Suchtprävention

Alkohol: Zwischen Genuss und Sucht

Schätzungen zufolge sind rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland der Sucht nach Alkohol erlegen. Alkoholiker fügen nicht nur sich, sondern auch ihrem sozialen Umfeld Schaden zu. Die meisten suchen erst dann Hilfe, wenn gravierende Probleme entstanden sind und der Leidensdruck übermächtig wird.

Alkohol-Zwischen-Genuss-und-Sucht-99951191.jpg
Alkohol: Zwischen Genuss und Sucht liegt ein Unterschied
Getty Images/Hemera

Bei vielen gesellschaftlichen Anlässen gehört Alkohol mit dazu. Solange jemand nicht ausfällig wird, werden Rauschzustände meist toleriert. Wegen seiner entspannenden und angstlösenden Wirkung wird Alkohol zudem oft in Belastungssituationen getrunken. In geringen Mengen wirkt Alkohol anregend auf das zentrale Nervensystem, bei höherer Dosierung dämpfend, wer regelmäßig trinkt, dem droht die Alkohol-Anhängigkeit, die Sucht.

Nach dem Konsum größerer Mengen Alkohol werden komplexe Denkprozesse, sowie Sprache und Wahrnehmung beeinträchtigt. Zudem können Koordinationsstörungen und Gedächtnisverlust auftreten. Manche Menschen werden in diesem Stadium depressiv, andere gewalttätig.

Bei gewohnheitsmäßigen Trinkern ist fast jedes Organ in Mitleidenschaft gezogen. Vor allem die Leber wird angegriffen, aber auch Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse und das Herz-Kreislaufsystem. Alkohol schädigt das Immun- und Nervensystem sowie die Körperzellen und verursacht Vitaminmangel.

Bei jedem Rausch sterben Gehirnzellen ab. Nach lang anhaltender Alkohol-Sucht kann es deshalb zu Denk- und Gedächtnisstörungen kommen. Außerdem gewöhnt sich der Körper an die Alkoholzufuhr. Im schlimmsten Fall reagiert er auf einen plötzlichen Alkoholentzug mit Delirium tremens: Der Patient zittert, sein Bewusstsein ist getrübt und Halluzinationen treten auf. Außerdem besteht die Gefahr von Kreislaufkollaps und Krampfanfällen.

Fließender Übergang vom Alkohol-Genuss zur Sucht

Da die Werte von Person zu Person schwanken, können keine allgemeingültigen Grenzwerte für eine schädliche tägliche Alkoholdosis festgesetzt werden. Bei Frauen gehen Wissenschaftler hier von zehn Gramm reinem Alkohol aus. Für Männer gilt die doppelte Menge. 0,433 Liter Bier enthalten etwa dreizehn Gramm reinen Alkohol, 0,125 Liter Wein (ein Achtel) etwa elf Gramm und 0,1 Liter Sekt etwa neun Gramm Alkohol.

Der Übergang vom Alkoholgenuss zur Alkohol-Sucht verläuft oft fließend. Für den einen fängt der Missbrauch bereits bei einem Glas Bier oder Wein gegen den Tagesfrust an. Für den anderen erst bei einem Vollrausch mit Filmriss. Nicht jeder Mensch wird bei einem hohen Alkoholkonsum über längere Zeit hinweg unbedingt abhängig. Bisher ist noch nicht eindeutig geklärt, warum manche Menschen alkoholkrank werden und manche nicht. Zu den Ursachen von Sucht gibt es unterschiedliche Annahmen. Allerdings gibt es einige typische Verhaltensweisen, die auf eine Alkohol-Sucht hindeuten:

  • Sie trinken, um Spannungen oder Ängste abzubauen oder Probleme zu vergessen.
  • Sie empfinden ein kaum oder nicht bezwingbares Verlangen nach Alkohol.
  • Ihr Denken kreist ständig um Alkohol, Gespräche darüber werden aber vermieden.
  • Es gibt eine Toleranzentwicklung, das heißt die Alkoholdosis muss zunehmend gesteigert werden, damit die gewünschte Wirkung erzielt wird.
  • Jede Krankheitseinsicht fehlt.
  • Es gibt Gedächtnislücken in Verbindung mit dem Rausch.
  • Sie trinken heimlich.
  • Andere Tätigkeiten oder Interessen werden zugunsten des Alkoholkonsums vernachlässigt; Leistungsabfall ist die Folge.
  • Sie verlieren die Kontrolle über die getrunkene Menge und den Zeitraum des Alkoholkonsums (Zwang zum Weitertrinken).
  • Sie leiden unter Entzugssymptomen wie innerer Unruhe oder Zittern der Hände.
  • Sie trinken trotz nachgewiesener schädlicher Folgen weiter.

Alkohol-Entzug erst bei großem Leidensdruck

Meist ist der Abhängige erst unter größtem Leidensdruck zu einem Entzug von seiner Alkohol-Sucht bereit. Zu groß ist die Angst, ohne Alkohol ins Leere zu fallen. Zudem können die meisten Alkoholiker ihre Krankheit nur sehr schwer akzeptieren.

Die Entgiftung sollte unter ärztlicher Aufsicht zum Beispiel in einer geschlossenen Entzugsstation erfolgen. Dort werden die schlimmsten Entzugserscheinungen mit Hilfe von Medikamenten gelindert.

Problematischer und vor allem länger anhaltend ist der psychische Entzug. Der Betroffene muss sein ganzes Leben neu ordnen. Hier kann eine mehrmonatige stationäre Entwöhnungsbehandlung helfen: Hier wird versucht, die Alkohol-Sucht als eine Reaktion des Betroffenen auf verschiedene Stimmungen, Bedürfnisse und Erlebnisse durch neue Verhaltensweisen zu ersetzen.

Anschließend kann der Beitritt in eine Selbsthilfegruppe sehr hilfreich sein. Der Betroffene erhält hier die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten über seine Probleme und Ängste zu sprechen.

Ein häufiges Phänomen bei Alkoholismus ist, dass die ganze Familie in das Alkoholproblem mit hineingezogen wird. Die Angehörigen haben Angst, dass die Familie auseinanderbricht oder die Abhängigkeit bekannt wird. Deshalb versuchen sie die negativen Konsequenzen der Sucht von dem Betroffenen fernzuhalten und seinen Alkoholkonsum zu kontrollieren.

Damit wird zwar das intakte Familienbild eine Zeit lang aufrechterhalten, aber gleichzeitig die Alkohol-Sucht des kranken Familienmitgliedes unterstützt. Hier ist es wichtig, dass die Familie den Betroffenen nicht länger vor den Konsequenzen schützt. Erst dann wird dem Suchtkranken bewusst, dass er ein Problem hat und möglicherweise Hilfe braucht, um sich von seiner Sucht zu befreien.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 28. September 2007
Quellen: Springer Medizin, Robert Koch-Institut (Hrsg.): Bundes-Gesundheitssurvey: Alkohol – Konsumverhalten in Deutschland, http://www.gbe-bund.de/gbe10/owards.prc_show_pdf?p_id=12512&p_sprache=D (Download vom 18.01.2011)

Meistgeklickt zum Thema
Schon Blutdruck 140/90 schadet dem Gehirn
Hohes Demenzrisiko

Welt-Hypertonie-Tag: Leicht erhöhter Blutdruck lässt das Hirn im Zeitraffer altern mehr...

Zehn schnelle Tipps für die Gesundheit
Gesund leben

Die meisten Rezepte für die Gesundheit brauchen viel Zeit. Es geht auch schneller mehr...

So werden Sie hundert Jahre alt
Gesund leben

Heiraten, Beten, Sport treiben, Verzeihen - 15 einfache Tipps für ein langes, gesundes Leben mehr...

Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang