Infektionskrankheit auf dem Vormarsch

West-Nil-Fieber: Infektionen auch in Deutschland möglich

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Die Virusinfektion West-Nil-Fieber wird durch Mücken übertragen. Da das West-Nil-Virus auch in Deutschland überwintern kann, werden hier zunehmend Fälle beobachtet. Welche Symptome treten bei einer Infektion auf und wie kann man sich schützen?

Mücke auf der Haut, die West-Nil-Fieber überträgt
© iStock.com/doug4537

Das West-Nil-Fieber ist eine virale Infektionskrankheit, die durch Mücken übertragen wird. Typische Symptome für eine Infektion mit dem West-Nil-Virus (WNV) sind grippeähnliche Beschwerden mit Fieber, allerdings verlaufen die meisten Fälle symptomlos. Durch Mücken übertragene Infektionen werden seit 2019 in Deutschland registriert.

Artikelinhalte im Überblick:

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Wie infiziert man sich mit dem West-Nil-Virus?

Der Hauptübertragungsweg des Virus ist zwischen Vögeln durch Stechmücken (vor allem Culex-Mücken), in einem Vogel-Stechmücken-Vogel-Kreislauf. Doch auch Säugetiere wie Pferde und Menschen können durch Mücken mit dem West-Nil-Virus infiziert werden. Anders als Vögel sind sie jedoch Fehlwirte und geben das Virus demnach nicht weiter oder sind keine Ansteckungsquelle für Culex-Mücken. Außerdem kann sich der Mensch durch eine Organtransplantation und infizierte Bluttransfusionen anstecken, eine Übertragung zwischen Mutter und ungeborenem Kind ist während der Schwangerschaft ebenfalls möglich.

Für Stechmücken sind warme Temperaturen günstig – in Deutschland gelten daher der Spätsommer und ein warmer Frühherbst als Hauptsaison. In Südeuropa gibt es oftmals bis in den Winter hinein Übertragungen des West-Nil-Virus. Außerdem kann das Virus vor Ort überwintern. Fachleute gehen von einer zunehmenden Verbreitung des West-Nil-Virus in Deutschland aus und dass es in den kommenden Jahren saisonal zu gehäuften Fallzahlen kommt.

In welchen Ländern das West-Nil-Virus verstärkt vorkommt

Das West-Nil-Fieber kommt weltweit in unterschiedlichen Regionen vor. In Afrika, Nordamerika, Teilen Mittelamerikas, dem Mittleren Osten, Indien, Israel, Teilen Südostasiens und der Westtürkei ist das Virus bereits verbreitet.

Durch Zugvögel gelangt das West-Nil-Virus auch nach Europa und in den Mittelmeerraum. Im Sommer sind daher Infektionen in Südfrankreich, Italien, Griechenland und weite Teile des Balkans, Teile von Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Österreich sowie der Türkei möglich. EU-weit nimmt die Zahl der bekannten Infektionen zu, sogar erste Todesfälle gab es. Laufend aktualisierte Informationen über betroffene Länder bietet das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) der Europäischen Union.

Laut Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) wurden Mitte August 2020 vier Personen in Deutschland bei Blut- und Plasmaspenden infiziert. Die ersten Fälle von West-Nil-Fieber in Deutschland wurden 2018 gemeldet.

Symptome und Verlauf des West-Nil-Fiebers

In der Regel zeigen infizierte Menschen keine auffälligen Symptome. Jeder fünfte Erkrankte leidet unter grippeähnlichen Symptomen, die meist zwischen drei und sechs Tagen anhalten. Patient*innen müssen während der Erkrankung nicht von anderen isoliert werden.

Häufige Symptome bei West-Nil-Fieber:

Schwerwiegender Verlauf möglich

Selten erkrankt ein Mensch schwer an der neuroinvasiven Form, bei der das zentrale Nervensystem ebenfalls betroffen ist. In solchen Fällen können sich eine Meningitis (Hirnhautentzündung) oder sogar Enzephalitis (Gehirnentzündung) entwickeln. Beschwerden, die auf einen solchen Verlauf hindeuten sind

  • mentale Veränderungen wie Verwirrtheit oder Gereiztheit,
  • Muskelschwäche,
  • Lähmungen,
  • Störungen des Bewegungsablaufs (Ataxie),
  • Entzündung des Sehnervs,
  • Veränderungen der Hirnnerven,
  • Entzündungen der Nervenwurzeln oder
  • epileptische Anfälle.

Normalerweise heilt eine Infektion mit dem West-Nil-Fieber ohne Komplikationen aus. Lediglich Betroffene mit einer Gehirnentzündung leiden häufiger unter Spätfolgen der Erkrankung. Bei der neuroinvasiven Form des West-Nil-Fiebers versterben fünf bis zehn Prozent der Erkrankten, meist ältere Menschen und solche mit bereits bestehenden Herz-Kreislauferkrankungen oder geschwächtem Immunsystem.

Sicherheit auf Reisen: Hier lauert Infektionsgefahr

West-Nil-Fieber: Diagnose und Therapie

Wer nach dem Aufenthalt in einem West-Nil-Fieber-Risikogebiet entsprechende Symptome aufweist, sollte umgehend eine hausärztliche Praxis aufsuchen. Für diese Infektionskrankheit besteht Meldepflicht, eine nachgewiesene Infektion mit dem West-Nil-Virus muss dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Zu Beginn der Infektion ist nur der Nachweis des Erregers im Blut oder Serum möglich. Nach einigen Tagen bildet der Körper entsprechende Antikörper gegen das West-Nil-Virus – diese können dann im Blut oder Liquor (Hirnwasser) nachgewiesen werden.

Im Normalfall kuriert der Körper die Krankheit nach rund sieben Tagen von selbst. Bislang gibt es keine spezifischen Medikamente, die sich gegen das West-Nil-Virus richten, auch eine Impfung gibt es bisher nicht. Bei der Behandlung liegt der Fokus daher auf der Linderung vorhandener Symptome wie Fieber, Kopf- oder Rückenschmerzen. Schwere und neuroinvasive Fälle werden meist im Krankenhaus beobachtet und behandelt.


Wie kann man einer Infektion vorbeugen?

Bis jetzt ist noch kein passender Impfstoff gegen das West-Nil-Fieber verfügbar. Daher ist der Schutz vor Mückenstichen mit langer Kleidung und Repellentien die einzige Möglichkeit, einer Infektion vorzubeugen. Das gilt insbesondere auf Reisen in Länder und Gebiete, in denen das West-Nil-Virus vorkommt. Die übertragenden Stechmücken sind auch tagsüber aktiv, weshalb der Schutz den ganzen Tag aufrecht erhalten werden sollte.

In den letzten Jahren haben die Fälle an Infektionen in Deutschland zugenommen, sodass auch hierzulande im Spätsommer und Herbst an geeigneten Mückenschutz gedacht werden sollte.

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