Überprüfung von Babys Wohlbefinden

CTG: Wehen und Herzfrequenz des Babys erkennen

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Das CTG gehört in der Schwangerschaft zu den wichtigsten Untersuchungsmethoden. Denn es liefert Informationen über die Sauerstoffversorgung des Babys im Mutterleib. Ab wann es durchgeführt wird und was die Werte aussagen.

CTG: Wehen und Herzfrequenz des Babys erkennen
© Getty Images/Topalov

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist ein CTG?

Die häufig verwendete Abkürzung CTG steht für Kardiotokografie oder Kardiotokogramm. Die Kardiotokografie ist das Verfahren, bei dem die Herzfrequenz (Abkürzung FHF = fetale Herzfrequenz) des Babys gemessen wird. Das CTG registriert außerdem die Wehentätigkeit und wird deshalb umgangssprachlich auch Wehenschreiber genannt. Die aufgezeichnete Kurve ist das Kardiotokogramm. Sie wird entweder auf Papier ausgedruckt oder als digitale Dokumentation abgespeichert. Erfunden wurde das CTG in den 60er-Jahren von dem Mediziner Konrad Hammacher.

Mithilfe des CTGs kann festgestellt werden, ob das Baby ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist. Es liefert also Hinweise darauf, ob es dem Ungeborenen gut geht. Die parallele Aufzeichnung der Wehen ist hilfreich, um Herzfrequenz-Veränderungen des Babys zu erkennen, die in Bezug auf die Wehen auftauchen.

Wie wird ein CTG durchgeführt?

Für das CTG wird der Schwangeren ein Bauchgurt angelegt, an dem zwei Sonden befestigt sind:

  • Druckaufnehmer: Er dient dazu, die Wehentätigkeit zu registrieren.

  • Schallkopf: Über Ultraschallwellen werden die Herztöne des Babys erfasst.

Die Untersuchung erfolgt in der Regel liegend auf der Seite oder auf dem Rücken. Ein CTG verursacht keine Schmerzen. Die Dauer eines routinemäßig durchgeführten CTGs in der Schwangerschaft beträgt 30 Minuten.

Für das CTG unter der Geburt gibt es zudem drahtlose Optionen: Bei CTG-Ableitungen mittels Telemetrie können sich die Frauen frei im Raum bewegen. Dies kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn eine dauerhafte CTG-Überwachung notwendig ist.

CTG: Ab wann wird es gemacht?

Das CTG kommt zum Ende der Schwangerschaft zum Einsatz und spielt bei der Geburt eine Rolle.

CTG in der Schwangerschaft

In der gynäkologischen Praxis ist es oft üblich, ab der 30. Schwangerschaftswoche alle zwei Wochen ein CTG durchzuführen. In den Mutterschaftsrichtlinien handelt es sich beim CTG allerdings nicht um eine Routineuntersuchung. Es wird nur in bestimmten Fällen eingesetzt – unter anderem in der 26. und 27. Schwangerschaftswoche bei drohender Frühgeburt, ab der 28. Schwangerschaftswoche bei festgestellten Herztonveränderungen und wiederholt bei anhaltenden Veränderungen der Herztöne, bei Mehrlingsschwangerschaften, bei Verdacht auf vorzeitige Wehentätigkeit oder Plazentainsuffizienz (Funktionsstörung des Mutterkuchens), bei Terminüberschreitung oder Verdacht auf Übertragung, bei Blutungen oder zur Überwachung einer medikamentösen Wehenhemmung.

CTG bei der Geburt

Wann und wie lange ein CTG bei der Geburt durchgeführt wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Bei sogenannten Niedrig-Risiko-Geburten können die fetalen Herztöne auch durch Auskultation (Abhören) festgestellt und dokumentiert werden. Für diese Methode müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein und genügend geschultes Personal zur Verfügung stehen, um eine sorgfältige und lückenlose Dokumentation zu gewährleisten.

Je nach Klinik kann die routinemäßige Durchführung eines CTGs bei Aufnahme und in regelmäßigen Abständen unter der Geburt das übliche Vorgehen sein. Eine kontinuierliche CTG-Überwachung während der Geburt wird bei erhöhten Geburtsrisiken empfohlen. Auch wenn erst bei der Geburt Risikofaktoren auftreten, wird ein kontinuierliches CTG durchgeführt. Solche Risikofaktoren können unter anderem untypische Schmerzen, frische Blutungen oder Dauerkontraktionen (Wehen länger als 60 Sekunden) sein.

Ist ein CTG schädlich fürs Baby?

