Eingeengter Nerv

Karpaltunnelsyndrom: Symptome erkennen und behandeln

Das Karpaltunnelsyndrom (KTS, CTS) verursacht schmerzhaftes Kribbeln und Einschlafen der Hände durch eine Einengung des Nervus medianus. Wie die typischen Symptome am Handgelenk erkannt werden können und welche Behandlung hilft.

Karpaltunnelsyndrom
Beim Karpaltunnelsyndrom sind Schmerzen und Taubheitsgefühle in der Hand typisch.
© iStock.com/shih-wei

Schmerzen, Taubheitsgefühle oder ein Kribbeln im Handgelenk – diese Symptome können auf ein Karpaltunnelsyndrom (KTS) hindeuten. Bei dem sogenannten Karpaltunnel handelt es sich um einen kleinen Raum zwischen dem Karpalband und dem Handwurzelknochen. In diesem Karpalkanal verlaufen wichtige Sehnen sowie der Medianus-Nerv. Bei einem Karpaltunnelsyndrom verengt sich dieser Kanal. Die Sehnen, Nerven sowie Blutgefäße werden eingeengt. Symptome, die in vielen Fällen lange Zeit mit anderen Beschwerdebildern wie dem Halswirbelsäulensyndrom verwechselt werden, können auftreten. Wer die Erkrankung im Gelenk jedoch frühzeitig erkennt sowie richtig behandelt, genießt gute Heilungschancen.

Im Überblick:

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Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?

Der Medianus-Nerv, welcher im Karpaltunnel verläuft, steuert einige Muskeln in der Hand. Dazu gehören beispielsweise die Muskeln des Daumens, des Zeigefingers sowie von Teilen des Mittelfingers. Hier machen sich daher auch die Symptome bemerkbar. Der Nerv wird nicht mehr ausreichend mit Blut, Nährstoffen sowie Sauerstoff versorgt. Auf Dauer kann er dadurch bleibende Schäden erleiden. Aus diesem Grund ist es wichtig, das Karpaltunnelsyndrom frühzeitig zu diagnostizieren, um eine geeignete Therapie einzuleiten.

Das KTS ist das häufigste Engpass-Syndrom, bei welchem es zu einer Beeinträchtigung von Nerven in der Hand kommt. Es tritt meist zwischen dem 40. und dem 70. Lebensjahr auf. In etwa der Hälfte der Fälle handelt es sich um eine einseitige Problematik, in den anderen Fällen tritt es doppelseitig an beiden Händen auf. Frauen sind etwa dreimal häufiger von der Krankheit betroffen, teilweise im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft. Zu den Risikogruppen gehören zudem Übergewichtige sowie Menschen mit körperlicher Arbeit, vor allem durch monotone Bewegungen. Zu beobachten ist auch, dass zumeist die durch die Händigkeit stärker belastete Hand größere Beschwerden aufweist. Rechtshänder leiden also häufiger unter einem KTS in der rechten Hand. Bei Linkshändern gilt der umgekehrte Fall.

Ursachen für die Verengung des Karpalkanals

Für das Karpaltunnelsyndrom kommen sowohl äußere als auch innere Ursachen infrage. So kann es die Folge von Verletzungen wie einem Knochenbruch der Speiche oder des Handwurzelknochens darstellen. Zu den mechanischen Ursachen gehört auch eine anatomische Veranlagung, eine übermäßige Belastung oder Arthrose im Handgelenk, welche sich auf den Karpaltunnel auswirkt. Weiterhin kann das Syndrom in Kombination mit rheumatischen Erkrankungen auftreten. Mögliche Ursachen sind zudem

  • ein Bandscheibenvorfall,
  • ein Schleudertrauma,
  • eine Einblutung ins Handgelenk,
  • ein gut- oder bösartiger Tumor,
  • eine tumorähnliche oder knotige Verdickung wie ein Lipom,
  • eine Wirbelverletzung oder
  • eine akute Sehnenscheidenentzündung.

