Verharmlostes Gras?

Cannabis könnte Schlaganfallrisiko verdoppeln

weed.JPG
Marihuana scheint das Schlaganfallrisiko dramatisch zu erhöhen - zumindest bei jungen Rauchern.
Thinkstock

Marihuana gilt als harmlose, wenn auch illegale Droge. Das könnte sich schnell ändern: Neuseeländische Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen dem beruhigenden Grün und dem Auftreten von Schlaganfällen junger Leute. Das Problem der Forscher: Fast alle Cannabis-Konsumenten rauchen zugleich Tabak.

„Cannabis gilt in der Bevölkerung als vergleichsweise sicher“, sagt Studienleiter Alan Barber, „doch es kann zu Schlaganfall führen.“ Barber glaubt fest an seine Ergebnisse: Er wertete die Daten von 160 Schlaganfallpatienten zwischen 18 und 55 Jahren aus. Und sie sprechen eine klare Sprache, wie er sagt: Die Krankenhaus-Neuankömmlinge hätten eine 2,3-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass ihnen Marihuana im Urin nachgewiesen wird.

Bei zehn Prozent, also 16 Patienten, fiel der Drogentest positiv aus – darunter vor allem männliche Raucher. Nur ein einziger der Patienten konsumierte neben Cannabis keinen Tabak. Zum Vergleich zogen die Forscher eine Kontrollgruppe heran, die in ihrer Zusammensetzung den 160 Schlaganfall-Opfern glich. Hier hatten nur acht Prozent Marihuana im Urin.

Schlaganfall durch Cannabis – oder doch durch Tabak?

Oft trete der Schlaganfall während des Marihuana-Rauchens oder innerhalb weniger Stunden danach auf, sagt Barber. „Diese Patienten haben normalerweise keine weiteren Risikofaktoren – abgesehen von Alkohol, Tabak und anderen Drogen.“

Genau hier liegt das Problem der Studie: Für die Forscher ist es schwer, nachzuweisen, ob das erhöhte Schlaganfallrisiko vom Tabak oder vom Cannabis herrührt. Zudem kommen sie kaum an verlässliche Daten zum Konsum illegaler Drogen: „Die Schlaganfall- und die Kontrollpatienten nach ihrem Cannabis-Gebrauch zu befragen“ schreie förmlich nach falschen Aussagen, sagt Barber.

Trotzdem glaubt sein Team, dass „das Cannabis schuld ist, nicht der Tabak“. Diese Hypothese will Barber mit einer zweiten Studie zum Thema stützen. „Die hohe Rate von Cannabis-Konsum in dieser Kohorte junger Patienten mit Schlaganfall gebietet weiteres Nachforschen“, sagt der Forscher. Auch sollten Ärzte junge Schlaganfallpatienten auf Marihuana testen.  

„Gut über Cannabis nachdenken“

Barbers Studie war die bislang aussagekräftigste, die einen Zusammenhang zwischen Hirninfarkten und Marihuana beleuchtet. Seine Ergebnisse stellte der Neuseeländer am 6. Februar bei einer Fachtagung der Amerikanischen Schlaganfallgesellschaft vor.

„Die Leute sollten gut darüber nachdenken, ob sie Cannabis rauchen“, warnt der Wissenschaftler. Neben Schlaganfällen könne das Kraut auch Herzinfarkte und Emphyseme hervorrufen, außerdem schade es der Hirnentwicklung.

Drogen-Ranking: Die schlimmsten Rauschgifte
1 von 25
  • drogen_titel.JPG
    Die gefährlichsten Drogen

    Welche Rauschgifte sind am gefährlichsten? Diese Frage stellten sich britische Forscher im Fachmagazin Lancet - und kamen auf teils erstaunliche Ergebnisse.

    Thinkstock

  • drogen_heroin.JPG
    Platz 1: Heroin

    Die illegale Substanz wirkt im Körper von Süchtigen verheerend und macht stark abhängig. Die Forscher beurteilten Substanzen desweiteren nach der Sterblichkeit und dem Verlust sozialer Beziehungen durch die jeweilige Droge.

