Ludes oder Quaaludes: Die Partydroge der 1970er

Methaqualon, auch Quaaludes oder Ludes genannt, ist ein Wirkstoff, der erst als Schlafmittel entwickelt, dann aber als Droge missbraucht wurde. Wir erklären die Wirkung der Tablette mit dem Aufdruck "Lemmon 714".

Drogenparty
"Ludes"-Tabletten wurden in den 60er-Jahren als Schlafmittel eingesetzt und als Partydroge missbraucht, wegen des hohen Suchtpotentials aber 1984 vom Markt genommen.
© iStock.com/oneinchpunch

Ludes ist einer von vielen Namen für den Wirkstoff Methaqualon. Im Drogenmilieu ist es auch als seven-one-fours, seventeen, oder lemmon 714 bekannt. Diese Bezeichnungen leiten sich vom Aufdruck auf der Tablette ab, die unter dem Handelsnamen Quaalude 1965 von der Pharmafirma Parest in den USA auf den Markt gebracht wurde.

Erst Medikament, dann Droge

Quaalude wurde zufällig von einem Inder entdeckt, der auf der Suche nach einem Medikament für Malariakranke war. Es wurde ab den 1960er-Jahren als Schlafmittel verabreicht. Damals war man zunächst froh, eine Alternative zu abhängig machenden Barbituraten zu haben, da man davon ausging, dass Quaaludes nicht abhängig mache. Obwohl der Hersteller zunächst damit warb, dass der Wirkstoff nicht abhängig mache, zeigte sich schnell, dass er tatsächlich zu körperlicher und psychischer Abhängigkeit führt. Deshalb wurde es dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt. Wenn es länger in höherer Dosierung eingenommen wird, kommt es zu verstärkten Reflexen, Nervenschäden und Krämpfen.

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Wie wirkt Ludes?

Ludes hat in niedriger Dosierung eine stimmungsaufhellennde (euphorisierende) und sexuell erregende (aphrodisierende) Wirkung. In den 70er Jahren wurde Ludes als relativ günstige Droge auf der Straße gehandelt, woraus sich unter Studenten der Trend des sogenannten "Luding out" entwickelte: 300 bis 450 Milligramm Methaqualon werden zusammen mit Wein eingenommen. Durch den Alkohol wird das durch Methaqualon ausgelöste Gefühl der Unzerstörbarkeit und starken Euphorie zusätzlich verstärkt. Methaqualon senkt die Hemmschwelle und kann den Sexualtrieb steigern. Die Droge war in den 1970ern sehr beliebt. Heute ist sie nicht mehr relevant bei uns, lediglich in manchen Teilen Afrikas wird Ludes noch missbräuchlich konsumiert.

Methaqualon wurde 1981 verboten

In den USA wurden Medikamente mit dem Wirkstoff Methaqualon aufgrund des weitverbreiteten Missbrauchs 1984 vom Markt genommen, aber weiterhin illegal hergestellt. In der BRD war Methaqualon unter dem Namen Normi-Nox auf dem Markt, wurde 1981 dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt und galt als nicht mehr verschreibungsfähig. In der DDR war Methaqualon als Wirkstoff des Schlafmittels Dormutil erhältlich und wurde fast zeitgleich vom Markt genommen.

In Österreich wurde Methaqualon wegen seines Suchtpotentials 1992, in Deutschland ein Jahr später die Zulassung als Schlafmittel gänzlich entzogen. In der Schweiz ist Ludes unter dem Namen Toquilone weiterhin erhältlich, aber nur auf Rezept in Apotheken.

Abhängigkeit von Ludes

Die regelmäßige Einnahme von Ludes führt zu schweren Nervenschädigungen und einer psychischen und physischen Abhängigkeit. Entgegen der Erwartung gegenüber eines Schlafmittels wirkt die Droge Ludes in kleinen Mengen aktivierend und stimmungsaufhellend. In der empfohlenen Dosierung wirkt Ludes bestimmungsgemäß beruhigend bis einschläfernd.

Bei einer Überdosierung kommt es zu Benommenheit, Magen-Darm-Problemen, einer Gangunsicherheit (Ataxie), Kribbelgefühl, Sprachstörungen und Muskelzucken. Im schlimmsten Fall führt die Droge Ludes zu inneren Blutungen, Schüttelkrämpfen, Bewusstlosigkeit mit Atemstillstand oder durch das Ersticken an Erbrochenem zum Tod.

Ludes hat viele Namen - eine Begriffsklärung

Der Wirkstoff in Ludes heißt Methaqualon (engl. Methaqualone). Im Drogenmilieu werden aber viele umschreibende Namen für die illegalen Substanzen benutzt. So wurde Methaqualon als seven-four-one, seventeen oder lemmon 714 bezeichnet, da die Tablette des Herstellers Parest einen solchen Aufdruck trug. Weitere Bezeichnungen resultieren aus den verschiedenen Handelsnamen, unter denen der Wirkstoff in den Apotheken verkauft wurde. Quaalude oder Mandrax waren die am häufigsten verkauften Produkte. Da zur berauschenden Wirkung mehrere Pillen mit Alkohol eingenommen werden, wird umgangssprachlich immer die Mehrzahl verwendet und von "Quaaludes" oder eben "Ludes" gesprochen. Die Größe der Tabletten brachte "Ludes" die Bezeichnung des Gorilla Biscuit ein. Im deutschsprachigen Raum wurde ein Ludes-Präparat als Mozambin durch den Falco-Hit "Ganz Wien" bekannt.

 

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