Da bei einem CTG Ultraschalltechnik eingesetzt wird, zählt diese Methode zu den Ultraschalluntersuchungen. Solche Untersuchungen sind nur zu medizinischen Zwecken erlaubt, um das Ungeborene vor unnötigen Gesundheitsbelastungen zu schützen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sich ein Ultraschall schädlich auf das Baby auswirkt: Laut Deutscher Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) sind Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft ungefährlich. Die Ultraschalltechnologie gehört zu den wichtigsten Untersuchungsmethoden in der Schwangerschaft, um Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen. Auch das CTG kann daher als ein Frühwarnsystem betrachtet werden. Die Untersuchung sollte von einer* einem Ärztin*Arzt mit entsprechender Expertise durchgeführt werden. Ein Ultraschall zum „Babyfernsehen“ – also zur reinen Erstellung von Erinnerungsbildern- oder filmen – ist hingegen verboten.

Wichtige CTG-Werte und ihre Bedeutung

Das CTG misst verschiedene Werte, die Hinweise darauf geben, ob ein Sauerstoffmangel (Hypoxie) oder eine fetale Azidose (Übersäuerung) vorliegt. Ausschließlich auf der Grundlage eines CTGs werden keine Entscheidungen getroffen. Die*der Ärztin*Arzt oder die Hebamme beziehen stets die klinischen Faktoren mit ein und können im Zweifelsfall weitere Untersuchungen durchführen.


Was die CTG-Werte bedeuten:

  • Basalfrequenz: Hierbei handelt es sich um den konstanten Mittelwert der über einen längeren Zeitraum aufgezeichneten Herzfrequenz. Diese Grundfrequenz wird in Schlägen pro Minute (spm) angegeben. Der Normalbereich liegt bei 110 bis 160 Schlägen pro Minute. Ist die Basalfrequenz länger als zehn Minuten leicht (161 bis 180 spm) oder schwer (über 180 spm) erhöht, wird von einer Tachykardie gesprochen – ein beschleunigter Herzschlag. Die Gründe dafür können von mütterlichem Stress bis zu mütterlichem Fieber reichen. In einem ungünstigen Fall kann diese Veränderung etwa in Kombination mit anderen Symptomen wie plötzlichen Schmerzen auf eine vorzeitige Plazentalösung hinweisen. Fällt die Basalfrequenz länger als drei oder fünf Minuten leicht (100 bis 109 spm) oder schwer (unter 100 spm), liegt eine Bradykardie vor – ein verlangsamter Herzschlag. Mögliche Gründe hierfür können unter anderem das Vena-cava-Kompressionssyndrom sein, bei dem eine mütterliche Vene durch das Gewicht des Babys abgedrückt wird. In einem ungünstigen Fall kann auch eine Nabenschnurkompression dahinter stecken – hierbei wird die Nabelschnur abgedrückt.

  • Oszillationen (Bandbreite oder Oszillationsamplitude): Als Oszillationen werden die typischen, sich abwechselnden Hebungen und Senkungen (Schwingungen) in der Kurve bezeichnet, die sich im Zickzack um die Durchschnittsfrequenz herum bewegen. Die sogenannte Bandbreite ist die Differenz zwischen der höchsten und der tiefsten Schwankung. Als normal gilt eine Bandbreite von fünf bis 25 Schlägen pro Minute. In Ruhe- oder Schlafphasen sind kurzzeitige Perioden von reduzierter Oszillation normal. Oft wird dann versucht, das Baby zu wecken, um Reaktionen (Akzelerationen) im CTG hervorzurufen. Bei einem Wert, der über 90 Minuten lang unter fünf liegt, kann ein Sauerstoffmangel bestehen und es wird eine weitere Abklärung veranlasst.

  • Akzeleration: Beschleunigt sich die Herzfrequenz des Babys kurz für eine Dauer von 15 Sekunden bis zu zehn Minuten, wird von einer sporadischen Akzeleration gesprochen. Diese Veränderungen im CTG treten etwa aufgrund von Kindsbewegungen auf. Als Normalwert werden zwei Akzelerationen in 20 Minuten angesehen. In der CTG- Kurve lassen sich diese Ausschläge als Berge erkennen. Tritt über 40 Minuten lang keine Akzeleration auf, könnte dies ein Hinweis auf eine krankhafte Veränderung sein. Das Fehlen von Akzeleration während der Geburt ist von unklarer Bedeutung. Kommen die Beschleunigungen der Herzfrequenz wiederholt und synchron bei mindestens drei aufeinanderfolgenden Wehen vor, könnte es sein, dass das Baby einen vorübergehenden Sauerstoffmangel auszugleichen versucht – etwa aufgrund von einer Minderdurchblutung in Gebärmutter und Plazenta.

  • Dezeleration: Dieser Begriff steht für das Absinken der fetalen Herzfrequenz. Im Normalfall treten keine Dezelerationen auf oder sie kommen nur sporadisch etwa aufgrund von kindlichem Schluckauf vor. In der CTG-Kurve lassen sich diese Ausschläge als Täler erkennen. Es können verschiedene Veränderungen der Dezelerationen auftreten, darunter zum Beispiel die sogenannte prolongierte Dezeleration: ein abrupter Abfall der fetalen Herzfrequenz, der über zwei Wehen oder drei Minuten anhält. Er kann zum Beispiel auf ein Vena-cava-Kompressionssyndrom oder eine Nabelschnurkompression hinweisen.

