Alkoholvergiftung – Symptome, Behandlung und Erste Hilfe

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Eine Alkoholvergiftung schränkt die Hirnfunktionen ein: Je nach Schweregrad äußert sich eine Vergiftung mit Alkohol durch Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit und Enthemmung – möglich sind auch Kreislaufversagen bis hin zum Tod. So unterscheidet sich ein leichter Schwips von einem akuten Notfall.

Junge Menschen stoßen mit Alkohol an.
Jugendliche sind besonders häufig von einer Alkoholvergiftung betroffen.
© iStock.com/Izabela Habur

Die Alkoholvergiftung ist die häufigste Vergiftungsart in Deutschland. Männer sind in fast allen Altersgruppen von einer Alkoholintoxikation häufiger betroffen als Frauen. Unter Kindern und Jugendlichen hat sich die Zahl der Betroffenen durch Koma-Saufen und Binge-Drinking in den letzten Jahren nahezu verdoppelt. Die Folgen einer Vergiftung mit Alkohol sind schnell schlimmer als Kopfschmerzen und Übelkeit am nächsten Morgen.

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Symptome: Wie äußert sich eine Alkoholvergiftung?

Grundsätzlich werden vier Stadien der Alkoholvergiftung unterschieden:

  1. Exzitation (0,2-2 Promille Blutalkohol): Bereits nach dem Konsum von geringen Mengen Alkohol zeigen sich die ersten Anzeichen der Enthemmung, beispielsweise durch Redseligkeit. Ab einem Blutalkoholspiegel von 0,3 Promille ist eine verlängerte Reaktionszeit deutlich nachweisbar. Mit zunehmendem Alkoholkonsum kommt es zu Gleichgewichtsstörungen (Torkeln) und verwaschener Sprache (Lallen). Die Augen sind gerötet und die Schmerzwahrnehmung reduziert.

  2. Hypnose (2-2,5 Promille Blutalkohol): In diesem Stadium verstärken sich die Wirkungen. Es kommt zu schweren Sprach-, Seh- und Koordinationsstörungen, die Muskeln sind schlaff und die Pupillen verengt. Die Betroffenen sind oft müde, aber noch leicht aufweckbar. Die Stimmung kann leicht in Aggressivität umschlagen. Das Erinnerungsvermögen ist beeinträchtigt bis zum "Filmriss".

  3. Narkose (2,5-4 Promille Blutalkohol): In diesem Zustand tritt Bewusstlosigkeit ein. Der Betroffene reagiert nicht mehr auf Schmerzreize. Es kann zu unkontrolliertem Harn-und Stuhlabgang kommen, die Pupillen sind erweitert. Oft befinden sich diese Menschen in einem Schockzustand.

  4. Asphyxie (über 4 Promille Blutalkohol): Bei extremer Alkoholintoxikation zeigt der Betroffene weite und reaktionslose Pupillen. Die Schutzreflexe fallen aus, der Körper kühlt extrem aus. Die Spontanatmung ist so weit beeinträchtigt, dass es zum Atemstillstand kommen kann. Es drohen Kreislaufversagen, Koma und Multiorganversagen.

Ursachen: Wie entsteht eine Alkoholvergiftung?

Eine Alkoholvergiftung wird durch eine Überdosis Alkohol im Blut ausgelöst. Es gibt keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der in Promille gemessenen Blutalkoholkonzentration und der Schwere einer Alkoholvergiftung. Manche Menschen zeigen bereits bei 0,8 Promille deutliche Vergiftungserscheinungen, andere erst mit 2,5 Promille.

Je schneller der Alkohol ins Blut gelangt, desto schneller steigt die Konzentration von Alkohol im Blut an und desto schneller ist man betrunken. Üblicherweise ist die maximale Blutalkoholkonzentration nach 60 Minuten erreicht.

Folgende Faktoren erhöhen die Aufnahmegeschwindigkeit:

  • schnelles Trinken

  • leerer Magen

  • warme alkoholische Getränke

  • alkoholische Getränke mit Kohlensäure

  • Getränke mit Alkohol und Zucker

Die Aufnahme von Alkohol ins Blut beginnt schon unmittelbar nach der Einnahme, da ein kleiner Teil über Mundschleimhaut und Speiseröhre ins Blut gelangt. Der Rest wird über die Magenschleimhaut und den Darm aufgenommen. Über das Blut verteilt sich der Alkohol im ganzen Körper und erreicht das Gehirn, wo er die Übertragung zwischen den Nervenzellen verändert und die klassischen Symptome von Wohlgefühl bis Atemlähmung auslöst. Wer langsamer trinkt, erleidet nicht so schnell eine Alkoholvergiftung, da der Körper über die Leber pro Stunde circa 0,1 Promille Alkohol wieder abbaut.

