Spezieller Diabetes durch Hormonmangel

Diabetes insipidus: Symptome, Therapie und Ursachen

Diabetes insipidus ist eine Erkrankung, die auf einen gestörten Hormonhaushalt zurückgeht. Dabei sind die Nieren nicht in der Lage, ausreichende Wassermengen im Körper zurückzuhalten. Menschen mit Diabetes insipidus scheiden dadurch extrem viel Urin aus, bei gleichzeitig starkem Durst.

Wasser aus der Leitung
Ständiger Durst ist typisch für Diabetes insipidus, eine spezielle Hormonstörung, die mit erhöhtem Blutzucker einhergeht.
© iStock.com/Elenathewise

Bei Diabetes insipidus handelt es sich um eine Hormonstörung, die zu einem fehlgesteuerten Wasserhaushalt führt. Betroffene haben typischerweise ständig großen Durst und scheiden sehr hohe Mengen Urin aus. Die Erkrankung ist nicht mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) zu verwechseln. Auch hier gelten starker Durst und häufiges Wasserlassen als charakteristische Symptome, die Ursache liegt jedoch in einem gestörten Zuckerstoffwechsel.

Nieren fehlt ein Hormon, das den Flüssigkeitshaushalt regelt

Normalerweise regulieren die Nieren den Wasserhaushalt des Körpers. Im Zusammenspiel mit dem sogenannten antidiuretischen Hormon (ADH, Vasopressin) sorgen sie dafür, dass – abhängig vom jeweiligen Bedürfnis – genügend Wasser aufgenommen beziehungsweise ausgeschieden wird. Diabetes insipidus entsteht, wenn ADH fehlt oder an den Nieren nicht richtig wirken kann.

Beim Gesunden bildet das Zwischenhirn (Hypothalamus) ADH. Von hier aus gelangt es zur Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), wo es gespeichert beziehungsweise bei Bedarf in die Blutbahn freigesetzt wird. Verliert ein Mensch (etwa durch starkes Schwitzen) viel Flüssigkeit oder kann über längere Zeit nichts trinken, versucht der Körper Wasser einzusparen. Dabei gibt die Hypophyse Vasopressin ins Blut ab.

Das Hormon bewirkt an den Nieren, dass weniger Urin ausgeschieden wird. Hat jemand hingegen viel Wasser getrunken, unterbleibt die ADH-Ausschüttung im Gehirn. Fehlt das Hormon, scheiden die Nieren viel Flüssigkeit aus. Auf diese Weise kann der Organismus seinen Flüssigkeitshaushalt den jeweiligen Bedürfnissen anpassen.

Ärzte unterscheiden zwei Formen des Diabetes insipidus:

  • zentraler Diabetes insipidus: Die ADH-Produktion oder Ausschüttung in Hypothalamus oder Hypophyse ist gestört.

  • renaler Diabetes insipidus: ADH kann an den Nieren nicht wirken (etwa wegen einer Nierenerkrankung).

Ursachen: Warum ein Diabetes insipidus entsteht

Für den Diabetes insipidus kommen mehrere Ursachen infrage. Meistens ist der Grund ein Mangel des Hormons ADH, welches den Wasserhaushalt reguliert. In selteneren Fällen entsteht ein Diabetes insipidus, weil ADH an den Nieren nicht richtig wirken kann.

Ursachen des Diabetes insipidus centralis

1. Ursache: Mangel des antidiuretischen Hormons ADH (Vasopressin):

Beim zentralen Diabetes insipidus bildet das Zwischenhirn zu wenig Vasopressin oder die Hypophyse gibt zu geringe Hormonmengen ins Blut ab. Für den zentralen Diabetes insipidus kommen folgende Ursachen infrage:

Schädigung von Hypothalamus oder Hypophyse: Bestimmte Erkrankungen können die Produktion beziehungsweise Freisetzung von ADH einschränken, dazu zählen:

  • Tumoren im Bereich von Hypothalamus und Hypophyse
  • Entzündungen (etwa Meningitis oder Enzephalitis)
  • Verletzungen dieser Hirnareale, zum Beispiel durch Operationen oder Kopfverletzungen.

Idiopathisch: Bei etwa einem Drittel der Fälle ist die Ursache nicht genau bekannt. Eine erbliche Komponente scheint bei einigen Betroffenen eine Rolle zu spielen. In anderen Fällen greift das Immunsystem die ADH-produzierenden Zellen an und zerstört diese.

Nierenprobleme als Ursache des Diabetes insipidus renalis

2. Ursache: Fehlende Wirksamkeit von ADH an den Nieren (Diabetes insipidus renalis): Folgende Faktoren können verhindern, dass ADH an den Nieren wirken kann:

  • Nierenkrankheiten, welche die Nieren dauerhaft geschädigt haben
  • ein bestimmter seltener Erbfehler, den Mütter an ihre Söhne vererben, führt dazu, dass die Andockstellen (Rezeptoren) in den Nieren, an die ADH normalerweise bindet, defekt sind.
  • Bestimmte Medikamente gegen Depressionen (Lithiumsalze) können in manchen Fällen die Nieren schädigen.

