Autoimmunerkrankung der Haut

Vitiligo: Wie wird Weißfleckenkrankheit behandelt?

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Als Vitiligo wird eine chronische Hauterkrankung bezeichnet, bei welcher unpigmentierte Stellen auf der Haut entstehen. Die Weißfleckenkrankheit ist kein rein kosmetisches Problem, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Vitiligo: Weißfleckenkrankheit
© Getty Images/Natalie Zotova/500px

Weiße Flecken auf der Haut, die plötzlich auftreten und nicht mehr verschwinden – dieses zentrale Symptom von Vitiligo brachte der chronischen Hauterkrankung ihren deutschen Namen Weißfleckenkrankheit ein.

Im Überblick:

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Vitiligo: Was passiert bei der Weißfleckenkrankheit?

Melanozyten sind Zellen in der Oberhaut, die Farbstoffpigmente produzieren. Bei der Autoimmunerkrankung Vitiligo werden die Melanozyten blockiert oder zerstört, weshalb sie keinen dunklen Hautfarbstoff (Melanin) mehr produzieren. Meist tritt die Erkrankung vor dem 20. Lebensjahr auf, oft beginnt die Erkrankung bereits im Kindesalter. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen.

In Deutschland ist die Pigmentstörung selten, sie betrifft etwa 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung – die Zahl der Vitiligo-Betroffenen wird auf knapp eine halbe Millionen geschätzt. Weltweit gibt es starke regionale Unterschiede bezüglich der Häufigkeit.

Diese Symptome kennzeichnen die Weißfleckenkrankheit

Das charakteristische Symptom der Vitiligo sind scharf abgegrenzte weiße Flecken auf der Haut. Je nach Form der Weißfleckenkrankheit können diese unterschiedlich ausgeprägt und verteilt sein. Neben den Flecken selbst gibt es in der Regel keine weiteren Symptome, es existieren jedoch Berichte über begleitenden Juckreiz beim Entstehen der Flecken.

Prinzipiell können die weißen Flecken überall auf der Haut oder Schleimhaut, also beispielsweise auch in Mund oder Nase auftreten. Auch die Haare und selbst die Iris im Auge können von den hellen Stellen betroffen sein. Allerdings gibt es bevorzugte Hautareale, auf denen sich Vitiligo zeigt. Das sind vor allem Bereiche, die vermehrt Sonnenbestrahlung oder Zug- beziehungsweise Druckbelastungen ausgesetzt sind:

  • Hände
  • Füße
  • Augen
  • Mund
  • Hals
  • Knöchel
  • Knie
  • Ellenbogen
  • Genital- und Gesäßbereich

Die Weißfleckenkrankheit beginnt meist mit kleinen, vereinzelten Flecken, die sich je nach Form der Erkrankung unterschiedlich stark ausbreiten. Hellhäutige Menschen bemerken die Krankheit zunächst oft nicht. Die Flecken fallen manchmal erst nach einem Sommerurlaub auf, wenn die gesunde Haut gebräunt ist.

Die Flecken können einen dunklen Rand haben, der stärker pigmentiert ist als die umgebende gesunde Haut. In seltenen Fällen haben die Flecken einen rötlich-entzündeten Rand. Fachleute sprechen dann von einer inflammatorischen Vitiligo, einer Sonderform der Weißfleckenkrankheit.

Vitiligo verursacht oft psychische Probleme

Die Weißfleckenkrankheit hat keinen Einfluss auf die körperliche Leistungsfähigkeit und wirkt sich nicht auf die Lebenserwartung aus. Sie verursacht keine körperlichen Schmerzen, wohl aber erhebliche psychische Leiden.

Da die weißen Flecken vornehmlich an sichtbaren Körperstellen auftreten, ziehen Betroffene neugierige Blicke ihrer Umwelt auf sich. Gerade bei Kindern kommen oft Hänseleien und Mobbing vor. Dies führt häufig zu großem psychischen Stress: Betroffene fühlen sich entstellt und stigmatisiert, ziehen sich zurück. Nicht selten sind Depressionen die Folge der Weißfleckenkrankheit.

Generalisierte Vitiligo als häufigste Form der Erkrankung

Es werden zwei Hauptformen unterschieden. Am häufigsten ist die generalisierte Vitiligo. Dabei treten die weißen Flecken an mehreren Körperstellen auf und breiten sich über Jahre hinweg in Schüben immer weiter aus. Seltener ist die lokal-limitierte Vitiligo: Bei dieser Form der Weißfleckenkrankheit sind die pigmentlosen Hautstellen auf eine Körperregion beschränkt und die Krankheit kommt meist nach wenigen Monaten zum Stillstand. Unter drei Prozent der Hautflächen sind betroffen.

Beide Formen sind nicht gefährlich. Neueren Erkenntnissen zufolge haben Menschen mit der Weißfleckenkrankheit aber, verglichen mit Hautgesunden, ein doppelt so großes Risiko für Schilddrüsenerkrankungen, insbesondere für Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie Hashimoto-Thyreoiditis.

Einteilung nach Fläche und Ort der Flecken

Die Verteilung der Flecken ist je nach Form unterschiedlich. Die mit mehr als 80 Prozent häufigste Form der Weißfleckenkrankheit ist die generalisierte Vitiligo. Dabei treten die Flecken meist symmetrisch auf und breiten sich stark aus.

Die generalisierte Vitiligo wird weiter unterteilt in die

  • akrofaciale Vitiligo, bei der die Symptome vor allem im Kopfbereich, an Fingern und Zehen sowie in der Genital- und Gesäßregion auftreten, und die

  • Vitiligo vulgaris, für die eine diffuse, aber oft symmetrische Verteilung der Flecken auf dem ganzen Körper kennzeichnend ist.

  • Eine universelle Vitiligo liegt dann vor, wenn mehr als 80 Prozent der Körperoberfläche depigmentiert ist. Die universelle Vitiligo ist die schwerste Form der Weißfleckenkrankheit.

Begrenzte Symptome bei lokal-limitierte Vitiligo

Anders als bei der generalisierten Vitiligo zeigen sich bei der limitierten Form die Symptome nur vereinzelt und an bestimmten Stellen. Auch diese Form der Weißfleckenkrankheit lässt sich weiter unterteilen in die

  • segmentale und die
  • fokale Vitiligo

Bei Ersterer beschränken sich die Flecken auf sogenannte Dermatome. Das sind Hautbereiche, die von den Fasern einer Spinalnervenwurzel versorgt werden. Zeigen sich vereinzelte Flecken auch an anderen Hautstellen, handelt es sich um eine fokale Vitiligo.

Eine Sonderform der Weißfleckenkrankheit, die sich an den Symptomen festmacht, ist die Konfetti-Vitiligo. Hier sind die Flecken nur ein bis zwei Millimeter groß. Daneben gibt es Mischformen mit unterschiedlich großen oder verteilten weißen Flecken.


Welche Ursachen der Vitiligo zugrunde liegen

Die weißen Flecken entstehen durch den Verlust von Melanin-Pigmenten an den betreffenden Stellen. Die Pigmente werden zum Schutz der Haut von Melanozyten gebildet. Durch Sonneneinstrahlung werden die Melanozyten in gesunder Haut angeregt, den Hautfarbstoff Melanin zu produzieren, wodurch die Sonnenbräune der Haut entsteht.

Sterben die Melanozyten ab und stellen sie die Melaninproduktion ein, entstehen die charakteristischen weißen Vitiligo-Flecken auf den betroffenen Hautarealen.

Die Ursache der Vitiligo ist nicht abschließend geklärt. Vermutet wird, dass eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems zugrunde liegt, durch die pigmentbildende Zellen in der Haut zerstört werden. Für diese These zur Ursache der Vitiligo spricht, dass in Untersuchungen im Blut von Betroffenen weiße Blutkörperchen nachgewiesen wurden, die Melanozyten zerstören. Allerdings gibt es eine genetische Disposition für Vitiligo, in manchen Familien tritt die Weißfleckenkrankheit gehäuft auf. Kinder mit einem betroffenen Elternteil haben ein vier- bis fünffach erhöhtes Risiko zu erkranken.

Stress durch Flecken sorgt für neue weiße Stellen

Neben der genetischen Disposition gibt es weitere Faktoren, die Vitiligo begünstigen beziehungsweise triggern können oder das Ausbreiten der Flecken beschleunigen. Hier ist vor allem emotionaler Stress zu nennen, beispielsweise eine Trennung, eine schwere Krankheit oder der Tod eines nahestehenden Menschen. Auch die Weißfleckenkrankheit selbst bedeutet für die meisten Betroffenen eine große psychische Belastung. Dadurch kann ein Teufelskreis entstehen.

Vitiligo als Folge von Hautverletzungen

Als weitere Triggerfaktoren für eine Vitiligo gelten Hautverletzungen – auch durch Sonnenbrand. Hormonelle Veränderungen scheinen ebenfalls einen Einfluss auf die Entstehung der Weißfleckenkrankheit zu haben. So treten die Hautflecken oft erstmals in der Pubertät oder während der Schwangerschaft auf.

