Hohe Kortisonkonzentration im Körper

Cushing-Syndrom: Wenn die Nebennierenrinde zu viele Hormone produziert

Das Cushing-Syndrom wird durch eine erhöhte Konzentration von Nebennierenrinden-Hormonen (Glukokortikoide, Androgene, Mineralokortikoide) im Körper ausgelöst. Besteht dieser sogenannte Hyperkortisolismus über einen längeren Zeitraum, kommt es zu typischen Veränderungen wie Stammfettsucht, Vollmondgesicht und Bluthochdruck.

Arzt misst Bauchumfang eines übergewichtigen Patienten
Zu den typischen Symptomen des Cushing-Syndroms zählt die Stammfettsucht.
© iStock.com/FredFroese

Unter einem Syndrom versteht die Medizin eine Mehrzahl von Krankheitssymptomen, die alle die gleiche Ursache haben und fast immer gemeinsam auftreten. Beim Cushing-Syndrom kommt es zu einer Vielzahl von Symptomen, weil es sich um eine Störung im Hormonhaushalt handelt. Es handelt sich um eine Vermehrung der Konzentration der Nebennierenrindenhormone. Die Wirkung dieser drei Hormone ist sehr komplex, denn sie setzen an unterschiedlichen Stellen des Körpers an.

  • Das Glukokortikoid Kortisol wirkt vor allem auf den Stoffwechsel. Es erhöht die Zuckerneubildung, baut Fett ab und erhöht den Abbau von Eiweiß. Außerdem ist es entzündungshemmend und unterdrückt das Immunsystem.
  • Aldosteron ist ein Mineralokortikoid und ist für den Salz- und Wasserhaushalt zuständig. So kann Aldosteron den Blutdruck beeinflussen.
  • Androgene sind Sexualhormone, die im Körper in das Geschlechtshormon Testosteron umgewandelt werden. Allerdings stammen nur etwa 5% der männlichen Androgene aus der Nebenniere, der Rest wird im Hoden gebildet.

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Was ist das Cushing-Syndrom?

Bei Menschen mit Cushing-Syndrom ist hauptsächlich die Erhöhung der Kortisolkonzentration im Körper für die Krankheitszeichen verantwortlich. So zeigen sich dadurch beim Cushing-Syndrom Symptome wie:

  • Vollmondgesicht
  • Stammfettsucht mit dickem Rumpf und dünnen Armen und Beinen
  • Stiernacken
  • Diabetes mellitus
  • Osteoporose
  • Muskelschwäche
  • rötliche Dehnungsstreifen der Haut
  • Wundheilungsstörungen
  • Infektanfälligkeit
  • psychische Probleme

Weitere Symptome des Cushing-Syndroms sind:

  • Blutdruckerhöhung
  • anhaltender Durst
  • verminderte Kaliumwerte im Blut
  • verstärkte Körperbehaarung (Hirsutismus)
  • Menstruationsstörungen
  • Verkleinerung der männlichen Geschlechtsmerkmale
  • Überpigmentierung der Haut

Sie werden durch die erhöhte Konzentration der Hormone Aldosteron und Androgenen ausgelöst.

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Ursachen, die das Cushing-Syndrom auslösen können

Das Cushing-Syndrom kann entweder von außen herbeigeführt (exogenes Cushing-Syndrom) sein oder durch innere Erkrankungen oder Fehlfunktionen (endogenes Cushing-Syndrom) ausgelöst werden. Ein endogenes Cushing-Syndrom ist die seltenere Form der Erkrankung. Frauen sind deutlich häufiger von der endogenen Variante des Cushing-Syndroms betroffen, sie kann aber auch bei Männern und in seltenen Fällen bei Kindern auftreten.

Endogenes Cushing-Syndrom

Die Produktion der Nebennierenrindenhormone unterliegen einer komplexen Regulierung durch die Hirnanhangdrüse (Hypophyse), die in ihrem Vorderlappen das Hormon ACTH (Adrenocorticotropin) bildet. Je mehr ACTH von der Hypophyse gebildet wird, desto mehr Hormone produzieren die Nebennierenrinden. Der Hypophyse ist ein weiterer Kontrollmechanismus vorgeschaltet, nämlich der Hypothalamus, der ein lebenswichtiger Teil des Zwischenhirns ist. Dort wird nämlich der Cortisolspiegel im Blut gemessen und bei Bedarf CRH (Corticotropin-releasing Hormone) ausgeschüttet. Dieses ist dann wiederum der Auslöser für die Erhöhung der ACTH Produktion in der Hypophyse. Dieser Regelkreis aus Hypothalamus-, Hypophysen- und Nebennierenrindenhormonen sorgt beim gesunden Menschen dafür, dass kein Hormonüberschuss zustande kommt.