Symptome: An diesen Anzeichen erkennt man Diabetes insipidus

Ein Diabetes insipidus ruft typische Symptome hervor. Betroffene haben ständig starken Durst und scheiden gleichzeitig große Mengen Urin aus. Trocknet der Körper dadurch zunehmend aus, kommt es zu weiteren Beschwerden.

Bei einem Diabetes insipidus fehlt das Hormon Vasopressin (antidiuretisches Hormon, ADH), welches eine entscheidende Rolle für die Regulation des Wasserhaushalts spielt. Es wirkt an den Nieren und verhindert, dass zu viel Wasser ausgeschieden wird.

Daher treten bei Diabetes insipidus charakteristische Symptome auf:

  • Betroffene müssen sehr häufig, Tag und Nacht, große Mengen Wasser lassen (Polyurie). Innerhalb von 24 Stunden scheiden sie zwischen fünf und 25 Litern Urin aus.

  • Durch den Flüssigkeitsverlust haben Erkrankte ständig starken Durst und trinken überdurchschnittlich große Wassermengen (Polydipsie).

Bei Diabetes insipidus treten Schlafstörungen auf

Da bei Diabetes insipidus die Symptome auch nachts anhalten, verursachen sie zudem meist Schlafstörungen – Betroffene sind daher oft entsprechend müde. Bei Kindern kann Bettnässen ein zusätzlicher Hinweis auf die Erkrankung sein. Indem Betroffene sehr große Trinkmengen zu sich nehmen, können sie den Flüssigkeitsverlust zu einem gewissen Grad kompensieren. Älteren Menschen oder sehr kleinen Kindern hingegen gelingt dies oft nicht und sie trocknen aus. Kopfschmerzen, niedriger Blutdruck sowie trockene Haut und Schleimhäute können dann als Folgen auftreten.

Wenn der Körper durch Diabetes insipidus austrocknet

Bleibt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr weiter aus, kann dies lebensbedrohlich werden. Durch den hohen Wasserverlust bei Diabetes insipidus geraten auch die Blutsalze aus dem Gleichgewicht und der Natriumspiegel steigt. Der Natrium-Überschuss und die Austrocknung können zu Verwirrtheit und – im Extremfall  –  auch zu Krampfanfällen und zum Koma führen. Bei Kleinkindern, die jünger als zwei Jahre alt sind, kann es statt der großen Urinausscheidung auch zu Durchfall kommen. Darüber hinaus bleiben sie oft in ihrem Wachstum zurück.

Diagnose: So erkennt der Arzt Diabetes insipidus

Meist sind die Symptome des Diabetes insipidus für die Diagnose wegweisend. Besteht der Verdacht auf die Erkrankung, veranlasst der Arzt meist einen sogenannten Durstversuch. In der Regel schließen sich weitere Untersuchungsverfahren an, um die Ursache des Diabetes insipidus zu klären.

Oft lassen Beschwerden wie zwanghafter Durst und ständiges zur Toilette müssen den Arzt an Diabetes insipidus denken. Um die Diagnose genauer einzugrenzen, untersucht er zunächst die Menge an gelösten Salzen im Urin. Typischerweise ist der Urin bei Diabetes insipidus sehr wässrig, da die Nieren den Harn nicht stärker konzentrieren können. Zur weiteren Diagnose führt der Arzt dann den sogenannten Durstversuch durch. Dabei darf der Betroffene über einen Zeitraum von sechs bis acht Stunden nichts mehr trinken. In dieser Zeitspanne prüft der Arzt, ob die Nieren nun in der Lage sind, den Urin stärker zu konzentrieren, so wie es normalerweise der Fall wäre.

Spritze mit Hormonen zeigt, welcher Diabetes insipidus vorliegt

Können die Nieren das nicht, erhält der Patient eine Spritze mit einer kleinen Menge des Hormons ADH (antidiuretisches Hormon, Vasopressin). Liegt die Ursache des Diabetes insipidus im Gehirn (Diabetes insipidus centralis), kann ADH dagegen an den Nieren wirken: Der Patient scheidet daraufhin weniger und stärker konzentrierten Urin aus. Bei einem nierenbedingten Diabetes insipidus hingegen bleibt dieser Effekt aus. In manchen Fällen versuchen Ärzte auch die Ausschüttung des Hormons Vasopressin anzuregen, indem sie dem Patienten eine konzentrierte Kochsalzlösung verabreichen. Die Hormonausschüttung bleibt bei einem zentralen Diabetes insipidus aus.