Schließlich können bestimmte Medikamente wie Betablocker, die häufig gegen Herzerkrankungen verordnet werden, oder magenschützende Protonenpumpenhemmer Auslöser von Vitiligo sein oder die Pigmentstörung verschlimmern.

So läuft die Diagnose der Weißfleckenkrankheit ab

Bei der Diagnose der Vitiligo geht es vor allem darum, Krankheiten mit ähnlichen Symptomen auszuschließen und zu definieren, welche Form der Weißfleckenkrankheit vorliegt. Denn daran orientiert sich gegebenenfalls die Therapie.

Am Beginn der Vitiligo-Diagnose steht die Anamnese, bei welcher relevante Fragen über Entstehung, mögliche Trigger, genaue Symptome und die familiäre Vorgeschichte geklärt werden. Auch wie schnell sich neue Flecken gebildet haben und wo sie lokalisiert sind, ist von großer Relevanz.

Neben der Blickdiagnose durch das typische Erscheinungsbild und dem Anamnesegespräch, kann die Betrachtung der Haut unter einem bestimmten Licht, die Diagnose absichern. Dabei kommt eine Wood-Lampe zum Einsatz: Unter dem ultravioletten Licht leuchten die depigmentierten Hautstellen in einem charakteristischen, weiß-gelblichen Farbton. Das Wood-Licht hilft zudem eine Ausbreitung der Erkrankung zu erkennen und zeigt, welche Hautareale als nächstes betroffen sein werden.

Zur Sicherung der Diagnose kann auch eine Gewebeprobe aus den weißen Hautstellen entnommen und unter dem Mikroskop untersucht werden. Handelt es sich um die Weißfleckenkrankheit, lassen sich unter dem Mikroskop keine Melaninpigmente erkennen. Die Melanozyten sind kaum noch sichtbar oder fehlen gänzlich.

Weitere Erkrankungen im Zusammenhang der Vitiligo

Ist die Diagnose Vitiligo gestellt, sind weitere Untersuchungen sinnvoll, da die Weißfleckenkrankheit oft mit Begleiterkrankungen einhergeht. Hier sind vor allem Schilddrüsenerkrankungen zu nennen. Besonders gefährdet sind Betroffene mit einer generalisierten Vitiligo. Die Untersuchung der Schilddrüsenwerte empfiehlt sich nach der Diagnosestellung jährlich.

Eine weitere Erkrankung, die oft zusammen mit Vitiligo auftritt, ist Diabetes. Generell sind Hauterkrankungen häufiger Begleiter der Zuckerkrankheit: Etwa 30 Prozent der Menschen mit Diabetes mellitus leiden gleichzeitig unter einer oder mehreren Hautkrankheiten wie beispielsweise der Weißfleckenkrankheit. Daher wird nach der Diagnose der Vitiligo auch nach Anzeichen für die Stoffwechselerkrankung gesucht, um sie gegebenenfalls frühzeitig behandeln zu können.

Vitiligo selbst ist wiederum oft an andere Hauterkrankungen gekoppelt, die im Zusammenhang mit einer Fehlsteuerung des Immunsystems stehen. Dazu zählen kreisrunder Haarausfall und Psoriasis und Neurodermitis.

Vitiligo behandeln: Ist die Erkrankung heilbar?

Vitiligo ist nicht heilbar, jedoch kann durch die richtige Therapie ein Fortschreiten der Erkrankung eingedämmt werden. Die Behandlung der Weißfleckenkrankheit zielt also darauf ab, die Ausbreitung der Flecken zu verhindern. Auch versprechen manche Behandlungsformen eine Repigmentierung der Haut.

Für die Therapie der Weißfleckenkrankheit ist entscheidend, welche Form der Erkrankung vorliegt. Die UVB-Lichttherapie gilt als Mittel der ersten Wahl bei generalisierter Vitiligo, während bei der Therapie der limitierten Vitiligo lokale Therapien mit Salben im Vordergrund stehen.

Möglich ist eine Repigmentierung, da die für die Pigmentierung zuständigen Melanozyten an den von Vitiligo betroffenen Stellen zwar den Hautfarbstoff Melanin nicht mehr produzieren, aber in der Regel nicht gänzlich verschwunden sind und ihre Funktion oft wieder aufnehmen können.