Treten jedoch an einer Stelle des Kreislaufes Störungen auf, kann die Hormonproduktion aus dem Ruder laufen. Man unterscheidet zwei Formen:

  • Zentrales Cushing-Syndrom: Aus ungeklärter Ursache ist der Sollwert der Cortisolkonzentration im Hypothalamus zu hoch eingestellt. So schüttet, bei eigentlich normaler Nebennierenrindenproduktion, der Hypothalamus zu viel CRH aus und erhöht somit die ACTH-Produktion und nachfolgend die Produktion von Nebennierenrindenhormonen.

  • Durch Tumoren ausgelöstes Cushing-Syndrom: Dies ist die häufigste Ursache für ein endogenes Cushing-Syndrom. Gut- oder bösartiges Wachstum von Zellen die CRH, ACTH oder Nebennierenrindenhormone bilden, führen letztendlich immer dazu, dass in der Nebenniere vermehrt Hormone ausgeschüttet werden. Je nach Ausprägung des Tumorwachstums und abhängig von dem Entstehungsort des Tumors, ist eine Regulierung durch den Regelkreislauf nicht mehr, oder nur noch eingeschränkt, möglich. Am häufigsten sind Tumoren der Hypophyse und der Nebennieren. Ungefähr 70 Prozent der Patienten mit einem Cushing-Syndrom leiden unter dem Morbus Cushing. Hier kommt es oft zu Verwechslungen, aufgrund der Namensähnlichkeit. Im Gegensatz zum Cushing-Syndrom, bei dem der Grund für den hohen Cortisolspiegel nicht definiert ist, haben Morbus Cushing Patienten immer einen Tumor der Hirnanhangdrüse. Dieser ist meist gutartig, hat aber eine Erhöhung der ACTH-Produktion zur Folge. Es gibt aber auch die sogenannte ektope oder paraneoplastische Produktion von ACTH oder CRH, die beispielsweise in kleinzelligen Bronchialkarzinomen oder deren Metastasen stattfinden kann.

Exogenes Cushing-Syndrom

Weitaus häufiger kommt dagegen das exogene, durch Medikamente hervorgerufene, Cushing-Syndrom vor. Es entsteht durch eine zu hohe Dosis an Glukokortikoiden (synthetisch hergestelltes Kortison) im Rahmen einer medikamentösen Therapie oder einer Langzeitbehandlung. Kortison ist ein Abkömmling von Cortisol und kommt auch im Körper natürlich vor. In der Medizin werden Glukokortikoide, aufgrund ihrer entzündungshemmenden und immunsuppressiven Wirkung, sehr häufig eingesetzt und übertreffen in ihrer Wirkstärke das natürlich vorkommende Kortison. Häufige Einsatzgebiete für Glukokortikoide sind Asthma, Allergien, Ekzeme, Morbus Crohn, Multiple Sklerose, rheumatische Erkrankungen und Autoimmunkrankheiten.

Eine Überdosierung von Glukokortikoiden führt direkt zum Cushing-Syndrom, da durch die hohen Gaben an künstlichem Kortison, der natürliche Hypothalamus- Hypophsen- Nebennierenrinden Regelkreislauf gestört und teilweise außer Kraft gesetzt wird.

So diagnostiziert ein Arzt das Cushing-Syndrom

Legen Krankheitszeichen den Verdacht auf ein Cushing-Syndrom nahe, kann dieser Verdacht durch eine ausführliche Krankenbefragung (Anamnese) und die körperliche Untersuchung erhärtet werden. So können auch andere Gründe für einen zeitweise erhöhten Cortisolspiegel, wie zum Beispiel Stress oder Medikamenteneinnahme, herausgefunden werden. Im nächste Schritt muss dann überprüft werden, ob sich der Verdacht des Hyperkortisolismus durch verschiedene Untersuchungen bestätigen lässt.

Hierzu gibt es derzeit mehrere Standardtests, die einzeln oder in Kombination angewendet werden können.

  • Hormonlabor: Diese Untersuchungen stellen immer die ersten Schritte der Cushing Diagnostik dar. Es wird die Cortisolmenge im 24-Stunden Urin gemessen, ebenso wie die Cortisolspiegel in Blut oder Speichel zu verschiedenen Tageszeiten. Beim Dexamethason-Test wird überprüft, ob die Zufuhr eines starken, synthetischen Glukokortikoids die körpereigene Cortisolproduktion beeinflusst. Dies lässt Rückschlüsse auf die Funktionsfähigkeit des Regelkreises zu.

