Warum Antibiotika bei Viren sinnlos sind

Viele Menschen denken, dass sie eine Erkältung mit einem Antibiotikum schneller loswerden. Dabei wirken Antibiotika nur bei einer Infektion mit Bakterien. Halsschmerzen, meist die ersten Symptome einer Erkältung oder eines grippalen Infekts, sind in 8 von 10 Fällen viral bedingt. Lesen Sie hier, warum Antibiotika bei einer Infektion mit Viren nicht hilfreich sind.

Mann im Labor legt Bakterien-Kultur in Petrischale an
Antibiotika helfen nur bei bakteriellen Infektionen. Gegen Viruserkrankungen sind sie machtlos.
© iStock.com/Arindam Ghosh

Etwa 25 Prozent der Deutschen nehmen einmal im Jahr ein Antibiotikum – überwiegend aufgrund von grippalen Infekten. Doch Erkältungen, Halsschmerzen, Schnupfen und Grippe (Influenza) werden in der Regel durch Viren verursacht. In diesen Fällen können Antibiotika nichts ausrichten. Gegen Bakterien wirken sie dagegen umso mehr. Das ist eine der vielen Unterschiede zwischen Viren und Bakterien. Die einzige Gemeinsamkeit? Beide können beim Menschen Krankheiten verursachen.

Antibiotikaresistenz vorbeugen

Was ist der Unterschied zwischen Viren und Bakterien?

Das sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Viren und Bakterien:

  • Größe: Bakterien sind viel größer als Viren.

  • Bauplan: Viren sind sehr einfach aufgebaut. Sie bestehen weder aus einer eigenen Zelle noch haben sie einen eigenen Stoffwechsel. Sie sind streng genommen keine Lebewesen. Bakterien zählen dagegen sehr wohl zu den Lebewesen. Sie besitzen eine richtige Zellwand und eine Innenstruktur.

  • Vermehrung: Viren können sich nicht selbstständig vermehren. Sie dringen in die menschlichen Zellen ein und benutzen diese als Wirt – ohne ihn sterben sie ab. Bakterien vermehren sich eigenständig durch Zellteilung.

  • Krankheitsübertragung: Viren und Bakterien machen uns auf unterschiedliche Weise krank. Viren zerstören Zellen in unserem Körper. Bakterien richten beispielsweise durch giftige Stoffwechselprodukte Schäden an.

  • Behandlung: Eine bakterielle Infektion wird mit Antibiotika behandelt. Diese greifen die Strukturen der Bakterien an und sorgen dadurch dafür, dass sie absterben oder sich nicht mehr vermehren können. Viren sind dagegen schwer mit Medikamenten zu bekämpfen. Da sie keinen eigenen Stoffwechsel und keine Zellwand besitzen, sind Antibiotika gegen sie machtlos. Spezielle antivirale Mittel wirken nur gegen einzelne Virusarten. Gelingt es unserer körpereigenen Abwehr, den Virus zu bekämpfen, sind wir jedoch oft immun und können uns nicht mehr mit diesem Erreger anstecken. Allerdings verändern sich Viren schnell, sodass wir bei der nächsten Erkältungswelle erneut erkranken können.

Wie wirken Antibiotika?

Antibiotika haben einen natürlichen Ursprung. In der Regel handelt es sich um Stoffwechselprodukte von einzelligen Pilzen und Bakterien. Diese haben sie im Laufe der Evolution so entwickelt, dass sie in der Lage sind, die feindliche "Konkurrenz" außer Gefecht zu setzen. Antibiotische Medikamente bekämpfen Bakterien, indem sie ihr Wachstum oder die Vermehrung hemmen beziehungsweise diese ganz abtöten.

Wann wurden Antibiotika entdeckt?

Die Entdeckung von Antibiotika war die medizinische Revolution des 20. Jahrhunderts. Der Arzt und Pharmakologe Paul Ehrlich spürte das erste Antibiotikum bereits 1910 auf. Mit der Entdeckung von Penicillin durch den Bakteriologen Alexander Fleming im Jahr 1928 begann der eigentliche Siegeszug der Antibiotika in der Medizin. Während des zweiten Weltkrieges wurden amerikanische Soldaten flächendeckend mit Penicillin versorgt – in den 1950er und 1960er Jahren war es in Deutschland sogar rezeptfrei in Apotheken erhältlich.

So entstehen Resistenzen

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    Unnötige Verschreibungen und falscher Gebrauch: Ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika ist heute wichtig. Mit einfachen Maßnahmen gelingt das.

Jeder dritte Bakterienstamm ist inzwischen resistent gegen herkömmliche Antibiotika. Das hat den Effekt, dass Antibiotika bei der Behandlung nicht mehr wirken. Schuld ist die großzügige und sorglose Verwendung von Antibiotika. Bakterien sind nämlich wahre Anpassungskünstler. Sie vermehren sich sehr schnell und in großer Zahl. Manchmal entstehen dabei spontane Veränderungen im Erbgut. Und diese Mutation kann den Erreger unempfindlich gegen Antibiotika machen. Inzwischen sind viele Erreger sogar gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig resistent. Dadurch sind sie besonders schwer zu bekämpfen.

Ist im Zusammenhang mit Antibiotika die Rede von Resistenzen, sind damit immer die Bakterien selbst gemeint, die gegen die Wirkung der Arzneimittel immun werden. Der Mensch selbst kann nicht resistent gegenüber einem Medikament werden.

Was begünstigt Antibiotikaresistenzen?

Die Entstehung von Resistenzen hat verschiedene Ursachen. Obwohl es seit vielen Jahren klare Richtlinien gibt, werden Antibiotika immer noch ungezielt, zu häufig und sehr oft auch fälschlicher Weise verordnet.

  • Wir greifen zu Antibiotika, obwohl sie nicht wirken, zum Beispiel bei Infektionen mit Viren.
  • Antibiotika werden zu häufig, zu kurz oder zu niedrig dosiert eingenommen.
  • Außerdem begünstigt der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung die Entstehung resistenter Bakterien.

Würden Antibiotika ihre Wirkung verlieren, wären heute gut therapierbare Infektionen wieder lebensbedrohlich. Manche Experten sprechen bereits vom post-antibiotischen Zeitalter. Damit es nicht soweit kommt, forschen Wissenschaftler zum einen mit Hochdruck an neuen Antibiotika, gegen die es noch keine Resistenzen gibt. Zum anderen ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika von allen gefragt.

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