Was ist Cortisol und wie kann man es senken?

Cortisol ist ein Hormon, das der Körper bei Stress vermehrt produziert. Welche Folgen hat das und wie kann man den Cortisolspiegel senken? Wozu benötigt der menschliche Körper das Stresshormon überhaupt?

Junge Frau hat Stress
© iStock.com/MangoStar_Studio

Was ist Cortisol?

Hormone sind biochemische Botenstoffe, die über das Blut transportiert werden und im menschlichen Körper wichtige Aufgaben erfüllen. Ein solches Hormon ist Cortisol, das in der Nebennierenrinde gebildet und in der Leber abgebaut wird. Es beeinflusst das Wachstum und den Stoffwechsel, insbesondere den Blutzucker, den Fettstoffwechsel, den Eiweißumsatz sowie die Wasserausscheidung und den Blutdruck. In höheren Konzentrationen bremst das Hormon außerdem das Immunsystem und wirkt so entzündungshemmend.

Synthetisch hergestellt ist Cortisol als Kortison in Form von Salben, Injektionen oder Tabletten erhältlich. Kortison ist ein bekanntes Arzneimittel, um das Immunsystem zu hemmen und Entzündungen zu behandeln.

Artikelinhalte im Überblick:

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Behandlung: Wie kann man Cortisol senken?

Bei einem zu hohen Cortisolspiegel gilt es, die Balance aus An- und Entspannung wieder herzustellen und so den Gehalt an Cortisol im Körper zu senken. Ist die Hormonkonzentration langfristig aus den Fugen geraten, kommt es häufig zu einem Cortisol-Mangel.

Das hilft, im Körper Cortisol izu senken:

  • Stress vermeiden, Entspannungstechniken anwenden

  • Ausreichend schlafen, möglichst gleichbleibende Schlafzeiten

  • Regelmäßige und gesunde, fett- und zuckerarme Ernährung

  • Möglichst Kaffee und Alkohol vermeiden

  • Sport, Bewegung und Entspannung in den Alltag integrieren

Bei einem deutlichen Überschuss an Cortisol können Medikamente die Synthese des Hormons hemmen. Sind hormonproduzierende Tumore der Auslöser für einen zu hohen Spiegel, behandelt man sie medikamentös oder entfernt sie operativ.

Was tun bei Cortisol-Mangel?

Liegt nur ein leichter Mangel an Cortison vor, helfen oftmals Änderungen in der Lebensführung des Betroffenen, um die Produktion des Hormons wieder zu aktivieren. Bei einem ausgeprägten Cortisol-Mangel kann eine Hormonersatztherapie sinnvoll sein, mit Medikamenten, die Vorstufen des Cortisols enthalten. Mediziner wählen dafür häufig Hydrocortison oder ähnliche Substanzen. Wichtig ist dabei eine genaue Diagnose, die Anpassung an die Lebenssituation und damit den Hormonbedarf der Betroffenen und eine regelmäßige Kontrolle des Hormonspiegels.

Was bewirkt Cortisol im Körper?

Cortisol soll im Körper den Stoffwechsel aktivieren und somit bei Bedarf vermehrt verfügbare Energie freisetzen. Daher produziert der Körper das Hormon in der Regel vor allem in der zweiten Nachthälfte, um morgens für den erhöhten Energiebedarf gewappnet zu sein. Körpertemperatur und Blutdruck steigen, der Blutzuckergehalt wird erhöht, um Energie für körperliche und psychische Belastungen zur Verfügung zu stellen.

Stress ist für den Körper eine stark belastende Situation und verbraucht viel Energie. Der Körper stellt sich darauf ein, produziert vermehrt Cortisol, steigert den Herzschlag und kommt leichter ins Schwitzen. Verdauung und Immunsystem senken bei Stress dagegen ihre Aktivität. Wichtig ist jedoch, dass der Cortisolspiegel nach der Belastung auch wieder sinkt und nicht permanent erhöht bleibt. Dauerstress kann dazu führen, dass die Nebennieren erschöpfen und nicht mehr in der Lage sind, genügend Cortisol zu produzieren.

