Schuppenflechte

Experteninterview: Psoriasis bei Jugendlichen

Herr Prof. Dr. med. Cord Henrich Sunderkötter, Dermatologe und Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Münster und ehemaliger Experte unseres Expertenrats, sprach mit dem Special Psoriasis über Schuppenflechte bei Kindern und Jugendlichen.

Experteninterview: Psoriasis bei Jugendlichen
Bei jungen Patienten treten oft Psoriasisherde im Gesicht auf.
(c) Getty Images/Hemera

Special Psoriasis

In welcher Form zeigt sich eine erstmals in der Pubertät auftretende Psoriasis am häufigsten (P. vulgaris, P. guttata o.a.) und gegen welche anderen häufigen Hauterkrankungen ist sie abzugrenzen?

Prof. Dr. med. Sunderkötter

Bei einer im Kindes- und Jugendalter erstmals auftretenden Psoriasis handelt es sich meist um die Typ-I-Form, die familiär gehäuft auftritt. Oft geht dem ersten Schub eine Infektion, beispielsweise der Rachenmandeln, mit Streptokokken voraus. Die nach solchen Infekten häufig auftretende klinische Form ist die Psoriasis guttata. Die Hautveränderungen bei Kindern unterscheiden sich prinzipiell nicht von denen bei Erwachsenen, ein häufiger Unterschied besteht indes darin, dass bei jüngeren Patienten häufiger Herde im Gesicht auftreten. Je älter die Kinder dann werden, desto weniger ist auch das Gesicht betroffen. Am Kopf findet sich bei den jungen Psoriatikern oft ein richtiger Schuppenpanzer, aber auch das wird mit zunehmendem Alter weniger. Selten sieht man bei jugendlichen Patienten die pustulöse Form der Schuppenflechte. Eine Psoriasis-Arthritis kann - wenn auch viel seltener als im Erwachsenenalter - auch schon bei Kindern und Jugendlichen auftreten. Das sollte man auf keinen Fall vergessen und diese Möglichkeit von vornherein mit in Betracht ziehen, wenn ein junger Psoriatiker über Gelenkbeschwerden klagt.

Special Psoriasis

Werden das Erscheinungsbild einer Psoriasis in der Pubertät und der Erkrankungsverlauf durch die für das Alter typischen hormonellen Umstellungen beeinflusst und wenn ja, in welcher Weise?

Prof. Dr. med. Sunderkötter

Schaut man sich die Altersverteilung an, so sieht man, dass in circa 10 Prozent aller Fälle die Psoriasis vor dem 10. Lebensjahr beginnt und etwa 30 Prozent aller Patienten den ersten Schub vor ihrem 15. Geburtstag hatten. Einen Bezug zwischen dem Ausbruch einer Schuppenflechte und der Pubertät gibt es meines Wissens aber nicht.

Special Psoriasis

Pubertierende sind oft schon ohne sichtbare Hautveränderungen in ihrer Körperwahrnehmung sehr verunsichert, was sich häufig in einem extrem verschämten Umgang mit der eigenen Körperlichkeit äußert. Welche Ratschläge möchten Sie jungen Menschen, die unter einer Schuppenflechte leiden, mit auf den Weg geben? Wie können sie sich stark machen gegen Ablehnung, Unverständnis, Ausgrenzung und wie lassen sich Scham und Unsicherheit überwinden?

Prof. Dr. med. Sunderkötter

Sie sprechen hier ein ganz wichtiges Thema an. Wir können bei unseren jungen Patienten beobachten, dass sie sich viel schneller und häufiger stigmatisiert und ausgegrenzt fühlen als Erwachsene. Das hat sicherlich etwas mit dem sich in der Pubertät entwickelnden Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein zu tun. Kinder und besonders Jugendliche sehen die Schuppenflechte ähnlich beeinträchtigend wie eine Akne und sind in der Schule, beim Sport und unter Freunden schnell verunsichert und verletzbarer als andere, was ihre körperliche Erscheinung anbelangt. Wenn im Kontakt mit dem jungen Patienten bei uns der Eindruck entsteht, dass er sich schwer tut, mit seiner Erkrankung zurechtzukommen und anderen gegenüber selbstbewusst aufzutreten, so scheuen wir uns nicht, eine psychologische Mitbetreuung vorzuschlagen. Dieses Angebot wird von vielen Jugendlichen und auch ihren Eltern dankbar angenommen und die einfühlsam geführten Gespräche tragen viel zu einem entspannteren Umgang mit der Krankheit bei. Wir weisen unsere jungen Psoriatiker auch immer wieder darauf hin, dass die als hässlich empfundenen Schuppenflechteherde niemals Narben hinterlassen und vollkommen abheilen. Das macht einen großen Unterschied beispielsweise im Vergleich zur Akne. Außerdem werden mit zunehmendem Alter die betroffenen Stellen im Gesicht weniger und die Erkrankung damit weniger sichtbar für andere. Wenn der Stamm befallen ist, kann man diese Stellen besser verbergen und es spricht einen nicht gleich jeder auf die Hauterkrankung an. Eine wirksame und gründliche Abschuppung trägt ebenfalls dazu bei, dass die betroffenen Hautpartien weniger auffallend für andere wirken. Wenn es aus psychologischen Gründen notwendig ist, kann man als Hautarzt durchaus auch mal eine Befreiung von Sportunterricht besprechen (aber nicht vom Sport an sich), bis durch eine konsequente Behandlung aus stark schuppenden Herden besser zu akzeptierende Flecken geworden sind. Die meisten Jugendlichen empfinden eine solche Hilfestellung durch den Arzt als entlastend und sind für ein entsprechendes Angebot dankbar.

