Was tun bei neonataler Hypoglykämie?

Zu niedriger Blutzuckerspiegel bei Neugeborenen: Symptome und Ursachen

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Bei einer Unterzuckerung nach der Geburt (neonatale Hypoglykämie) ist der Blutzuckerspiegel des Neugeborenen zu niedrig. Es gibt verschiedene Ursachen und Erkrankungen, die eine Unterzuckerung nach der Geburt auslösen. Bei Frühgeborenen kommt eine neonatale Hypoglykämie häufiger vor.

unterzuckerung bei Neugeborenen
© GettyImages/Tetra Images - Mike Kemp

Eine Unterzuckerung nach der Geburt (neonatale Hypoglykämie) betrifft etwa jedes zwanzigste bis fünfzigste neugeborene Kind. Je nach Gesundheitszustand und Körpergewicht des Neugeborenen kann die Wahrscheinlichkeit für eine neonatale Hypoglykämie aber auch höher sein. So sind bis zu 20 Prozent der Frühgeborenen von einer Unterzuckerung nach der Geburt betroffen, vor allem, wenn es sich um besonders kleine Kinder handelt. Der Begriff "neonatal" bedeutet das Neugeborene betreffend, "Hypoglykämie" lässt sich mit "zu wenig Zucker im Blut" übersetzen.

Im Überblick:

Symptome für eine Unterzuckerung

Neonatale Hypoglykämie: Niedriger Blutzuckerspiegel bei Babys

Dass der Blutzuckerspiegel des neugeborenen Babys etwas niedriger ist als der seiner Mutter, ist zunächst normal. So enthält das Nabelschnurblut etwa 70 Prozent des Blutzuckergehaltes der Mutter. Nach der Geburt sinkt der Blutzucker des Neugeborenen noch etwas und steigt dann bis zum dritten Lebenstag wieder auf Normalwerte an.

Sobald folgende Werte unterschritten werden, ist in der Medizin, insbesondere der Neonatologie, die Rede einer Unterzuckerung beim Neugeborenen:

  • Blutzucker des Neugeborenen ohne typische Symptome sinkt unter einen Wert von 45 Milligramm pro Deziliter (mg/dl).

  • Der Blutzuckerspiegel liegt bei Babys mit Anzeichen einer Unterzuckerung unter 40 mg/dl.

  • Bei Frühgeborenen, wenn der Wert in den ersten 48 Stunden unter 35 mg/dl fällt.

Ein gewisser Gehalt an Zucker (Glucose) im Blut ist wichtig, um die Zellen von Geweben und Organen mit ausreichend Energie zu versorgen. Dabei reagieren nicht alle Gewebe gleich empfindlich auf einen zu niedrigen Zuckergehalt im Blutkreislauf.

Insbesondere Gehirnzellen sind auf Glukose als Energielieferant angewiesen. Daher ist das Gehirn relativ rasch von einer Unterzuckerung nach der Geburt betroffen und es kann zu Schäden kommen.

Unterzuckerung nach der Geburt: Symptome

Eine Unterzuckerung tritt fast immer binnen der ersten 72 Stunden nach der Geburt auf, später hingegen nur sehr selten. In den meisten Fällen fehlen zu Beginn der Unterzuckerung typische Anzeichen.

Erst wenn die neonatale Hypoglykämie länger andauert, treten Symptome einer Unterzuckerung auf.

Woran Sie eine Unterzuckerung nach der Geburt erkennen

  • Das Neugeborene zittert auffällig.

  • Babys mit einer Hypoglykämie haben oft besonders blasse Haut, in manchen Fällen auch bläuliche Haut und Schleimhäute (Zyanose).

  • Manchmal trinken unterzuckerte Kinder auffallend schlecht (Trinkschwäche).

  • Bei einigen Säuglingen ist die Atmung beschleunigt (Tachypnoe) oder stockt ganz (Atemstillstand, Apnoe).

  • Die Körpertemperatur ist zu niedrig (Hypothermie), das Baby fühlt sich kühl an.

  • Das Neugeborene verhält sich besonders unruhig.

  • Bei manchen Säuglingen sind die Muskeln besonders stark angespannt.