Zuletzt kann es passieren, dass Stoffwechselstörungen beziehungsweise -veränderungen die Sehnenscheiden anschwellen lassen, was den Engpass im Karpalkanal verursacht. Dieser ist oft der Grund für ein Karpaltunnelsyndrom während der Schwangerschaft, wobei dieses zu den häufigsten auftretenden Nervenkompressionen bei schwangeren Frauen gehört. In diesem Fall klingen die Beschwerden in der Regel spätestens einige Wochen bis Monate nach der Geburt von selbst wieder ab. In den meisten anderen Fällen verläuft das Karpaltunnelsyndrom hingegen chronisch. Ödeme sowie Veränderungen der Sehnenscheiden oder deren chronische Entzündung sind also die häufigsten, längst aber nicht die einzigen Ursachen für das Karpaltunnelsyndrom.

Symptome: Wie lässt sich das Frühstadium erkennen?

Unabhängig von den Ursachen äußern sich die Symptome beim Karpaltunnelsyndrom stets ähnlich. In den meisten Fällen beginnen die ersten Symptome in der Nacht. Hierbei tritt ein diffuses Schwellungs- oder Taubheitsgefühl auf, welches sich nicht nur auf die betroffenen Bereiche in der Hand beschränken muss. Die Hand oder der ganze Arm fühlen sich also „eingeschlafen“ an. Viele Betroffene haben das Bedürfnis, aus dem Bett aufzustehen und durch ein Schütteln der Hand die Durchblutung anzuregen. Somit kommt es zunehmend zu Schlafstörungen, wobei diese nächtlichen „Anfälle“ oftmals über einen langen Zeitraum hinweg das einzige Symptom des Karpaltunnelsyndroms darstellen.

Ein Problem ist, dass die Beschwerden zu diesem Zeitpunkt von vielen Menschen noch nicht ernst genommen oder fehlgedeutet werden. Sie denken beispielsweise, sie seien falsch gelegen und hätten sich dadurch die Blutzufuhr abgedrückt. Nur wenige Betroffene suchen in diesem Frühstadium einen Arzt auf, was dazu führt, dass die Erkrankung weiter fortschreitet und mit ihr auch die Symptome.

Bei ausbleibender Behandlung verschlimmern sich die Symptome

Es gibt zwar Sonderformen wie das Karpaltunnelsyndrom während der Schwangerschaft, welche von selbst wieder verschwinden. In den meisten Fällen ist aber eine ärztliche Behandlung notwendig. Bleibt diese aus, schreiten das KTS sowie dessen Symptome mit der Zeit immer weiter fort. Es machen sich vermehrt auch tagsüber erste Beschwerden wie Schmerzen oder Einschränkungen in der Bewegungsfähigkeit bemerkbar – beispielsweise beim Nähen oder bei anderen Arbeiten, welche Fingerspitzengefühl erfordern. Mit der Zeit können die Symptome chronisch werden. Dazu gehören:

  • Taubheitsgefühle
  • Missempfindungen
  • Stechende Schmerzen
  • Funktionsstörungen
  • Lähmungen

Betroffen sind davon vor allem der Mittel- sowie Ringfinger, im weiteren Verlauf häufig aber auch der Daumen und Zeigefinger. In einigen Fällen strahlen die Schmerzen zudem auf den Arm aus. Nimmt der Nervus medianus bereits Schaden, so können anhaltende Missempfindungen wie „elektrische Schläge“ oder ein permanentes Kribbeln entstehen. Möglich sind weiterhin Ausfallserscheinungen wie taube Finger, welche Tätigkeiten wie feine Handarbeiten zunehmend schwierig machen.

