Erkennen und helfen

Mobbing: Am Arbeitsplatz, in der Schule oder Cybermobbing – was tun?

Cyber-Mobbing, Mobbing am Arbeitsplatz oder in der Schule kann Betroffene extrem belasten. Ein paar Sprüche, ein kleiner Scherz, das ist doch alles harmlos, oder? Aber: Wo hört der Spaß auf, wo fängt Mobbing an? Was tun, um dem Opfer zu helfen?

Frau erlebt Mobbing
© Getty Images/fizkes

Professor Heinz Leymann, Lernpsychologe und Arbeitswissenschaftler, prägte den Begriff Mobbing erstmals Anfang der 1980er Jahre. Er bezeichnete damit eine Problemform unter Erwachsenen am Arbeitsplatz, die mit bestimmten Verhaltensweisen und einer Wiederholungsstruktur gekoppelt ist. Mobbing ist aber keine neue Erscheinung, sondern ein altbekanntes Phänomen, welches ein gruppendynamischer Prozess ist.

Im Überblick:

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Definition: Was ist Mobbing?

Nach Leymann ist Mobbing durch die folgenden vier Verhaltensweisen definiert:

  • Eine feindliche Absicht gegenüber der Zielperson

  • Als feindselig empfundenes Verhalten von Mitmenschen, auch wenn es nicht so gemeint ist

  • Häufige und über einen längeren Zeitraum angewandte psychische Gewalt (Schikane, "Psychoterror")

  • Eine Viktimisierung, das heißt die Zielperson des Mobbings soll Opfer sein und ausgestoßen sowie abgewertet werden

In der Mobbingforschung geht man davon aus, dass Mobbing in Zeiten wirtschaftlicher Rezession zunimmt. Die Konkurrenz um Arbeitsplätze führt zu verstärkter Profilierung auf Kosten von Kolleg*innen. Allerdings gibt es auch Mobbing in der Schule, wo einzelne Kinder ausgegrenzt und zu Mobbingopfern stigmatisiert werden.

Das zeichnet Cybermobbing aus

Cybermobbing, auch als Cyberbullying bezeichnet, bedeutet das Mobben im Internet. Das kann so aussehen, dass eine Person in sozialen Medien, Chats, per E-Mail oder auf andere Weise im Internet bloßgestellt wird. Manchmal kursieren Nacktfotos, die mitunter gefälscht sind oder Betroffene werden Ziel von Beleidigungen, Hass, Spott und Verleumdungen. Cybermobbing ist besonders schlimm, da Betroffene ihm nicht entkommen können, machtlos sind und die Täter*innen oft unerkannt bleiben. Außerdem können die Folgen ausufern, da Texte und Bilder sehr lange im Internet zu finden sind und sich nur schwer beseitigen lassen.

Besonders häufig sind Kinder und Jugendliche vom Cybermobbing betroffen. Die Scheu mit den Eltern darüber zu reden ist oft hoch. Bereits im Jahr 2016 gaben acht Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren an, schon mal Opfer von Cybermobbing gewesen zu sein. 34 Prozent der Kinder und Jugendlichen sagten aus, jemanden zu kennen, der online gemobbt wurde. Die Traumatisierung für die Opfer ist dabei oft höher als ein Mobbing in der Schule. In den letzten Jahren häufen sich auch die Fälle von Suizid bei Kindern und Jugendlichen, die Opfer von Cybermobbing waren.

Mobbing – was tun?

Von Mobbing sind in der Regel mehrere Personen betroffen: Mobber, Gemobbte und Dulder beziehungsweise Mitläufer. Der letztgenannte Personenkreis trägt oft entscheidend dazu bei, dass eine Mobbing-Situation weiterläuft oder eben beendet werden kann.

Zugegeben: Es ist heikel, sich in eine Mobbing-Situation einzumischen. Denn es kann bedeuten, selbst zur Zielscheibe verachtungsvoller und aggressiver Strategien zu werden. Vor allem muss man immer damit rechnen, dass sich die eigene Wahrnehmung von der anderer Personen stark unterscheidet.

