

Trauer – erfahrbar in vielen Dimensionen

Viele Trauernde sind nach dem Tod eines geliebten Menschen auf der Suche. Unruhe und Rastlosigkeit prägen diese Zeit – man weiß nicht so recht, wohin. Und nicht immer ist das Grab das, was man sucht. In Karlsruhe hat man mit dem Lebensgarten einen Ort geschaffen, an dem sich Trauernde und Nichtbetroffene sehr konkret und gleichzeitig geschützt auf den Themenkreis „Sterben, Tod und Trauer“ einlassen können. In 14 Stationen führt der symbolische Trauerweg im Lebensgarten von der Zeit, als „noch alles in Ordnung“ war, über den Schock des Todes in die Zeit der inneren und äußeren Auseinandersetzung mit vielen Gefühlen und Gedanken, um sich dann zunehmend mit der Gestaltung des eigenen weiteren Lebensweges zu befassen.

Die Texte von Barbara Kieferle-Stotz, die den Garten auch konzipierte, und die Symbole von Holzbildhauermeister Lothar Rumold, die thematisch zur inneren Auseinandersetzung anregen, und ein Bodenuntergrund, der die Symbolik unterstützt, begleiten Trauernde auf ihrem Trauerweg durch den Lebensgarten. Eine akzentuierte Bepflanzung versinnbildlicht durch den jahreszeitlichen Zyklus die Kraft des Lebens und den Schmerz des Vergehens. Am Ende mündet der Trauerweg in einen Platz, an dem durch Bänke zur Ruhe, zur Diskussion nach Gruppenführungen und auch zu kleinen Konzerten – zum Leben – eingeladen werden kann.

Trauerweg und Lebensgarten: Ein geschützter Ort für alle

Der „Lebensgarten“ wurde für Menschen in Trauer, für deren Angehörige, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen, Mitschüler geschaffen, aber auch für Nichtbetroffene, die sich in einem geschützten Rahmen dem Themenkreis „Sterben, Tod und Trauer“ nähern möchten. Besonders trauernden Jugendlichen fällt es "draußen" im Lebensgarten etwas leichter, ihre Gefühle und Gedanken auszudrücken.

Trauernde Besucher können den Lebensgarten als Ort der Bestätigung erleben, aber auch als Ort, der einlädt, sich mit heiklen, tabuisierten Themen zu beschäftigen, zum Beispiel mit der Wut oder mit Schuldgefühlen: Themen, die nicht jeder Mensch am Grab zulassen kann oder möchte. Der Trauerweg durch den Lebensgarten schafft eine nachahmenswerte Möglichkeit, sich in einen trauernden Menschen einzufühlen, dessen Verhalten besser nachvollziehen zu können und Berührungsängste in der Begegnung mit Trauernden abzubauen.

Autor: Redaktion Heilberufe
Letzte Aktualisierung: 27. Oktober 2009
Quellen: Nach Informationen des Vereins zur Pflege der Friedhofs- und Bestattungskultur Karlsruhe

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