Melatonin: Schlafhormon als Arzneimittel?

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Melatonin ist ein Hormon, das der Körper selbst produziert und welches den Tag-Nacht-Rhythmus beeinflusst – also auch den Schlaf. Wie sinnvoll es ist, es in Form von Spray, Tabletten oder Kapseln anzuwenden, lesen Sie hier.

melatonin
Melatonin wird als Mittel bei Schlafstörungen angepriesen, aber wie sinnvoll ist es wirklich?
© Getty Images/AsiaVision

Im Überblick:

Melatonin: Diese Lebensmittel fördern guten Schlaf

Was ist Melatonin?

Melatonin ist ein Hormon, das an den Steuerungen der verschiedenen Funktionen des Tag-Nacht-Rhythmus beteiligt ist. Der Körper bildet das Hormon hauptsächlich in der Zirbeldrüse (Epiphyse) im Gehirn, geringere Mengen aber auch in der Netzhaut des Auges und im Darm. Als Medikament wird es zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt.

Der Melatonin-Spiegel schwankt im Tagesverlauf. Wenn es dunkel ist, wird vermehrt Melatonin ausgeschüttet, sodass der Mensch müde wird. Außerdem nimmt die Melatonin-Produktion im Laufe des Lebens ab: Säuglinge produzieren am meisten Melatonin, ab der Pubertät nimmt die Produktion dann mit jedem Lebensjahr weiter ab.

Zur Bildung von Melatonin benötigt der Körper die Aminosäure Tryptophan, die in verschiedenen Lebensmitteln wie Eiern, Kirschen und Soja enthalten ist. Daraus produziert der Körper erst das Glückshormon Serotonin und dann Melatonin.

Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel

Melatonin kann dem Körper auch von außen in Form von Spray, Tabletten oder Kapseln zugeführt werden. Im Handel gibt es viele rezeptfreie Präparate zu kaufen, die von Experten jedoch als kritisch bewertet werden. Melatonin ist eine pharmakologisch wirksame Substanz, die laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung keinesfalls als Nahrungsergänzungsmittel betrachtet und auf eigene Faust eingenommen werden sollte. Als Medikament sind in Deutschland verschiedene Präparate mit Melatonin zugelassen, die von ärztlicher Seite verschrieben werden müssen.

Anwendungsgebiete (Indikationen) für Melatonin

Melatonin als Arzneimittel ist zugelassen bei:

  • kurzzeitigen Schlafstörungen (Insomien) mit schlechter Schlafqualität

  • Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 2 bis 18 Jahren mit Autismus und/oder Smith-Magenis-Syndrom (nach Ausschöpfung aller anderen Maßnahmen bei Schlafstörungen)

Zusätzlich gibt es einen sogenannten Off-Label-Use, also die Anwendung für Indikationen, für die das Arzneimittel nicht zugelassen ist, nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung:

  • Schlafstörungen durch Jetlag oder Schichtarbeit
  • Parasomnie (auffällige Verhaltensweisen im Schlaf wie Zähne knirschen oder Albträume)

Anwendung und Dosierung von Melatonin: Spray, Kapseln, Tabletten

In Apotheken sind Präparate mit Melatonin mit oder ohne Rezept als Kapseln oder Tabletten von 1 bis 5 Milligramm erhältlich. Außerdem gibt es Melatonin in Form von Spray, kombiniert mit anderen Wirkstoffen, die das Einschlafen erleichtern sollen. Welche Anwendungsform in welcher Dosierung infrage kommt, sollte individuell mit einem*einer Arzt*Ärztin abgesprochen und nicht auf eigene Faust entschieden werden.

Die empfohlene Dosis Melatonin beträgt 2 Milligramm täglich. Die Tabletten oder Kapseln sollten ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen eingenommen werden. Die Einnahme kann bis zu drei Monate erfolgen.

Melatonin: Kontraindikationen

Melatonin darf bei bestimmten Erkrankungen oder Situationen nicht angewendet werden:

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff Melatonin
  • Lebererkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Nierenfunktionsstörungen (nur nach ärztlicher Rücksprache)

Nebenwirkungen von Melatonin

Die Einnahme von Melatonin-Kapseln kann verschiedene Nebenwirkungen hervorrufen:

Außerdem kann die Einnahme von Melatonin das Führen von Fahrzeugen und das Bedienen von Maschinen beeinträchtigen.


Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Melatonin hat mit einigen Medikamenten Wechselwirkungen. Wer bestimmte Medikamente einnimmt, darf deshalb kein Melatonin einnehmen:

  • Fluvoxamin
  • Cimetidin
  • Östrogene
  • Carbamazepin
  • Rifampicin
  • Benzodiazepine, Zaleplon, Zolpidem, Zopiclon

Auch Raucher*innen sollten von der Einnahme von Melatonin absehen, da in der Kombination der Melatoninspiegel im Körper deutlich sinkt. Alkohol reduziert die Wirkung von Melatonin auf den Schlaf.

Studienlage zu Melatonin

Studien zeigen zwar, dass Melatonin beim Einschlafen helfen kann. Allerdings sind diese Effekte sehr gering, denn die Einschlafzeit verkürzte sich in den Studien nur um zehn Minuten, was bei massiven Schlafstörungen für viele Menschen nicht hilfreich ist. Die Schlafqualität scheint bei manchen Menschen allerdings besser unter der Einnahme von Melatonin zu sein.

Menschen mit Demenz leiden häufig unter Schlafstörungen. Deshalb untersuchte eine Studie die Effekte von Melatonin bei Demenz. Allerdings erwies es sich nicht als wirksamer als Placebo.

Aufgrund der bisherigen Studienlage empfehlen Expert*innen Melatonin nicht pauschal bei Schlafstörungen, da es nachweislich wirksamere Mittel gibt. Außerdem sollten die Maßnahmen zur Schlafhygiene unbedingt bei Schlafstörungen umgesetzt werden.

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