Topische Therapie

Psoriasis - lokale Behandlung mit Glukokortikoiden

Glukokortikoide sind antientzündlich wirkende Abkömmlinge des körpereigenen Hormons Kortisol, welche lokal auf die Psoriasis-Herde sowie auf miterkrankte Finger- bzw. Zehennägel aufgetragen werden können. Die Wirksamkeit ist stark, Behandlungserfolge treten im Allgemeinen recht schnell ein. Wegen unerwünschter Begleiterscheinungen können sie jedoch nicht ununterbrochen eingesetzt werden.

Psoriasis - lokale Behandlung mit Glukokortikoiden
Glukokortikoide hilft bei Psoriasis
©iStock.com/OlgaMiltsova

Glukokortikoide ("Kortison") sind weltweit die in der Psoriasis-Therapie noch immer am meisten eingesetzten lokal anzuwendenden Wirkstoffe. Da Glukokortikoide aufgrund unerwünschter Begleiterscheinungen nicht ununterbrochen einsetzbar sind und es sich bei der Psoriasis um eine chronische Erkrankung handelt, muss die Therapie sorgfältig geplant und gut kontrolliert werden.

Glukokortikoide: Wirkweise und Anwendung bei Psoriasis

Glukokortikoide sind Abkömmlinge des körpereigenen Hormons Kortisol. Sie sind stark antientzündlich wirksam. Zusätzlich unterdrücken sie die Immunreaktion und wirken hemmend auf die vermehrte Zellteilung. Es steht eine Vielzahl unterschiedlicher Glukokortikoide in verschiedenen Zubereitungen zur Verfügung. Sie werden lokal auf die Psoriasis-Herde oder auf miterkrankte Finger- bzw. Zehennägel aufgetragen. Zur Wirkungsverstärkung können die Substanzen auch unter Folie angewandt werden. Die antiinflammatorische (=antientzündliche) Wirkung von Glukokortikoiden ist (je nach Einzelsubstanz) sehr stark ausgeprägt; der Behandlungserfolg tritt im Allgemeinen schnell ein. Dies ist besonders bei schmerzhaften Pusteln (= Eiterbläschen) im Rahmen einer Psoriasis pustulosa der Hände und Füße von Vorteil. Eine Glukokortikoid-Therapie ist auch gut wirksam bei einer stark entzündlichen Psoriasis der Hautfalten sowie bei Kopfhautpsoriasis.

Mögliche Nebenwirkungen

Zu den unerwünschten Wirkungen der lokal angewandten Glukokortikoide bei Psoriasis zählen u. a.:

  • eine Ausdünnung sowie vermehrte Verletzlichkeit der Haut
  • Beeinträchtigung der Wundheilung
  • Hautrötungen
  • verminderte Abwehrfähigkeit der Haut mit der Folge von Infektionen z. B. durch Hefepilze
  • Depigmentierung (Verminderung der normalen Hautfarbe)
  • Steroid-Akne
  • Risse in der Unterhaut mit der Folge von Dehnungsstreifen (Striae distensae, "Schwangerschaftsstreifen")
  • "geplatzte Äderchen" (Teleangiektasien)
  • eine Entzündung um den Mund herum (auch rosazeaartige periorale Dermatitis genannt)
  • nicht zuletzt können allergische Reaktionen auf das verwendete Präparat auftreten

Besonders bei längerer und großflächiger Anwendung kann es zur Aufnahme des Wirkstoffs in den Körper kommen, wodurch systemische Nebenwirkungen auftreten. Hierbei kann es zur Störung des körpereigenen Glukokortikoidstoffwechsels mit einer Unterdrückung der Nebennierenrindenfunktion kommen. Die Folgen sind Gewichtszunahme mit der Entwicklung des typischen Vollmondgesichts (rund und rot), "Stiernacken" und Stammfettsucht sowie erhöhte Blutfettwerte. Die Störung des Eiweißstoffwechsels führt zu Muskelschwund und Knochenabbau (Osteoporose) mit Schmerzen und Schwäche. Weitere Folgen sind Blutbildveränderungen sowie eine Beeinflussung des Hormonhaushalts, was bei Frauen zu Zyklusstörungen und Vermännlichung vor allem im Behaarungstyp, bei Kindern zu Wachstumsstörungen führen kann. Auch eine diabetische Stoffwechsellage kann ausgelöst werden oder eine bestehende sich verschlechtern. Dieses Krankheitsbild wird als Morbus Cushing bezeichnet. Da der M. Cushing in diesem Falle nicht durch eine körpereigene Störung, sondern durch einen äußeren Einfluss, nämlich der Medikamentengabe, ausgelöst wird, spricht man auch von einem exogenen M. Cushing.

Behandlungsdauer und Intervalltherapie

Eine Glukokortikoid-Behandlung sollte wegen der – je nach Behandlungsdauer sowie nach Potenz und Konzentration des verwendeten Wirkstoffs unterschiedlich ausgeprägten – Nebenwirkungen immer nur zeitlich begrenzt erfolgen. Es wird in der Regel eine Behandlungsdauer von nicht mehr als zwei Wochen empfohlen. Auch kann man zur Verringerung unerwünschter Wirkungen die Glukokortikoide im Wechsel mit Pflegesalben anwenden, sodass beispielsweise auf drei Tage Kortisonsalbe vier Tage Pflegesalbe folgen. Man nennt diese Behandlungsform Intervalltherapie.

Ein Nachteil ist die Tatsache, dass die Hautveränderungen nach Absetzen der Behandlung meist innerhalb weniger Wochen wieder auftreten, z. T. sogar deutlich stärker. Daher sollte sich an den Einsatz von Glukokortikoiden bei Psoriasis stets eine Behandlung mit einem anderen Wirkstoff oder eine Lichttherapie anschließen.

Meistgeklickt zum Thema
Psoriasis - systemische Behandlung mit Fumarsäureestern
Fumarate

Fumarsäureester sind Abkömmlinge der im menschlichen Körper vorkommenden Fumarsäure. Die zur Behandlung der Schuppenflechte verfügbaren Präparate enthalten ein Gemisch aus verschiedenen Fumarsäureestern. mehr...

Psoriasis - Behandlung mit Adalimumab
Biologics bei Schuppenflechte

Adalimumab ist ein gentechnisch hergestellter monoklonaler Antikörper. Er bindet an den Botenstoff TNF-alpha, einen wichtigen körpereigenen Botenstoff des Immunsystems. Auf diese Weise wird TNF-alpha, das bei... mehr...

Psoriasis - Behandlung mit Etanercept
Biologics bei Schuppenflechte

Der Tumornekrosefaktor-alpha-Blocker (TNF-α-Antagonist) Etanercept gehört zur Gruppe der sogenannten Biologics. Er blockiert den Botenstoff TNF-alpha und greift damit gezielt und effektiv in den entzündlichen... mehr...

Psoriasis - systemische Behandlung mit Methotrexat
Systemische Therapie

Methotrexat wird seit vielen Jahren erfolgreich in der Rheumatherapie eingesetzt und hat sich auch in der Behandlung der Psoriasis mit und ohne Gelenkbeteiligung bewährt. Methotrexat greift in körpereigene... mehr...

Was sind Biologika, Biologicals oder Biologics?
Neue Wirkstoffgruppen

Biologika, auch Biologicals oder Biologics genannt, sind biotechnologisch hergestellte Eiweiße, die körpereigenen Substanzen sehr ähnlich sind. Biologika sind daher in der Lage, verschiedene... mehr...

Haben Sie eine Frage?

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Psoriasis
Basistherapie
  • UG| Psoriasis - Basistherapie mit HarnstoffHarnstoff

    Harnstoff vermag Feuchtigkeit zu binden, besitzt eine geringe schuppenlösende und die Schuppenbildung hemmende Wirksamkeit mehr...

  • Psoriasis - Basistherapie mit SalicylsäureSalicylsäure

    Salicylsäure ist in der lokalen Therapie von Psoriasis eines der wichtigsten Adjuvantien (Zusatzstoffe) mehr...

  • UG| Basistherapie bei Psoriasis - ÜberblickÜberblick

    Für die optimale Behandlung der Psoriasis ist auch eine gute Hautpflege entscheidend mehr...

Artikel zum Thema
Gelenkschmerzen: Kann es Psoriasis-Arthritis sein?

Psoriasis und Gelenkschmerzen – Kann es eine Psoriasis-Arthritis sein?

mehr...
Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Aktuelle Fragen aus der Community
  • Expertenrat Psoriasis/ Schuppenflechte
    Kopfhautpsosiasis
    03.07.2019 | 08:24 Uhr

    Guten Tag, Ich habe seit 20 Jahren Psoriasis, hauptsächlich am Kopf. Nun bin ich gerade...  mehr...

  • Expertenrat Psoriasis/ Schuppenflechte
    Fremdurin_Therapie
    17.06.2019 | 15:39 Uhr

    Hallo, ich leide seit sehr vielen Jahren an  Psoriasis . Meine beste Freundin ist kern...  mehr...

  • Expertenrat Psoriasis/ Schuppenflechte
    Psoriasis
    12.06.2019 | 17:22 Uhr

    Hallo! Ich kann bald nicht mehr. Kratze mich blutig. Bis vor 2 Wochen hatte ich...  mehr...

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren
Forum Psoriasis

Sie haben Fragen zum Thema Psoriasis. Tauschen Sie sich in unserem Forum mit anderen Betroffenen aus.

mehr...

Zum Seitenanfang

afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2012/Monat: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über Gong Verlag GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: www.lifeline.de

Unser Angebot erfüllt die afgis-Transparenzkriterien.
Das afgis-Logo steht für hochwertige Gesundheitsinformationen im Internet.