Was tun bei neonataler Hypoglykämie?

Zu niedriger Blutzuckerspiegel bei Neugeborenen: Symptome und Ursachen

Bei einer Unterzuckerung nach der Geburt (neonatale Hypoglykämie) ist der Blutzuckerspiegel des Neugeborenen zu niedrig. Es gibt verschiedene Ursachen und Erkrankungen, die eine Unterzuckerung nach der Geburt auslösen. Bei Frühgeborenen kommt eine neonatale Hypoglykämie häufiger vor.

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Von einer Unterzuckerung nach der Geburt ist die Rede, wenn der Blutzucker des Neugeborenen auf 35 Milligramm pro Deziliter absinkt.
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Eine Unterzuckerung nach der Geburt (neonatale Hypoglykämie) betrifft etwa jedes zwanzigste bis fünfzigste reifgeborene Kind. Je nach Gesundheitszustand und Geburtsgewicht des Neugeborenen kann die Wahrscheinlichkeit für eine neonatale Hypoglykämie aber auch höher sein. So sind bis zu 20 Prozent der Frühgeborenen von einer Unterzuckerung nach der Geburt betroffen, vor allem, wenn es sich um besonders kleine Kinder handelt.

Normale Blutzuckerwerte erreicht das Neugeborene bis zum dritten Lebenstag

Dass der Blutzuckerspiegel des Babys etwas niedriger ist als der seiner Mutter, ist zunächst normal. So enthält das Nabelschnurblut etwa 70 Prozent des Blutzuckergehaltes der Mutter. Nach der Geburt sinkt der Blutzucker des Neugeborenen noch etwas und steigt dann bis zum dritten Lebenstag wieder auf Normalwerte an.

Gehirn am schnellsten von Unterzuckerung betroffen

Erst wenn der Blutzucker des Neugeborenen unter einen Wert von 45 mg/dl sinkt, sprechen Ärzte von einer Unterzuckerung nach der Geburt oder neonatalen Hypoglykämie. Der Begriff "neonatal" bedeutet das Neugeborene betreffend, "Hypoglykämie" lässt sich mit "zu wenig Zucker im Blut" übersetzen. Ein gewisser Gehalt an Zucker (Glukose) im Blut ist wichtig, um die Zellen von Geweben und Organen mit ausreichend Energie zu versorgen. Dabei reagieren nicht alle Gewebe gleich empfindlich auf einen zu niedrigen Zuckergehalt im Blutkreislauf.

Insbesondere Gehirnzellen sind auf Glukose als Energielieferant angewiesen. Daher ist das Gehirn relativ rasch von einer Unterzuckerung nach der Geburt betroffen und es kann zu Schäden kommen.

Unterzuckerung nach der Geburt: Die Symptome

Eine Unterzuckerung nach der Geburt tritt fast immer binnen der ersten 72 Stunden nach der Geburt auf, später hingegen nur sehr selten. In den meisten Fällen fehlen zu Beginn der Unterzuckerung typische Anzeichen.

Erst wenn die neonatale Hypoglykämie länger andauert, treten die im Folgenden aufgelisteten Anzeichen einer Unterzuckerung auf.

Woran Sie eine Unterzuckerung nach der Geburt erkennen

  • Das Neugeborene zittert auffällig.
  • Babys mit einer Hypoglykämie haben oft besonders blasse Haut, in manchen Fällen auch bläuliche Haut und Schleimhäute (Zyanose).
  • Manchmal trinken unterzuckerte Kinder auffallend schlecht (Trinkschwäche).
  • Bei einigen Säuglingen ist die Atmung beschleunigt (Tachypnoe) oder stockt ganz (Atemstillstand, Apnoe).
  • Die Körpertemperatur ist zu niedrig (Hypothermie), das Baby fühlt sich kühl an.
  • Das Neugeborene verhält sich besonders unruhig.
  • Bei manchen Säuglingen sind die Muskeln besonders stark angespannt.
  • Es kann bei länger andauernder Hypoglykämie zu Krampfanfällen kommen.