Special Psoriasis

Gibt es von den üblichen Behandlungsempfehlungen, die für die Psoriasis bei Erwachsenen gelten, abweichende Therapieempfehlungen für diese Altersgruppe?

Prof. Dr. med. Sunderkötter

Der behandelnde Hautarzt ist gut beraten, wenn er dem Jugendlichen und seinen Eltern gleich zu Beginn der Behandlung mitteilt, dass alle Beteiligten sich auf eine lange Behandlungsbedürftigkeit einstellen sollten. Dazu ist es unerlässlich, die Familie über den Charakter der Schuppenflechte als chronische Krankheit aufzuklären. Sonst entstehen falsche Hoffnungen auf einen raschen Therapieerfolg und eine schnelle Heilung, die der behandelnde Arzt meist nicht erfüllen kann. Somit wird Frust auf beiden Seiten vorgebeugt. Ziel der Therapie sollte auch nicht die völlige Erscheinungsfreiheit sein, sondern eine Linderung und Eindämmung bestehender Herde. Man sollte auf jeden Fall vorsichtig vorgehen, denn die Haut von Kindern ist weitaus durchlässiger für Wirkstoffe als die Erwachsenenhaut und wird auch in der Pubertät erst nach und nach weniger durchlässig. Zur äußerlichen Behandlung eignen sich die gleichen Wirkstoffe wie in der Erwachsenentherapie, also Salizylsäure zum Abschuppen, Vitamin-D3-Abkömmlinge und Kortison. Die genannten Präparate sollten mit Bedacht angewendet werden, weil sie u.a. aufgrund der leichten Resorption stärkere Nebenwirkungen verursachen können als bei Erwachsenen. Behandlungen mit möglichen Langzeit-Nebenwirkungen sollten zurückhaltend eingesetzt werden. Dazu zählt die UV-Therapie, die man bei jungen Patienten vorsichtig einsetzen sollte wegen der Gefahr schnellerer Hautalterung. Dazu zählen aber beispielsweise auch so genannte Calcineurin-Hemmer. Für die Therapie der Schuppenflechte jugendlicher Patienten gilt prinzipiell das gleiche wie bei der Psoriasis-Behandlung von Kindern.

Special Psoriasis

Sind spezielle Ernährungsempfehlungen zu beachten ?

Prof. Dr. med. Sunderkötter

Bei der Ernährung gilt das gleiche wie für Kinder und Erwachsene auch. Empfehlenswert ist eine gesunde und abwechslungsreiche Kost mit viel Vollkornprodukten, frischem Obst und Gemüse, pflanzlichen Ölen und regelmäßig Fisch. Zumindest einige Studien bestätigen, dass Diäten mit n-3 ungesättigten Fettsäuren (Fischöl) einen positiven Effekt haben. Diese Fettsäuren, die auch in einer fischreichen Ernährung enthalten sind, beeinflussen den Stoffwechsel ganz bestimmter Entzündungsboten in der Haut. In die Pubertät fällt bei den meisten Menschen auch die Zeit des Ausprobierens. Dazu zählen Zigaretten, Alkohol und Drogen, die von der Mehrheit der Jugendlichen zum Glück nicht regelmäßig konsumiert, aber ab und zu ausprobiert werden. Junge Psoriatiker sollten wissen, dass ein Zusammenhang zwischen Nikotin und dem Ausbruch bzw. der Verschlimmerung einer Schuppenflechte besteht. Für Alkohol gilt Ähnliches. Andere Drogen sollten generell gemieden werden, das gilt für Hautkranke wie Hautgesunde gleichermaßen. Wenn sich im ärztlichen Gespräch der Verdacht ergibt, dass die Schuppenflechte möglicherweise in Verbindung mit einer Drogeneinnahme erstmals aufgetreten sein könnte, so möchte ich empfehlen, dieses Thema offen anzusprechen und den Jugendlichen darauf hinzuweisen, dass beispielsweise ein Ausbruch einer Psoriasis nach Einnahme der Droge Ecstasy wissenschaftlich beschrieben wurde.

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Herr Prof. Sunderkötter, wir bedanken uns für das Gespräch.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 23. März 2009

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