Fruchtbarkeit und Zeugung

Befruchtung – Wenn Ei- und Samenzelle zueinanderfinden

Die Befruchtung der Eizelle findet in dem Moment statt, in dem die Samenzelle des Mannes in die Eizelle eindringt. Allerdings kommt es durch den Geschlechtsverkehr nicht immer zu einer Befruchtung. Denn damit Ei- und Samenzelle aufeinandertreffen und miteinander verschmelzen können, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein.

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Der Schwangerschaftstest gibt Aufschluss darüber, ob die Befruchtung erfolgt ist.
Getty Images/BananaStock RF

Zunächst einmal brauchen die Samenzellen eine Eizelle zur Befruchtung. Die Eizelle entwickelt sich ursprünglich in den Eierstöcken. Dort reifen in der ersten Hälfte des Zyklus sogenannte Eibläschen heran, die man auch als Follikel bezeichnet. Ein bestimmtes Eibläschen nimmt im Laufe der Zeit dabei eine dominante Rolle ein: Es entwickelt sich zum sogenannten Leitfollikel. Gelegentlich bildet sich ein Leitfollikel auch aus mehreren Eibläschen heraus.

Der richtige Zeitpunkt für die Befruchtung

In der Mitte des Zyklus – also durchschnittlich 15 Tage nach dem ersten Tag der Regelblutung – findet dann der Eisprung (Ovulation) statt: Eine Eizelle springt aus dem Leitfollikel heraus und tritt in den Eileiter hinein. Die Eizelle wandert nun innerhalb der nächsten zwölf bis 24 Stunden im Eileiter zur Gebärmutter. Während dieser "Wanderung" kann die Befruchtung durch eine Samenzelle stattfinden.

Ich will schwanger werden: Zehn Tipps!

Lifeline/Wochit

Damit eine Befruchtung erfolgt, muss mindestens eine Samenzelle des Mannes zur richtigen Zeit am richtigen Ort – also im Eileiter – sein. Damit dies gelingt, produzieren die Hoden des Mannes zunächst sehr viele Spermien: Im Schnitt befinden sich im Ejakulat – dem Gemisch aus einem Prostatasekret und den Spermien – circa 150 Millionen Samenzellen. Der Grund: Den mühsamen Weg bis zur Eizelle überstehen nicht alle Spermien. Viele gehen bereits vorher zugrunde.

Das Ejakulat gelangt beim Geschlechtsverkehr durch den Orgasmus des Mannes in die Scheide der Frau. Von dort "schwimmen" die Spermien Richtung Gebärmutter und Eileiter. Auf ihrem beschwerlichen Weg zur Eizelle erhalten sie durch den weiblichen Körper Hilfe. Beispielsweise sorgt das "Klima" in Gebärmutterhals und Gebärmutter dafür, dass die Samenzellen beweglich bleiben. Zudem ist in der Zeit um den Eisprung herum der ansonsten verschlossene Gebärmutterhals durchgängig, sodass die Spermien ihn passieren können.

Vielversprechend: Sex an den Tagen vor dem Eisprung

Nachdem die Spermien den Gebärmutterhals durchquert haben, wandern sie in die Gebärmutter und in den Eileiter. Treffen die Samenzellen dort innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Eisprung auf eine Eizelle, kann die Befruchtung stattfinden.

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    Der Eisprung äußert sich anhand typischer Symptome und lässt sich grob mithilfe der Temperatur berechnen

Da die Samenzellen zwei bis drei Tage im Körper der Frau überleben können, ist die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden am höchsten, wenn ein Paar ein bis zwei Tage vor dem Eisprung Sex hat – dann sind zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall Spermien zur Stelle. Hat ein Paar erst am Tag des Eisprungs Verkehr, kann es passieren, dass der Eisprung morgens ist und der Sex am Abend zu spät kommt, um das Ei noch zu befruchten. Einige Frauen spüren ihren Eisprung durch einen ziehenden einseitigen Schmerz und manchmal kommt es zu einer leichten Blutung. Um den Zeitpunkt des Eisprungs genauer zu bestimmen, hilft die Temperaturmethode und das Beobachten des Scheidenschleims (Zervixschleims).

Wer regelmäßig morgens seine Körpertemperatur misst, lernt mit der Zeit zu erkennen, wann der Eisprung naht. Exakt lässt er sich mit der Temperaturmethode aber erst im Nachhinein bestimmen. Denn nach dem Eisprung erhöht sich die Temperatur anhaltend. Die Schleimmethode hingegen liefert schon vor dem Eisprung Hinweise, dass er bevorsteht. Eine Frau braucht aber auch hier Erfahrung, um den Zustand des Zervixschleims beurteilen zu können. Das setzt einige Zeit der Selbstbeobachtung voraus. Um die Zeit des Eisprungs herum wird der Schleim in der Scheide nämlich dünnflüssiger und mehr. Ein Trick der Natur: Der weibliche Körper ebnet so den männlichen Samenzellen den Weg zum Ei.

Hürdenlauf für Spermium: das Wunder der Befruchtung

Die Samenzellen, die den Weg bis zur Eizelle geschafft haben, versuchen sich durch deren Hülle zu "bohren". Die Spermien, die diese erste Hürde überwinden konnten, finden sich zunächst in einem mit Flüssigkeit gefülltem Zwischenraum wieder.

Unterleibsschmerzen – das sind die Ursachen

In diesem Zwischenraum beginnt ein neuer Anlauf. Denn die Befruchtung der Eizelle ist erst dann erfolgt, sobald es einer der übrig gebliebenen Samenzelle gelingt, ins Zellplasma des Zellkerns vorzudringen.

Ist die Befruchtung durch eine Samenzelle geglückt, ändert sich sofort die chemische Zusammensetzung der Eizelle. Das verhindert das Eindringen weiterer Spermien. Die übrig gebliebenen Samenzellen sterben bald darauf ab. Im Inneren der Eizelle befindet sich – nach der Verschmelzung mit der Samenzelle – nun wieder eine Zelle, die sich nach einiger Zeit alle paar Stunden teilt.

Was passiert nach der Befruchtung?

Die Eizelle befindet sich nach der Befruchtung immer noch im Eileiter. Erst einige Tage später nimmt sie ihre Wanderung zur Gebärmutter auf. Der letzte Abschnitt im Eileiter ist gleichzeitig der gefährlichste, weil er besonders eng ist. Es besteht die Gefahr, dass die Eizelle an der Wand des Eileiters hängen bleibt. Passiert dies, entwickelt sich eine sogenannte Eileiterschwangerschaft: Die befruchtete Eizelle nistet sich in der Schleimhaut des Eileiters ein.

Hat die Eizelle nach der Befruchtung die Wanderung durch den Eileiter schadlos überstanden, dringt sie in die Gebärmutter (Uterus) vor. In der Gebärmutterhöhle angekommen, teilen sich zunächst innerhalb der Eihülle die Zellen in zwei Hälften auf. Aus der einen Hälfte entsteht der Mutterkuchen (Plazenta). Aus der anderen Hälfte entsteht der Embryo. Die Plazenta verbindet sich mit dem Organismus der Frau und versorgt den Embryo mit allen lebenswichtigen Nährstoffen.

Erst anschließend "sucht" sich das Ei seinen Platz in der Gebärmutterschleimhaut. Diese Phase bezeichnet man als Einnistung (Implantation). Sobald die Einnistung abgeschlossen ist, schüttet der Körper bestimmte Hormone aus. Die Hormone sorgen dafür, dass der weibliche Körper auf die Schwangerschaft einstellt und sich der Embryo in der Gebärmutter entwickeln kann. Zu solchen Hormonen zählt zum Beispiel das hCG hCG (Humanes Choriongonadotropin). Lässt sich das Hormon hCG im Blut der Frau nachweisen, gilt dies als sicherer Hinweis für eine Schwangerschaft.

Wie entstehen eigentlich Zwillinge?

Gelegentlich kommt es vor, dass zwei Eizellen gleichzeitig in den Eierstöcken heranreifen. Beide Eizellen dringen während des Eisprungs in den Eileiter ein. Erfolgt nun eine Befruchtung beider Eizellen durch jeweils eine Samenzelle, entstehen zweieiige Zwillinge. Im Gegensatz dazu entwickeln sich eineiige Zwillinge, wenn sich die Eizelle nach der Befruchtung in zwei Zellkerne teilt. Mehrlingsschwangerschaften mit drei oder mehr Embryonen sind meistens eine Kombination aus ein- und zweieiigen Zwillingen.

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