Wie wird ein CTG ausgewertet?

Veränderungen im CTG können verschiedene Gründe haben und stellen nicht automatisch einen Grund zur Sorge dar. Verlangsamte oder beschleunigte Herztöne können zum Beispiel durch harmlose Ursachen bedingt sein. Die Interpretation einer CTG-Aufzeichnung sollte daher stets dem fachkundigen Personal überlassen werden. Schwangere sollten nicht versuchen, die Kurven selbst zu interpretieren. Stattdessen sollten sie im Zweifelsfall bei einer Frage zum CTG in der gynäkologischen Praxis um Aufklärung bitten. Hebammen und Frauenärzte*innen können anhand der aufgezeichneten Kurven wichtige Informationen über das Wohlbefinden des Babys ableiten. Sie beurteilen, welche Auffälligkeiten ernst genommen werden müssen und wann weiterführende Untersuchungen sinnvoll sind.

Zur Interpretation eines CTGs sind verschiedene Scores geläufig. Der Fischer-Score wird nur für die vorgeburtliche CTG-Kontrolle verwendet. Werden die fetalen Herztöne in der Schwangerschaft über mindestens 30 Minuten registriert, kann er der Interpretation dienen. Der Score erfasst fünf Kategorien, die mit je 0, 1 oder 2 Punkten bewertet werden. Der modifizierte FIGO-Score kann sowohl zur Beurteilung während der Schwangerschaft als auch unter der Geburt verwendet werden. Er ist auch in der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. zur vaginalen Geburt am Termin aufgeführt.

Fischer-Score:

Parameter

Bewertung in Punkten

0

1 2
Basalfrequenz (Schläge pro Minute) < 100 oder > 170 100 – 109 oder 151 – 170 110 – 150
Oszillationen (Schläge pro Minute) < 5 5 - 9 oder > 30 10 – 30
Nulldurchgänge pro Minute < 2 2 - 6 > 6
Akzelerationen keine periodisch sporadisch
Dezelerationen spät, variabel mit prognostisch ungünstigen Zusatzkriterien (Oszillationsverlust, tiefe Dezelerationen (< 70 Schläge/min) und/oder mehr als 60 Sekunden andauernde Dezelerationen) variabel keine; sporadisch auftretende kurze Dezelerationen

Auswertung des Fischer-Scores:

8 – 10 Punkte: Normalbefund

5 – 7 Punkte: fragliche Prognose

< 5 Punkte: bedrohlicher fetaler Zustand

FIGO-Score:

  pathologisch (krankhaft) suspekt normal
Baseline (Schläge pro Minute) < 100 Für alle Bereiche (Baseline, Oaszillation und Dezelerationen) gilt als suspekt: Es fehlt ein normales Merkmal, es liegt aber kein pathologisches Merkmal vor. 110 – 160
Oaszillation (Schläge pro Minute) eingeschränkte oder erhöhte Oszillation, sinusoidales Muster siehe oben 5 – 25
Dezelerationen repetitive späte oder prolongierte Dezelerationen > 30 Minuten (bei reduzierter Oszillation > 20 Minuten), Prolongierte Dezeleration > 5 Minuten siehe oben

keine repetitiven Dezelerationen (Dezelerationen gelten als repetitiv, wenn sie mit > 50 % der Kontraktionen auftreten. Das Fehlen von Akzelerationen während der Geburt ist von unklarer Bedeutung.)

Auswertung Hohes Risiko für Hypoxie / Azidose Hypoxie / Azidose unwahrscheinlich keine Hypoxie / Azidose

Was geschieht bei einem auffälligen CTG?

Je nach Auswertung des CTGs können weitere Untersuchungen zur Abklärung veranlasst werden. Dies können zum Beispiel Ultraschalluntersuchungen oder auch eine Fetalblutanalyse sein. Bei Letzterer wird dem Ungeborenen eine geringe Menge Blut entnommen und auf Sauerstoff- und Säuregehalt untersucht.

Liegt eine reversible (umkehrbare) Ursache vor, wird diese durch konservative Therapien behoben und es erfolgt eine weitere Überwachung. Dies kann zum Beispiel ein Vena-cava-Kompressionssyndrom sein. Bei anderen Ursachen wie bei einer vorzeitigen Plazentalösung besteht sofortiger Handlungsbedarf. Bei bedrohlichen Zuständen des Babys kann unter Umständen ein Notkaiserschnitt oder eine Entbindung mithilfe einer Saugglocke oder Zange erforderlich werden.

Die wichtigsten Untersuchungen beim Arzt
Wissenstest
Beratender Experte
Frau Dr. Barbara Grüne

Fachärztin für Gynäkologie u. Geburtshilfe

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