  • Es kann bei länger andauernder Hypoglykämie zu Krampfanfällen kommen.

Die Symptome, die infolge der Unterzuckerung nach der Geburt auftreten können, steigern sich, je länger die Hypoglykämie besteht. Da insbesondere das Gehirn sehr empfindlich auf einen Glukosemangel reagiert, ist es wichtig, dass der geringe Glukosewert nach der Geburt schnell erkannt und behandelt wird. Bleibt die erforderliche Therapie aus, kann es letztlich zur Bewusstlosigkeit bis hin zum Koma kommen. Dabei besteht das Risiko, dass beim Neugeborenen Hirnschäden entstehen.

Ursachen der neonatalen Hypoglykämie

Ursachen für eine Unterzuckerung nach der Geburt können zum einen an einem erhöhten Glukoseverbrauch, zum anderen an einer mangelnden Glukosezufuhr liegen.

  • Ein erhöhter Verbrauch von Glukose kann verschiedene Gründe haben. So sind eine Diabetes-Erkrankung der Mutter, ein erhöhter Bedarf an Sauerstoff oder eine Unterkühlung (Hypothermie) des Kindes mögliche Ursachen. Ein erhöhter Sauerstoffbedarf kann durch das Atemnotsyndrom ausgelöst werden. Auch tritt eine Unterzuckerung häufig bei Neugeborenen auf, die an Nährstoffmangel leiden.

  • Eine Unterzuckerung durch mangelnde Glukosezufuhr ist möglich, wenn zum Beispiel ein verzögerter Fütterungsbeginn stattfindet. Auch fehlende Glykosereserven, eine Fehlfunktion der Plazenta oder Stressmomente während der Geburt sind denkbare Auslöser. Solch eine Stresssituation führt zu einer erhöhten Adrenalinausschüttung, welcher wiederum einen vermehrten Glukoseverbrauch nach sich zieht.

Kinder von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) leiden häufiger an einer Unterzuckerung nach der Geburt. Etwa vier Prozent der schwangeren Frauen leiden an Schwangerschaftsdiabetes.


Diagnose einer Unterzuckerung beim Baby

Eine Unterzuckerung nach der Geburt ruft zu Beginn nur selten Symptome hervor. Um die Hypoglykämie rechtzeitig zu erkennen, erfolgt eine Messung des Blutzuckerspiegels bei Neugeborenen mit erhöhtem Risiko bereits kurz nach der Geburt.

Dies betrifft in der Regel Frühgeborene oder Babys, die zum errechneten Geburtstermin auf die Welt kommen, aber dennoch sehr klein und leicht sind. Auch wenn es während der Entbindung zu Komplikationen kam und das Kind dadurch besonderem Stress ausgesetzt war, kontrollieren Ärzte*Ärztinnen meist den Blutzuckergehalt, um eine Unterzuckerung rechtzeitig festzustellen. Gleiches gilt, wenn die Mutter des Säuglings Diabetikerin ist.

Blutzuckerwertbestimmung über das Blut

Häufig bestimmt das Labor noch weitere Werte, zum Beispiel den Gehalt an Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut (Blutgasanalyse), den Milchsäuregehalt (Laktatwert) oder auch die Menge an sogenanntem Keton im Blut und Urin. Dieses Stoffwechselprodukt entsteht, wenn der Körper seine Energie aus den Fettreserven gewinnt, weil die Zuckerspeicher aufgebraucht sind.

Bei einer neonatalen Hypoglykämie kann als Komplikation die Kalziumkonzentration absinken, weswegen bei betroffenen Kindern auch meist der Kalziumblutwert kontrolliert wird. Besteht der Verdacht, dass bestimmte angeborene Erkrankungen, zum Beispiel Stoffwechselstörungen ursächlich an der Unterzuckerung beteiligt sind, erfolgen entsprechende zusätzliche Untersuchungen.

Bei Kindern mit einem erhöhten Risiko für eine neonatale Hypoglykämie erfolgen die Messungen des Blutzuckerspiegels in regelmäßigen, zeitlich engen Abständen.

