Allergien mit Akupunktur und Co. beikommen

Manch alternativer Allergie-Therapie fehlt Wirksamkeitsnachweis

Viele Menschen wenden bei Erkrankungen alternative Therapien an – so auch bei Allergien. Doch bislang scheiterte häufig ein Nachweis der Wirksamkeit derartiger Heilmethoden. Daher sind derzeit nur wenige Verfahren ergänzend zu empfehlen.

alternative Therapien
Entspannungmethoden und Akupunktur können bei Allergien helfen.
(c) Comstock

Alternative Ansätze auch gegen Allergien wie Heuschnupfen? Nach nationalen und internationalen Untersuchungen wendet etwa die Hälfte aller Patienten zusätzlich oder sogar ausschließlich sogenannte Alternativ- bzw. Komplementärmethoden an. Hinter diesen Begriffen verbirgt sich ein breites Spektrum an Angeboten, die von anerkannten Naturheilmitteln wie dem Einsatz pflanzlicher Wirkstoffe bis hin zu zweifelhaften Verfahren ohne jeden Wirksamkeitsnachweis reichen. Neben der Unüberschaubarkeit des Marktes wird die Beurteilung der alternativen Heilmethoden unter anderem dadurch erschwert, dass einige Verfahren auf ganz anderen Vorstellungen als die Schulmedizin basieren, was einen Nachweis der Wirksamkeit mit den üblichen wissenschaftlichen Studien behindert.

Der Arbeitskreis Komplementärmedizin der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie betrachtet dementsprechend nach aktuellem Wissensstand nur wenige der in der Allergologie häufig angewandten Methoden derzeit als sinnvoll - dies jedoch auch nur dann, wenn die Alternativverfahren nicht anstelle von, sondern ergänzend zu empfohlenen schulmedizinischen Behandlungen eingesetzt werden.

Atmen, Sport, Kneipp, Entspannung

So stellen die Atem- und Physiotherapie wirksame Techniken bei Atemwegserkrankungen dar, lindern jedoch nicht die Allergie. Auch Kneipp‘sche Verfahren und Badetherapie wie Sauna oder Wechselduschen erzielen bei Atemwegserkrankungen ergänzend positive Effekte, indem sie die Häufigkeit und Schwere von Infektionen der oberen Atemwege mindern. Entspannungsmethoden wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen oder autogenes Training können bei Kindern mit Neurodermitis oder Asthma hilfreich sein.

Ernährungs- und Diätempfehlungen

Bei speziellen Allergie-Diäten kommt es sehr auf den Einzelfall an. Bei Nahrungsmittelallergien ist das Meiden des Allergens und somit eine entsprechende Diät zentraler Bestandteil der Therapie. Darüber hinaus gibt es jedoch eine Reihe von Diätempfehlungen, die unsinnig oder sogar gefährlich sind, weil sie - ohne entsprechenden Wirksamkeitsnachweis - die Lebensqualität des Allergikers teilweise erheblich beeinträchtigen und mit dem Risiko einer Mangelernährung einhergehen. Für verschiedene Nahrungsergänzungsmittel wie essenzielle Fettsäuren, die Vitamine E, B2 und B6, Multivitaminpräparate und Mineralstoffe, etwa Zink oder Selen, wurde in entsprechenden Studien keine überzeugende Wirksamkeit gezeigt.

Psycho- und Klimatherapie

In Familien mit Kindern, die an Neurodermitis oder Asthma erkrankt sind, ist die Belastung durch die Allergie teilweise so groß, dass es als Folge der Erkrankung zu Verhaltensauffälligkeiten kommt. Dadurch kann bei dem Betroffenen eine Psychotherapie notwendig und dann auch hilfreich sein. Der Wert der Klimatherapie ist zwar grundsätzlich unbestritten, doch ihr Erfolg hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, etwa der Allergenarmut am Reiseort, dem Licht, dem Salzgehalt des Wassers und der Betreuung. So heilten in einer klinischen Beobachtung mit mehr als 1.000 Neurodermitis-Patienten während eines vier- bis sechswöchigen Aufenthalts im Schweizer Davos bzw. am Toten Meer bei 90 Prozent der Teilnehmer die Hautläsionen vollständig ab.

Akupunktur und Phytotherapie

Akupunktur mit Nadeln bzw. einem Laser führte in zwei Studien bei Patienten mit allergischem Schnupfen im Vergleich zu einer Scheinakupunktur zu einer signifikant stärkeren Besserung der Allergie-Symptome. Wie Nachuntersuchungen belegten, war dieser Effekt bei dreijähriger Akupunkturbehandlung selbst viele Jahre nach deren Ende noch nachweisbar. Bei Patienten mit Hausstaubmilbenallergie gibt es Hinweise auf eine Beeinflussung des Immunsystems und bei Patienten mit Asthma ließ sich eine schwache unterstützende Wirksamkeit zeigen.

Die moderne Phytotherapie, die Behandlung mit pflanzlichen Wirkstoffen, gilt inzwischen als etablierter Bestandteil der schulmedizinischen medikamentösen Therapie der Allergie. Wirksamkeit und Sicherheit der apothekenpflichtigen pflanzlichen Medikamente werden heute ebenso überprüft wie bei synthetisch hergestellten Medikamenten. Zudem leitet sich eine Reihe von synthetischen Arzneimitteln historisch und pharmakologisch von pflanzlichen Wirkstoffen ab - etwa die Beta-2-Sympathomimetika in der Asthma-Behandlung. Bei Allergien spielen pflanzliche Präparate vor allem bei Neurodermitis eine wichtige Rolle. Zu ihnen gehören Gerbstoffe, Kamillenextrakte und Johanniskrautöl, die in entsprechenden Zubereitungen positive Effekte auf die Haut erzielen können.

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Letzte Aktualisierung: 01. Dezember 2013

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