Milchschorf ist häufig erstes Anzeichen

Neurodermitis beim Baby: Was hilft?

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Viele Babys leiden unter Milchschorf, der sich zu Neurodermitis entwickeln kann. Lässt sich dies verhindern und welche Behandlungen helfen, wenn sich bereits ein atopisches Ekzem beim Säugling gebildet hat?

Baby hat Neurodermitis im Gesicht
© Getty Images/leadenpork

Neurodermitis ist die häufigste Hauterkrankung bei Babys und Kindern. Zwischen zehn und 20 Prozent aller Säuglinge sind betroffen. Damit ist das atopische Ekzem sogar die häufigste chronische Erkrankung im Baby-, Kleinkind- und Kindesalter. Oft verschwindet die Hauterkrankung im späteren Jugend- und Erwachsenenalter.

Im Überblick:

Neurodermitis: Wichtige Symptome im Überblick

Wie wird Neurodermitis beim Baby behandelt?

Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung. Das heißt, sie kann nicht geheilt, sondern lediglich die Symptome gelindert werden. Die Behandlung ist langwierig, es kommt häufig zu Rückfällen.

Maßgeblich bei der Behandlung von Neurodermitis bei Babys und Kleinkindern ist eine gewissenhafte Pflege der Haut – auch in schubfreien Phasen. Dadurch wird die Trockenheit der Haut gemindert, Juckreiz reduziert und die natürliche Hautbarriere gestärkt.

Zur Basispflege gehören folgende Maßnahmen:

  • Das Baby nur wenn nötig kurz und mäßig warm baden. Ältere Kinder werden besser geduscht, um die Haut weniger auszutrocknen.

  • Ölhaltige Zusätze im Badewasser oder rückfettende Waschlotionen sind besser geeignet als Schaumbäder.

  • Nach dem Baden wird das Kind mit einem Handtuch sanft abgetupft, nicht trockengerieben.

  • Zum Eincremen des gesamten Körpers eine feuchtigkeitsspendende Lotion ohne Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe verwenden. Sie sollte für die besonders empfindliche Babyhaut geeignet sein. Aufgrund möglicher Irritationen sollten Eltern vorher immer die Verträglichkeit neuer Produkte an einer kleinen Hautpartie prüfen.

Mehr über die richtige Hautpflege bei Neurodermitis erfahren Sie hier.

Juckreiz beim Baby lindern

Problematisch für Kind und Eltern ist besonders der starke Juckreiz. Neurodermitis-Babys kratzen sich dadurch häufig Hautstellen auf, bis sie blutig sind. Die Wunden können sich durch Bakterien zusätzlich entzünden, was das Jucken verstärkt. Durch weiteres Kratzen kommt es dann zu noch schwereren Entzündungen.

Eltern können den Juckreiz ihres Kindes mit folgenden Tipps lindern:

  • Die Fingernägel sollten immer kurz geschnitten und gefeilt werden.

  • Nachts können zusätzlich Baumwollhandschuhe übergestreift werden.

  • Betroffene Hautstellen besser kneten, statt direkt zu kratzen.

  • Wenn die Nähte der Kleidungsstücke auf der Haut scheuern und Juckreiz auslösen, kann es helfen, die Kleidung auf links zu drehen.

  • Eincremen mit im Kühlschrank gelagerten Pflegeprodukten sowie feucht-kühle Umschläge (zum Beispiel mit schwarzem Tee) bringen oftmals Linderung.

  • Schwitzen bei betroffenen Babys vermeiden, da Schweiß den Juckreiz verstärken kann.

Behandlung von Entzündungen bei Neurodermitis

Viele Inhaltsstoffe, die sich bei älteren Kindern und Erwachsenen mit Neurodermitis für die Behandlung bewährt haben, sind für Babys nicht geeignet. Dazu gehören Antihistaminika sowie Cremes und Lotionen mit Harnstoff (Urea) in höheren Konzentrationen. Eine Phototherapie wird erst ab einem Alter von zwölf Jahren empfohlen.

Auch kortisonhaltige Salben, die bei entzündeten und nässenden Hautstellen eingesetzt werden, dürfen bei Babys nur für sehr kurze Zeit angewendet werden, da Säuglinge besonders anfällig für mögliche negative Wirkungen von Kortison sind. Ihre Haut ist viel dünner und so auch durchlässiger für Wirkstoffe, außerdem sind ihr Stoffwechsel und Immunsystem noch nicht ausgereift.

Heilsalben unklarer Herkunft und Deklaration sollte man bei Babys mit Neurodermitis auf keinen Fall anwenden – oft enthalten sie Wirkstoffe, die für kleine Kinder nicht infrage kommen. Auch Klima und Sonne können unterschiedliche Wirkungen erzielen. Bei einigen Kindern wirken bestimmte klimatische Bedingungen heilend, bei anderen eher symptomverschlechternd.

Rolle der Ernährung bei Neurodermitis im Babyalter

Viele Eltern fragen sich, ob eine Umstellung der Ernährung als Behandlung der Baby-Neurodermitis infrage kommt. Ein einheitlicher Heilerfolg konnte damit bisher allerdings nicht beobachtet werden. Eine pauschale "Neurodermitis-Diät" gibt es demnach nicht.

Jedoch reagiert etwa die Hälfte der Babys und Kleinkinder mit einer Neurodermitis sensibel auf bestimmte Nahrungsmittel. Bekannte Reizstoffe sind beispielsweise Zitrusfrüchte, Milchprodukte, Kernobst oder scharfe Gewürze – sie können den Juckreiz verstärken. Daher kann es sich lohnen, ein Neurodermitis-Tagebuch zu führen, um bestimmten Auslösern von Schüben auf die Spur zu kommen.

