So leben Sie mit Allergien

Alltagstipps für Allergiker

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Bei Allergie sollte man den Kontakt mit dem Allergen vermeiden. Doch es gibt noch weitere, praktische Hilfen.
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Eine zentrale Strategie von Allergikern besteht darin, den Kontakt mit dem Allergen möglichst zu meiden. Doch häufig ist das leichter gesagt als getan. Wir haben Tipps für den Alltag.

Die beste Maßnahme für Allergiker ist es natürlich, jeglichen Kontakt mit dem allergieauslösenden Stoff zu vermeiden, damit das Immunsystem gar nicht erst überempfindlich reagieren kann. Das gestaltet sich im Alltag jedoch häufig schwierig. Viele Allergene sind nicht zu erkennen – beispielsweise Pollen- oder Milbenallergene in der Luft. Daher muss man wissen, dass die Luft belastet ist, um ihnen aus dem Wege gehen zu können. Und Nahrungsmittelallergene setzen beispielsweise eine gute Kenntnis der Kennzeichnungspflicht von Nahrungsmitteln voraus, um sie zuverlässig meiden zu können. Doch es gibt einige allgemein Tipps, die Allergiker im Alltag beherzigen können.

Diäten individuell abstimmen

Die Nahrungsmittelallergie ist gerade bei Kindern die wichtigste Ursache für einen anaphylaktischen Schock, die lebensbedrohliche Maximalvariante der allergischen Reaktion. Vor allem versteckte Allergene, etwa Spuren von Erdnussallergenen in Süßigkeiten oder Schokolade, bergen bei schweren Allergien ein großes Risiko. Ob wirklich eine strenge Diät nötig ist, hängt jedoch von der Art der Nahrungsmittelallergie und der Schwere der Symptome ab.

Daher sollten entsprechende Diäten individuell auf die Diagnose des Allergikers abgestimmt und durch den behandelnden Arzt sowie eine allergologische Ernährungsfachkraft begleitet werden, um einseitige Ernährung zu vermeiden. Darüber hinaus ist eine umfassende Aufklärung wichtig, wie man Etiketten auf Lebensmitteln liest, um einen unbewussten Allergenkontakt möglichst zu verhindern. Für Kleinkinder mit Kuhmilcheiweißallergie gibt es spezielle Flaschennahrung, damit Eltern bei ihnen vollständig auf Kuhmilch und kuhmilchhaltige Produkte verzichten können und die Kinder dennoch alle notwendigen Nährstoffe erhalten.

Flucht vor den Pollen

Pollen-Allergiker (Heuschnupfen)sollten in Zeiten, in denen die Pollen fliegen, auf die sie allergisch reagieren, blühende Wiesen und Wälder möglichst meiden. Der Pollenflugkalender und tägliche Pollenflugvorhersagen erleichtern die Planung und das Einordnen der Beschwerden. Auch durch eine geschickte Wahl von Urlaubszeit und -ort, beispielsweise durch Reisen während der Pollensaison auf deutsche Nord- und Ostseeinseln bzw. ins Hochgebirge, können sie vor den Pollen fliehen.

In der Wohnung empfiehlt es sich, während der Pollensaison nur kurz und möglichst zu Zeiten der geringsten Allergenbelastung zu lüften. In der Stadt ist dies morgens und vormittags, auf dem Land hingegen erst abends. Auch durch Regen wird die Pollenkonzentration verringert. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, an den Fenstern spezielle Pollenschutzgitter anzubringen.

Mehr lesen: Was Ärzte Pollenallergikern raten

Spezialüberzüge fürs Bett

Reagiert der Allergiker auf Hausstaubmilben, wird als spezielle Maßnahme ein Überzug für Bettdecken und Matratzen empfohlen (Encasing). Außerdem sollten die Bettwäsche alle zwei Wochen und das Bettzeug, also Decke und Kissen, alle sechs Wochen bei mindestens 60 Grad Celsius gewaschen werden. Auch tägliches Ausschütteln und Auslüften empfiehlt sich.

Alle Staubfänger, insbesondere Teppiche und schwere Vorhänge, sind zu vermeiden. In einem kühlen, gut gelüfteten Raumklima um 15 Grad Celsius fühlen sich Milben überhaupt nicht wohl. Daher sollten Allergiker für regelmäßige Stoßlüftung und kühle Raumtemperatur sorgen, die relative Luftfeuchtigkeit sollte unter 50 Prozent liegen. In Einzelfällen können auch bestimmte Feinfilter-Staubsauger und eine chemische Milbenreduktion zum Einsatz kommen. Bei Kindern mit Milbenallergie können nicht waschbare Stofftiere für rund 24 Stunden in das Gefrierfach oder die Gefriertruhe gelegt werden, um die Milben zu bekämpfen.