Praktisch heißt das: Wenn ich finde, dass eine Person ständig diskriminiert wird, muss das von diesem Menschen noch lange nicht genauso empfunden werden. Darüber hinaus kann es sein, dass die von mir als Mobber wahrgenommenen Menschen ihr Verhalten als humorvoll empfinden und dann mir gegenüber aggressiv werden, wenn ich ihnen diskriminierendes Verhalten unterstelle. Es sollte versucht werden, eine sachliche Aussprache herbeizuführen, in der alle Beteiligten ihre Sichtweise darlegen können. Manchmal kann ein Mediator helfen, eine Konfliktsituation zu analysieren und zu lösen.


Mobbing am Arbeitsplatz

Die Anwendung von psychischer Gewalt ist eine der vier Mobbing-Verhaltensweisen. Doch was ist psychische Gewalt im Zusammenhang mit Mobbing am Arbeitsplatz?

  • Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen: Die Kolleg*innen und/oder Vorgesetzte hören Ihnen nicht zu, vor allem nicht, wenn Sie sich verteidigen wollen. Man fragt Sie nie nach Ihrer Ansicht.

  • Angriffe auf die sozialen Beziehungen: Sie werden von den anderen isoliert. Man spricht nicht mehr mit Ihnen, Sie bekommen keine Antworten, erleben Ausgrenzungen.

  • Handlungen mit Auswirkungen auf das soziale Ansehen: Man verbreitet Gerüchte über Sie (üble Nachrede). Man stellt Ihre Kompetenz, Arbeitsweise und psychische Gesundheit in Frage. Man macht sich über Sie lustig, imitiert Sie.

  • Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation: Man gibt Ihnen kränkende oder sinnlose Aufgaben, man gibt Ihnen keine oder deutlich zu viele Aufgaben. Man gibt Ihnen Aufgaben, die Ihre Qualifikation massiv unter- oder überfordern.

  • Angriffe auf die Gesundheit: Hierzu zählen sexuelle Belästigung und körperliche Misshandlung. Sie werden zu gesundheitsschädlichen Arbeiten gezwungen.

Grundsätzlich ist Mobbing am Arbeitsplatz nicht strafbar. Bestimmte Handlungen können jedoch die Schwelle zur Strafbarkeit überschreiten und sind dann strafrechtlich relevant, wenn der Mobbingfall vor dem Arbeitsgericht verhandelt wird.

Vorgehensweise bei Mobbing am Arbeitsplatz

Fachleute und Mobbing-Beratungsstellen empfehlen für Teammitglieder, die in einen Konflikt mit Mobbing helfend eingreifen möchten, folgende Vorgehensweise:

  1. Fragen Sie zuerst die gemobbte Person, wie sie die Situation wahrnimmt.

  2. Stimmen Ihre Wahrnehmungen überein, bieten Sie Ihre Hilfe und Unterstützung an.

  3. Sprechen Sie weitere Schritte mit der gemobbten Person ab. Handeln Sie nicht stellvertretend für diese Person, sie entmündigen sie dadurch eher.

  4. Sprechen Sie, am besten einzeln, mit den Mobbern. Beschreiben Sie, möglichst nicht anklagend, wie Sie deren Verhaltensweisen wahrnehmen und hören Sie sich die Ansichten der anderen ruhig an.

  5. Lässt sich auf diese Art und Weise die Situation nicht entschärfen, kann die Situation durch persönliches Eingreifen nicht verbessert werden. Sie sollten betroffenen Kolleg*innen in diesem Fall ein Gespräch nahelegen und sich gemeinsam an eine Beratungsstelle wenden.

Hat das Unternehmen einen Betriebsrat können sich Arbeitnehmer*innen in Mobbingfällen an ihn wenden. Der Betriebsrat muss den Arbeitgeber auf solche Vorfälle hinweisen und ein Ende des Mobbings einfordern. Es kann eine entsprechende Betriebsvereinbarung getroffen werden, um Mobbing am Arbeitsplatz zu verhindern.

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Mobbing in der Schule

Mobbing ist auch in Schulen unter Kindern und Jugendlichen weit verbreitet. Allerdings ist nicht jeder Streit gleich Mobbing. In der Schule passiert Mobbing allerdings mitunter recht subtil und fällt selbst Lehrkräften nicht immer als solches auf. Hinweise auf Mobbing in der Schule können sein:

  • Immer wenn ein Kind im Unterricht spricht, tuscheln, kichern und stören die Mitschüler*innen.

  • Einem Kind wird regelmäßig auf dem Schulweg oder Schulhof aufgelauert, mitunter wird es sogar erpresst.

  • Eine Lehrkraft spricht vor der Klasse negativ und/oder abwertend über ein einzelnes Kind.