Schmalband-UVB-Therapie bei generalisierter Vitiligo

Voraussetzung für die Therapie der Vitiligo ist unabhängig von der Krankheitsform das Vermeiden beziehungsweise Ausschalten von Triggerfaktoren. Für die generalisierte Vitiligo empfiehlt die Leitlinie als Mittel erster Wahl die Schmalband-UVB-Therapie. Dabei handelt es sich um eine Lichttherapie (Phototherapie), bei der die betroffenen Hautareale mit UVB-Licht der Wellenlänge 311-313 nm zwei- bis dreimal pro Woche bestrahlt werden.

Dabei wird meist eine Ganzkörperstrahlung eingesetzt. Die Therapie soll der Ausbreitung entgegenwirken und die Hautzellen zur Pigmentbildung anregen. Die Therapie kann mit Medikamenten und durch lokal aufgetragene Salben unterstützt werden. Geduld ist hier gefragt: Schlägt diese Form der Vitiligo-Therapie an, sollte sie über mindestens neun Monate hinweg bis zu maximal zwei Jahren fortgeführt werden.

Während der Lichttherapie sind einige Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Dazu gehört zum Beispiel, eine zusätzliche UV-Bestrahlung durch Sonnenbäder oder Solariumbesuche neben der Lichttherapie zu vermeiden und Medikamente, Nahrungsmittel oder Kosmetika wegzulassen, die zu einer unerwünschten Verstärkung der UVB-Wirkung führen.

Kortikosteroid-Salbe bei limitierter Vitiligo

Zur Behandlung der limitierten Vitiligo stellt die Schmalband-UVB-Therapie nur eine Methode zweiter Wahl dar. Empfohlen wird eine lokale Therapie mit Cremes, die entzündungshemmende Kortikosteroide enthalten. Für den Kopf und Halsbereich kommen auch Salben mit Calcineurin-Inhibitoren in Frage, die das Immunsystem hemmen und im Vergleich zu Kortikosteroiden weniger Nebenwirkungen haben.

Chirurgische Möglichen bei der Vitiligo

Breitet sich die Vitiligo nicht weiter aus, kann auch ein chirurgischer Eingriff Abhilfe schaffen. Dabei kann eigene, gesunde Haut transplantiert werden. Auch der Einsatz von Melanozyten in die erkrankten Stellen ist eine Option. Dabei werden pigmentbildende Zellen aus dem Körper entnommen, im Reagenzglas vermehrt und dann in die betroffene Hautareale transplantiert.

Bleichen? Depigmentierung für ein einheitliches Hautbild

Zeigen die zugelassenen Behandlungsmethoden keinen Erfolg und ist die Haut bereits großflächig unpigmentiert, kann ein einheitliches Hautbild nur durch eine dauerhafte Depigmentierung der verbliebenen dunklen Haut zumindest an sichtbaren Körperteilen wie Gesicht und Hände erreicht werden. Dazu gibt es verschiedene Verfahren. Die Depigmentierung wird nur bei Menschen mit dunklen Hauttönen durchgeführt und nur, wenn der Leidensdruck besonders hoch ist. Dabei werden die restlichen Melanozyten zerstört, es handelt sich um einen irreversiblen Vorgang. Die Depigmentierung gilt als letzte Option und sollte nur nach sorgfältiger Abwägung zum Einsatz kommen.

Therapiemöglichkeiten der Vitiligo

Prof. Dr. med. Markus Böhm, leitender Oberarzt an der Klinik für Hautkrankheiten des Universitätsklinikums Münster, erklärt, wie die Weißfleckenkrankheit behandelt werden kann.

Youtube / Vitiligo Verein

Leben mit Vitiligo: Was den Alltag erleichtert und zu beachten ist

Um den Teufelskreis aus psychischem Stress und neuen Flecken zu durchbrechen, kann eine Psychotherapie begleitend zur Vitiligo-Therapie hilfreich sein. Auch Selbsthilfegruppen können den Leidendruck mindern und Betroffenen Mut machen.

Neben medizinischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es auch kosmetische Tricks, um die Flecken zu kaschieren. Das kann das Selbstbewusstsein stärken. Die Schminktechnik dazu wird als Camouflage bezeichnet. Camouflage unterscheidet sich von gewöhnlichem Make-up dadurch, dass es wasserfest und haltbarer ist.

Besonders wichtig ist die richtige Pflege bei Vitiligo, denn depigmentierte Haut ist sehr empfindlich gegenüber Sonnenstrahlung. Betroffene sollten daher immer für einen Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor sorgen, auch an bewölkten Tagen.

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