Unterzuckerung erhöht Risiko für Hirnschäden

Die Symptome, die infolge der Unterzuckerung nach der Geburt auftreten können, steigern sich, je länger die Hypoglykämie besteht. Da insbesondere das Gehirn sehr empfindlich auf einen Glukosemangel reagiert, ist es wichtig, dass die Unterzuckerung nach der Geburt schnell erkannt und behandelt wird. Bleibt die erforderliche Therapie aus, kann es letztlich zur Bewusstlosigkeit bis hin zum Koma kommen. Dabei besteht das Risiko, dass beim Neugeborenen Hirnschäden entstehen.

Symptome für eine Unterzuckerung

Erhöhter Bedarf an Glukose als eine Ursache der neonatalen Hypoglykämie

Es gibt mehrere mögliche Ursachen für Unterzuckerung nach der Geburt bei einem Neugeborenen. Zwei grundlegende Mechanismen werden jedoch zunächst unterschieden: zum einen der nach der Geburt erhöhte Verbrauch von Glukose und zum anderen die mangelnde Glukosezufuhr.

Unterkühlung bis Diabetes der Mutter: Ursachen für eine Unterzuckerung nach der Geburt

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Ein erhöhter Verbrauch von Glukose wird unter anderem durch eine Diabetes-Erkrankung der Mutter, erhöhten Sauerstoffbedarf oder Unterkühlung (Hypothermie) des Kindes verursacht oder tritt bei Neugeborenen auf, die an Nährstoffmangel leiden. Zu einem erhöhten Sauerstoffbedarf kann es zum Beispiel durch das Atemnotsyndrom kommen. Wenn das Neugeborene eine Austauschtransfusion erhalten muss, kann es ebenfalls zu einem erhöhten Glukoseverbrauch kommen.

Eine Unterzuckerung durch mangelnde Glukosezufuhr kann durch einen verzögerten Fütterungsbeginn, fehlende Glykosereserven, eine Fehlfunktion der Plazenta oder Stressmomente während der Geburt entstehen. Solch eine Stresssituation führt zu einer erhöhten Adrenalinausschüttung, welcher wiederum einen Glukoseverbrauch nach sich zieht.

Kontrolle des Blutzuckergehalts und anderer Blutwerte: Die Diagnose

Eine Unterzuckerung nach der Geburt ruft zu Beginn nur selten Symptome hervor. Um die Hypoglykämie rechtzeitig zu erkennen, überprüfen Ärzte den Blutzuckerspiegel bei Neugeborenen mit erhöhtem Risiko bereits kurz nach der Geburt.

Dies betrifft in der Regel Frühgeborene oder Babys, die zum errechneten Geburtstermin auf die Welt kommen, aber dennoch sehr klein und leicht sind. Auch wenn es während der Geburt zu Komplikationen kam und das Kind dadurch besonderem Stress ausgesetzt war, kontrollieren Ärzte meist den Blutzuckergehalt, um eine Unterzuckerung rechtzeitig festzustellen. Gleiches gilt, wenn die Mutter des Säuglings Diabetikerin ist.

Um den Blutzuckerwert zu bestimmen reicht kleine Blutmenge aus

Häufig bestimmt das Labor noch weitere Werte, zum Beispiel den Gehalt an Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut (Blutgasanalyse), den Milchsäuregehalt (Laktatwert) oder auch die Menge an sogenanntem Keton im Blut und Urin. Dieses Stoffwechselprodukt entsteht, wenn der Körper seine Energie aus den Fettreserven gewinnt, weil die Zuckerspeicher aufgebraucht sind. Bei einer neonatalen Hypoglykämie kann als Komplikation die Kalziumkonzentration absinken, weswegen bei betroffenen Kindern auch meist der Kalziumblutwert kontrolliert wird. Besteht der Verdacht, dass bestimmte angeborene Erkrankungen, zum Beispiel Stoffwechselstörungen ursächlich an der Unterzuckerung nach der Geburt beteiligt sind, erfolgen entsprechende zusätzliche Untersuchungen.

Bei Kindern mit einem erhöhten Risiko für eine neonatale Hypoglykämie erfolgen die Blutzuckermessungen in regelmäßigen, zeitlich engen Abständen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Unterzuckerung nach der Geburt

Ärzte behandeln einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel bei Neugeborenen, indem sie ihnen Glukose zuführen. Dies kann über Trinklösungen oder Infusionen erfolgen.

Bei einer Unterzuckerung nach der Geburt ist es wichtig, zunächst den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren. Dazu wird im ersten Schritt eine 20-prozentige Glukoselösung in der Dosis von 0,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht. Anschließend erfolgt über eine Infusion die kontinuierliche Gabe einer 10-prozentigen Lösung in der Dosis von 0,3 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde.

Infusion bis sich Blutzucker normalisiert hat

Wenn dadurch der Blutzucker nicht stabilisiert werden kann und er weiterhin niedrig bleibt (persistierende Hypoglykämie), wird das Neugeborene mit dem Hormon Glukagon behandelt, welches die Glukoseausschüttung der Leber anregt. Nach einer solchen Behandlung wird die Glukoseinfusion eine Zeit lang fortgeführt, bis sich der Blutzuckerspiegel stabilisiert hat.

Der Blutzuckerspiegel des Neugeborenen wird während dieser Therapie regelmäßig überprüft.

Unkomplizierter Verlauf bei frühzeitiger Diagnose

Gelingt es die Unterzuckerung nach der Geburt frühzeitig zu behandeln, ist die Prognose in der Regel gut. Hat die Unterzuckerung bereits Symptome verursacht, ist das Risiko für bleibende Hirnschäden erhöht.

Ist ein Neugeborenes von neonataler Hypoglykämie betroffen, sinkt der Blutzuckerspiegel 24 bis 72 Stunden nach der Geburt auf ein kritisches Maß ab. Selten geschieht dieser Abfall zwischen dem dritten und siebten Lebenstag. Bei einer neonatalen Hypoglykämie, welche ohne Symptome verläuft, kann es zu bleibenden Hirnschäden kommen. Jedoch ist die Prognose für eine Stabilisierung des Blutzuckerspiegels gut. Wenn eine Hypoglykämie frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt wird, können bleibende Hirnschäden verhindert werden.

Eine mögliche Komplikation während einer neonatalen Hypoglykämie ist ein Abfall des Kalziumgehalts im Blut (Hypokalzämie). Sobald eine Hypoglykämie bekannt ist, sollten daher regelmäßig die Elektrolytwerte des betroffenen Säuglings kontrolliert werden. Sollte es zu einer Hypokalzämie kommen, wird Kalziumglukonat per Infusion verabreicht.

Kann man einer Unterzuckerung nach der Geburt vorbeugen?

Einer Hypoglykämie bei Neugeborenen lässt sich nicht hundertprozentig vorbeugen. Bei Neugeborenen mit erhöhtem Risiko kann eine Hypoglykämie durch frühzeitige Blutzuckermessungen jedoch schnell erkannt und behandelt werden.

Um einer Unterzuckerung nach der Geburt vorzubeugen, kontrollieren Ärzte routinemäßig den Blutzucker von Neugeborenen mit erhöhtem Risiko. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Frühgeborene (Babys, die vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche zu Welt kommen)
  • Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht
  • Babys, deren Mütter Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) haben
  • Neugeborene, deren Geburtsverlauf kompliziert war
  • Babys bei denen der Verdacht besteht, dass es zu einem Sauerstoffmangel gekommen ist.

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Durch sie kann der Arzt innerhalb kürzester Zeit eine Unterzuckerung erkennen und schnell behandeln.

In seltenen Fällen kann es auch bei Neugeborenen zu einer Unterzuckerung nach der Geburt kommen, bei denen zunächst kein besonderes Risiko ersichtlich war. Um Folgeschäden vorzubeugen, gilt auch hier: Das Risiko ist umso geringer, je frühzeitiger der Blutzuckerspiegel stabilisiert wurde.

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