Da Alkohol sich in Wasser besser löst als in Fett, hängt die Blutalkoholkonzentration stark von der Menge des Körperwassers ab. Wer schwerer ist, hat in der Regel mehr Körperwasser und kann daher mehr Alkohol vertragen. Bei gleichem Gewicht haben Menschen mit einem höheren Fettanteil weniger Körperwasser. Da der Körperwasseranteil von Frauen bei durchschnittlich 55 Prozent (Männer: 68 Prozent) liegt, ist die Blutalkoholkonzentration bei gleicher Menge konsumierten Alkohols bei einer Frau in der Regel höher ist als bei einem Mann mit demselben Körpergewicht. Außerdem verfügen Frauen über geringere Mengen des alkoholabbauenden Enzyms Aldehyddehydrogenase (ADH). Da Kinder  und Jugendliche meist leichter sind, sind sie besonders anfällig für eine Alkoholvergiftung.

Auch Menschen mit einem atypischen Enzymsystem (unter ihnen vor allem Asiaten) können nur sehr geringe Alkoholmengen vertragen. Einige Medikamente und Krankheiten können die Wirkung von Alkohol ebenfalls beeinflussen.

Erste Hilfe bei einer Alkoholvergiftung

Bei Verdacht auf eine akute Alkoholvergiftung darf der Betroffene auf keinen Fall alleine gelassen werden. Ist er bei Bewusstsein und kann sich selbstständig fortbewegen, handelt es sich meist um eine leichte Vergiftung. Bei einer schweren Vergiftung sollte dagegen ein Notarzt verständigt werden. Da Alkohol die Blutgefäße erweitert, können Betrunkene schnell auskühlen – selbst in einer warmen Sommernacht. Eine Decke oder Jacke kann die Unterkühlung verhindern.

Betroffener ist bei Bewusstsein

Wenn der Betrunkene bei Bewusstsein ist, empfiehlt es sich, das Erbrechen auszulösen. So wird der noch im Magen befindliche Alkohol rasch aus dem Körper befördert, bevor er in den Blutkreislauf gelangt. Dabei muss sichergestellt werden, dass der Vergiftete nicht am Erbrochenen erstickt. Oft fehlen die typischen Würgegeräusche beim Erbrechen: Bei starker Alkoholisierung und Bewusstlosigkeit rinnt das Erbrochene langsam aus dem Mund heraus, der Hustenreflex ist blockiert. Häufig wird das Problem erst bemerkt, wenn der Betroffene reflexartig nach Luft schnappt. Das Erbrochene muss dann unbedingt aus den Atemwegen entfernt werden.

Kann der Betroffene noch gut schlucken und Flüssigkeit bei sich behalten, sollte ihm zur Linderung der Vergiftungserscheinungen Wasser zum Trinken gegeben werden. Zur Vermeidung von Stürzen sollte der Betrunkene sich hinsetzen, Begleitpersonen sollten ihn möglichst bei Bewusstsein halten.

Was tun bei Bewusstlosigkeit?

Bei Bewusstlosigkeit oder nur noch sehr schwachem Puls muss sofort die Atmung geprüft werden. Bei Atemstillstand ist eine Mund-zu-Mund-Beatmung erforderlich, bei Herzstillstand eine Herzmassage. Bei regelgerechter Atmung sollte die Person in die stabile Seitenlage gebracht werden. Damit Erbrochenes gut abfließen kann, sollte der Kopf möglichst so gelagert werden, dass der Mund der tiefste Punkt ist.

Diagnose: So stellt der Arzt eine Alkoholvergiftung fest

Wenn der Betroffene ansprechbar ist, führt der Arzt ein kurzes Anamnesegespräch durch, andernfalls werden Angehörige oder Bekannte gefragt. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, um den Schweregrad der Alkoholvergiftung festzustellen und andere Ursachen für die Symptomatik auszuschließen.

Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel kann – vor allem bei Diabetikern – ähnliche Symptome wie eine Alkoholvergiftung auslösen. Besteht eine Alkoholabhängigkeit, kann der plötzliche Entzug von Alkohol ebenfalls zu Symptomen führen, die mit denen einer Alkoholvergiftung verwechselt werden können.

Wurden andere Erkrankungen ausgeschlossen, stellt der Arzt über einen Bluttest den Blutalkoholspiegel fest. Außerdem werden der Blutdruck, die Temperatur, die Atmung und der Puls, die Elektrolyte, die Nierenfunktion und die Leberfunktion überprüft und ein EKG geschrieben. Der Arzt wird insbesondere die Bewusstseinsebene beurteilen und Anzeichen von Kopfverletzungen oder den Einfluss von Medikamenten oder Betäubungsmitteln überprüfen.


Therapie: So wird eine Alkoholvergiftung behandelt

Während der Ausnüchterung konzentriert sich die Behandlung einer Alkoholvergiftung auf die Kontrolle und Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen. Bei einer schweren Vergiftung kann eine intensivmedizinische Überwachung erforderlich sein.

Liegt der letzte Alkoholkonsum noch nicht lange zurück, wird der Magen des Betroffenen ausgepumpt, um eine weitere Alkoholaufnahme zu unterbinden. Zur Stabilisierung des Kreislaufs wird unter Umständen eine Infusion mit Kochsalzlösung verabreicht, im Falle einer Unterzuckerung zusätzlich eine Glukoselösung. Auch Störungen des Säure-Basen-Haushaltes sowie des Elektrolytspiegels werden mit entsprechenden Infusionen behandelt. Bei sehr unruhigen oder aggressiven Personen kann der Arzt eine medikamentöse Ruhigstellung erwägen.

Bei einem Atemstillstand wird der Betroffene intubiert und künstlich beatmet, in extremen Fällen wird eine Dialyse zur Entgiftung und Wiederherstellung der Nierenfunktion vorgenommen.

Krankheitsverlauf und Prognose

Leichte Alkoholvergiftungen heilen üblicherweise ohne Folgen aus. Schwere und wiederholte Alkoholvergiftungen hinterlassen auf Dauer jedoch massive körperliche Schäden – von einer Schwächung des Immunsystems über Leberzirrhose, Nieren- und Gehirnschäden bis zu Erkrankungen des Herzmuskels und Korsakow-Syndrom.

Oft ist eine Alkoholvergiftung auch ein Zeichen für eine Alkoholabhängigkeit. Hier ist es nicht damit getan, die körperlichen Symptome eines Alkoholrausches zu behandeln. Vielmehr gilt es, weitere Alkoholexzesse zu verhindern und sich kritisch mit der Abhängigkeit auseinanderzusetzen.

Wie lässt sich eine Alkoholvergiftung verhindern?

Die Grenzwerte für einen risikoarmen Alkoholkonsum liegen in Deutschland bei bis zu 24 Gramm Reinalkohol pro Tag für Männer (das entspricht zwei 0,3-Liter-Gläsern Bier oder 0,25 Liter Wein) und bis zu 12 Gramm Reinalkohol für Frauen. Wer eine Alkoholvergiftung verhindern möchte, sollte entweder gar keinen Alkohol konsumieren oder sich an diese Grenzwerte halten. Jugendliche sollten über die Gefahren einer Alkoholvergiftung aufgeklärt werden, um einen bewussten Umgang mit Alkohol zu fördern.

Wer langsam trinkt, alkoholische Getränke mit Zucker und Kohlensäure meidet und zwischen den Getränken ausreichend Wasser zu sich nimmt, wird deutlich langsamer betrunken und behält im Idealfall den Überblick über seinen Alkoholkonsum und den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören.

Hausmittel, die keinen Einfluss auf eine Alkoholvergiftung haben:

  • fetthaltige Mahlzeit vor dem Alkoholkonsum: Das Essen verzögert nur die Aufnahme von Alkohol ins Blut, der Promillewert am Ende ist jedoch derselbe.
  • starken Kaffee trinken hat keinen Effekt auf den Blutalkohol
  • Lorbeerblätter zerkauen hat keinen vorbeugenden Effekt auf eine Alkoholvergiftung
Alkohol: Vorsicht mit diesen Medikamenten
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