Weiße Stellen auf der Haut

Vitiligo oder Weißfleckenkrankheit: Nicht gefährlich, aber belastend

Als Vitiligo oder Weißfleckenkrankheit wird eine chronische Hauterkrankung bezeichnet, in deren Verlauf weiße, unpigmentierte Stellen auf der Haut entstehen. Die Autoimmunkrankheit ist weder schmerzhaft, gefährlich noch ansteckend, belastet Betroffene aber stark und geht mit einem erhöhten Risiko für Schilddrüsenerkrankungen einher.

Vitiligo
Die Vitiligo oder Weißfleckenkrankheit ist zwar nicht gefährlich, belastet aber viele Betroffene schwer und kann bis hin zur Depression führen.
© iStock.com/piccerella

Weiße Flecken auf der Haut, die plötzlich auftreten und nicht mehr verschwinden – dieses kennzeichnende Symptom von Vitiligo brachte der chronischen Hauterkrankung ihren deutschen Namen Weißfleckenkrankheit ein.

Es handelt sich vermutlich um eine Autoimmunerkrankung, bei der die Melanozyten – Farbstoffpigmente produzierende Zellen in der Oberhaut – blockiert oder zerstört werden und deshalb keinen dunklen Hautfarbstoff (Melanin) mehr produzieren.

Der wohl bekannteste Vitiligo-Patient unserer Zeit war der 2009 verstorbene Michael Jackson. Sein Autopsiebericht soll die lange Zeit umstrittene Erkrankung des "King of Pop" bestätigt haben.

Etwa 500.000 Menschen mit Vitiligo in Deutschland

Neu ist die auffällige Hautkrankheit aber nicht, sie ist bereits seit dem Altertum bekannt. Dass sie dennoch vergleichsweise wenig erforscht ist, mag daran liegen, dass sie selten ist: Das Institut für Pigmentstörungen in Greifswald gibt die Häufigkeit von Vitiligo in der Weltbevölkerung mit 0,5 bis einem Prozent an, wobei es regionale Unterschiede gibt.

So sind laut Bevölkerungsstudien mehr als zwei von hundert Menschen in der Region Chandigarh im Norden Indiens von der Weißfleckenkrankheit betroffen, während es in anderen Regionen der Erde wie beispielsweise Frankreich nicht einmal drei von tausend sind. In Deutschland wird die Zahl der Vitiligo-Betroffenen auf knapp eine halbe Million geschätzt.

Weißfleckenkrankheit beginnt oft im Kindesalter

Männer und Frauen können gleichermaßen betroffen sein und die Krankheit kann sich in jedem Lebensalter bemerkbar machen. Mehr als die Hälfte der Vitiligo-Patienten sind jedoch unter 20, wenn der Pigmentverlust erstmals auftritt, und oft beginnt die Erkrankung bereits im Kindesalter.

Generalisierte Vitiligo häufigste Form der Erkrankung

Es werden zwei Hauptformen unterschieden. Am häufigsten ist die generalisierte Vitiligo. Dabei treten die weißen Flecken an mehreren Körperstellen auf und breiten sich über Jahre hinweg in Schüben immer weiter aus. Seltener ist die lokalisierte Vitiligo. Bei dieser Form der Weißfleckenkrankheit sind die pigmentlosen Hautstellen auf eine Körperregion beschränkt und die Krankheit kommt meist nach wenigen Monaten zum Stillstand.

Beide Formen sind nicht gefährlich. Neueren Erkenntnissen zufolge haben Menschen mit der Weißfleckenkrankheit aber verglichen mit Hautgesunden ein doppelt so großes Risiko für Schilddrüsenerkrankungen, insbesondere für Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie Hashimoto-Thyreoiditis.

Vitiligo verursacht oft psychische Probleme

Die plötzlich entstehenden, weißen und pigmentlosen Hautareale sind das einzige Vitiligo-Symptom. Anfangs sind sie gelegentlich mit Juckreiz verbunden. Die Weißfleckenkrankheit hat ansonsten keinen Einfluss auf die körperliche Leistungsfähigkeit und wirkt sich auch nicht auf die Lebenserwartung aus. Sie verursacht keine körperlichen Schmerzen, wohl aber erhebliche psychische Leiden.

