Häufige Krebsart bei Frauen

Gebärmutterhalskrebs: Impfung kann vor Zervixkarzinom schützen

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Gebärmutterhalskrebs beginnt häufig mit Entzündungen im Bereich des Muttermundes. Sich daraufhin verändernde Zellen, die sehr wahrscheinlich durch eine Virus-Infektion hervorgerufen wurden, führen über verschiedene Vorstadien zum Zervixkarzinom.

Mädchen erhält HPV-Impfung
© Getty Images/ Morsa Images

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen, Hauptverursacher sind Humane Papillomviren (HPV), gegen die es inzwischen eine Impfung gibt. Meist tritt die Krankheit zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr erstmalig auf. Krebsvorstufen werden jedoch oft schon viel früher – am häufigsten bei Frauen zwischen 20 und 40 Jahren festgestellt. Mit Abstrichen an Muttermund und Gebärmutterhals können bösartige Veränderungen oft schon frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Artikelinhalte im Überblick:

Die häufigsten Krebsarten in Deutschland

Gebärmutterhalskrebs vorbeugen mit HPV-Impfung und Kondomen

Vorsorge spielt bei dieser Krebsart eine große Rolle, denn typisch für die Erkrankung ist ein sehr langer Entstehungsprozess. Je früher ein Gebärmutterhalskrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Daher sollten Frauen regelmäßig in der gynäkologischen Praxis vorbeischauen: Zwischen 20 und 34 Jahren erhalten Frauen jährlich ein zytologiebasiertes Zervixkarzinom-Screening, bei dem ein Abstrich genommen und mikroskopisch untersucht wird. Ab 35 Jahren wird ihnen alle drei Jahre eine Kombination aus HPV-Test und zytologischer Untersuchung angeboten.

Jede Frau kann sich vor einer Ansteckung mit HPV schützen, indem sie beim Geschlechtsverkehr Kondome verwendet, denn das Virus kann beim Sex übertragen werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer HPV-Impfung. Allerdings schützt sie nicht vor allen HPV-Typen und muss schon vor der Erstinfektion durchgeführt werden. Eine Impfung ist demnach in einem sehr jungen Alter für Mädchen und Jungen zwischen neun und vierzehn Jahren angezeigt.

Symptome: Diese Anzeichen deuten auf Gebärmutterhalskrebs hin

Gebärmutterhalskrebs verläuft über verschiedene Entwicklungsstadien und bleibt oft über lange Zeit symptomlos oder es treten unspezifische Allgemeinsymptome auf. Die Erkrankung wird deshalb häufig erst spät bemerkt. Mögliche Anzeichen für ein Zervixkarzinom können Müdigkeit, eine nicht gewollte und unerklärliche Gewichtsabnahme sowie Blutungen sein. Diese können nach dem Geschlechtsverkehr oder nach Belastungen wie Reiten und Rad fahren auftreten, aber auch beim Entleeren sehr festen Kots.

Weitere Symptome im späteren Stadium von Gebärmutterhalskrebs:

  • unregelmäßige oder ungewöhnliche Blutungen (nach den Wechseljahren)

  • länger andauernde Menstruationsblutungen

  • übelriechender Scheidenausfluss

  • Ausfluss, der ein fleischwasserfarbiges Aussehen hat

  • Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang

  • Schmerzen im Becken und Unterbauch

  • Flankenschmerzen

  • Rückenschmerzen

Andere gutartige Veränderungen in der Gebärmutter oder am Gebärmutterhals können ebenso hinter diesen Symptomen stehen. Für Betroffene besteht daher kein Grund zur Panik, wenn Blutungen beobachtet werden. Trotzdem sollte umgehend die Gynäkologin oder der Gynäkologe aufgesucht werden.

Ursachen und Risikofaktoren des Gebärmutterhalskrebses

Bislang sind die Ursachen für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs noch nicht genau geklärt. Eine wesentliche Rolle spielt die Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV). Das HP-Virus kann beim Sex übertragen werden und ruft Warzen sowie entzündliche Veränderungen im Genitalbereich oder auf angrenzenden Hautarealen hervor. In der Regel verschwinden die Entzündungen nach einiger Zeit. Jedoch entwickeln etwa drei Prozent der mit HPV infizierten Frauen Gebärmutterhalskrebs.

Was begünstigt Gebärmutterhalskrebs noch?

Daneben gibt es bestimmte Faktoren, die eine Entstehung des Zervixkarzinoms begünstigen. Dazu zählt in erster Linie Rauchen: So sind Raucherinnen mit einer vorliegenden HPV-Infektion doppelt so häufig von bösartigen Entartungen am Gebärmutterhals betroffen wie Nichtraucherinnen. Vermutlich wirken Zigarettenbestandteile hemmend auf bestimmte Abwehrzellen, sodass Infektionen nicht mehr ausreichend bekämpft werden können.

Ein geschwächtes Immunsystem gilt als weiterer Risikofaktor, denn Gebärmutterhalskrebs tritt überdurchschnittlich häufig bei HIV-Infizierten, AIDS-Kranken und Patientinnen auf, die ein Immunsuppressivum einnehmen, also ein Medikament zur Unterdrückung des Immunsystems. Ebenfalls häufig erkranken Frauen, die schon sehr jung und mit oft wechselnden Partnern Geschlechtsverkehr hatten. Auch Ernährungsgewohnheiten scheinen eine Rolle zu spielen.

Gebärmutterhalskrebs beginnt häufig mit Entzündungen

Häufig beginnt Gebärmutterhalskrebs mit Entzündungen im Bereich des Muttermundes. Betroffen sind zunächst Plattenepithelzellen, diese Zellen verändern sich mit der Zeit sehr langsam über verschiedene Vorstufen zu Krebszellen. Der Prozess kann bis zu 15 Jahre dauern.

Sind erst einmal Krebszellen vorhanden, breitet sich die Erkrankung weiter aus, ausgehend von den Oberflächenzellen zunächst in tiefere Schichten, dann auf angrenzende Organe wie Scheide und Gebärmutterkörper. Auch andere Bauchorgane wie Blase und Darm können befallen werden. Über den Anschluss an Lymphbahnen erfolgt die Ausbreitung der Tumorzellen in Lymphknoten. Seltener gelangen Krebszellen in die Blutbahn und bilden dann Absiedlungen (Metastasen) in Organen wie Lunge oder Knochen.

Krebs vorbeugen: Welche vermeidbaren Risikofaktoren gibt es?

Diagnose des Zervixkarzinoms: Diese Untersuchungen bringen Gewissheit

Um sicher abklären zu können, ob eine Krebserkrankung im Bereich des Gebärmutterhalses vorliegt, gibt es verschiedene Untersuchungen. Zunächst muss festgestellt werden, ob und in welchem Umfang Veränderungen an den Zellen vorliegen. Bestätigt sich der Verdacht auf Krebs, muss der Ausbreitungsgrad der Erkrankung ermittelt werden.

Abstrich zeigt entartete Zellen

Zunächst wird die Gebärmutter durch die Bauchdecke und von der Scheide her abgetastet. Ein nächster Schritt ist der PAP-Test, also das Abstreichen von Oberflächenzellen des Muttermundes und des Gebärmutterhalses. Jegliche Zellveränderungen sind so in der Regel gut sichtbar. Durch eine Spiegelung der Scheide und des Muttermundes (Kolposkopie) kann der Gebärmutterhals direkt betrachtet und mögliche Veränderungen geortet werden.

Ergeben Abstrich und Kolposkopie einen verdächtigen Befund, erfolgt eine Gewebeentnahme (Biopsie) am Gebärmutterhals. Dabei zeigt sich, ob sich der Krebs schon in tiefer liegende Schichten ausgebreitet hat. Fallen die Ergebnisse der Biopsie nicht eindeutig aus, muss ein kegelförmiger Abschnitt des verdächtigen Gewebes aus dem Gebärmutterhals entfernt werden. Das bei der Konisation entnommene Gewebe wird wiederum mikroskopisch untersucht.