    Thinkstock

  • drogen_heroin1.JPG
    Heroin

    Deswegen belegt Heroin im Ranking der Zerstörungskraft Platz eins. Es wird injiziert oder geschnupft. Charles Wright erfand den vermeintlichen Heldenstoff Ende des 19. Jahrhunderts. Da wusste er aber noch nicht, dass Heroin stark süchtig macht.

    Thinkstock

  • drogen_crack.JPG
    Platz 2: Crack

    Auf Platz zwei folgt Crack. Es wird als rosafarbene bis blassgelbe Klumpen angeboten und geraucht. Die Steine oder Rocks kosten je nach Größe fünf Euro aufwärts. Ihr psychisches Abhängigkeitspotenzial ist extrem hoch und der körperliche Entzug hart, genau wie bei ...

    Thinkstock

  • crystal.JPG
    Platz 3: Crystal Meth

    ... Methamphetaminen. Heute unter den Namen Crystal und Meth bekannt, kamen sie schon im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz: Als sogenannte Panzerschokolade oder Göring-Pillen sollte die Substanz Panzerfahrern und Fliegern Angst und Müdigkeit nehmen. Meth lässt sich halbsynthetisch etwa aus Ephedrin gewinnen. Die körperlichen Folgen sind verheerend.

    Thinkstock

  • drogen_alkohol.JPG
    Platz 4: Alkohol

    Betrachtet man allerdings die Auswirkungen auf die Gesellschaft, hat das Ranking einen anderen zweifelhaften Gewinner: Die omnipräsente Alltagsdroge Alkohol richtet enorme Schäden an, der Suff tötet jährlich 15.000 Deutsche.

    Thinkstock

  • drogen_kokain.JPG
    Platz 5: Kokain

    Kokain, ein Alkaloid aus dem Coca-Strauch, lässt Hunger verschwinden und steigert kurzfristig die Leistungsfähigkeit. Früher wurde die Droge als lokales Betäubungsmittel benutzt.

    Thinkstock

  • drogen_tabak.JPG
    Platz 6: Tabak und Nikotin

    Auf Platz sechs steht die nächste legale Droge: Tabak und damit Nikotin, aber auch zig giftige Zusatzstoffe stecken in Zigaretten. Mit dem Rauchen aufzuhören, lohnt sich auch noch im fortgeschrittenen Alter.

    Thinkstock

  • drogen_amphetamine.JPG
    Platz 7: Amphetamine

    Zu dieser Stoffklasse gehört das natürliche Ephedrin, aber auch die Droge Speed. Sie wirkt stimulierend, steigert das Selbstbewusstsein und den Sexualtrieb.

    Thinkstock

  • drogen_cannabis.JPG
    Platz 8: Cannabis oder Marihuana

    Gras wird oft verharmlost: Es mache nicht abhängig, heißt es etwa. Doch durch Kiffen drohen Schäden wie IQ-Verlust, Schlaganfall und sogar Psychosen.

    Thinkstock

  • drogen_ghb.JPG
    Platz 9: GHB (Liquid Ecstasy)

    Gamma-Hydroxybuttersäure, kurz GHB, ist eng verwandt mit dem menschlichen Neurotransmitter GABA. Liquid Ecstasy wird als Partydroge und in K.o.-Tropfen missbraucht.

    Thinkstock

  • drogen_benzodiazepine.JPG
    Platz 10: Benzodiazepine

    Zu dieser Wirkstoffgruppe gehören die bekannten Tranquillizer Lorazepam und Diazepam. Nach vier bis acht Wochen langer Anwendung kann sich beim Menschen eine Abhängigkeit entwickeln.

    Thinkstock

  • drogen_ketamin.JPG
    Platz 11: Ketamin

    Die bewusstseinsverändernde Partydroge fungierte ursprünglich als Schmerzmittel. Ketamin gilt als einzige Notfall-Arznei, die den Kreislauf stabilisiert und zugleich als Narkosemittel wirkt.

    Thinkstock

  • drogen_mathadon.JPG
    Platz 12: Methadon

    Das synthetische Opioid dient in der Therapie von Heroinabhängigen als Ersatzdroge. Methadon ruft keinen Euphorie-Kick hervor, durch langsames Ausschleichen werden die Entzugssymptome des Süchtigen erträglich gehalten.

