Nikotin-Mythen

Fünf Gerüchte über das Rauchen

Ein paar Zigaretten täglich schaden doch nicht, kaum ein Raucher stirbt an seiner Sucht und Light-Zigaretten sind für Gesundheitsbewusste? Alles Humbug! Wir entkräften einige Irrtümer rund um die Nikotinsucht und zeigen auf, was wahr ist.

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Ein Raucher wird nie zum Nichtraucher, sondern höchstens zum Ex-Raucher - und auch das selten genug.
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Süchtige neigen dazu, sich die Dinge so zurechtzulegen, dass ihre Abhängigkeit weniger dramatisch erscheint. Das erleichtert ihr Gewissen, erschwert aber zugleich den Ausstieg aus der Sucht. Wer kennt nicht Raucher-Sprüche wie "Irgendein Laster braucht der Mensch" oder "Ich könnte jederzeit aufhören, aber ich will nicht"? Das nächste Mal können Sie dagegenhalten – mit unserem Faktencheck der gängigsten Mythen über das Rauchen.

1. „Bis zu drei Zigaretten täglich schaden nicht.“

Falsch: Jede Zigarette führt im Schnitt zu etwa 30.000 Erbgut-Schäden oder DNA-Mutationen. Der Löwenanteil davon wird zwar repariert. Eine manifestierte Mutation an einer speziellen Stelle des Genoms aber reicht aus, um Krebs entstehen zu lassen.

Rein rechnerisch mutet ein Raucher seinem Erbgut pro 15 Zigaretten einen solchen bleibenden Schaden zu. Mit den bekannten Konsequenzen: Jeder vierte Raucher stirbt an den Folgen seiner Sucht – etwa Lungen-, Kehlkopf-, Rachen- oder Zungenkrebs. In Deutschland rafft die Nikotinabhängigkeit so jährlich 110.000 Menschen dahin.

Natürlich gibt es den 90-jährigen Kettenraucher, von dem Tabaksüchtige so gern erzählen. Aber er ist eine Ausnahmeerscheinung und selbst ohne Krebs nicht gesund. Gerade Frauen greifen in den vergangenen Jahren verstärkt zur Zigarette und richten im eigenen Körper verheerende Schäden an – von chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) wie Raucherhusten bis hin zu tödlichen Tumoren.

2. „Von der Nikotinsucht loszukommen, ist einfach.“

Ganz im Gegenteil! Die Rückfallquote unter Ex-Rauchern ist extrem hoch. Nicht einmal fünf Prozent der Aufhörer schaffen es Studien zufolge, ein Jahr lang Nichtraucher zu bleiben. Der körperliche Entzug von dem Nervengift Nikotin dauert zwar gerade einmal eine bis drei Wochen, dann befinden sich die Nikotinrezeptoren im Gehirn wieder auf Ausgangsniveau.

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Wer früh das Rauchen anfängt, erhöht sein Krebsrisiko massiv. Aufhören dagegen lohnt sich in jedem Alter.

Viele Ex-Raucher berichten aber davon, dass sie noch Jahre nach dem Aufhören sehnsüchtig an Zigaretten denken – häufig sogar täglich. Kein Wunder, denn viele Raucher verknüpfen die Nikotinaufnahme mit anderen angenehmen Ritualen wie Pausen mit Freunden und kommen entsprechend schwer davon los. Hier kann sogar eine Psychotherapie helfen. Nikotinpflaster, -sprays und –kaugummis lindern ebenfalls nur die Symptome des körperlichen Entzugs. An ihrem Verhalten im Alltag müssen die ehemaligen Raucher selbst feilen.

3. „Light-Zigaretten und Tabak ohne Zusätze sind gesünder als normale Kippen.“

Ein klares Nein, was Light-Zigaretten angeht – genau deshalb sind Kennzeichnungen wie „Light“ oder „mild“ auf Zigarettenpackungen mittlerweile verboten. Denn sie suggerieren dem Käufer, er schade seiner Gesundheit damit weniger als mit herkömmlichen Zigaretten.

Zwar steckt in Light-Zigaretten meist weniger Nikotin und Teer. Allerdings enthält der Rauch jeder Zigarette bis zu 12.000 verschiedene chemische Stoffe. Darunter befinden sich auch solche, die die Aufnahme von Nikotin in den Körper verbessern und damit das Suchtpotenzial erhöhen. Selbst im Zigarettenpapier verbergen sich mitunter Zusatzstoffe, die ihrerseits das Krebsrisiko erhöhen können.

Die massiv beworbenen „natürlichen“ Zigaretten kommen ohne Menthol, Ammoniumchlorid, Schellack, Karamell, Melasse und all die anderen Zusatzstoffe aus, die das Rauchen meist angenehmer und ein tieferes Inhalieren möglich machen. Auch Zigaretten ohne Zusatzstoffe rufen allerdings die Krebs auslösenden Mutationen im Erbgut hervor und machen hochgradig süchtig.

4. „Wer mit dem Rauchen aufhört, nimmt zu.“

Das stimmt, leider, zu einem gewissen Grad. Nikotin zügelt den Appetit, darüber hinaus haben starke Raucher einen um rund 200 Kalorien erhöhten Grundumsatz. Um nicht in die Kilofalle zu tappen, sollten Raucher sich gesunde Ersatzbefriedigungen schaffen, etwa einen Apfel pro Tag oder ein kleines Glas Wasser, das die Pausen füllt. Im Vergleich zum gesundheitlichen Geschenk des Nichtrauchens sind ein paar Kilo Gewichtszunahme kein Weltuntergang. Der Umkehrschluss „Rauchen macht schlank" stimmt übrigens nicht.

5. „Rauchen entspannt.“

Nein, Nikotin wirkt vielmehr stimulierend und fördert zum Beispiel die Ausschüttung von Adrenalin, das Puls und Blutdruck erhöht. Wenn ein Raucher durch das Inhalieren von Tabakrauch Entspannung verspürt, liegt das wohl vielmehr daran, dass Nikotin das Belohnungszentrum im Gehirn anspricht.

In zehn Schritten zum Nichtraucher

Autor:
Letzte Aktualisierung: 31. Mai 2015
Quellen: Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums zu Nikotin und Tabak: http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2005/dkfz_pm_05_15.php; http://www.dkfz.de/de/rauchertelefon/download/FzR_Nikotin.pdf; BzgA-Mitteilung zu rauchenden Frauen: http://www.frauengesundheitsportal.de/themen/rauchen-tabak/mehr-zum-thema-tabak-rauchen/

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