Da die weißen Flecken vornehmlich an sichtbaren Körperstellen auftreten, die dem Licht ausgesetzt sind, wie beispielsweise im Gesicht und an den Händen, ziehen Betroffene neugierige Blicke ihrer Umwelt auf sich. Gerade bei Kindern kommen oft Hänseleien hinzu. Dies führt häufig zu großem psychischen . Betroffene fühlen sich entstellt und stigmatisiert, ziehen sich zurück. Nicht selten sind Depressionen die Folge der Weißfleckenkrankheit.

Harte Kindheit durch Weißfleckenkrankheit

Was es für ein Kind bedeutet, aufgrund der weißen Flecken anders zu sein, hat die Kanadierin Chantelle Brown-Young am eigenen Leib erfahren. Sie war vier Jahre alt, als sich der erste weiße Fleck auf ihrem Bauch zeigte. Sie wurde von Mitschülern gehänselt, "Zebra" oder "Kuh" genannt, wie sie dem Magazin "Today" gegenüber erzählte. Freunde hätten sich von ihr zurückgezogen, weil die Eltern befürchteten, ihre Kinder könnten sich mit Vitiligo anstecken, obwohl die Weißfleckenkrankheit gar nicht übertragbar ist.

Kanadierin mit Vitiligo macht Karriere als Model

Brown-Young, die sich auch Winnie Harlow nennt, macht heute ausgerechnet in der Modelbranche Karriere, in der ein makelloses Äußeres als Voraussetzung für Erfolg gilt. Sie hat ihren vermeintlichen Makel zum Markenzeichen gemacht. Mit 16 begann sie zu modeln, postete ihre Fotos auf Instagram und wurde dort von Supermodel Tyra Banks entdeckt, die sie zur Teilnahme an ihrer Casting-Show "America's next Top Model" einlud, dem amerikanischen Gegenstück zu Heidi Klums "Germany's next Top Model".

Dass die Kanadierin aus der Show ausgeschieden ist, tut ihrer Karriere keinen Abbruch. Bereits bevor die Casting-Show startete, hatte Brown-Young einen Vertrag mit der Modemarke Desigual in der Tasche: Die Kanadierin präsentierte Kollektionen des Labels, im September 2014 war sie auf dem Laufsteg bei der London Fashion Week zu sehen.

Model mit Weißfleckenkrankheit: Selbstachtung nicht nehmen lassen

Ihr Erfolgsrezept: an sich glauben. "Nur Du selbst kannst Dich dazu bringen, Dich nicht schön zu fühlen", sagte sie in einem Interview. Alles drehe sich um Selbstachtung, die man sich von anderen nicht nehmen lassen dürfe. "Du musst Dich erst selbst lieben, bevor jemand anderes Dich lieben kann", weiß Brown-Young, die nach eigenem Bekunden andere Menschen mit Vitiligo, der Weißfleckenkrankheit, inspirieren möchte.

Diese Symptome kennzeichnen die Weißfleckenkrankheit

Das kennzeichnende und beinahe einzige Symptom der Vitiligo sind scharf abgegrenzte weiße Flecken auf der Haut. Je nach Form der Weißfleckenkrankheit können diese unterschiedlich ausgeprägt und verteilt sein.

Die Symptome treten in rund einem Viertel der Fälle in der ersten Dekade des Lebens und bei etwa einem weiteren Viertel der Betroffenen zwischen dem zehnten und 20. Lebensjahr auf, seltener nach dem 30. Lebensjahr. Es bilden sich weiße, von der übrigen Haut deutlich abgegrenzte weiße Flecken, die der Vitiligo den Namen Weißfleckenkrankheit einbrachten.