Cortisol als Gegenspieler zu Insulin

Cortisol ist ein wichtiger Gegenspieler von Insulin. Auch Insulin ist ein körpereigenes Hormon. Es senkt den Blutzuckerspiegel, also den Gehalt an Glucose im Blut, indem es den Zucker aus der Nahrung als Energiereserven in die Körperzellen transportiert. Benötigt der Körper freigesetzte Energie und ist der Glucosespiegel zu niedrig, produziert er vermehrt Cortisol und das Hormon Glukagon, um den Zucker wieder bereitzustellen. Cortisol schwächt die Wirkung von Insulin ab, sodass bei überschüssigem Cortisol eine Schwächung des Insulins entstehen kann. Die sogenannte Insulinresistenz ist eine wesentliche Grundlage für Diabetes mellitus Typ 2.

Diagnose: Cortisolwerte mit Test bestimmen

Den Cortisolspiegel im Körper bestimmen Ärzte beispielsweise bei einem Verdacht auf Erkrankungen der Nebenniere oder bei Kontrolluntersuchungen des Organs. Ärzte können die Konzentration von Cortisol im Blutserum, im Urin oder im Speichel messen. Der Körper schüttet Cortisol jedoch schubweise aus, deshalb schwanken die mit einem Test messbaren Werte an körpereigenem Cortisol über den Tag verteilt. Ein einzelner Messwert hat demnach wenig Aussagekraft. Vielmehr liefern wiederholte Messungen oder spezielle Stimulationstests zuverlässige Werte.

Welche Cortisolwerte sind normal?

Die Ergebnisse der Tests zum Cortisolspiegel sind von Tageszeitpunkt und Herkunft der Probe sowie von individuellen Parametern wie dem Alter der Person abhängig. Morgens zwischen 6 und 8 Uhr ist der Hormongehalt in der Regel am höchsten, am niedrigsten ist er gegen 24 Uhr.

  • Cortisol im Blutserum oder Blutplasma: morgens 5-25 µg/dl, nachts bis 5 µg/dl

  • Freies Cortisol im Speichel: morgens 0,2-1,7µg/dl, nachts über 0,23 µg/dl

  • Freies Cortisol im 24-h-Urin: weniger als 62 µg/24 h

Die Normalwerte bei Schwangeren, Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen weichen von diesen Werten deutlich ab. Es gibt auch Speicheltests, die man selbst zu Hause durchführen kann.

Gestörtes Gleichgewicht: Ursachen und mögliche Folgen

Misst man den Wert des Hormons direkt nach dem Mittagessen, nach dem Sport oder bei Stress, wird er tendenziell höher ausfallen. Auch in der Schwangerschaft oder bei einem sehr niedrigen Blutzuckergehalt kann die Cortisol-Konzentration steigen. Eine unterschiedliche Schlafdauer und -Qualität kann ebenfalls zu schwankenden Messergebnissen führen. Hält das Ungleichgewicht des Hormons jedoch an, steckt meist eine krankhafte Ursache dahinter.

Stress: Wenn der Spiegel an Cortisol erhöht ist

Erhöhte Cortisolwerte deuten oftmals auf eine zu starke andauernde Belastung hin. Der Körper produziert verstärkt an Stresshormonen, um damit klar zu kommen.

Bei einer dauerhaft erhöhten Konzentration an Cortisol spricht man von Hyperkortisolismus oder dem Cushing-Syndrom. Häufig ist eine Behandlung mit Glucocorticoiden, zum Beispiel bei Autoimmunkrankheiten, der Auslöser. In manchen Fällen können auch diverse Tumoren, starkes Übergewicht oder Alkoholismus die Ursache sein.


Stress kann zu einem dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel führen – und das wiederum zu Schlafstörungen und Depressionen. Gleichzeitig stören die hohen Pegel an Cortisol und dem damit verbundenen Adrenalin das Gleichgewicht der anderen Hormone im Körper. So wird zum Beispiel die Produktion von Geschlechtshormonen gehemmt. Auch das Immunsystem arbeitet weniger gut, was Infekte, Wundheilungsstörungen oder Krebs begünstigen kann. Zu viel Cortisol wirkt sich zudem negativ auf den Stoffwechsel aus und fördert das Einlagern von ungesundem Bauchfett.

Folgen des Überschuss an Cortisol:

  • Schlafstörungen
  • Bluthochdruck
  • Depressive Stimmungen
  • Fetteinlagerung
  • Übergewicht
  • Diabetes mellitus
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Wundheilungsstörungen, sehr dünne Haut
  • Bindegewebsschwäche
  • Knochen verlieren an Stabilität, Osteoporose
  • Störungen des Menstruationszyklus
  • Sexuelle Störungen

Wenn der Cortisolspiegel zu niedrig ist

Ein chronisch erniedrigter Cortisolwert weist auf eine Funktionsstörung der Nebennierenrinde hin, auch bezeichnet als Nebennierenrindeninsuffizienz.

Weitere Ursachen für einen Mangel an Cortisol:

  • Primärer Hypokortisolismus oder Morbus Addison: Meist schwächen oder zerstören eine Autoimmunkrankheit oder auch eine Infektion die Nebennierenrinde.

  • Sekundärer und tertiärer Hypokortisolismus: Die Schädigung beziehungsweise Unterfunktionsursache sitzt im Gehirn, genauer in der Hirnanhangsdrüse oder im Thalamus. Als Auslöser kommen ein abruptes Absetzen einer Langzeittherapie mit Cortisol, Verletzungen oder Wucherungen in Frage.

Dauerhaft zu niedrige Cortisolwerte können wiederum zu einem niedrigen Blutzuckerspiegel, zu anhaltender Müdigkeit, Natriummangel oder Übelkeit führen. Manche Betroffenen frieren vermehrt oder müssen nachts öfter auf die Toilette, andere verspüren schmerzen in Muskeln und Gelenken.

Burnout und Cortisol

Ein Mangel an Cortisol kann langfristig eine Folge von Dauerstress sein. Bei anhaltender Belastung steigert der Körper des Betroffenen zwar zunächst die Tagesproduktion an Cortisol deutlich. Im Laufe der Zeit ist die Nebennierenrinde jedoch nicht mehr in der Lage, dieses hohe Niveau aufrecht zu halten und stellt die Produktion des Hormons langsam ein. Dadurch wird das Zusammenspiel sämtlicher Hormone im Körper durcheinandergebracht – der Körper ist nicht mehr in der Lage, Stress zu managen. In der Folge leiden die Betroffenen unter einem Burnout.

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Was kann man für einen gesunden Cortisolspiegel tun?

Stress lässt sich nicht immer vermeiden. Wichtig ist jedoch, dass er nicht zu einer permanenten Belastung wird. Ob man sich Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga aneignet oder sich andere Auszeiten in Ruhe nimmt – der Körper braucht ausreichend Phasen, um die Cortisol-Produktion wieder herunterzufahren. Endokrinologen empfehlen außerdem, möglichst viel Bewegung in den Alltag zu integrieren. Sport und körperliche Betätigung bauen Stresshormone ab und sorgen für ein gesundes Gleichgewicht. Regelmäßige Hobbys sowie der Kontakt zu Freunden und Familie senke ebenfalls den Stresspegel.

Ausreichend Schlaf ist wichtig

Ein wichtiger Punkt hinsichtlich des Hormonhaushaltes ist zudem die Schlafqualität, denn Cortisol gibt hier im Zusammenspiel mit dem hormonellen Gegenspieler Melatonin den Takt an. Der Körper schüttet Melatonin aus, sobald es dunkel wird, und wird müde. Etwa gegen 3 Uhr nachts beginnt er, Cortisol auszuschütten, um sich auf das Aufwachen und Aufstehen vorzubereiten. Die wirklich erholsame Schlafzeit liegt also in den Stunden dazwischen, vor allem während des Tiefschlafs. Gerade in diesen Phasen regeneriert der Körper, bildet neue Zellen und tankt Kraft. Wer zu einer guten Schlafqualität beitragen will, geht außerdem möglichst zu regelmäßigen Zeiten zu Bett und verzichtet mindestens zwei Stunden zuvor auf Alkohol, fettiges Essen sowie auf Handy und Fernseher.

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