Eierstockkrebs

Eierstockkrebs (lateinisch Ovarialkarzinom) ist die bösartige Form eines Tumors der Eierstöcke. Ein Ovarialkarzinom bleibt oft lange Zeit symptomlos und wird deshalb meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Dies führt dazu, dass Eierstockkrebs eine Krebserkrankung mit schlechter Prognose ist.

Frau mit Unterleibsschmerzen
Eierstockkrebs ist die sechshäufigste Krebsart bei Frauen.
© iStock.com/Artem_Furman

Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts Berlin wurden im Jahr 2014 bei 7.250 Frauen in Deutschland bösartige Veränderungen des Eierstocks festgestellt. Die Erkrankung kommt vor dem 40.Lebensjahr ausgesprochen selten vor. Im Durchschnitt liegt das mittlere Erkrankungsalter bei 70 Jahren, bis zum 85. Lebensjahr steigen die Erkrankungsraten kontinuierlich an. Heute geht man davon aus, dass etwa eine von 71 Frauen im Laufe ihres Lebens an einem Ovarialkarzinom erkrankt. Bei diagnostizierten und behandelten Frauen liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei etwa 41 Prozent.

An den Eierstöcken treten viele gutartige Tumore auf, besonders Zysten sind häufig. Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Tumoren der Eierstöcke bösartig sind, Wucherungen an den Eierstöcken junger Frauen sind meist gutartig. Wenn man alle Altersstufen gemeinsam betrachtet, sind etwa ein Fünftel der auffälligen Eierstock-Tumoren bösartig.

Welche Arten von Eierstockkrebs gibt es?

In der Hälfte aller Fälle sind beide Eierstöcke von dem Ovarialkarzinom betroffen. Bei einem Ovarialkarzinom können die unterschiedlichen Gewebe des Eierstocks entarten und bösartige Geschwulste bilden. Etwa fünf Prozent der bösartigen Tumore der Eierstöcke sind Tochtergeschwüre (Metastasen) anderer Krebsarten, insbesondere von Gebärmutter-, Brust- und Darmkrebs.

Auch bei einem Ovarialkarzinom können Metastasen entstehen, vor allem innerhalb der Bauchhöhle (Abdomen) und auf dem Bauchfell (Peritoneum). Über die Blut- und Lymphbahnen können ebenfalls Krebszellen im Körper verteilt werden und in anderen Organen Metastasen erzeugen. Beim Ovarialkarzinom sind Leber, Lungen, Brustfell (Pleura) sowie die Lymphknoten bevorzugt betroffen.

Stadieneinteilung

Nach der FIGO-Klassifikation (International Federation of Gynecology and Obstetrics) wird Eierstockkrebs in vier Stadien eingeteilt:

  • Stadium I: Der Tumor befällt einen oder beide Eierstöcke
  • Stadium II: Der Krebs breitet sich im Becken aus
  • Stadium III: Krebszellen befinden sich in der Bauchhöhle auch außerhalb des Beckens oder bereits in den Lymphknoten
  • Stadium IV: Tumorzellen haben sich in andere Körperregionen außerhalb der Bauchhöhle abgesiedelt (Fernmetastasen)

Welche Symptome zeigen sich bei Eierstockkrebs?

Ein Ovarialkarzinom in einem frühen Stadium erzeugt normalerweise keine Beschwerden. Symptome werden erst spürbar, wenn der Tumor durch starkes Größenwachstum auf umliegende Organe drückt, das Krebsgewebe in die angrenzenden Organe einwächst oder Metastasen in anderen Organen Probleme verursachen. Eierstockkrebs wird deshalb nur in etwa 30 Prozent der Fälle bereits im Stadium I der FIGO-Klassifikation festgestellt. Am häufigsten (60 Prozent) ist ein Ovarialkarzinom bereits im FIGO-Stadium III, wenn es diagnostiziert wird.