Weitere Untersuchungen:

  • Besteht der Verdacht, dass der Krebs schon weiter vorangeschritten ist, wird eine Ausschabung (Kürretage) des Gebärmutterhalses und -körpers durchgeführt. Dadurch lässt sich ermitteln, ob sich der Tumor bereits auf weitere Teile der Gebärmutter ausgebreitet hat.

  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Bauches gibt Hinweise auf befallene andere Organe im Bauchraum.

  • Mit einem vaginalen Ultraschall, bei welchem der Ultraschallkopf durch die Scheide eingeführt wird, können die Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter betrachtet werden.

  • Röntgenaufnahmen des Brustkorbs, der Niere und der Harnwege lassen Metastasen sowie das Ausmaß der Krebsausdehnung in diesen Organen erkennen.

  • Blasen- und Darmspiegelung oder Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) dienen ebenfalls zur Feststellung der Tumorausbreitung und von Tochtergeschwülsten.

  • Tumormarker sind spezielle Substanzen, die vorrangig in Krebszellen gebildet werden. Sie lassen sich im Blut nachweisen und können zur Kontrolle des Krankheitsverlaufs herangezogen werden.

Therapie: So wird Gebärmutterhalskrebs behandelt

Die Behandlung des Gebärmutterhalskrebses ist abhängig vom Tumorstadium und vom Zustand der Patientin. Gegebenenfalls werden einzelne Therapieformen kombiniert:

  • Chemotherapie und Radiochemotherapie: Eine weitere therapeutische Möglichkeit besteht in der Chemotherapie. Die Patientinnen erhalten Zytostatika wie Cisplatin, Carboplatin, Paclitaxel oder Topotecan. Diese Wirkstoffe zerstören schnell wachsende Zellen, darunter Krebszellen. Als Standard gilt laut aktueller Leitlinie eine Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie (Radiochemotherapie).

  • Operative Behandlung: Liegen Zellveränderungen im Stadium der Krebsvorstufen oder ein Krebs im Frühstadium vor, kann das kegelförmige Herausschneiden des verdächtigen Gewebes aus dem Gebärmutterhals, die sogenannte Konisation, ausreichend sein. Hat sich der Tumor bereits auf tiefere Schichten ausgebreitet, muss die gesamte Gebärmutter im Rahmen einer offenen radikalen Hysterektomie vollständig entnommen werden. In einigen Fällen kann es nötig sein, Teile der Scheide und die angrenzenden Lymphknoten mit zu entfernen.

  • Bestrahlung: Eine Strahlentherapie ist angezeigt, wenn sich die Krebserkrankung in einem weiter fortgeschrittenen Stadium befindet. Sie wird durchgeführt, wenn aus verschiedenen Gründen nicht operiert werden kann, teilweise aber auch im Anschluss an eine Operation. Die Bestrahlung erfolgt von innen, wobei sich die Strahlenquelle in der Scheide befindet. Ergänzend kann von außen durch die Bauchdecke hindurch die Gebärmutter direkt bestrahlt werden.

Daneben gibt es die zielgerichtete Therapie mit Antikörpern wie Bevacizumab, die bei Frauen eingesetzt werden, die Metastasen oder einen Rückfall (Rezidiv) haben oder bei denen sich der Krebs nicht erfolgreich mit einer Erstbehandlung therapieren ließ.

Was gilt es bei Frauen mit Kinderwunsch zu berücksichtigen?

Ist die Familienplanung abgeschlossen oder besteht kein Kinderwunsch, wird den Patientinnen empfohlen, die Gebärmutter vollständig entfernen zu lassen. Damit soll das Risiko eines Rückfalls gesenkt werden. In anderen Fällen kann nach ärztlicher Rücksprache die Fruchtbarkeit möglicherweise erhalten werden. So können beispielsweise die Eierstöcke mitunter vor einer Bestrahlung geschützt werden – andernfalls ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich, denn bestrahlte Eierstöcke können keine Eizellen und weiblichen Hormone mehr bilden.

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