Magersucht, Bulimie, Binge Eating Disorder

Essstörungen: Unterschiede und Gemeinsamkeiten der drei Formen

Die einen essen fast gar nichts mehr, die anderen so viel, dass sie massiv übergewichtig werden oder hinterher alles erbrechen. Gemeinsam ist allen Esstörungen, dass es sich um gefährliche seelische Krankheitenhandelt.

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Gefährlich: Viele junge Frauen eifern superschlanken Vorbildern aus der Modewelt nach.
Thinkstock

Es gibt drei verschiedene Formen von Essstörungen: Magersucht (Anorexia nervosa), die Ess-Brech-Sucht Bulimie (Bulimia nervosa) sowie die sogenannte Binge-Eating-Störung , auch Binge Eating Disorder genannt, eine Ess-Sucht mit regelmäßigen Heißhungeranfällen.

Falsche Schönheitsideale stecken häufig hinter Magersucht

In der Glitzerwelt der Stars gelten hervorstehende Knochen als Schönheitsideal – gerade junge Mädchen eifern dem nach. Sie sind am häufigsten von Magersucht betroffen, die jedoch jede Altersgruppe und auch Männer treffen kann.

Selbst wenn sie nur noch Haut und Knochen sind, fühlen sich Magersüchtige zu dick und haben panische Angst zuzunehmen: Sie essen nur winzige Mengen, nehmen oft Appetitzügler, Abführ- oder Entwässerungsmittel ein. Die strenge Selbstkontrolle vermittelt ihnen die Illusion von Stärke.

Das niedrige Gewicht kann den Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt stören, Organfunktionen beeinträchtigen und den Blutdruck gefährlich senken – alles lebensbedrohliche Faktoren. Deshalb endet Magersucht oft tödlich: Etwa jeder zehnte Patient stirbt. 60 Prozent der Magersüchtigen bekommen im Laufe der Zeit Essattacken, die sie durch Erbrechen wieder ungeschehen machen wollen. Bei 20 bis 30 Prozent der Magersüchtigen entwickelt sich eine bulimische Essstörung.

Regelmäßig unkontrollierbare Essattacken

Menschen, die an Ess-Brech-Sucht leiden, erleben regelmäßig unkontrollierbare Essattacken. Sie schlingen große Mengen an fett- und zuckerreichen Lebensmitteln in sich hinein. Anschließend versuchen sie, die Kalorien wieder loszuwerden und erbrechen sich. Betroffene schämen sich für ihr Verhalten und ziehen sich zurück, damit andere nichts mitbekommen. Depressionengehören zu den seelischen Folgen. Das häufige Erbrechen schadet Magen, Speiseröhre und Zahnschmelz. Rund ein Prozent stirbt an den Folgen der Bulimie.

Binge Eating bedeutet soviel wie „herunterschlingen“. Mindestens zweimal pro Woche essen Betroffene wie unter Zwang große Mengen. Anders als bei der Bulimie ergreifen sie aber keine Gegenmaßnahmen nach den Essanfällen. Deshalb ist Binge Eating meist mit Fettleibigkeit verbunden: Herz, Kreislauf, Stoffwechsel, Gelenke und Wirbelsäule werden durch das starke Übergewicht geschädigt.

Essstörungen haben stets psychische Ursachen

Alle Essstörungen sind eine psychische Erkrankung. Mit dem extremen Essverhalten versuchen Betroffene, Gefühle wie Wut, Angst, Traurigkeit oder Zweifel zu verdrängen oder gegen Spannungen und Konflikte in der Familie zu protestieren. Ohne professionelle Hilfe finden die Betroffenen keinen Ausweg aus der Krankheit.

Bei der Behandlung arbeiten Fachleute aus den Bereichen Medizin, Ernährungstherapie sowie Psychotherapiezusammen. Meist beginnt die Behandlung mit einem Klinikaufenthalt zwischen drei Wochen und sechs Monaten und wird ambulant fortgesetzt.

Wesentliche Punkte jeder Essstörungstherapie sind: Gewichtszu- bzw. -abnahme, Behandlung körperlicher Komplikationen, Ernährungsberatung, Psychotherapie, Angehörigenberatung sowie die Behandlung von Störungen, die zusätzlich während der Essstörung aufgetreten sind.

Nützliche Adressen

Eine bundesweite Adress-Datenbank von Stellen zur Beratung, Behandlung und Information zu Essstörungen findet sich auf www.bzga-essstoerungen.de. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet unter Telefon 0221/892031 auch anonyme Telefonberatung.

Professionelle Hilfe bekommen Betroffene und Angehörige außerdem beim Bundesfachverband Essstörungen e.V. Auf dessen Seiten findet man zum Beispiel Kontaktdaten von ambulanten Beratungs- und Therapieeinrichtungen, psychosomatischen Fachkliniken, therapeutischen Wohngruppen und psychotherapeutischen Praxen für Essstörungen.

Autor:
Letzte Aktualisierung:30. September 2013
Durch: sw

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