Chronische Erschöpfung

Fatigue bei Krebs bekämpfen

Fatigue bei Krebs bekämpfen
Fatigue kann den Alltag stark einschränken.
© Thinkstock LLC

Viele Krebspatienten leiden unter chronischer Erschöpfung, einer sogenannten Fatigue, die den Alltag teilweise stark beeinträchtigt. Die Ursachen sind vielfältig und die Behandlungsmöglichkeiten individuell verschieden.

Etwa die Hälfte aller Krebspatienten erlebt während oder nach ihrer Erkrankung eine belastende Müdigkeit, die sie erheblich in ihrem Tagesablauf beeinträchtigt. Diese besondere Form der Erschöpfung wird von Ärzten Fatigue genannt (franz: Ermüdung, Mattigkeit). Sie bessert sich – anders als die normale Müdigkeit am Abend – selbst bei ausreichendem Schlaf nicht, sondern bleibt teilweise über längere Zeit bestehen.

Fatigue: Viele Faktoren spielen eine Rolle

Die Ursachen der Fatigue bei Krebs sind sehr vielfältig und noch nicht alle im Detail bekannt. Es werden verschiedene Modelle diskutiert. Nach dem gängigsten, dem so genannten biophysiologischen Modell, greifen hier viele Mechanismen ineinander. Hierzu gehören unter anderem die Krebserkrankung selbst, Änderungen im Energiestoffwechsel und in der Nervenübertragung, die Schlaf- und Ruhegewohnheiten, der Schlaf-Wach-Rhythmus, die Sauerstoffversorgung, die Umgebung des Patienten sowie weitere individuelle Faktoren. Darüber hinaus hat auch die Stress- und Krankheitsbewältigung des Betroffenen einen wichtigen Einfluss darauf, wie stark er durch die Erschöpfung beeinträchtigt wird.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Krebstherapie. Bestimmte Medikamente, die in der Chemo- oder Immuntherapie zum Einsatz kommen, können mit einer Fatigue einhergehen. Ähnliches gilt für einige Begleitmedikamente wie Schmerzmittel oder Präparate gegen Übelkeit und Erbrechen. Nach Operationen tragen unter anderem Blutverlust, Störungen des Wasser- und Salzhaushaltes sowie ein beschleunigter Abbau von Energiereserven zu einer chronischen Erschöpfung bei. Bei der Strahlentherapie hängt das Ausmaß der Fatigue in der Regel von der Größe des bestrahlten Körperareals ab.

Aus diesem Grund versuchen Ärzte heute zunehmend, potenziell negative Folgen der notwendigen Krebsbehandlung wie Fatigue möglichst zu minimieren, um die Lebensqualität der Erkrankten möglichst zu erhalten.

Körperliche, geistige und emotionale Symptome

Die typischen Symptome einer Fatigue werden in körperliche, geistige und emotionale Symptome unterteilt. Zu den körperlichen Symptomen gehören eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis und schnelle Ermüdbarkeit, die sich durch ausreichend Schlaf nicht überwinden lassen.

Die geistigen Symptome umfassen Konzentrationsstörungen, Ablenkbarkeit und Gedächtnisstörungen. Die emotionalen Symptome ähneln schließlich einer Depression – der Betroffene fühlt sich niedergeschlagen und antriebslos. Traurig und hoffnungslos zieht er sich von seiner Umgebung zunehmend zurück.

Möglichkeiten der Behandlung von Fatigue

Da bei der Fatigue so viele Faktoren eine Rolle spielen, wird der Arzt die genaue Ursache nicht immer ermitteln können. Wichtig ist zunächst, andere mögliche Ursachen für eine Erschöpfung wie Blutarmut, Eisenmangel, Infektionen oder Elektrolytstörungen auszuschließen. Darüber hinaus wird er bei der Krankengeschichte und der aktuellen medikamentösen sowie nicht-medikamentösen Therapie auf potenzielle Zusammenhänge achten.

Findet der Arzt eine mögliche Ursache, kann er individuell versuchen, diese zu beheben. Nimmt der Patient beispielsweise ein Medikament ein, das mit Fatigue einhergehen kann, hilft eventuell – wenn möglich – die Umstellung der Therapie. Kommt eine Blutarmut als Ursache in Betracht, kann die Transfusion mit Erythrozytenkonzentraten zu einer besseren Sauerstoffversorgung und somit zu einer Abnahme der Symptome beitragen.

Eine Alternative ist die Gabe des Wachstumsfaktors Erythropoetin, der die körpereigene Produktion der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) anregt. Nach den Ergebnissen verschiedener Studien ist die Behandlung jedoch umstritten, weil sich womöglich unter anderem die Rate an Komplikationen durch Blutgerinnsel erhöht, sodass sie nur unter bestimmten Bedingungen empfohlen wird.

Was kann ich selbst tun?

Neben diesen Therapieoptionen kann auch der Patient selbst versuchen, zu einer Besserung seines Wohlbefindens beizutragen. Die möglichen Maßnahmen hängen von der individuellen Situation ab und sollten mit dem behandelnden Arzt erörtert werden. Vielen Betroffenen hilft es bereits, mehr über die Fatigue zu erfahren. Wenn sie wissen, dass die chronische Erschöpfung bei Krebs häufig vorkommt und in der Regel einige Zeit nach Ende der Krebstherapie wieder verschwindet, haben sie weniger Ängste und können besser mit der Situation umgehen. Auch Angehörige sollten aufgeklärt werden, damit sie sich nicht sorgen oder mit Unverständnis reagieren.

Darüber hinaus sollte sich der Patient nicht übermäßig schonen, sondern unter Anleitung ein leichtes, der Krankheitssituation angepasstes Training durchführen. Denn Bewegungsmangel hat mehrere negative Effekte auf die Leistungsfähigkeit, zum Beispiel eine Abnahme der Muskelmasse und der Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems, was die Kondition insgesamt mindert. Abhilfe schaffen am besten Ausdauersportarten wie Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Rudern. Auch regelmäßiges Spazierengehen in einem schnelleren Tempo kann die Leistung steigern. Der Beginn des Trainings sollte allerdings erst nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

Außerdem kann es hilfreich sein, den Tagesablauf bewusst zu gestalten, Prioritäten zu setzen und Überlastungen zu vermeiden. Auch eine ausreichende, ausgewogene Ernährung kann die Leistungsfähigkeit steigern. Patienten, die zusätzlich zur Fatigue unter Schlafstörungen leiden, sollten regelmäßige Schlafzeiten einhalten und tagsüber ausreichend in Bewegung sein sowie maximal eine Stunde schlafen. In schwereren Fällen kann der Arzt ggf. ein Schlafmittel verschreiben. Ist das Durchschlafen gestört, können auch andere Medikamente wie Antidepressiva oder Psychostimulantien hilfreich sein.

Da es somit eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten gibt, sollten Krebs-Patienten, die unter Fatigue leiden, das Problem gegenüber ihrem behandelnden Arzt in jedem Fall ansprechen, damit dieser entsprechend reagieren und helfen kann.

Autor: Springer Medizin / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 09. Juni 2009

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