  • Ein Kind wird zusehends von den Mitschüler*innen isoliert und ausgegrenzt, vielleicht sogar beleidigt, beschimpft und erlebt Anfeindungen.

  • Bilder eines Teenagers werden ohne Einverständnis herumgeschickt und verhöhnt (Cybermobbing).

Bei Hinweisen auf Mobbing eines Kindes sollten Eltern und Lehrer dem unbedingt auf den Grund gehen. Je länger Mobbing besteht, desto schwieriger wird es, die Strukturen aufzulösen. Außerdem steigt damit die Sicherheit, dass sich psychische Schäden bei dem betroffenen Kind festsetzen.

Wie kann man Mobbing beim Kind erkennen?

Bei Kindern und Jugendlichen können verschiedene Anzeichen darauf hinweisen, dass sie von Mobbing betroffen sind:

  • Weigerung, zur Schule zu gehen

  • Zur Schule gefahren werden wollen

  • Schulische Leistungen sinken

  • Rückzug vom sozialen Leben

  • Seltsame Erklärungen für verschiedene Dinge, wie beispielsweise Geld verloren (Kind wird möglicherweise erpresst, will es aber nicht zugeben)

  • Krankheitszeichen, wie Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen

  • Schule schwänzen

  • Ängste, Depressionen bis hin zu Suizidversuchen

Was tun, wenn das eigene Kind gemobbt wird?

Wenn das Kind Opfer von Hänseleien oder sogar körperlicher Gewalt wird, ist sensibles Vorgehen sehr wichtig. Viele Kinder denken, dass sie selbst Schuld am Verhalten der anderen sind und vertrauen sich daher ihren Eltern nur sehr schwer an. Die Eltern sollten signalisieren, dass sie die Sorgen und Ängste des Kindes ernst nehmen und genau hinhören. Das Kind spürt so, dass es den Rückhalt seiner Eltern hat.

Bei einem Verdacht auf Mobbing des Kindes sollten Eltern sich unbedingt an die Schule wenden und zum Handeln auffordern. Hilfe können hier die Schulleitung, der Elternbeirat oder eine Beratungsstelle bieten. Die Schule ist gesetzlich zum Handeln gegen Mobbing verpflichtet, um das Wohl des Kindes zu schützen. Damit sich das Kind selbst aus seiner Opferrolle befreien kann, muss sein Selbstvertrauen so weit gestärkt werden, dass es sich wehren kann. Es muss lernen, sich klar und deutlich zu äußern und die Übergriffe nicht einfach hinzunehmen.

Am effektivsten begegnet man Mobbing mit Selbstvertrauen und Prävention. Wenn sich alle – Eltern, Lehrkräfte und Mitschüler*innen – klar gegen Mobbinghandlungen positionieren, haben Mobber in der Schule keine Chance.

Wenn Sie weitere Informationen oder eine Beratung über Mobbing in der Schule wünschen, können Sie sich an eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe wenden. Die Adressen finden Sie unter www.schulpsychologie.de.

Tatsächlich kann ein Kind bereits im Kindergarten gemobbt werden. Die Anzeichen und auch Hilfen hierfür sind dieselben wie oben genannt.

Hilfe und Beratung für Betroffene

Wer von Mobbing betroffen ist, kann sich an verschiedene Adressen wenden:

  • Beratungsstellen in Deutschland bei Mobbing finden Erwachsene hier
  • Hilfe für Kinder und Jugendliche bei Cyberbobbing und Mobbing in der Schule: Beratungsstellen finden
  • Nummer gegen Kummer, Kinder- und Jugendtelefon: 116111 (montags bis samstags von 14-20 Uhr), Elterntelefon: 0800/111 0 550 (montags bis freitags von 9-11 Uhr, dienstags und donnerstags zusätzlich von 17-19 Uhr)

Folgen von Mobbing

Wer gemobbt wird, leidet seelisch und körperlich darunter. Mögliche direkte Folgen von Mobbing können sein:

Für diese und andere körperliche Beschwerden können sich Betroffene ärztlich krank schreiben lassen – das Mobbing an sich gilt nicht als Grund für eine Krankschreibung. Daneben kann Mobbing schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Viele Gemobbte leiden auch längere Zeit nach dem Geschehen unter einem eingeschränkten Selbstwertgefühl, Ängsten und Depressionen bis hin zum Burnout.

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