Verlauf ist beim KTS individuell 

Ebenso wie die häufigsten Ursachen unterscheidet sich auch der Verlauf von Fall zu Fall. Es lässt sich demnach nicht voraussagen, ob, wann und wie schnell der Nervus medianus geschädigt wird oder welche Symptome zu welchem Zeitpunkt auftreten. Viele Erkrankte haben über mehrere Jahre hinweg nur geringfügige Beschwerden, die vermehrt nach einer manuellen Überlastung auftreten. Im Ruhezustand haben sie also keine Schmerzen oder Missempfindungen. Deshalb suchen sie oft erst nach langer Zeit einen Arzt auf. Schlimmstenfalls sind zu diesem Zeitpunkt aber bereits bleibende Schäden entstanden.

Beobachtet wurden zudem spontane Besserungen ebenso wie spontane Verschlechterungen oder chronische Krankheitsverläufe mit stabiler Entwicklung, sprich das KTS verschlimmert sich nicht weiter. Diese Unterschiede im Verlauf machen es oftmals schwierig, das Karpaltunnelsyndrom frühzeitig zu diagnostizieren.

Welche Möglichkeiten zur Diagnose gibt es?

Die Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms macht verschiedene Tests im betroffenen Gelenk notwendig. Vor allem im Frühstadium kann es schwierig sein, das KTS von anderen Beschwerdebildern wie dem Halswirbelsäulensyndrom oder einer Sehnenscheidenentzündung zu unterscheiden. Dem Arzt stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, das Handgelenk des Patienten auf ein KTS zu untersuchen. Dazu gehören:

  • Anamnese: Zu Beginn schildert der Betroffene seine Symptome und gibt dem Arzt sämtliche Informationen zum zeitlichen Verlauf seines Beschwerdebildes. Anhand dieser Anamnese spricht der Arzt eine erste Vermutung aus, dass es sich um ein Karpaltunnelsyndrom handeln könnte.
  • Motorische Untersuchungen nach Missempfindungen: Er wird daraufhin motorische Tests machen, um seinen Verdacht zu bestärken. Wird das Handgelenk passiv gebeugt, stellt sich in der Regel nach etwa 40 bis 60 Sekunden ein Taubheitsgefühl im Bereich des Nervus medianus ein. Missempfindungen entstehen zudem, wenn der Nerv am Handgelenk sanft beklopft wird. Als guter Indikator gilt das „Flaschenzeichen“, wobei sich beim Halten einer Flasche das Daumenband nicht an die Rundung des Glases anpasst.
  • Untersuchungen möglicher sensibler Ausfälle: Neben der Motorik ist beim KTS auch die Sensibilität der betroffenen Bereiche beeinträchtigt. Es fällt dem Erkrankten somit schwer, auf die Haut geschriebene Zahlen oder leichte Watteberührungen zu spüren.
  • Elektromyographische und elektroneurographische Untersuchung: Die vorangegangenen Untersuchungen geben dem Arzt erste Aufschlüsse darüber, ob ein KTS vorliegen könnte und dementsprechend weitere diagnostische Maßnahmen sinnvoll sind. Hierfür wird eine bandförmige Elektrode am Handgelenk angebracht, welche die Aktivitätsmuster des Muskels misst. Weiterhin wird die Nervenleitfähigkeit sowie -geschwindigkeit ausgewertet.

Möglich sind zudem zusätzliche neurographische Untersuchungen. Ziel ist eine umfassende Diagnose, welche das Karpaltunnelsyndrom nicht nur eindeutig identifiziert und von anderen Diagnosen abgrenzt, sondern auch dessen Schwere sowie Verlauf analysiert. So kann anschließend eine individuelle Therapie geplant werden.

Therapie: Wann sollte das Karpaltunnelsyndrom operiert werden?