Blutuntersuchung rundet die Diagnose ab

In vielen Fällen schließen sich weitere Untersuchungen an, um die genaue Ursache des Diabetes insipidus zu klären. Zu den Diagnoseverfahren zählen:

Nasenspray bis OP: Therapie-Optionen bei Diabetes insipidus

Die Diabetes-insipidus-Behandlung hängt von der jeweiligen Ursache ab. Liegt ein Mangel an ADH (antidiuretisches Hormon, Vasopressin) vor, besteht die Behandlung darin, das fehlende Hormon zu ersetzen. Ist die Ursache des Diabetes insipidus etwa ein Tumor im Bereich von Hypothalamus oder Hypophyse, besteht die Behandlung meist in einer Operation. Bakterielle Entzündungen von Gehirn (Enzephalitis) oder der Hirnhaut (Meningitis) lassen mit Antibiotika behandeln.

Fehlendes Hormon bei Diabetes insipidus als Nasenspray

Bei anderen Formen des zentralen Diabetes insipidus ist die Ursache hingegen unbekannt oder kann nicht beseitigt werden, etwa wenn ein Erbfehler vorliegt. In diesen Fällen besteht die Therapie des Diabetes insipidus darin, das fehlende Hormon ADH zu ersetzen. Betroffene nehmen dazu den Wirkstoff Desmopressin entweder als Nasentropfen, Nasenspray oder als Tabletten ein. Die Behandlung beginnt zunächst mit einer geringen Dosis, die der Erkrankte meist vor dem Schlafengehen einnimmt. In Absprache mit dem Arzt kann die Dosis dann auf den individuellen Bedarf gesteigert werden.

Zu viel Natrium im Blut vermeiden

Bei einem nierenbedingten Diabetes insipidus (Diabetes insipidus renalis) ist hingegen keine ursächliche Therapie möglich. Die Behandlung ist bei dieser Form oft schwieriger. In manchen Fällen verschreiben Ärzte spezielle entwässernde Medikamente (Thiaziddiuretika). Diese können verhindern, dass sich zu große Mengen Natrium im Blut anhäufen. Große Flüssigkeitsverluste müssen entsprechend ersetzt werden.

Verlauf und Prognose der verschiedenen Formen

Es ist schwierig, bei Diabetes insipidus eine allgemeine Aussage über den Verlauf der Krankheit zu machen. Grundsätzlich jedoch gilt: Lässt sich die Ursache der Erkrankung beheben, ist die Prognose im Allgemeinen gut. Bei einem zentralen Diabetes insipidus sind nicht selten Tumoren des Hypothalamus oder der Hypophyse der Grund der Erkrankung.

Können Ärzte diese durch eine Operation entfernen, ist in manchen Fällen keine weitere Behandlung mehr erforderlich. In vielen Fällen jedoch muss das fehlende Hormon Vasopressin (antidiuretisches Hormon, ADH) in Form eines Medikaments ersetzt werden. Die Therapie ist relativ einfach und im Allgemeinen gut verträglich, sodass Betroffene normalerweise keine größeren Einschränkungen im Alltag erfahren.

Den Diabetes insipidus regelmäßig vom Arzt kontrollieren lassen!

Um Komplikationen zu vermeiden, ist es bei Diabetes insipidus ratsam, regelmäßige Kontrolluntersuchen  – am besten bei einem Spezialisten für Hormonstörungen (Endokrinologe) – wahrzunehmen. Denn ohne angemessene Behandlung besteht bei Diabetes insipidus die Gefahr, durch den großen Flüssigkeitsverlust auszutrocknen. Vor allem betroffene Kinder oder alte Menschen sind oft nicht in der Lage, den Verlust durch ausreichende Trinkmengen wieder auszugleichen. Die Austrocknung kann dann rasch ein lebensbedrohliches Ausmaß annehmen.

Dem Diabetes insipidus vorzubeugen ist leider unmöglich

Diabetes insipidus lässt sich nicht grundsätzlich vorbeugen, da seine Ursachen wie Hirntumoren oder Erbfehler nicht vermeidbar sind. Möglichen Komplikationen durch Diabetes insipidus können Sie hingegen durch einige Maßnahmen vorbeugen.

Um die Therapiechancen zu verbessern, ist es sinnvoll, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen, wenn Sie folgende Symptome bei sich oder Ihrem Kind feststellen:

  • unstillbarer Durst
  • sehr häufiges Wasserlassen großer Urinmengen
  • die Beschwerden halten Tag und Nacht an
  • weitere zusätzliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme

Gehen sie regelmäßig zum Spezialisten, einem Endokrinologen

Auch wenn Sie wegen eines Diabetes insipidus in Behandlung sind, ist es wichtig, regelmäßige Kontrolluntersuchungen bei Ihrem Arzt wahrzunehmen. In der Regel ist dies ein Spezialist für Hormonstörungen (Endokrinologe). Er kann den Krankheitsverlauf beobachten und – wenn nötig – geeignete Therapiemaßnahmen einleiten.

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