Gutartige Schleimhautwucherung

Nasenpolypen (Polyposis nasi): Häufige Ursache für Infekte

Nasenpolypen sind gutartige kleine Wucherungen der Nasenschleimhaut. Sie sind harmlos und müssen nicht entfernt werden, solange sie keine Probleme verursachen. Häufig sind sie allerdings die Ursache von immer wiederkehrenden Nasennebenhöhlenentzündungen und anderen Atemwegsinfekten.

Mann hält sich die Nase zu
Nasenpolypen treten bei Männern doppelt so häufig auf wie bei Frauen
© iStock.com/g-stockstudio

Nasenpolypen (Polyposis nasi) entstehen in den Nasennebenhöhlen oder in der Nasenschleimhaut und wachsen von dort aus in die Nasenmuschel hinein. Die Ausstülpungen der Schleimhaut treten meist auf beiden Seiten auf, sind honigfarben, gräulich oder rosa glänzend und sehen aus wie kleine gestielte Pilze oder Tropfen. In ihrer Größe können sie stark variieren, von wenigen Millimetern Durchmesser bis hin zu Zentimetern.

Selbst wenn das Problem Nasenpolypen allgemein nicht besonders bekannt ist, so ist es doch keineswegs selten. Schätzungsweise vier bis fünf Prozent der deutschen Bevölkerung leiden darunter, Männer doppelt so häufig wie Frauen. Im Normalfall treten die Schleimhautwucherungen erst nach dem 30. Lebensjahr auf. Kommt es bei Kindern oder jungen Menschen zu Nasenpolypen, steckt fast immer eine systemische Erkrankung dahinter.

Anzeichen für Nasenpolypen – Symptome erkennen

Solange die Schleimhautwucherungen eher gering sind, verursachen Nasenpolypen kaum Symptome. Erst wenn die Belüftung der Nase durch größere Wucherungen deutlich eingeschränkt ist, kommt es zu Beschwerden. Folgende Anzeichen können auf Nasenpolypen hindeuten oder treten häufig in Verbindung mit diesen auf:

  • behinderte Nasenatmung
  • verstopfte Nase
  • verstärkte Sekretbildung („laufende Nase“)
  • Druckgefühl in Nase und Nebenhöhlen
  • eingeschränkter Geruchssinn oder Geschmackssinn
  • näselnde Stimme
  • schlechtes Hören, vor allem bei Kindern
  • Mundatmung, Mundgeruch
  • Schnarchen
  • Schlafstörungen

Viele Menschen merken gar nicht, dass sie Nasenpolypen haben. Mit zunehmendem Wachstum stören sie aber in den Atemwegen und behindern die Nasenatmung. Das kann zu vielfältigen Probleme führen, denn die Nase hat die wichtige Aufgabe, die Atemluft zu filtern, zu befeuchten und zu erwärmen. Atmet man permanent durch den Mund, weil die Nase verstopft ist, gelangt die Luft ungefiltert in die Bronchien. Erreger können so in die Atemwege eindringen, Nasensekret kann nicht richtig abfließen. Immer wiederkehrende Atemwegsinfekte wie Mandelentzündung, Bronchitis und Nasennebenhöhlenentzündungen sind die unangenehme Folge.

Viele Menschen mit Nasenpolypen leiden außerdem unter Mundgeruch, da die Mundatmung die Mundschleimhaut austrocknet. Außerdem kommt es häufig zu näselndem Sprechen und nächtlichem Schnarchen. Bei anhaltenden Schnarchproblemen und Schlafstörungen sollte ärztlich untersucht werden, ob nicht eventuell Polypen für die behinderte Atmung verantwortlich sein könnten.

Möglicherweise kommt es bei Nasenpolypen auch zu Kopfschmerzen oder Gesichtsschmerzen, das ist jedoch selten und wird meist durch die begleitende Entzündung der Nebenhöhlen verursacht.