In diesen Arealen versagen die Melanin produzierenden Zellen (Melanozyten), die Regionen erscheinen deshalb im Vergleich zur übrigen Haut sehr hell. Prinzipiell können die weißen Flecken überall auf der Haut oder Schleimhaut, also beispielsweise auch in Mund oder Nase auftreten. Auch die Haare und selbst die Iris im Auge können von den hellen Stellen betroffen sein.

Wo sich Symptome besonders oft zeigen

Allerdings gibt es bevorzugte Hautareale, auf denen sich die Symptome der Vitiligo zeigen. Das sind vor allem Bereiche, die vermehrt Sonnenbestrahlung oder Zug- beziehungsweise Druckbelastungen ausgesetzt sind. Häufig betroffen sind demnach die Hände und Füße sowie Gesicht und Hals. Im Gesicht bilden sich die weißen Flecken bevorzugt um Augen und Mund herum. Knöchel, Knie, Ellenbogen sowie der Genital- und Gesäßbereich gehören ebenfalls zu den Körperstellen, an denen sich die Weißfleckenkrankheit häufiger zeigt.

Kleine, vereinzelte Flecken bilden den Anfang

Vitiligo: Symptome
Die Hände gehören zu den Körperregionen, an denen sich die Symptome der Vitiligo besonders häufig zeigen.
© iStock.com/piccerella

Die Weißfleckenkrankheit beginnt meist mit kleinen, vereinzelten Flecken, die sich je nach Form der Erkrankung unterschiedlich stark ausbreiten. Hellhäutige Menschen bemerken die Krankheit zunächst oft nicht. Die Flecken fallen manchmal erst nach einem Sommerurlaub auf, wenn die gesunde Haut gebräunt ist.

Entzündete Fleckenränder bei inflammatorischer Vitiligo

Die Flecken können einen dunklen Rand haben, der stärker pigmentiert ist als die umgebende gesunde Haut. In seltenen Fällen haben die Flecken einen rötlich-entzündeten Rand. Mediziner sprechen dann von einer inflammatorischen Vitiligo, einer Sonderform der Weißfleckenkrankheit. Neben den Flecken selbst gibt es in der Regel keine weiteren Symptome, es existieren jedoch Berichte über begleitenden Juckreiz beim Entstehen der Flecken.

Einteilung der Weißfleckenkrankheit nach Fläche und Ort der Flecken

Die Verteilung der Flecken ist je nach Form unterschiedlich. Die mit mehr als 80 Prozent häufigste Form der Weißfleckenkrankheit ist die generalisierte Vitiligo. Dabei treten die Flecken meist symmetrisch auf und breiten sich stark aus.

Die generalisierte Vitiligo wird weiter unterteilt in die

  • akrofaciale Vitiligo, bei der die Symptome vor allem im Kopfbereich, an Fingern und Zehen sowie in der Genital- und Gesäßregion auftreten, und die

  • Vitiligo vulgaris, für die eine diffuse, aber oft symmetrische Verteilung der Flecken auf dem ganzen Körper kennzeichnend ist.

  • Eine universelle Vitiligo liegt dann vor, wenn mehr als 80 Prozent der Körperoberfläche depigmentiert ist. Die universelle Vitiligo ist die schwerste Form der Weißfleckenkrankheit.

Begrenzte Symptome bei lokalisierter Vitiligo

Anders als bei der generalisierten Vitiligo zeigen sich bei der lokalisierten Form die Symptome nur vereinzelt und an bestimmten Stellen. Auch diese Form der Weißfleckenkrankheit lässt sich weiter unterteilen in die

  • segmentale und die
  • fokale Vitiligo

Bei Ersterer beschränken sich die Flecken auf sogenannte Dermatome. Das sind Hautbereiche, die von den Fasern einer Spinalnervenwurzel versorgt werden. Zeigen sich vereinzelte Flecken auch an anderen Hautstellen, handelt es sich um eine fokale Vitiligo.

Sonderform mit speziellem Symptom: Die Konfetti-Vitiligo

Eine Sonderform der Weißfleckenkrankheit, die sich an den Symptomen festmacht, ist die Konfetti-Vitiligo. Hier sind die Flecken nur ein bis zwei Millimeter groß. Daneben gibt es Mischformen mit unterschiedlich großen oder verteilten weißen Flecken.