Folgende Symptome können Hinweise auf ein tumoröses Wachstum im Bereich der Eierstöcke sein. Vor allem bei Frauen über 50 Jahren sollten diese Symptome vorsichtshalber vom Gynäkologen abgeklärt werden:

  • vaginale Blutungen außerhalb der monatlichen Regelblutung

  • Blutungen nach den Wechseljahren

  • unerklärliche Bauchbeschwerden wie Blähungen, Schmerzen, Druck- oder Völlegefühl, Appetitlosigkeit oder Verstopfung, die wiederholt auftreten oder über längere Zeit anhalten

  • Zunahme des Bauchumfangs, eventuell trotz Gewichtsabnahme durch Bauchwassersucht (Aszites)

  • Schmerzen oder andere Veränderungen beim Wasserlassen

  • unklares Krankheitsgefühl, Leistungsschwäche, Müdigkeit, unerklärliches Fieber mit Nachtschweiß und ungewöhnlich schlechter Allgemeinzustand

  • schmerzlose oder schmerzhafte Schwellung von Lymphknoten, insbesondere in der Leiste

Ursachen und Risikofaktoren für Eierstockkrebs

Es ist nicht sicher bekannt, warum die Zellen der unterschiedlichen Eierstock-Gewebe entarten und bösartige Krebsgeschwüre ausbilden. Eine Rolle bei der Entstehung von Eierstockkrebs, teilweise in Kombination mit Brustkrebs, scheinen genetische Faktoren zu spielen. Bestimmte Genveränderungen (Mutationen der Gene BRCA1 und BRCA2) sowie eine familiäre Häufung deuten darauf hin. Studien gehen davon aus, dass etwa jedes zehnte Ovarialkarzinom auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen ist.

Ein weiterer Faktor scheint die Zahl der bisher abgelaufenen weiblichen Zyklen zu sein. Frauen die ihre erste Menstruation spät bekamen und früh in die Wechseljahre kommen, haben ein geringeres Erkrankungsrisiko als Frauen, die einen lange Zeitraum zwischen erster und letzter Regelblutung haben. Eine oder mehrere Schwangerschaften, Stillen sowie der Einsatz hormoneller Verhütungsmittel über einen längeren Zeitraum, sollen die Erkrankungswahrscheinlichkeit senken. Eine hormonelle Ersatztherapie während der Wechseljahre soll dagegen das Erkrankungsrisiko für Eierstockkrebs erhöhen.

Zudem gibt es Hinweise darauf, dass das Erkrankungsrisiko übergewichtiger Frauen höher ist, als das Risiko normalgewichtiger Frauen.

Wie kann Eierstockkrebs diagnostiziert werden?

Die endgültige Diagnose eines Ovarialkarzinoms kann letztendlich erst durch die feingewebliche Untersuchung eines operativ entfernten Tumors erfolgen. Neben der histologischen Absicherung der Diagnose, kann durch eine Operation auch das Tumorstadium festgelegt werden.

Die ersten Hinweise auf einen Tumor am Eierstock bringt eine gynäkologische Tastuntersuchung. Sie gibt jedoch nur Aufschluss darüber, ob es im Bereich der Eierstöcke zu einer Größenveränderung des Organs gekommen ist. Diese Veränderungen können aber sehr viele Gründe haben und geben keinen sicheren Anhaltspunkt dafür, ob ein gutartiges oder bösartiges Wachstum vorliegt. An die Tastuntersuchung schliesst sich eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) an, die über die Bauchdecke (abdominal) oder die Scheide (vaginal) durchgeführt wird. Diese Untersuchung gibt Aufschluss über die Größe, die Beschaffenheit und die genaue Lage der Geschwulst und kann erste Hinweise auf Gut- oder Bösartigkeit geben.

Bei einem auffälligen, verdächtigen Tumor, wird als nächstes eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Unterbauches durchgeführt. Es wird nach möglichen Metastasen gesucht und überprüft, ob der Eierstocktumor in die umliegenden Strukturen eingewachsen ist oder diese einengt. Bauch-, Harnblasen- und Darmspiegelung können die Diagnostik ergänzen und zusätzliche Informationen zum Befall anderer Organe liefern.

Wie kann man Eierstockkrebs behandeln?

Die beiden Säulen der Therapie des Eierstockkrebses sind die Operation und die Chemotherapie, die in fast allen Fällen in Kombination angewendet werden. Unter Umständen kann eine Antikörpertherapie die Behandlung ergänzen.

Operation

Um die Verdachtsdiagnose abzusichern, wird zunächst der veränderte Eierstock im Ganzen entnommen. Noch während der Operation wird das Gewebe vom Pathologen unter dem Mikroskop untersucht und so festgestellt, ob eine Krebserkrankung vorliegt oder nicht. Nur wenn die feingewebliche Diagnose eindeutig ein Ovarialkarzinom bestätigt, wird die Krebsoperation durchgeführt.

Um das Krebsgewebe vollständig zu entfernen, werden in der Regel beide Eierstöcke, beide Eileiter, die Gebärmutter, das große Bauchnetz sowie Teile des Bauchfells entfernt. Je nach Größe und Ausdehnung, sowie abhängig vom Tumortyp, müssen unter Umständen Teile des Darmes oder der Harnblase entnommen werden. Besonderes Augenmerk muss auf den Lymphknoten liegen, die bei Verdacht auf Tumorbefall ebenfalls entnommen und zur Klassifikation und Stadieneinteilung feingeweblich untersucht werden.

Bei jungen Frauen, die einen dringenden Kinderwunsch haben, kann unter bestimmten Umständen eine sogenannte fruchtbarkeitserhaltende Operation erwogen werden. Nur wenn der bösartige Tumor sehr klein und eindeutig begrenzt, sowie vom Tumorwachstum wenig aggressiv ist, können die Gebärmutter und der andere Eierstock erhalten bleiben.

Chemotherapie

Die Chemotherapie wird in der Regel an die Operation angeschlossen und hat das Abtöten eventuell noch vorhandener Krebszellen zum Ziel. Lediglich bei Tumoren in sehr frühen Stadien, kann nach einer radikalen Operation gegebenenfalls auf die Chemotherapie verzichtet werden.

Zytostatika sind zellwachstumshemmende Medikamente, die schnellwachsende Zellen wie Krebszellen abtöten. Bei Eierstockkrebs wird standardmäßig eine Kombinationstherapie aus Carboplatin und Paclitaxel angewendet, die je nach Verfassung der Patientin möglichst sechs Mal in einem Abstand von drei Wochen verabreicht werden.

Kommt es trotz Operation und Chemotherapie zu einem Rückfall (Rezidiv), können weitere Zytostatika angewendet werden. In dieser Situation kommen Chemotherapien mit Doxorubicin, Topotecan, Paclitaxel oder Gemcitabin zum Einsatz.

Antikörpertherapie

In sehr fortgeschrittenen Stadien kann die Chemotherapie mit Carboplatin und Paclitaxel durch den Wirkstoff Bevacizumab ergänzt werden. Bevacizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der das Wachstum von Blutgefäßen im Tumorgewebe hemmt. So kann die Blutzufuhr zum Tumor reduziert werden und der Tumor wird in seiner Wachstumsfähigkeit eingeschränkt. So soll insbesondere die Zeit bis zu einem Rückfall, bei weit fortgeschrittenen Ovarialkarzinomen verlängert werden.

Welche Prognose haben Frauen, die an Eierstockkrebs erkranken?

Ist die Krebserkrankung auf die Eierstöcke begrenzt, ist die Prognose der Ovarialkarzinoms gut. 80 Prozent der Betroffenen mit einem Ovarialkarzinom Stadium I überleben die nächsten fünf Jahre und leben nach der Diagnose durchschnittlich 15 Jahre und länger. Kann das Tumorgewebe bei der Operation vollständig entfernt und durch die Chemotherapie die verbleibenden Krebszellen abgetötet werden, ist eine vollständige Heilung möglich.

Da ein Ovarialkarzinom in vielen Fällen erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt und behandelt wird, ist die Lebenserwartung bei Eierstockkrebs im Durchschnitt relativ niedrig. Die durchschnittliche 5-Jahre-Überlebensrate liegt bei 41 Prozent. Dies bedeutet, dass weniger als die Hälfte der betroffenen Frauen nach fünf Jahren noch am Leben ist. Hat der Tumor weit gestreut und Organe außerhalb der Bauchhöhle sind von Metastasen befallen, sinkt die durchschnittliche Lebenserwartung auf 14 Monate.

Kommt es trotz Operation und Chemotherapie zu einem Rückfall (Rezidiv), kann die Erkrankung im Normalfall nicht mehr geheilt, sondern nur noch palliativ behandelt werden.

Nachsorge und Rehabilitation

Nach einer Eierstockkrebs-Operation schließen sich Rehabilitationsmaßnahmen, Tumornachsorge und Nachbetreuung an. Das Zusammenwirken dieser Maßnahmen soll den betroffenen Frauen körperliche und seelische Kräfte zurückgeben, aber auch dafür sorgen, dass Rückfälle oder Tochtergeschwüre frühzeitig diagnostiziert werden.

Tumornachsorge

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen dienen einerseits der medizinischen Überwachung des Krankheitsverlauf, andererseits geben sie den betroffenen Frauen die Sicherheit, dass eine erneute Tumorbildung oder mögliche Begleit- und Folgeerkrankungen frühzeitig erkannt und therapiert werden.

In den ersten drei Jahren finden in der Regel alle drei Monate Nachsorgetermine statt. In den folgenden zwei Jahren werden die Kontrollen alle sechs Monate, danach jährlich durchgeführt. Neben einem ärztlichen Gespräch, beinhaltet die Eierstockkrebs-Nachsorge eine ausführliche gynäkologische Untersuchung, das Abtasten des Enddarms (rektale Tastuntersuchung), eine Ultraschalluntersuchung von der Scheide aus (vaginaler Ultraschall) sowie eine Ultraschalluntersuchung der Nieren.

Bestehen Beschwerden oder Veränderungen, müssen diese durch weitere Untersuchungen wie beispielsweise Computertomografie (CT) abgeklärt werden.

Nachbetreuung

In der Nachbetreuung geht es darum, neben den körperlichen, vor allem die seelischen Belastungen der betroffenen Frauen zu verarbeiten. Die häufigsten Probleme sind:

  • die Angst vor einem Rückfall

  • die neue körperliche Situation durch den Verlust der inneren, weiblichen Geschlechtsorgane, die zu einer deutlichen Minderung der weiblichen Identität und des Selbstbewusstseins führen können

  • Unfruchtbarkeit bei eventuell noch bestehendem Kinderwunsch

  • Schmerzen im Bauch- und Rückenbereich durch Vernarbungen und Verklebungen

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr durch die Folgen der Operation

  • die möglicherweise abrupt auftretenden Wechseljahresbeschwerden durch den Verlust beider Eierstöcke

  • die körperlichen Folgen der Chemotherapie

  • Folgeerscheinungen wie Harninkontinenz, künstlicher Blasen- oder Darmausgang   

Neben der Gynäkologin oder dem Gynäkologen bieten Psychoonkologen (in der Krebsbehandlung erfahrenen Psychologen), Psychotherapeuten, Krebsberatungsstellen oder Selbsthilfegruppen professionelle Unterstützung bei der Bewältigung von Eierstockkrebs an.

Kann man Eierstockkrebs vorbeugen?

Für die Entstehung eines Ovarialkarzinoms gibt es keine vorbeugenden Maßnahmen oder Verhaltensweisen. Bei Eierstockkrebs ist es für die Prognose sehr wichtig, die Krankheit frühzeitig zu erkennen. Vorsorgeuntersuchungen sollten Frauen, bei denen das Erkrankungsrisiko durch Kinderlosigkeit, fortgeschrittenes Lebensalter, Übergewicht oder durch Hormonersatztherapien etwas erhöht ist, besonders gewissenhaft wahrnehmen.

Ein bekannter Risikofaktor ist das sogenannte familiäre Brust-und Eierstockkrebs-Syndrom. Frauen, die dieser Risikogruppe angehören, sollten die Möglichkeit der genetischen Beratung im Hinblick auf ein individuelles Ovarialkarzinomrisiko in Anspruch nehmen. Der Verdacht auf dieses Syndrom besteht bei Frauen, in deren Familie gehäuft Brust- und/oder Eierstockkrebs vorkommen – vor allem wenn die beiden Erkrankungen bei Verwandten in sehr jungen Lebensjahren oder in wiederholten Fällen aufgetreten sind.

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