Eine Ernährungsumstellung wird von Ärzt*innen jedoch nur bei einer diagnostizierten Nahrungsmittelallergie empfohlen. Das ist bei rund Dreiviertel der kleinen Patient*innen der Fall. Sie können davon profitieren, eine allergenarme Diät einzuhalten.

Neurodermitis in Bildern: So sieht Neurodermitis aus

Symptome von Neurodermitis beim Baby

Wo sich Ekzemherde befinden und wie sie genau aussehen, hängt stark vom Alter des Kindes ab.

  • Im Säuglings- und Kleinkindalter herrscht in der Regel eine leicht schuppende Rötung an den Wangen oder an der behaarten Kopfhaut vor, die sich zu einem nässenden Ekzem weiterentwickeln kann.

  • Für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr sind gerötete, trockene, schuppende und juckende Ekzemherde an den Ellenbeugen und Kniekehlen typisch. Diese Körperstellen können auch im Erwachsenenalter betroffen sein.

  • Je älter die Kinder werden, desto schwächer werden die Symptome in der Regel oder sie verschwinden sogar ganz. Es können sich jedoch anstelle der entzündlichen Ekzeme später Allergien wie Heuschnupfen und Asthma entwickeln.

Hauptsymptom ist der quälende, vor allem nachts auftretende Juckreiz, der die kleinen Patient*innen und ihre Familienangehörigen psychisch stark belasten kann. Häufig leidet das Kind zusätzlich unter Asthma oder chronischer Bronchitis, die neben Neurodermitis zu den Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis gehören. Atopie bezeichnet die Neigung zu Überempfindlichkeitsreaktionen auf körperfremde Stoffe (Allergene).

Charakteristisch für Neurodermitis beim Baby ist das schubweise Auftreten der Beschwerden: Es wechseln sich inaktive und aktive Phasen ab. Doch auch außerhalb eines aktiven Schubs ist die Haut des Babys meist sehr trocken und empfindlich.

Milchschorf als erstes Anzeichen von Neurodermitis beim Baby

Das erste Symptom bei Neurodermitis im Babyalter ist häufig Milchschorf. Dieser erscheint meist nach dem dritten Lebensmonat – zunächst an Wangen und Stirn. Später kann er sich über das ganze Gesicht und die behaarte Kopfhaut ausbreiten. Charakteristisch sind gerötete, schuppende Hautareale mit einer später gelben Kruste. Auf der Haut bilden sich Knötchen, dann Bläschen, die stark jucken und nässen, sich entzünden können und dann verkrusten.

Oft heilt Milchschorf spontan im Laufe des zweiten, spätestens des dritten Lebensjahres ab. Er kann jedoch auch auf andere Stellen am Körper übergreifen und sich zu Neurodermitis mit trockenen, juckenden und entzündeten Ekzemen entwickeln. Vor allem die Gelenkbeugen an Armen und Beinen, in schweren Fällen auch Bauch und Rücken, sind betroffen.

Frau mit Neurodermitis kratzt sich am Arm
Selbsttest
Selbsttest: Ist es Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine meist in Schüben verlaufende Hauterkrankung, die mit Juckreiz einhergeht. Andere Namen für die chronische Hautkrankheit sind atopische Dermatitis, atopisches oder endogenes Ekzem. Oft beginnt eine Neurodermitis bereits im Säuglingsalter, sehr viel seltener erkranken Erwachsene neu.

Könnten Sie oder Ihr Kind an Neurodermitis leiden? Machen Sie den Test und finden Sie es heraus. Er kann den Besuch einer hautärztlichen Praxis jedoch nicht ersetzen.

Mögliche Auslöser für Neurodermitis beim Baby

Wenn bereits Neurodermitis in der Familie aufgetreten ist, hat das Neugeborene ein erhöhtes Risiko, ebenfalls zu erkranken. Denn die genetische Veranlagung spielt bei der Hautkrankheit eine große Rolle. Über weitere Ursachen ist dagegen bisher weniger bekannt. Mögliche Auslöser können Umweltfaktoren, häufige Infekte und bestimmte Allergene sein. Dazu zählen vor allem bestimmte Lebensmittel, aber auch Hausstaub, Tierhaare und Pollen. Seelische Belastungen können zudem einen Neurodermitisschub auslösen und bestehende Symptome verstärken.

Neurodermitis beim Baby vorbeugen: Das können Eltern tun

Für das Baby ist Muttermilch am besten – Mütter mit Säuglingen, die ein erhöhtes Risiko für Neurodermitis haben, sollten möglichst vier bis sechs Monate voll stillen. Bei der Umstellung auf Beikost sollten Eltern allergieauslösende Lebensmittel wie zum Beispiel Nüsse, Eiweiß und Kuhmilch nur sparsam oder nach Rücksprache mit der*dem Kinderärztin*Kinderarzt gar nicht auf den Speiseplan setzen.

Außerdem sollten Textilien keine Wolle und keine reinen Synthetikfasern enthalten. Für Kleidungsstücke, die direkt mit der Babyhaut Kontakt haben, sind Baumwolle, Leinen oder Seide besser geeignet.

Weitere mögliche schubauslösende Faktoren sind zum Beispiel Hausstaubmilben, Pollenallergene sowie eine Umgebung, in der geraucht wird. Mit einer entsprechend allergenarmen Umwelt können Eltern das Risiko verringern, dass Neurodermitis bei ihrem Baby ausbricht – oder dazu beitragen, dass der Krankheitsverlauf abgemildert wird und Schübe seltener auftreten.

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