Ursache von Nasenpolypen: chronische Entzündungen

Wie es genau zu Nasenpolypen kommt, ist noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist jedoch, dass chronische Entzündungen im Bereich der Nasenschleimhaut der Hauptauslöser sind. Nachdem Polypen familiär gehäuft auftreten, vermutet man außerdem eine erbliche Veranlagung.

Mögliche Ursachen für Nasenpolypen sind:

  • Chronische Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis)
  • Allergische Rhinitis bei Heuschnupfen oder Hausstaubmilbenallergie
  • Schleimhautreizungen aufgrund trockener Luft oder Schadstoffbelastung
  • Asthma bronchiale
  • Schmerzmittelunverträglichkeit
  • Stoffwechselerkrankungen wie Mukoviszidose

Nasennebenhöhlenentzündung und Polypen – eine häufige Kombination

Nasenpolypen treten häufig gemeinsam mit der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung auf, wobei die Entzündung sowohl Ursache als auch Folge sein kann. Mediziner sprechen vom Bild der chronischen Sinusitis polyposis.

Normalerweise sorgen Flimmerhärchen in der Schleimhaut für einen reibungslosen Abtransport des Nasensekrets. Sind die Nebenhöhlen aufgrund von Hindernissen wie beispielsweise einer schiefen Nasenscheidewand oder zu enger Nebenhöhlenöffnungen verengt, staut sich das Nasensekret und bildet einen idealen Nährboden für Keime. Immer wiederkehrende Entzündungen sind die Folge. Die Schleimhaut reagiert gereizt, schwillt an und es entstehen Nasenpolypen. Auf lange Sicht führt das zu einem regelrechten Teufelskreis, da die Polypen die Durchlüftung der Nase noch weiter verschlechtern, was wiederum zu vermehrten Entzündungen und in der Folge wieder zur Bildung von Polypen führt.

Mögliche Ursache allergischer Schnupfen

Gerade bei Allergikern ist die Nasenschleimhaut oft geschwollen und entzündet, was die Entstehung von Nasenpolypen begünstigen kann. Dennoch hat man festgestellt, dass Allergiker insgesamt sogar seltener an Polypen leiden als andere Menschen. Die Ursachen dafür sind jedoch bisher nicht ausreichend erforscht.

Samter-Trias: Nasenpolypen, Asthma und Aspirinunverträglichkeit

Auffallend häufig treten Nasenpolypen in Verbindung mit Asthma auf. So leiden etwa 40 Prozent der Asthmatiker gleichzeitig unter Nasenpolypen. Auch Menschen, die unter einer schweren Unverträglichkeit von Aspirin, Ibuprofen oder ähnlichen Schmerzmitteln leiden und bei diesen Analgetika mit Asthmabeschwerden reagieren, neigen zu Polypen. Besonders betroffen sind Frauen im mittleren Lebensalter. Man spricht von der sogenannten Samter-Trias, wenn diese drei typischen Anzeichen zusammenkommen:

  • Schmerzmittelintoleranz,
  • Asthma bronchiale und
  • Polyposis nasi.

Nasenpolypen bei Kindern können Zeichen für Mukoviszidose sein

Nasenpolypen sind eine häufige Begleiterscheinung der Erbkrankheit Mukoviszidose, auch zystische Fibrose genannt. Bei dieser angeborenen Stoffwechselerkrankung ist der Schleim, den die Drüsen des Körpers absondern, generell zu dickflüssig und zäh, sodass die Drüsen verstopfen und sich entzünden. Neben dem Verdauungsapparat können die Schweißdrüsen, die Bronchien und auch die schleimabsondernden Drüsen der Nase betroffen sein. So kommt es häufig zu Nasennebenhöhlenentzündungen und Polypen. Nasenpolypen bei Kindern können in seltenen Fällen ein erstes Anzeichen für Mukoviszidose sein.

Diagnose: So stellt der HNO-Arzt Nasenpolypen fest

Bei Verdacht auf Nasenpolypen ist der Hals-Nasen-Ohrenarzt zuständig. Nach einem Anamnesegespräch untersucht er zunächst die Nasengänge mithilfe einer Nasenspreizzange und eines Nasenendoskops. Große Polypen sind dabei meist gut erkennbar. Kleinere Polypen werden bei einer Nasenspiegelung (Rhinoskopie) diagnostiziert. Eventuell sind auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonographie), Röntgen oder Computertomographie nötig, um tief in den Nebenhöhlen sitzende Polypen zu erkennen und ihre exakte Lage zu bestimmen.

Differenzialdiagnose Nasentumor

Manchmal stecken auch andere Ursachen hinter einer Verengung der Nasennebenhöhlen und der Nasenmuschel. So können gutartige oder bösartige Nasentumoren zu ähnlichen Symptomen wie Polypen führen. Ein erstes Warnzeichen für ein Tumorgeschehen kann häufiges, starkes Nasenbluten (Epistaxis) sein, das bei Nasenpolypen normalerweise nicht auftritt.

Nasenpolypen behandeln – Entzündung eindämmen

Mittel der Wahl zur Behandlung von Nasenpolypen ist Kortison. Es wirkt stark antientzündlich, sodass kleinere Polypen damit häufig innerhalb von ein paar Monaten komplett verschwinden. Meistens wird es als kortisonhaltiger Nasenspray direkt auf die betroffene Nasenschleimhaut appliziert. Normalerweise muss das Kortisonnasenspray konsequent mindestens sechs bis zwölf Monate angewandt werden. Auch die orale Gabe von Glukokortikoiden kommt infrage. Insgesamt sprechen die meisten Polypen jedoch gut auf das Nasenspray an, außerdem können so die unangenehmen Nebenwirkungen einer medikamentösen Kortisontherapie reduziert werden. Trotzdem kommt es auch bei lokaler Kortisongabe häufig zu unerwünschten Hautreaktionen in der Nasenschleimhaut. Größere Polypen schrumpfen durch diese Behandlung zumindest deutlich, deshalb wird ein Kortisonnasenspray meistens begleitend sowohl vor einer geplanten Operation als auch postoperativ zur Vermeidung von Rückfällen (Rezidiven) angewandt.


Polypektomie: Nasenpolypen entfernen

Sind die Polypen zu groß oder sprechen sie nicht auf die Kortisonbehandlung an, müssen die Wucherungen operativ entfernt werden. Bei einer Polypektomie werden die Polypen mittels einer Schlinge von außen durch das Nasenloch gefasst und entfernt. Dieser Eingriff kann bei kleineren, gutzugänglichen Polypen unter lokaler Betäubung direkt in der HNO-Praxis durchgeführt werden. Häufig werden bei einer Polypektomie auch gleich die Nasennebenhöhlen saniert sowie begünstigende Faktoren beseitigt, wie etwa eine schiefe Nasenscheidewand begradigt oder zu enge Öffnungen der Nebenhöhlen vergrößert. Solch aufwendigere Operationen werden minimal-invasiv durchgeführt mit einem kurzen stationären Aufenthalt in einer Klinik.

Nach der OP: Druck auf die Nase vermeiden

Nach der Operation sollten Betroffene alles vermeiden, was unnötigen Druck auf die Nase ausübt: Bücken mit dem Kopf nach unten, körperliche Anstrengung und Sport, Baden in heißem Wasser. Abfließendes Nasensekret darf in den ersten Tagen nach der OP nur vorsichtig abgewischt werden, starkes Naseschnäuzen sollte bis zur vollständigen Heilung der Wundflächen unterbleiben.

Neue Behandlungsmethode mit Antikörpern

Als mögliche neuartige Therapie ist derzeit ein Antikörper namens Dupilumab im Gespräch. In einer großangelegten Studie der Universität Ghent hat sich die Antikörpertherapie bereits als sehr erfolgreich erwiesen. Personen mit ausgeprägter Polyposis bekamen begleitend zur Kortisontherapie einmal pro Woche Dupilumab injiziert. Die Erfolge waren im Vergleich zur Kontrollgruppe, die lediglich ein Placebo erhielt, deutlich. Das Medikament wurde zur Behandlung von Neurodermitis und Asthma entwickelt und hat eine blockierende Wirkung auf Interleukine, die im Körper eine Entzündungsreaktion verursachen. Allerdings ist es für die Behandlung von Polypen bisher noch nicht zugelassen.

Nasenpolypen natürlich behandeln mit Hausmitteln und Naturheilkunde?

Nach aktuellem Stand der Forschung kann man bestehende und störende Polypen weder mit Hausmitteln noch mit Naturheilkunde effektiv loswerden. Diese Methoden können jedoch hilfreich dabei sein, prädisponierende Faktoren wie etwa eine allergische Veranlagung zu verringern. Außerdem kommen sie zur Unterstützung der Heilung und zur Verhinderung von Rückfällen zum Einsatz.

  • Spülen Sie die Nase regelmäßig mit einer Kochsalzlösung. Das befeuchtet die Schleimhäute und beugt Entzündungen vor.

  • Trinken Sie genügend Wasser! Auch das hält die Nasenschleimhaut feucht.

  • Alle Maßnahmen, die das Immunsystem stärken, können sich positiv auswirken, wie beispielsweise eine gesunde Ernährung mit reichlich frischen Lebensmitteln und viel Vitamin C.

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten können bei der Entstehung von Nasenpolypen ebenfalls eine Rolle spielen. Meiden Sie deshalb Lebensmittel, auf die Sie allergisch reagieren oder bei denen eine nachgewiesene Unverträglichkeit besteht (eventuell Milchprodukte, Weizen oder Gluten).

  • Wichtig für gesunde Schleimhäute ist eine ausreichende Versorgung mit entzündungshemmendem Vitamin A, außerdem mit B-Vitaminen und Selen.

  • Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren. Sie sind in hochwertigen Ölen wie Weizenkeimöl oder Leinöl enthalten und wirken ebenfalls entzündungshemmend.

Prognose: Polypen sind gutartig, aber oft hartnäckig

Die meisten Betroffenen erfahren eine deutliche Besserung ihrer Symptomatik durch die Operation. Schmerzen, Druckgefühl und behinderte Nasenatmung sind meist wenige Tage nach der OP verschwunden und auch die Begleiterscheinungen wie häufige Infekte und chronische Sinusitis bessern sich meist nachhaltig. Insofern ist die operative Behandlung kurzfristig sehr erfolgversprechend. Leider haben Nasenpolypen aber die Eigenschaft, bei einigen Betroffenen recht hartnäckig wiederzukehren. So kommt es bei vielen Patienten bereits Monate bis wenige Jahre nach der Polypektomie zu Rezidiven. Deutlich verringern kann man das Wiederauftreten durch eine anschließende Behandlung mit einem Kortisonnasenspray über mehrere Monate. Eine wesentliche Voraussetzung für einen anhaltenden Heilungserfolg ist aber auch die Behandlung von eventuell zugrundeliegenden Erkrankungen und auslösenden Allergiefaktoren.

Vorbeugung von Nasenpolypen

Eine Vorbeugung im engeren Sinn ist bei Nasenpolypen nicht möglich. Einzig die sorgsame Behandlung möglicher Grunderkrankungen, die häufig zu Nasenpolypen führen, kann dazu beitragen, dass sich Nasenpolypen entweder nicht bilden oder keine nennenswerten Beschwerden verursachen.

Zu den Krankheiten, die als Risikofaktoren für Nasenpolypen gelten, zählen etwa Asthma bronchiale, Heuschnupfen, chronische Nebenhöhlenentzündung oder eine Schiefstellung der Nasenscheidewand.

Bestimmte Erbkrankheiten hängen mit Nasenpolypen zusammen

Auch Erbkrankheiten wie Muskoviszidose oder das sehr seltene Kartagener-Syndrom können Nasenpolypen auslösen und machen häufig wiederholte Operationen notwendig, um die Wucherungen zu entfernen.

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