  • Weiterführende Differentialdiagnostik: Auffällige Werte des Hormonlabors werden durch Tests ergänzt, die den Tagesrhythmus der Hormone, sowie Einflüsse von außen wie beispielsweise Stress oder Müdigkeit mit einbeziehen. Hierzu zählen die ACTH Bestimmung, ein Test durch die künstliche Zufuhr von CRH (CRH-Test), die Bestimmung der ACTH-Menge in der Halsvene oder ein Langzeittest auf die Reaktion auf große Mengen synthetisch hergestellten Kortisons (Dexamethason-Langzeitttest).

  • Bildgebende Verfahren: Wenn nun gesichert ist, dass ein Cushing-Syndrom vorliegt, werden bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) und Angiografie im Bauch- und Kopfbereich durchgeführt. Durch diese versucht man, hormonproduzierende Tumore darzustellen.

Wie kann man ein Cushing-Syndrom therapieren?

Für die Behandlung des Cushing-Syndroms ist die genaue Bestimmung der Ursachen ausschlaggebend.

Besteht ein exogenes Cushing-Syndrom, so besteht die Therapie aus der Reduzierung des zugeführten Kortisons. Diese Verminderung der Kortisondosis muss langsam und ausschleichend durchgeführt werden, da sich der Körper erst an den verminderten Kortisonspiegel anpassen muss.

Beim endogenen Cushing-Syndrom werden verschiedene Methoden angewendet, um die gut- oder bösartigen Tumore zu entfernen beziehungsweise die Hormonproduktion zu unterbinden. Ist der Tumor gut zugänglich, wird er operativ entfernt. Dabei kommen laparoskopische und offene Operationsverfahren zum Einsatz. Ist der Tumor schwer oder gar nicht erreichbar, kann eine Strahlentherapie zum gewünschten Erfolg führen und den Tumor zerstören. Ist weder eine Operation noch eine Bestrahlung möglich oder nicht erfolgreich, kann als letzte Option eine medikamentöse Therapie mit Zytostaktika oder hormonunterdrückenden Medikamenten angewendet werden.

Exogenem Cushing-Syndrom kann vorgebeugt werden

Während ein endogenes Cushing-Syndrom keine Möglichkeit der Vorbeugung bietet, kann die exogene Form der Erkrankung durch verschiedene Maßnahmen verhindert oder zumindest in ihrer Ausprägung reduziert werden.

Das Risiko, die sogenannte Cushing Schwelle (die Menge an zugeführtem Cortisol, ab der es zum Cushing-Syndrom kommt) zu überschreiten, hängt sehr von der Art der Kortison-Anwendung ab. Wird Cortison als Salbe oder Inhalation angewendet, ist die Gefahr ein Cushing-Syndrom zu entwickeln deutlich niedriger, als bei der Einnahme von Tabletten oder durch Spritzen und Infusionen.

Die Cushing Schwellendosis ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, je nachdem wie die einzelne Person auf die unterschiedlichen Kortisonpräparate anspricht. Außerdem bestehen auch zwischen den Präparaten selbst erhebliche Unterschiede. Betamethason und Dexamethason haben zum Beispiel eine Cushing Schwelle von nur 1,5 mg/Tag, für das konventionelle Kortison liegt diese bei 40 mg/Tag. Aus diesem Grund muss eine Kortisontherapie immer von einem Arzt verordnet und überwacht werden. So kann die notwendige Dosis regelmäßig überprüft und gegebenenfalls reduziert werden.

Kann ein Cushing-Syndrom geheilt werden?

Wird ein Cushing-Syndrom erkannt und rechtzeitig behandelt, besteht grundsätzlich eine gute Prognose. Nach dem Absetzen oder der Reduzierung einer Kortisontherapie, ist eine völlige Ausheilung des Cushing-Syndroms möglich. Bei weit fortgeschrittenen, körperlichen Veränderungen wie Osteoporose oder den Folgen von Bluthochdruck und Diabetes mellitus, kann zumindest das Fortschreiten der Symptome verhindert werden.

Beim endogenen Cushing-Syndrom ist die Art des Tumors entscheidend für den möglichen Krankheitsverlauf. Auch bestehende Begleiterkrankungen entscheiden darüber, wie gut das Cushing-Syndrom der Behandlung zugänglich ist. Aber auch hier kann bei rechtzeitiger Therapie eine Heilung erreicht werden.

Ohne Behandlung führt das Cushing-Syndrom allerdings langfristig zum verfrühten Tod. Durch den erhöhten Blutdruck und die Stoffwechselveränderungen wird die Gefahr von Herzinfarkten und Schlaganfällen massiv erhöht.

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