Von Lähmungen bis Sprachstörungen

Schlaganfall und seine Folgen

Nach einem Schlaganfall sind die Folgen vielfältig und können unterschiedliche Körperteile und Funktionen betreffen. Lähmungen, Schluck- und Sprachstörungen sind nur einige Beispiele, die das Leben der Betroffenen beeinträchtigen.

Patient mit Schlaganfall macht Reha
Die Folgen eines Schlaganfalls können mit gezielter Therapie verbessert werden.
© iStock.com/andresr

Das menschliche Gehirn ist in einzelne Regionen unterteilt, die unterschiedliche Vorgänge des Körpers steuern. So ist ein Bereich für die Produktion der Sprache, ein anderer für das Sprachverständnis zuständig. Nach einem Schlaganfall (Apoplex) richten sich die Folgen nach der Region, in dem sich die Durchblutungsstörung ereignet hat und der Größe des betroffenen Hirnareals. Daher können nach einem Schlaganfall mögliche Folgen für Patienten sehr unterschiedlich ausfallen.

Artikelinhalte im Überblick:

Schlaganfall: Vorboten und akute Symptome erkennen

Lähmung nach Schlaganfall: Folge des Apoplex

Zu den häufigsten Folgen eines Schlaganfalls gehört die Lähmung einer Körperhälfte (Halbseitenlähmung). Die Bewegung einer Körperhälfte wird jeweils von einer Gehirnhälfte gesteuert. Die linke Gehirnhälfte steuert die rechte Körperseite, die rechte Gehirnhälfte gibt Befehle an die linke Körperseite. So kommt es bei einem Schlaganfall als typische Folge zur halbseitigen Lähmung der Muskulatur.

Je nach Zahl der betroffenen Gehirnzellen betrifft die Lähmung die gesamte Körperhälfte oder nur einen Bereich wie zum Beispiel die Hand. Auch der Grad einer Lähmung ist unterschiedlich ausgeprägt und reicht von einer leichten Taubheit oder Schwäche bis zur vollständigen Bewegungsunfähigkeit. Relativ häufig betroffen ist der Gesichtsnerv, der Fazialisnerv. Man spricht dann von einer zentralen Fazialisparese. Die Folge ist der Schiefstand der Gesichtsmuskulatur.

In der Medizin wird die Lähmung je nach Ausprägung unterschiedlich bezeichnet:

  • Monoplegie: Die Monoplegie ist die vollständige Lähmung einer Gliedmaße (zum Beispiel der Hand).
  • Paraplegie: Eine Paraplegie ist die vollständige Lähmung beider Beine oder Arme.
  • Hemiplegie: Die Hemiplegie beschreibt die Lähmung einer Körperseite.
  • Hemiparese: Leichte oder unvollständige Halbseitenlähmung.
  • Tetraplegie: Die Tetraplegie ist die vollständige Lähmung aller vier Gliedmaßen.

Einschränkungen in Bewegungsfähigkeit

Nach einem Schlaganfall zählt die Apraxie zu den schwerwiegenden Folgen, die eine Störung der Ausführung willkürlicher zielgerichteter und geordneter Bewegungen bezeichnet. Der Patient ist nicht oder nur unter großen Bemühungen in der Lage, komplizierte Bewegungsabläufe zu vollführen. So kann das Anziehen eines Pullovers oder das Schmieren eines Butterbrotes Probleme bereiten. Dabei ist die Beweglichkeit der Arme oder Beine nicht gestört. Durch die Apraxie geht vielmehr die Fähigkeit verloren, die notwendigen Bewegungen im Gehirn zu entwerfen und Einzelbewegungen zu einem flüssigen Ablauf zusammenzusetzen.

Schlaganfall: Symptome erkennen und Leben retten

Dr. Heart / Expertenteam

Sehstörungen

Infolge des Schlaganfalls berichten Betroffene häufig von Sehstörungen. Ihre Ausprägung hängt sehr vom Hirnareal ab, in dem sich der Apoplex ereignet hat:

  • Eingeschränktes Blickfeld/Gesichtsfeld: Der Betroffene übersieht Menschen oder Gegenstände
  • Tunnelblick: Verdunkelte Randzonen, also ob der Patient durch eine Röhre blickt
  • Doppelbilder: Patient sieht Gegenstände überlappend
  • Kurzzeitige Erblindung auf einem Auge

Sprachstörungen sind oft Folgen des Schlaganfalls

Üblicherweise liegt das Sprachzentrum beim Rechtshänder in der linken Gehirnhälfte und beim Linkshänder entsprechend in der Rechten. Ist das Sprachzentrum betroffen, können sich als Folge des Schlaganfalls sogenannte Aphasien bilden. Aphasie bedeutet Sprachverlust oder Sprachstörung. Bei dieser Störung können je nach Ausmaß der Hirnschädigung das Sprachverständnis sowie die Produktion der Sprache betroffen sein. Leichte Wortfindungsstörungen bis zum vollständigen Verlust der Sprache sind möglich. Die Sprache kann mit Unterstützung eines Logopäden neu trainiert werden.