Welche Ursachen der Vitiligo zugrundeliegen

Die Ursache der Vitiligo oder Weißfleckenkrankheit ist nicht abschließend geklärt. Vermutet wird, dass eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems zugrunde liegt, durch die pigmentbildende Zellen in der Haut zerstört werden.

Die weißen Flecken entstehen durch den Verlust von Melanin-Pigmenten an den betreffenden Stellen. Pigmente werden zum Schutz der Haut vor von den Melanozyten gebildet, spezialisierten Zellen in der Haut. Durch Sonneneinstrahlung werden die Melanozyten in gesunder Haut angeregt, den Hautfarbstoff Melanin zu produzieren, wodurch die Sonnenbräune der Haut entsteht.

Weiße Flecken durch Absterben der Melanozyten

Stellen die Melanozyten die Melaninproduktion ein und sterben ab, entstehen die charakteristischen weißen Vitiligo-Flecken auf den betroffenen Hautarealen. Für das Absterben der Melanozyten gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Experten diskutieren etwa, ob eine Fehlfunktion des Stoffwechsels oder der Hautnerven als Ursache für die Krankheit in Frage kommt.

Als sehr wahrscheinlich gilt heute jedoch die Autoimmunhypothese zur Entstehung der Weißfleckenkrankheit. Sie besagt, dass bei Patienten mit Vitiligo das körpereigene Immunsystem fehlgeleitet wird und Abwehrzellen gegen die Melanozyten bildet. Für diese These zur Ursache der Vitiligo spricht, dass in Untersuchungen im Blut von Betroffenen weiße Blutkörperchen nachgewiesen wurden, die Melanozyten zerstören.

Weißfleckenkrankheit in manchen Familien häufig

Die Ursache für diese Fehlsteuerung des Immunsystems aber ist weitgehend unklar. Fest steht, dass die Weißfleckenkrankheit in manchen Familien gehäuft auftritt. Es gibt also eine genetische Disposition für Vitiligo. Mediziner gehen davon aus, dass Kinder mit einem betroffenen Elternteil ein vier- bis fünffach erhöhtes Risiko haben, an Vitiligo zu erkranken.

Stress durch Flecken sorgt für neue weiße Stellen

Neben der genetischen Disposition gibt es weitere Faktoren, die Vitiligo begünstigen beziehungsweise triggern können oder das Ausbreiten der Flecken beschleunigen. Hier ist vor allem emotionaler Stress zu nennen, beispielsweise eine Trennung, eine schwere Krankheit oder der Tod eines nahestehenden Menschen. Auch die Weißfleckenkrankheit selbst bedeutet für die meisten Betroffenen eine große psychische Belastung. Dadurch kann ein Teufelskreis entstehen.

Vitiligo als Folge von Hautverletzungen

Als weitere Triggerfaktoren für eine Vitiligo gelten Hautverletzungen, auch durch Sonnenbrand. Hormonelle Veränderungen scheinen ebenfalls einen Einfluss auf die Entstehung der Weißfleckenkrankheit zu haben. So treten die Hautflecken oft erstmals in der Pubertät oder während der Schwangerschaft auf.

Schließlich können bestimmte Medikamente wie Betablocker, die häufig gegen Herzerkrankungen verordnet werden, oder magenschützende Protonenpumpenhemmer Auslöser von Vitiligo sein oder die Pigmentstörung verschlimmern.

So läuft die Diagnose der Weißfleckenkrankheit ab

Bei der Diagnose der Vitiligo geht es vor allem darum, Krankheiten mit ähnlichen Symptomen auszuschließen und zu definieren, welche Form der Weißfleckenkrankheit vorliegt. Denn daran orientiert sich gegebenenfalls die Therapie.