    Thinkstock

  • drogen_mephedron.JPG
    Platz 13: Mephedron (Badesalz)

    Die Szenenamen Magic, Meph und Meow stehen alle für das selbe: Mephedron. Die Substanz lässt den Anwender seine Gefühle intensiver erleben. Es wird über die Nase oder den Mund aufgenommen.

    Thinkstock

  • drogen_butan.JPG
    Platz 14: Butan

    Das Gas wird wie andere Schnüffelstoffe eingeatmet, es drohen Sauerstoffunterversorgung und Hirnschäden. Neben Butan wird auch Lachgas, etwa aus Sprühsahne-Kartuschen, geschnupft (sogenanntes Gasen).

    Thinkstock

  • drogen_kath.JPG
    Platz 15: Blätter vom Kath-Strauch

    Die Pflanze gehört zu den Spindelbaumgewächsen und ist besonders in Afrika verbreitet. Gekaut werden die jungen Triebe und Blätter oft den ganzen Tag. Durch das natürliche Amphetamin Cathin wirken sie anregend.

    Thinkstock

  • drogen_anabolika.JPG
    Platz 16: Anabolika

    Anabolika, genauer gesagt anabole Steroide, sind mit dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron verwandt. Sie werden nicht nur in der Bodybuilder-Szene zum Muskelaufbau und Doping benutzt und erhöhen das Herztodrisiko.

    Thinkstock

  • drogen_ecstasy.JPG
    Platz 17: Ecstasy

    Der Wirkstoff der wohl bekanntesten Partydroge ist MDMA. Auch er war ursprünglich als Medikament angedacht und ist patentiert worden. Anfang der Neunziger aber wurde es durch die Raver-Szene weithin als aufputschendes Mittel bekannt.

    Thinkstock

  • drogen_lsd.JPG
    Platz 18: LSD

    LSD wirkt stark halluzinogen, kann aber auch Psychosen hervorrufen. Die Lösung wird auf Papier aufgetropft (Tickets genannt), verdünnt oder mit Würfelzucker geschluckt.

    Thinkstock

  • drogen_barbiturate.png
    Platz 19: Barbiturate

    Die Schlafmittel sind bekannt für ihr hohes Abhängigkeitspotenzial. In den USA werden Barbiturate teilweise für Hinrichtungen per Spritze verwendet, auch in der Tiermedizin dienen sie zum Einschläfern.

    Thinkstock

  • drogen_magic-mushroom.JPG
    Platz 20: Magic Mushrooms

    Den letzten von 20 Plätzen im Drogen-Ranking britischer Forscher belegen psychoaktive Pilze, sogenannte Magic Mushrooms. Zu ihnen zählt etwa der verbreitete spitzkegelige Kahlkopf. Sie werden getrocknet und gekaut oder...

    Thinkstock

  • drogen_magic-mushroom1.JPG
    Magic Mushrooms

    ... als Tee aufgebrüht, wie es auch mit Engelstrompeten geschehen kann. Der Pilz-Rausch fühlt sich ähnlich wie ein LSD-Trip an.

    Thinkstock

  • drogen_krokodil.JPG
    Krokodil

    Als billiger Heroin-Ersatz gelangte Krokodil von Russland nach Deutschland. Die Wirkung des selbst gekochten Gemischs aus Streichholzköpfen, Codeintabletten und Feuerzeugbenzin ist verheerend: Süchtige verfaulen bei lebendigem Leib und haben im Schnitt nur noch ein Jahr zu leben.

    Thinkstock

  • Ritalin bei ADS – Wunderpille oder Teufelszeug-medfrd0337.jpg
    Ritalin

    Drogenexperten machen zudem auf einen steigenden Missbrauch des ADHS-Medikaments Ritalin aufmerksam.

    Getty Images/MedioImages

Autor: / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 22. Februar 2013
Quellen: Mitteilung auf den Seiten der Amerikanischen Herzgesellschaft: http://newsroom.heart.org/news/smoking-marijuana-associated-with-higher-stroke-risk-in-young-adults

Neueste Fragen aus der Community
Hören Sie zu - reden Sie mit

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Fragen Sie unser Gesundheitsteam

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...


Newsletter-Leser wissen mehr

Mit dem kostenlosen Lifeline-Newsletter sind Sie immer auf dem aktuellen Stand

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang