Tropenkrankheit durch Mücken

Zikavirus-Infektion: Symptome und Gefahr in der Schwangerschaft

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Eine Infektion mit dem durch Mücken übertragenen Zikavirus verläuft in der Regel mild oder sogar unbemerkt. Während der Schwangerschaft kann eine Ansteckung allerdings schwere Schädel-Fehlbildungen beim Baby (Mikrozephalie) zur Folge haben. Welche Länder gelten als Zika-Risikogebiete und wie können sich Reisende schützen?

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© Getty Images/Joao Paulo Burini

Artikelinhalte im Überblick:

Sicherheit auf Reisen: Hier lauert Infektionsgefahr

Was ist das Zikavirus?

Das Zikavirus (ZIKV) gehört zu der Familie der Flaviviren und ähnelt den Viren, die das Dengue-Fieber, West-Nil-Fieber und Gelbfieber verursachen. Es wurde erstmals vor 40 Jahren in Uganda aus einem Affen isoliert und beschrieben. Expert*innen stuften das Zikavirus allerdings erst 2007 als gefährlichen Krankheitserreger für den Menschen ein. Zuletzt geriet das Virus 2015 in den Fokus, als zahlreiche Infektionen in Süd- und Mittelamerika sowie der Karibik und Mexiko auftraten.

Ansteckung: Wie wird das Zikavirus übertragen?

Das Zikavirus wird durch Stechmücken der Art Aedes aegypti (Gelbfiebermücke) und weitere Spezies der Aedes-Gattung übertragen. Die Mücken, die auch andere Tropenkrankheiten wie das Dengue-Fieber übertragen, sind überwiegend in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet.

Die im Süden Deutschlands vorkommende asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) zählt ebenfalls zu der Aedes-Gattung. Fachleute sind sich allerdings noch nicht sicher, ob die Mücke unter den in Deutschland herrschenden Bedingungen das Zikavirus weitergeben kann. Bisher sind keine Ansteckungsfälle durch Tigermücken in Deutschland bekannt.

Eine direkte Übertragung des Zikavirus ist darüber hinaus von Mensch zu Mensch, etwa beim Geschlechtsverkehr, möglich. Zudem können infizierte schwangere Frauen die Krankheitserreger über die Plazenta an das ungeborene Kind weitergeben.

Zikavirus: Symptome einer Infektion

Die meisten Zikavirus-Infektionen verlaufen symptomlos und bleiben daher unbemerkt. Nur etwa eine von fünf infizierten Personen zeigt Krankheitsanzeichen. Diese treten nach einer Inkubationszeit, also der Zeitspanne von der Ansteckung bis zum Beginn der Erkrankung, von drei bis zwölf Tagen auf. Zu den typischen Symptomen gehören:

Meist klingen die Beschwerden, die im Allgemeinen als mild charakterisiert werden, nach etwa einer Woche von allein wieder ab. In seltenen Fällen kann eine Infektion allerdings einen schweren Verlauf nehmen. Dann kann zum Beispiel das Guillain-Barré-Syndrom auftreten. Die schwere neurologische Erkrankung beginnt mit einer Lähmung der Beine, die sich auf Arme und Gesicht ausbreiten kann.


Wie gefährlich ist das Zikavirus in der Schwangerschaft?

Eine Zikavirus-Infektion verläuft für die meisten Menschen harmlos. Da das Virus während einer Schwangerschaft aber auf das ungeborene Baby übertragen werden kann, sind für das Kind gefährliche Komplikationen möglich. Aktuelle Forschungsergebnisse bestätigen, dass eine Zikavirus-Infektion unmittelbar vor oder während einer Schwangerschaft zu Fehlgeburten und kindlichen Fehlbildungen führen kann.

Vor allem bei Infektionen während des ersten Schwangerschaftsdrittels besteht eine erhöhte Gefahr, eine sogenannte Mikrozephalie zu entwickeln. Darunter verstehen Fachleute eine Fehlbildung, bei der der Kopf des Kindes deutlich kleiner ist als gewöhnlich. Unter Umständen kann die Krankheit auch mit einer geistigen Behinderung einhergehen. Selten werden bei betroffenen Kindern zudem neurologische Auffälligkeiten wie Sprachstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Hyperaktivität oder epileptische Anfälle beobachtet.

Darstellung Mikrozephalie im Vergleich zu normaler Kopfgröße eines Babys
© Getty Images/corbac40

Neben Zikaviren können auch andere Viren eine Mikrozephalie auslösen. Infektionen mit Röteln oder dem Zytomegalie-Virus während der Schwangerschaft können ebenfalls zu Fehlbildungen beim Kind führen.

Diagnose: Wie lässt sich eine Infektion mit dem Zikavirus nachweisen?

Der Verdacht auf eine Zikavirus-Infektion kommt bei Reisenden auf, die aus einem Risikogebiet zurückkehren und eine entsprechende Symptomatik zeigen. In den ersten Tagen nach Symptombeginn lässt sich eine Infektion direkt im Urin oder Blut nachweisen, später ist eine Antikörper-Diagnostik möglich.

Bei schwangeren Frauen oder männlichen Reiserückkehrern mit einer schwangeren Sexualpartnerin wird eine Blutuntersuchung auf Antikörper auch dann empfohlen, wenn keine Krankheitssymptome vorliegen. Dasselbe gilt für Paare mit Kinderwunsch, die sich zuvor in einem Risikogebiet aufgehalten haben. Die Blutproben können bei der hausärztlichen oder gynäkologischen Praxis sowie einer tropenmedizinischen Ambulanz eingereicht werden. Von dort werden sie zur weiteren Untersuchung an ein Labor geschickt.

Behandlung einer Infektion mit dem Zikavirus

Es existieren bisher keine Medikamente, mit denen sich eine Zikavirus-Infektion gezielt behandeln lässt. Zur Linderung der Symptome können schmerzstillende und fiebersenkende Mittel verabreicht werden. Zudem sollten sich Erkrankte viel Ruhe gönnen und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.

Bei infizierten Schwangeren sollte mittels Ultraschalluntersuchung regelmäßig das Wachstum und die Anatomie des ungeborenen Kindes überwacht werden. Hierfür werden betroffene Frauen meist an Fachleute für mütterlich-fötale Medizin oder Infektionskrankheiten überwiesen.

Nach der Geburt muss die Entwicklung des kindlichen Gehirns weiter regelmäßig beobachtet werden – unabhängig davon, ob der Säugling mit einer Mikrozephalie geboren wurde oder nicht.

Risikogebiete: Wo ist das Zikavirus verbreitet?

Eine Ansteckungsgefahr mit dem Zikavirus besteht vor allem in tropischen und subtropischen Regionen. Zu den Ländern, in denen es bereits zu größeren Ausbrüchen kam, gehören beispielsweise:

  • Kolumbien
  • El Salvador
  • Französisch-Guayana
  • Guatemala
  • Haiti
  • Honduras
  • Martinique
  • Mexiko
  • Panama
  • Puerto Rico
  • Paraguay
  • Venezuela

Vor einer Reise in die Tropen oder tropennahe Gebiete sollten sich Reisende online, beispielsweise auf der Website des Centers for Disease Control and Prevention über die Zika-Ansteckungsgefahr in dem Urlaubsziel informieren. Das gilt insbesondere für Frauen, die schwanger sind oder planen, ein Kind zu bekommen.

Ist eine Zika-Epidemie in Deutschland denkbar?

In Deutschland kam es seit 2013 immer wieder zu einzelnen eingeschleppten Fällen von Zikavirus-Infektionen durch Fernreisende. Dass sich das Zikavirus in Deutschland durch die wenigen importierten Infektionen weiter ausbreiten kann, gilt aufgrund des hier herrschenden Klimas allerdings als sehr unwahrscheinlich.

Wie lässt sich einer Zikavirus-Infektion vorbeugen?

Grundsätzlich sollten sich Reisende in den betroffenen Regionen sorgfältig vor Mückenstichen schützen, da keine Impfung oder vorbeugende Medikamente gegen das Virus existieren.

Um Mücken fernzuhalten, empfiehlt es sich

  • helle, möglichst geschlossene Kleidung zu tragen,
  • in geschlossenen Räumen die Klimaanlage anzuschalten,
  • imprägnierte Moskitonetze aufzuhängen und
  • freie Hautstellen mit Mückenschutzspray zu schützen, die sich auch gegen tropische Mücken eignen.

Um Fehlbildungen bei Kindern vorzubeugen, rät die Weltgesundheitsorganisation WHO zudem zu folgenden Vorsichtsmaßnahmen:

  • Frauen, die schwanger sind oder schwanger werden möchten wird grundsätzlich von einer Reise in ein Risikogebiet abgeraten. Lässt sich die Reise nicht vermeiden, sollten sich Schwangere vorher tropen- oder reisemedizinisch beraten lassen und auf einen konsequenten Mückenschutz achten.

  • Frauen mit Kinderwunsch sollten nach ihrer Rückkehr für mindestens zwei Monate auf ungeschützten Geschlechtsverkehr, der zu einer Schwangerschaft führen könnte, verzichten.

  • Männliche Sexualpartner sollten für mindestens drei Monate ein Kondom verwendet, da das Zikavirus so lange im Sperma überleben und es zu einer sexuellen Übertragung auf die Partnerin kommen kann.

  • Paare mit Kinderwunsch, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben, sollten grundsätzlich mindestens drei Monate mit einer Schwangerschaft warten.

Ab dem 28. Tag nach der Rückkehr aus der Urlaubsregion besteht die Möglichkeit, einen Test auf Zikavirus-Antikörper durchführen zu lassen.

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