Was der Arzt zur Diagnose wissen will

Am Beginn der Vitiligo-Diagnose steht die Anamnese. Der Arzt wird Sie eingehend befragen. Beispielsweise wird er wissen wollen, wann und wo die typischen weißen Flecken erstmals aufgetaucht sind, ob Sie sich an Begleitumstände erinnern, etwa Stress oder einen Sonnenbrand, und wie schnell sich neue Flecken gebildet haben. Da eine genetische Disposition für die Weißfleckenkrankheit besteht, ist für den Arzt auch von Interesse, ob es in Ihrer Familie weitere Fälle von Vitiligo gibt.

Wood-Lampe verrät Vitiligo-Flecken und sichert die Diagnose

  • zum Lexikon

    Im Lifeline-Lexikon sind Diagnosen von A wie Angiographie bis Z wie Zystoskopie ausführlich und auch für medizinische Laien verständlich beschrieben.

Die Anamnese und das spezifische Aussehen der weißen Flecken genügt einem erfahrenen Dermatologen meist, um die Weißfleckenkrankheit zu erkennen. Eine sichere Diagnose der Vitiligo ermöglicht die Betrachtung der Haut mit einer "Wood-Lampe". Unter dem ultravioletten Licht der Woodlampe leuchten die depigmentierten Hautstellen in einem charakteristischen, weiß-gelblichen Farbton.

Gewebeprobe ohne Pigmente bei Weißfleckenkrankheit

Zur Sicherung der Diagnose kann der Hautarzt auch eine Gewebeprobe aus den weißen Hautstellen entnehmen, die unter dem Mikroskop untersucht wird. Handelt es sich um die Weißfleckenkrankheit, lassen sich unter dem Mikroskop keine Melaninpigmente erkennen. Die Melanozyten – Zellen, die den Hautfarbstoff Melanin bilden –, sind kaum noch sichtbar oder fehlen gänzlich.

Fahndung nach Schilddrüsenerkrankungen bei Vitiligo

Ist die Diagnose Vitiligo gestellt, sind weitere Untersuchungen sinnvoll, da die Weißfleckenkrankheit oft mit Begleiterkrankungen einhergeht. Hier sind vor allen Schilddrüsenerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditis zu nennen. Aus diesem Grund wird in einer britischen Leitlinie zu Diagnose und Therapie der Vitiligo immer eine Untersuchung auf Schilddrüsenerkrankungen empfohlen.

Besonders gefährdet sind Patienten mit einer generalisierten Vitiligo. In einer 2010 veröffentlichten Beobachtungsstudie mit 114 Kindern, die von der Weißfleckenkrankheit betroffen waren, entwickelten nur Studienteilnehmer in der Gruppe mit generalisierter Vitiligo Schilddrüsenerkrankungen.

Diabetes und Hautkrankheiten oft im Doppelpack

Eine weitere Erkrankungen, die oft zusammen mit Vitiligo auftritt, ist Diabetes. Generell sind Hauterkrankungen häufiger Begleiter der Zuckerkrankheit: Etwa 30 Prozent der Diabetespatienten leiden gleichzeitig unter einer oder mehreren Hautkrankheiten wie beispielsweise der Weißfleckenkrankheit.

Daher wird der Arzt nach der Diagnose der Vitiligo nach Anzeichen für die Stoffwechselerkrankung suchen, um sie gegebenfalls frühzeitig behandeln zu können. Vitiligo selbst ist wiederum oft an andere Hauterkrankungen gekoppelt, die im Zusammenhang mit einer Fehlsteuerung des Immunsystems stehen. Dazu zählen kreisrunder Haarausfall und Psoriasis.

Vitiligo behandeln

Für die Therapie der Weißfleckenkrankheit ist entscheidend, welche Form der Erkrankung vorliegt. Die UVB-Lichttherapie gilt als Mittel der ersten Wahl bei generalisierter Vitiligo, während bei der Therapie der segmentalen Vitiligo lokale Therapien mit Salben im Vordergrund stehen.