Ausführlich: So bekämpfen Sie Milben

Auf versteckte Tierhaare achten

Wenn Tierallergene als Auslöser einer Allergie nachgewiesen sind, dann ist es – so schwer es für den Allergiker auch ist – am sinnvollsten, das Haustier wegzugeben. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Beschwerden verschlimmern. Haben Freunde oder Verwandte Tiere, gegen die eine Allergie besteht, sollte sich der Betroffene möglichst nicht bei ihnen zu Hause, sondern an einem anderen Ort mit ihnen treffen. Darüber hinaus sind auch versteckte Tierhaare zu beachten, etwa in Rosshaarmatratzen, Pelzmänteln, Tierhaarteppichen oder Polsterfüllungen.

Keine Hektik bei Insekten

Insektengifte sind neben Medikamenten die häufigsten Auslöser von anaphylaktischen Reaktionen (Anaphylaktischer Schock) bei Erwachsenen. Auch wenn Insektenallergiker daher oft Angst vor einem Stich haben, sollten sie unbedingt ruckartige Bewegungen oder Schläge gegen ein Insekt vermeiden. Eng am Körper anliegende Kleidung in dezenten Farben sowie Bedeckung von Armen und Beinen können von Vorteil sein. Im Sommer sollten Allergiker möglichst nicht barfuß laufen und idealerweise Fliegengitter an Fenster und Türen anbringen.

Da Insekten Düfte und Haarspray lieben, empfiehlt es sich, hiermit zurückhaltend umzugehen. Insektennester, aber auch Fallobst oder Abfallbehälter, sind beliebte Anlaufstellen für Insekten und daher unbedingt zu meiden. Kinder sollten ihre süßen Getränke mit einem Strohhalm trinken und vorher einen Blick ins Glas werfen. Diese kleinen Maßnahmen können lebensrettend sein.

Weitere Tipps, wie Sie sich vor Insektenstichen schützen können und welche Hausmittel helfen finden Sie hier.

Impfen trotz Allergie?

Impfungen sind ein wichtiger Schutz vor Infektionserkrankungen, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Das gilt auch, wenn diese eine Allergie haben. Eltern von betroffenen Kindern sorgen sich oft wegen der Verträglichkeit, doch diese Sorge ist überwiegend unbegründet.

Bestimmte Impfungen sind gerade für Kinder mit Allergien besonders wichtig. Eine generelle Gegenanzeige gegen eine Impfung bei einem Allergiker besteht nur, wenn eine bekannte Allergie gegen eine Substanz vorliegt, die in dem jeweiligen Impfstoff enthalten ist.

Ausführliche Informationen zum Thema Impfen trotz Allergien

Grundsätzlich raten Experten jedoch,  übertrieben und unnötig vorsichtig zu sein. Im schlimmsten Falle könnte dies die Gesundheit schädigen. Viele Aussagen und Ratschläge zu Allergien beruhen auf schlichtweg falschen Informationen und Vorstellungen. Lesen Sie hier mehr über die größten Allergie-Mythen.

13 Heuschnupfen-Mythen: wahr oder falsch?

 

Autor:
Letzte Aktualisierung: 13. Januar 2017
Durch: es
Quellen: Nach Informationen von Klinikleitfaden Dermatologie (2003) und Weißbuch Allergie in Deutschland (2004); Kuhmilcheiweißallergie - immer noch zu selten erkannt. In: Allergo Journal 8 (2009), S. 586-588; Leitlinie zu Therapiemöglichkeiten bei der IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergie. In: Allergo Journal 19 (2010), S. 187-195; Schwere Anaphylaxie nach Wespenstich ist häufig keine Eintagsfliege. In: Ärzte Zeitung online: 26.08.2009. URL: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/allergien/article/559642/schwere-anaphylaxie-nach-wespenstich-haeufig-keine-eintagsfliege.html; Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst: www.pollenstiftung.de (Stand 20.7.2010); Füller I.: Allergien - Diagnose, Vorbeugung, Behandlung. Berlin: Stiftung Warentest, 2007

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