Behandlung bei Unterzuckerung nach der Geburt

Babys von Müttern mit Diabetes erhalten aufgrund des erhöhten Risikos einer neonatalen Hypoglykämie vorbeugend eine Dextrose-Lösung als Infusion oder ein Dextrose-Gel in die Wangen eingerieben. Dies wird auch Neugeborenen verabreicht, die den Grenzwert des Blutzuckerspiegels unterschreiten.

Bei einer Unterzuckerung nach der Geburt ist es wichtig, zunächst den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren. Dazu wird eine an das Körpergewicht angepasste Glukoselösung verabreicht. Pendelt sich der Blutzuckerwert langsam ein, muss die Gabe von Glukose langsam reduziert werden.

Das Neugeborene wird mit dem Hormon Glukagon behandelt, wenn der Blutzucker nicht stabilisiert werden kann und er weiterhin niedrig bleibt (persistierende Hypoglykämie). Glukagon regt die Glukoseausschüttung der Leber an. Nach einer solchen Behandlung wird die Glukoseinfusion eine Zeit lang fortgeführt, bis sich der Blutzuckerspiegel stabilisiert hat.

Die Glukosewerte des Neugeborenen werden während dieser Therapie regelmäßig überprüft.

Verlauf einer Unterzuckerung beim Neugeborenen

Gelingt es, die Unterzuckerung nach der Entbindung frühzeitig zu behandeln, ist die Prognose in der Regel gut. Hat die Unterzuckerung bereits Symptome verursacht, ist das Risiko für bleibende Hirnschäden erhöht.

Ist ein Neugeborenes von neonataler Hypoglykämie betroffen, sinkt der Blutzuckerwert 24 bis 72 Stunden nach der Geburt auf ein kritisches Maß ab. Selten geschieht dieser Abfall zwischen dem dritten und siebten Lebenstag. Bei einer neonatalen Hypoglykämie, welche ohne Symptome verläuft, kann es zu bleibenden Hirnschäden kommen. Jedoch ist die Prognose für eine Stabilisierung des Blutzuckerspiegels gut. Wenn eine Hypoglykämie frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt wird, können bleibende Hirnschäden verhindert werden.

Hypokalzämie als mögliche Komplikation

Eine mögliche Komplikation während einer neonatalen Hypoglykämie ist ein Abfall des Kalziumgehalts im Blut (Hypokalzämie). Sobald eine Hypoglykämie bekannt ist, sollten daher regelmäßig die Elektrolytwerte des betroffenen Säuglings kontrolliert werden. Sollte es zu einer Hypokalzämie kommen, wird Kalziumglukonat per Infusion verabreicht.

Kann man einer Unterzuckerung nach der Geburt vorbeugen?

Einer Hypoglykämie bei Neugeborenen lässt sich nicht hundertprozentig vorbeugen. Bei Neugeborenen mit erhöhtem Risiko kann eine Hypoglykämie durch frühzeitige Blutzuckermessungen jedoch schnell erkannt und behandelt werden.

Um einer Unterzuckerung nach der Geburt vorzubeugen, kontrollieren Ärzte*Ärztinnen routinemäßig den Blutzucker von Neugeborenen mit erhöhtem Risiko. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Frühgeborene Babys, die vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen

  • Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht

  • Babys, deren Mütter Diabetes mellitus haben

  • Neugeborene, deren Geburtsverlauf kompliziert war

  • Babys bei denen der Verdacht besteht, dass es zu einem Sauerstoffmangel gekommen ist.

Zur raschen Kontrolle des Blutzuckers nach der Geburt stehen Schnelltests zur Verfügung. Durch sie kann die*der Ärztin*Arzt innerhalb kürzester Zeit einen zu geringen Blutzuckerspiegel erkennen und schnell behandeln.

In seltenen Fällen kann es auch bei Neugeborenen, bei denen zunächst kein besonderes Risiko ersichtlich war, zu einer Unterzuckerung nach der Geburt kommen. Um Folgeschäden vorzubeugen, gilt auch hier: Das Risiko ist umso geringer, je frühzeitiger der Blutzuckerspiegel stabilisiert wird.

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