Da die Ursachen der Vitiligo nicht vollständig geklärt sind, kann die Hautkrankheit nicht im eigentlichen Sinn geheilt werden. Sie muss auch nicht zwingend behandelt werden, da die Betroffenen physisch nicht beeinträchtigt werden. Meist aber macht die große psychische Belastung durch die sichtbaren und von den meisten Betroffenen als entstellend empfundenen weißen Flecken eine symptomatische Therapie erforderlich.

Die Behandlung der Weißfleckenkrankheit zielt also darauf ab, die Ausbreitung der Flecken zu verhindern und ein Repigmentierung der hellen Stellen zu erreichen.

Melanozyten können Funktion wieder aufnehmen

Möglich ist eine Repigmentierung, da die für die Pigmentierung zuständigen Melanozyten an den von Vitiligo betroffenen Stellen zwar den Hautfarbstoff Melanin nicht mehr produzieren, aber in der Regel nicht gänzlich verschwunden sind und ihre Funktion oft wieder aufnehmnen können.

Je nach Form der Vitiligo gibt es verschiedene Möglichkeiten der Therapie. Sie sind in der ersten europäischen Behandlungsleitlinie für die Krankheit beschrieben, die 2013 veröffentlicht wurde.

Schmalband-UVB-Therapie bei generalisierter Vitiligo

Voraussetzung für die Therapie der Vitiligo ist unabhängig von der Krankheitsform das Vermeiden beziehungsweise Ausschalten von Triggerfaktoren. Für die generalisierte Vitiligo, die bei über 80 Prozent der Patienten vorliegt, empfiehlt die Leitlinie als Mittel erster Wahl die Schmalband-UVB-Therapie. Dabei handelt es sich um eine Lichttherapie (Phototherapie), bei der die betroffenen Hautareale mit UVB-Licht der Wellenlänge von 311 bis 313 nm zweimal pro Woche über mindestens drei Monate hinweg bestrahlt werden.

Wenn mehr als 15 bis 20 Prozent des Körpers weiße Flecken aufweisen oder die Pigmentstörung sich weiter ausbreitet, raten die Autoren der Leitlinie zu einer Ganzkörperbestrahlung, die medikamentös und / oder lokal durch Salben unterstützt werden kann. Geduld ist hier gefragt: Schlägt diese Form der Vitiligo-Therapie an, sollte sie über mindestens neun Monate hinweg bis zu maximal zwei Jahren fortgeführt werden.

Sicherheitvorkehrungen bei Lichttherapie

Wird die Lichttherapie mit UVB-Strahlung angewandt, sind einige Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten. Darauf weist Dr. Maria Müller in ihrem eBook "Vitiligo. Die Weißfleckenkrankheit. Was Ärzte und Patienten wissen müssen" hin. Dazu gehört zum Beispiel, eine zusätzliche UV-Bestrahlung durch Sonnenbäder oder Solariumsbesuch neben der Lichttherapie zu vermeiden und Medikamente, Nahrungsmittel oder Kosmetika wegzulassen, die zu einer unerwünschten Verstärkung der UVB-Wirkung führen.

Steroide als Option bei ausbleibendem Erfolg

Wenn die Schmalband-UVB-Therapie keinen Erfolg zeigt und die Weißfleckenkrankheit schnell fortschreitet, nennt die Leitlinie als weitere Option die Einnahme von Steroiden oder anderen Immunsupressiva, also Wirkstoffen, die das Immunsystem unterdrücken, räumt aber ein, dass letztere noch wenig untersucht sind.

Neuer Therapie-Ansatz aus den USA

Relativ neu ist ein weiterer Behandlungsansatz bei generalisierter Vitiligo aus den USA. Dort haben Wissenschaftler die Schmalband-UVB-Therapie kombiniert mit Afamelanotid. Dabei handelt es sich um eine synthetisch hergestellte Variante eines körpereigenen Hormons, das die Melanozyten zur Bildung des Hautfarbstoffs Melanin anregt. Sie verabreichten Vitiligo-Patienten, die eine Schmalband-UVB-Therapie erhielten, einmal monatlich insgesamt vier Afamelanotid-Injektionen. Im Vergleich zu Patienten, die nur mit der Lichttherapie behandelt wurden, setzte die Repigmentierung unter der zusätzlichen Therapie mit Afamelanotid deutlich früher ein (nach 40 Behandlungstagen gegenüber 60 Behandlungstagen in der Vergleichsgruppe) und erreichte eine viel größere Ausdehnung. Allerdings ist Afamelanotid  zur Therapie der Vitiligo bislang noch nicht zugelassen.

Therapiemöglichkeiten der Vitiligo

Prof. Dr. med. Markus Böhm, leitender Oberarzt an der Klinik für Hautkrankheiten des Universitätsklinikums Münster, erklärt, wie die Weißfleckenkrankheit behandelt werden kann.

Youtube / Vitiligo Verein

Depigmentierung für ein einheitliches Hautbild

Zeigen die zugelassenen Behandlungsmethoden keinen Erfolg und sind bereits mehr als 50 Prozent der Haut nicht mehr pigmentiert, kann ein einheitliches Hautbild nur durch eine dauerhafte Depigmentierung der verbliebenen dunklen Haut zumindest an sichtbaren Körperteilen wie Gesicht und Hände erreicht werden. Dazu gibt es verschiedene Verfahren.

Kortikosteroid-Salbe bei segmentaler Vitiligo

Zur Behandlung der segmentalen Vitiligio stellt die Schmalband-UVB-Therapie nur eine Methode zweiter Wahl dar. Empfohlen wird eine lokale Therapie mit Cremes, die entzündungshemmende Kortikosteroide enthalten. Für den Kopf und Halsbereich kommen auch Salben mit Calcineurin-Inhibitoren in Frage, die das Immunsystem hemmen und im Vergleich zu Kortikosteroiden weniger Nebenwirkungen haben.

Therapie erfordert langen Atem

Die von der Weißfleckenkrankheit betroffenen Hautstellen werden zweimal täglich behandelt, möglichst unter täglicher moderater Sonnenexposition. Auch bei der Therapie der segmentalen Vitiligo brauchen Patienten einen langen Atem: Die Behandlung kann bis zu zwölf Monate dauern.

Neben der fortlaufenden Behandlung kann auch ein diskontinuierliches Behandlungsschema erfolgversprechend sein. Dabei werden die betroffenen Hautstellen sechs Monate lang jeweils 15 Tage pro Monat behandelt. Bleibt der Therapieerfolg aus, nennt die Leitlinie als letzte Möglichkeit chirurgische Eingriffe wie die Transplantation von eigener gesunder Haut oder von Melanozyten auf die erkrankten Stellen.

Flecken kaschieren mit Camouflage-Creme

Neben medizinischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es auch kosmetische Tricks, um die Flecken zu kaschieren. Die Schminktechnik dazu wird als Camouflage bezeichnet. Camouflage unterscheidet sich von gewöhnlichen Make-up dadurch, dass es wasserfest und haltbarer ist.

Psychotherapie zur Unterstützung der Vitiligo-Therapie

Psychische Belastung zählt zu den Triggerfaktoren der Weißfleckenkrankheit. Da die Krankheit selbst die Betroffenen meist stark stresst, kann ein Teufelskreis entstehen. Um diesen zu durchbrechen, kann eine Psychotherapie begleitend zur Vitiligo-Therapie hilfreich sein.

Sonnenschutz besonders ernst nehmen

Ganz gleich, ob Sie sich zu einer Therapie der Vitiligo entscheiden oder sich mit den Hautveränderungen arrangieren: Depigmentierte Haut ist sehr empfindlich gegenüber Sonnenstrahlung. Sorgen Sie daher immer für einen Sonnenschutz mit hohem , wenn Sie an die Sonne gehen.

Vitiligo: Hilfe bei Weißfleckenkrankheit

Die Weißfleckenkrankheit ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Melanozyten blockiert oder zerstört werden und deshalb keinen dunklen Hautfarbstoff mehr produzieren

YouTube/ARD.Mittagsmagazin

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