Schweregradbestimmung der Psoriasis
PASI
Um vor allem in Studien die Wirksamkeit von Therapien zuverlässiger beurteilen zu können, haben Forscher den "Psoriasis Area and Severity Index" (PASI) entwickelt. Ausdehnung und Schwere der Hautveränderungen bilden die Grundlage zur Errechnung eines Wertes, der eine Aussage über den Schweregrad der Erkrankung ermöglicht. Heute findet der Index auch in der täglichen Praxis zunehmend Anwendung.
Stellt sich ein Psoriasis-Patient bei einem erfahrenen Facharzt vor, wird dieser durch eine ausführliche Befragung und körperliche Untersuchung erfassen, welcher Typ der Psoriasis vorliegt und an welchen Körperstellen die Psoriasis-Herde lokalisiert sind. Zudem werden ihn das Ausmaß der Hautveränderungen, der Verlauf der Erkrankung und mögliche Begleiterkrankungen interessieren. Diese Informationen hält er in der Regel zusammen mit Angaben zur Therapie, zum Verlauf während der Therapie und gegebenenfalls zum Abschlussbefund in der Krankenakte fest.
Insbesondere für wissenschaftliche Studien, in denen die Wirksamkeit von Medikamenten ermittelt wird, ist diese Form der Dokumentation jedoch nicht optimal, weil die persönliche Erfahrung des Arztes einen großen Einfluss auf die Bewertung hat. Und auch im Klinik- oder Praxisalltag kann beispielsweise die Beurteilung einer Therapie Schwierigkeiten bereiten, da Ausmaß und Verlauf der Psoriasis nicht nur von Patient zu Patient, sondern auch von Schub zu Schub teilweise erheblich variieren.
Aus diesem Grund sind inzwischen verschiedene Messinstrumente entwickelt worden, die eine objektivere Beurteilung des jeweiligen Schweregrades der Psoriasis ermöglichen sollen. Das Verfahren muss einfach und eindeutig sein, damit es beispielsweise auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten während einer Behandlung vergleichend eingesetzt werden kann.
Wie errechnet der Arzt den PASI-Wert?
Am weitesten verbreitet ist derzeit der so genannte PASI (Psoriasis Area and Severity Index) aus dem Jahre 1978. Er berücksichtigt das Ausmaß der betroffenen Hautfläche und die Schwere der Hautveränderungen.
Bei der Beurteilung erfolgt eine Einteilung des Körpers in die vier Regionen:
- Kopf (K)
- Arme = obere Extremitäten (oE)
- Körper-)Stamm (St)
- Beine = untere Extremitäten (uE)
1. Einschätzung des Flächenanteils
Für jede dieser vier Regionen wird zunächst auf einer 7-Punkte-Skala angegeben, wie groß der Anteil der Hautfläche ist, auf der sich Psoriasis-Herde befinden:
- 0 = keine Beteiligung des Körperabschnitts
- 1: <10%
- 2: 10 bis <30%
- 3: 30 bis <50%
- 4: 50 bis <70%
- 5: 70 bis <90%
- 6: 90 bis 100%
Betreffen die Veränderungen beispielsweise an den Armen die Hälfte der Haut (50%), ergibt sich ein Flächen-Wert (A) von AoE = 3.
- der Rötung (Erythem, E),
- der Schuppung (Desquamation, D) und
- der Dicke des Herdes (Induration, I)
2. Beschreibung des Psoriasis-Herdes
Anschließend nimmt der Arzt - wieder für jede Region einzeln - eine dermatologische Begutachtung der Psoriasis-Herde vor.Dabei bewertet er jeweils das Ausmaß
Die Bewertung erfolgt anhand einer 5-Punkte-Skala:
- 0: nicht vorhanden
- 1: leicht
- 2: mäßig
- 3: stark
- 4: sehr stark
EK = 2 steht demnach für eine mäßige Rötung im Bereich des Kopfes.
3. Errechnung des PASI-Wertes mithilfe einer Formel
Der PASI-Wert ergibt sich aus einer Rechenformel, in welche die vier Parameter (A, D, I, E) für jede der vier Körperregionen (K, oE, St, uE) einfließen. Diese werden mit einem Faktor korrigiert, der den prozentualen Anteil der jeweiligen Körperregion an der Gesamtoberfläche berücksichtigt (Korrekturfaktoren: Kopf: 0,1, obere Extremitäten: 0,2, Stamm: 0,3, untere Extremitäten: 0,4).
Der Regionsindex, also der Index für die einzelnen Körperabschnitte, berechnet sich zunächst wie folgt:
- K = 0,1 x (EK + IK + DK) x AK
- oE = 0,2 x (EoE + IoE + DoE) x AoE
- St = 0,3 x (ESt + ISt + DSt) x ASt
- uE = 0,4 x (EuE + IuE + DuE) x AuE
Summiert man diese vier Werte, ergibt sich schließlich der PASI-Wert:
PASI-Wert = K + oE + St + uE
Auswertung des PASI: Leichte, mittelschwere, schwere Erkrankung
Der berechnete Wert liegt in 0,1er-Schritten zwischen 0 und 72. Werte von 50 oder darüber gelten als schwere Erkrankung, Werte zwischen 10 und 50 werden als mittelschwere Erkrankung eingestuft und bei Werten von 10 Punkten oder darunter gehen Ärzte von einer leichten Form der Erkrankung aus.
Bei Anwendung des PASI erzielen geübte Ärzte in der Regel so zuverlässige Werte, dass diese - wiederholt bestimmt - für die Dokumentation des individuellen Verlaufs genauso herangezogen werden können, wie für den Vergleich mit anderen Patienten. Daher kommt der Index häufig in klinischen Studien zu Einsatz. Auch im Klinik- oder Praxisalltag wird er zunehmend angewendet, weil er Hinweise auf die Notwendigkeit und das Ansprechen einer Behandlung liefern und dem Arzt daher Therapieentscheidungen erleichtern kann.
Schwächen des PASI
Als eine Schwäche des PASI wird gewertet, dass er die subjektive Auswirkung der Erkrankung auf den Patienten, die individuell sehr unterschiedlich sein und zum Teil erhebliche Ausmaße annehmen kann, nicht berücksichtigt wird. Der Leidensdruck und der Einfluss auf die Lebensqualität empfindet jeder Betroffene anders. Diese wichtigen Merkmale werden vom PASI nicht erfasst. Aus diesem Grund gibt es derzeit Bestrebungen, neue Messinstrumente zu entwickeln, die zum Teil auch die Lebensqualität berücksichtigen. Darüber hinaus kann die Lebensqualität jedoch bereits heute zusätzlich mithilfe spezieller Fragebogen erfasst werden, etwa dem "Dermatologischen Lebensqualitäts-Index" (DLQI).