Im Frühstadium der Erkrankung gehen die Symptome häufig schon durch ein Reiben, Ausschütteln oder Bewegen der Finger weg. Lindernd wirkt oft auch kaltes Wasser oder Stellungsänderungen des Arms. Bei einem akuten KTS, beispielsweise im Rahmen einer Schwangerschaft oder aufgrund einer temporären Einblutung, reicht als Therapie in vielen Fällen die Ruhigstellung des Handgelenks mit einer Schiene aus, bis die Symptome von selbst abklingen. Dies kann vor allem die nächtlichen Missempfindungen lindern und somit Schlafproblemen vorbeugen. Ein Karpaltunnelsyndrom mit chronischem Verlauf bedarf hingegen einer umfassenderen Therapie. Hierbei stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

  1. Konservative Therapie: Normalerweise wird erst einmal versucht, die Symptome mit einer konservativen Therapie zu lindern sowie den Fortschritt des KTS zu stoppen. Hierfür wird in der Nacht eine Handgelenksschiene angebracht. Auch die Einnahme eines Kortikoid-Präparats über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen hinweg bringt manchmal Erfolge. Möglich ist zudem die Infiltration einer Kortikoid-Kristallsuspension in den Karpalkanal. Einige Ärzte setzen auf die lokale Ultraschalluntersuchung oder -therapie. Liegt eine Entzündung als (Mit-) Ursache vor, kann auch die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten sinnvoll sein. Vielen Betroffenen helfen zudem gezielte Übungen zur Handwurzelmobilisation. Begleitend können entzündungshemmende Schmerzmittel eingenommen werden. 
  2. Operative Behandlung: Bringt die konservative Therapie nicht den gewünschten Erfolg, ist eine Operation das Mittel der Wahl. Der Eingriff kann in der Regel ambulant sowie unter lokaler Betäubung durchgeführt werden. Bei der Operation wird der Druck vom Nervus medianus genommen. Wie genau das geschieht, hängt zu großen Teilen von der Ursache ab. Unterschieden wird zwischen der offene Retinakulumspaltung und der endoskopischen Retinakulumspaltung. In Ausnahmefällen empfiehlt sich auch bei Schwangeren ein operativer Eingriff, wenn die Ausfallerscheinungen entsprechend groß sind. Bei rund 84 Prozent der betroffenen Frauen ist das aber nicht notwendig, da die Beschwerden innerhalb eines Jahres nach der Entbindung von selbst abklingen.

Verlauf und Prävention des Karpaltunnelsyndroms

Je nachdem, für welche Behandlung sich der Betroffene entscheidet, ist der Verlauf unterschiedlich: Nach einer erfolgreichen Operation sowie ärztlicher Nachbehandlung heilt das KTS in den meisten Fällen vollständig aus. Wurde der Nervus medianus bereits geschädigt, können allerdings Missempfindungen oder Beeinträchtigungen verbleiben. Bei einer konservativen Behandlung gilt es, den Verlauf regelmäßig zu überprüfen, um im Falle einer Verschlimmerung rechtzeitig eine Operation zu veranlassen. Jedoch sind auch bei der konservativen Behandlung große Erfolg bis hin zur vollständigen Abheilung möglich. Beobachtet wurden zudem spontane Verbesserungen oder Verschlimmerungen des Krankheitsbildes unabhängig von der Therapie. Dies macht es schwierig, den Verlauf des Karpaltunnelsyndroms verlässlich vorauszusagen.

Auch eine Prävention ist nur begrenzt möglich. Schließlich kann die Krankheit aus vielen verschiedenen Ursachen resultieren. Hilfreich ist es, eine Überlastung der Handgelenke, beispielsweise im Rahmen einer körperlichen Tätigkeit, zu vermeiden. Zudem sollte bei ersten Symptomen wie den nächtlichen Missempfindungen frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden. Bei einer rechtzeitigen Therapie ist die Prognose nämlich gut. Nach der Operation sind die Beschwerden im Regelfall deutlich vermindert. Nach spätestens sechs Monaten sollte das Karpaltunnelsyndrom vollständig abgeheilt sein.

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