„Juveniler Diabetes“ – eine Autoimmunerkrankung

Typ-1-Diabetes

Wenn die Insulinproduktion versiegt

Typ-1-Diabetes wurde früher auch als Jugenddiabetes bezeichnet, da er vornehmlich bei Kindern und Jugendlichen beobachtet wurde. Heute weiß man allerdings, dass sich diese seltenere Diabetesform auch bei älteren Menschen entwickeln kann. Die unzureichende Regulation des Blutzuckerspiegels geht hier auf eine erblich bedingte Autoimmunerkrankung zurück.

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Typ-1-Diabetes wurde früher auch als Jugenddiabetes bezeichnet, kann sich aber auch in späteren Lebensjahren entwickeln.
Getty Images/Hemera

Während bei Typ-2-Diabetes in der Regel noch ausreichend Insulin vorhanden ist, dieses aber aufgrund der Insulinresistenz der Zellen zunehmend an Wirkung verliert und damit die wichtige Funktion der Regulation des Blutzuckerspiegels nicht mehr in ausreichender Weise übernehmen kann, kommt es beim Typ-1-Diabetes aufgrund einer erblich bedingten Fehlsteuerung des Immunsystems zu einem Nachlassen bis hin zu einem völligen Versiegen der Insulinproduktion. Insofern ist bei dieser seltenen Form des Diabetes (Schätzungen zufolge sind etwa 0,3 Prozent der Bevölkerung betroffen) die Gabe von Insulin Basis der Behandlung.

Typ-1-Diabetes – was passiert im Körper?

Wie bereits erwähnt, kommt es bei Typ-1-Diabetes zu einer primär erblich bedingten (eventuell spielt auch eine Vireninfektion als Auslöser eine mögliche Rolle) Fehlsteuerung des Immunsystems. Tatsächlich werden spezielle Antikörper gebildet, die die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse, also die Produzenten des Insulin, angreifen. Die logische Konsequenz: Die Insulinproduktion versagt – der Blutzuckerspiegel kann nicht mehr in Schach gehalten werden.

Typ-1-Diabetes – wer ist betroffen?

Die ehemalige Bezeichnung als „juveniler Diabetes“ ist heute aus Sicht der Wissenschaft weitestgehend überholt. Denn auch wenn Typ-1-Diabetes überwiegend Kinder und Jugendliche betrifft und hier sogar immer mehr zunimmt (siehe unten), ist eine Erkrankung auch in höherem Alter (meist bis 35 Jahre) nicht ausgeschlossen. Umso wichtiger ist es, die entsprechenden Symptome von Typ-1-Diabetes zu kennen und rechtzeitig zu reagieren.

Typ-1-Diabetes auf dem Vormarsch

Die EURODIAB-Studiengruppe hat die Krankheitsdaten in 17 europäischen Ländern ausgewertet. Insgesamt wurden von 1989 bis 2003 29 311 neue Typ-1-Diabetiker im Kinder- und Jugendalter entdeckt. Dabei zeigte sich eine deutliche Zunahme der Inzidenz (Anzahl der Neuerkrankungen) über die Zeit mit einem mittleren jährlichen Anstieg von ca. vier Prozent, bei Kindern unter fünf Jahren sogar von 5,4 Prozent.

Kommentar: Dass der Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger auftritt, ist allseits bekannt. Dass dies jedoch auch für den Typ-1-Diabetes gilt, überrascht schon, da bei dieser Erkrankung bisher kein Zusammenhang mit Ernährungs- und Lebensgewohnheiten diskutiert wurde. Angesichts dieser Zahlen muss allerdings die Pathogenese (Entstehung und Entwicklung einer Erkrankung) des Typ-1-Diabetes kritisch hinterfragt werden, denn sie signalisieren zumindest, dass auch bei der Manifestation des Typ-1-Diabetes Lebensgewohnheiten eine Rolle spielen könnten.

Zehn Tipps, um Diabetes vorzubeugen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 03. Februar 2012
Quellen: DVGE Verlag für Gesundheit und Ernährung Andreae, Susanne / Berg, Melanie (2008): Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Georg Thieme Verlag. Bopp, Annette (2007): Diabetes. Früh erkennen. Richtig behandeln. Besser leben. Stiftung Warentest. Dr. Hofbeck, M., Illig, U.; Klähn, R.: Brockhaus Gesundheit. Güterlsoh/ München, 2010 Münch, G.; Reitz, J.: Grundlagen der Krankheitslehre. Hamburg Riedl, Dr. Matthias (2006): 300 Fragen zum Diabetes. Der große GU Kompass. GU.

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