Chancen bei Kinderwunsch erhöhen

Zervixschleim: Was er über die fruchtbaren Tage verrät

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Beim Zervixschleim handelt es sich um ein wässriges oder geleeartiges Sekret, das im Gebärmutterhals gebildet wird. Optik und Konsistenz ändern sich während des weiblichen Zyklus und können Hinweise auf fruchtbare Tage geben. Auf was Frauen mit Kinderwunsch achten sollten, erfahren Sie hier.

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© Getty Images/vadimguzhva

Artikelinhalte im Überblick:

Zervixschleim: So erkennen Sie Ihre fruchtbaren Tage

Was ist Zervixschleim?

Der Zervixschleim, auch Zervikalschleim genannt, ist ein Sekret, das von den Schleimdrüsen des Gebärmutterhalses (Zervix) gebildet wird und hormonabhängig ist. Der Zervixschleim dient der Gebärmutter als Schutz gegen Krankheitserreger. Während der unfruchtbaren Tage ist er dick und undurchlässig und verhindert das Eindringen von Spermien. An fruchtbaren Tagen ist er flüssiger und lässt Spermien passieren. Zudem enthält er Nährstoffe wie Eiweiß, Glukose und Salze, welche die Überlebensfähigkeit der Spermien auf dem Weg zur befruchteten Eizelle erhöhen und sie vor dem sauren Milieu in der Scheide schützen.

Häufig wird der Zervixschleim auch als Ausfluss bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch nur um einen Teil des Vaginalsekrets. Ausfluss ist der Überbegriff für alle Flüssigkeiten, die aus der Vagina austreten und diese sauber und feucht halten. Veränderungen des Geruchs oder der Farbe können auf Erkrankung hinweisen. Zudem ist der Zervixschleim nicht mit dem Erregungsschleim zu verwechseln, der bei sexueller Erregung auftritt.

Wie verändert sich der Zervixschleim im Zyklus?

Die Zusammensetzung des Zervixschleims sowie die abgesonderte Menge verändern sich im Laufe des Menstruationszyklus. Das hängt vor allem vom Einfluss der Hormone Östrogen und Progesteron ab. Vor dem Eisprung produziert der Körper vermehrt Östrogen, das den Zervixschleim flüssiger und spinnbarer macht. Nach dem Eisprung bilden Gelbkörper hingegen vermehrt Progesteron, das den Zervixschleim verdickt und den Muttermund abdichtet.

1. Während der Periode: Kein Zervixschleim

Zu Beginn der Monatsblutung, wenn der Östrogenspiegel am geringsten ist, sondern die Drüsen des Gebärmutterhalses nur sehr wenig Schleim ab. In diesen Tagen ist die Scheide deshalb trockener.

2. Nach der Periode: Cremiger, klebriger und dickflüssiger Zervixschleim

Nach der Menstruation steigt der Östrogenspiegel immer mehr an, was zeitgleich die vermehrte Zervixschleimproduktion einleitet. Bis Zervixschleim wahrgenommen wird, kann es aber meist einige Tage dauern. Dann erscheint er zunächst trüb, dickflüssig, zäh und teilweise klumpig. Im weiteren Verlauf des Zyklus wird er immer cremiger. Der Zervixschleim kann eine weiße bis gelbliche Farbe haben.

3. Beim Eisprung: Durchsichtiger, flüssiger und spinnbarer Zervixschleim

Im Zeitfenster um den Eisprung herum ist der Zervixschleim dann besonders wässrig. Er lässt sich nun mit zwei Fingern zu Fäden "spinnen". Zu diesem Zeitpunkt des Zyklus ist die Beschaffenheit des Zervixschleims durchlässig. So können Spermien bis zur Eizelle durchdringen und werden gleichzeitig vor dem sauren Umfeld der Scheide geschützt. Dadurch bleiben die Samenzellen des Mannes mehrere Tage lang befruchtungsfähig – die Chancen auf eine Schwangerschaft sind höher.

4. Nach dem Eisprung: Klebrig und trocken

In der Zyklusphase nach dem Eisprung nimmt die Menge des Zervixschleims wieder ab. Er wird klumpig und nimmt eine weißliche Farbe an. Spermien können nun nicht mehr durch den Zervixschleim dringen. Der Schleim bildet außerdem einen Pfropfen am Eingang des Gebärmutterhalses. Das zähe Schleimgebilde verhindert, dass Krankheitserreger in die Gebärmutter gelangen.

Zervixschleim selbst beobachten

Die Beobachtung des Zervixschleimes ist auf drei Wegen möglich:

  1. Empfinden: Im Laufe des weiblichen Zyklus kann die Scheide und der äußere Scheidenbereich unterschiedlich wahrgenommen werden. Manchmal fühlt sich die Scheide trocken an. An anderen Tagen wird hingegen eine Feuchte oder Nässe am Scheideneingang bemerkt.

  2. Fühlen: Beim Abwischen auf der Toilette lässt sich gelegentlich feststellen, dass das Toilettenpapier besser über den Scheideneingang gleitet als an anderen Tagen. Zudem kann der Schleim am Scheidenausgang auch mit den Fingern gefühlt werden. Mit Zeigefinger und Daumen lässt sich die Spinnbarkeit überprüfen.

  3. Sehen: Bleibt der Zervixschleim am Toilettenpapier haften, können Farbe, Durchsichtigkeitsgrad und Konsistenz beurteilt werden.


Mit Zervixschleimmethode fruchtbare Tage erkennen

Eine Methode der natürlichen Familienplanung ist die sogenannte Zervixschleimmethode (Billings-Methode). Durch die tägliche Beobachtung des Zervixschleims können Informationen über den Zyklusverlauf und Anhaltspunkte über den Zeitpunkt der fruchtbaren Tage gewonnen werden.

In Studien wurde gezeigt, dass die Beobachtung des Zervixschleims zur Bestimmung fruchtbarer Tage meist sehr verlässlich ist. Noch genauer ist die Methode allerdings, wenn zusätzlich die Basaltemperatur (Aufwachtemperatur) gemessen wird. Dadurch ist eine doppelte Kontrolle möglich.

Billings-Methode: Anwendung

Um die fruchtbaren Tage innerhalb eines Zyklus mithilfe der Zervixschleimmethode zu bestimmen, muss dieser täglich kontrolliert werden. Der ideale Zeitpunkt ist der erste Toilettengang am Morgen – noch vor dem Wasserlassen. Um den Zervixschleim zu beurteilen, kann mit dem Finger leicht über den Scheideneingang gestrichen werden. Es ist nicht notwendig, den Finger tief in die Scheide oder gar bis zum Muttermund einzuführen. Der Schleim kann zwischen Zeigefinger und Daumen gepresst und dann auseinandergezogen werden.

Auf einem Zyklusblatt oder in einer speziellen Zyklus-App werden folgende Eigenschaften notiert:

  • Konsistenz (dick, klebrig oder spinnbar)
  • Farbe (weiß, gelblich, klar oder trüb)
  • Feuchtigkeitsempfinden in der Scheide (trocken, feucht, nass)
  • Menge (viel, wenig, gar nichts)

Mögliche Fehler bei Zervixschleimmethode

Es gibt einige Faktoren, welche Konsistenz oder Aussehen des Zervixschleims beeinflussen und die Methode daher erschweren können. Dazu zählen beispielsweise:

  • Erkrankungen
  • Medikamente (wie Antihistaminika)
  • Hormonelle Schwankungen
  • Psychische Belastungen (zum Beispiel Stress)

Darüber hinaus gibt es auch individuelle Unterschiede beim Ausfluss. Beispielsweise gibt es Frauen, bei denen es trotz Eisprung kaum zu einer Schleimproduktion kommt. Außerdem erfordert die Billings-Methode eine sorgfältige und konsequente Beobachtung, da es ansonsten ebenfalls zu Verfälschungen kommen kann.

Zervixschleimqualität bei Kinderwunsch verbessern

Die Qualität des Zervixschleims lässt sich verbessern. Das ist vor allem für Paare mit Kinderwunsch interessant. Dabei spielen sowohl das Trinkverhalten als auch die Art der Ernährung eine Rolle.

Vor allem in der ersten Zyklusphase ist es empfehlenswert, viel Wasser und Kräutertee (zum Beispiel Himbeerblättertee) zu trinken. Dadurch wird der Zervixschleim durchlässiger für Spermien.

Darüber hinaus wirkt sich eine säurearme und basenreiche Ernährung günstig auf die Gebärmutterhalsschleimhaut aus. Wer schwanger werden möchte, sollte viel Obst und Gemüse essen und auf Fleisch, Milchprodukte, Alkohol und Kaffee weitestgehend verzichten. Eine gesunde ausgewogene Ernährung erhöht die Schleimqualität und verbessert die Lebensbedingungen für die Samenzellen während ihrer Wanderung zur Eizelle.

Zervixschleimmethode zur Verhütung geeignet?

Einige Frauen wenden die Zervixschleimmethode auch als Verhütungsmethode an. Allerdings raten Fachleute davon ab, die Billings-Methode als alleiniges Mittel einzusetzen, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Vor allem der Beginn der fruchtbaren Tage ist allein mit der Zervixschleimmethode nur sehr unsicher einzuschätzen.

Die Auswertung des Zervixschleims kann deshalb nicht als sichere Methode zur Empfängnisverhütung empfohlen werden. Besser geeignet ist die symptothermale Methode, also die kombinierte Auswertung von Zervixschleim und Körperkerntemperatur.

Schwanger werden – die besten Tipps
Beratender Experte
Frau Dr. Barbara Grüne

Fachärztin für Gynäkologie u. Geburtshilfe

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