Schluckstörungen durch Apoplex

Der Vorgang des Schluckens kann nach einem Schlaganfall gestört sein. Man spricht dann von einer Dysphagie. Folgen können gelegentliches Verschlucken sein, aber auch eine nicht mehr mögliche Nahrungsaufnahme. Durch das Verschlucken und das versehentliche Einatmen von Nahrung besteht die Gefahr einer Lungenentzündung (Aspirationspneumonie). Die Lungenentzündung ist eine häufige Ursache für eine erhöhte Sterblichkeit der Schlaganfallpatienten. Betroffene mit Schluckstörungen müssen daher künstlich über eine Sonde ernährt werden und die Sensibilität der Mundhöhle durch Schluck- und Kautraining zurückgewinnen.

Störungen von Kognition und Gedächtnis

Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zählen zum Beispiel die Aufmerksamkeit, die Erinnerung, das Lernen, die Kreativität, das Planen sowie die Orientierung. Nach einem Schlaganfall können diese Fähigkeiten beeinträchtigt sein. So haben manche Patienten danach Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren oder ohne Hilfe zuhause oder in fremder Umgebung zurechtzufinden.

Viele Patienten leiden nach einem Schlaganfall unter Gedächtnisstörungen: Sie können sich beispielsweise nicht mehr an Ereignisse vor der Erkrankung oder Wissen, das sie vor dem Apoplex erworben haben, erinnern. Andere haben Schwierigkeiten, sich etwas nach dem Schlaganfall zu merken.

Depression: Psychische Folgen des Schlaganfalls

Etwa 30 Prozent der Patienten leidet nach ein Schlaganfall unter einer Depression (Post Stroke Depression). Häufiger betroffen sind Menschen mit einem schweren Schlaganfall verglichen mit Patienten, die einen leichten Apoplex erlitten haben. Hinter der Depression infolge des Schlaganfalls stecken zwei Ursachen:

  • Durch den Schlaganfall wurde das Gehirn verletzt, was Auswirkungen auf das Gefühlsleben des Patienten haben kann.

  • Emotionale Reaktion auf die Erkrankung oder die nachfolgenden (körperlichen) Einschränkungen, insbesondere wenn sie mit dem Verlust der Selbstständigkeit einhergehen.

In welchem Ausmaß sich die Depression äußert, hängt stark von den geistigen und körperlichen Folgen des Schlaganfalls ab. Bei manchen Patienten verschwindet die Depression von alleine wieder, in den meisten Fällen ist jedoch therapeutische Hilfe notwendig.

Schlaganfall beeinträchtigt Empfindungsfähigkeit

Einschränkungen der Empfindungsfähigkeit sind weitere Folgen nach einem Schlaganfall. Diese können sich in Form von Kribbel- und Taubheitsgefühlen, aber auch dem Verlust der Wärme- oder Kälteempfindlichkeit der Haut äußern. Es können Schweregefühle auftreten oder das Empfinden, ein Teil des Körpers gehöre nicht mehr dazu.

Spastiken nach Apoplex durch Krankengymnastik verringern

Nach einem Schlaganfall kann als Folge die Grundspannung des Muskels gestört sein. Durch eine erhöhte Spannung in den Muskeln kann dieser nicht mehr bewegt werden und es treten Schmerzen auf. Ärzte sprechen in diesem Fall von Spastizität oder Spastik. Die Spastik nach einem Schlaganfall entsteht meist erst in den Wochen nach dem eigentlichen Ereignis. Krankengymnastische Therapie ist entscheidend, um eine Spastik nach dem Schlaganfall zu verringern und die Bildung von Kontrakturen (Gelenkversteifung) zu verhindern.

Prognose durch Behandlung verbessern

Es besteht die Möglichkeit, dass sich körperliche und geistige Folgen nach dem Apoplex spontan verbessern oder verschwinden. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist in den ersten Monaten nach dem Schlaganfall am höchsten, nimmt mit der Zeit jedoch ab. Insbesondere kognitive Fähigkeiten können sich von alleine wieder bessern. Ist dies nicht der Fall, stehen heute zahlreiche therapeutische Maßnahmen im Rahmen einer Reha zur Verfügung. Dabei werden körperliche Folgen beispielsweise durch Physiotherapie und Bewegungstherapie behandelt, sprachliche Störungen durch einen Logopäden.

Einschränkungen des Gedächtnisses und weiterer kognitiver Fähigkeiten können zum Beispiel durch mentale Strategien, Lernübungen oder Tagebuchschreiben gezielt gefördert werden.

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