Gewichtszunahme nach dem Aufhören?
Nichtraucher: Speckröllchen nicht zwingend
Viele Raucher ärgern sich über ihren täglichen Griff zur Zigarette. Doch bleiben sie ihrer Gewohnheit häufig aus Furcht vor einer drastischen Gewichtszunahme treu. Besonders Mädchen beginnen laut einer US-Studie des National Heart, Lung, and Blood Institute oft überhaupt erst mit dem Rauchen, weil sie hoffen, auf diese Weise schlank zu werden.
Hat Tabakkonsum wirklich so großen Einfluss auf die Figur? So viel steht fest: Zigaretten sind kein Schlankheitsmittel. Jugendliche, die mit dem Rauchen anfangen, weil sie abnehmen möchten, werden meistens enttäuscht. Dies hat eine Studie der Universität in Memphis (Tennessee/USA) mit fast 4.000 Teilnehmern zwischen 18 und 30 Jahren gezeigt. Dennoch bestätigte auch diese Untersuchung: Wer bereits raucht und die liebgewonnene Gewohnheit aufgibt, nimmt häufig zu.
Die Gründe für zusätzliche Pfunde nach einem Rauchstopp hängen vor allem mit dem veränderten Stoffwechsel zusammen:
- Zigarettenkonsum beschleunigt Blutdruck, Herzfrequenz und Darmtätigkeit. Das erhöht den Energieverbrauch - nach dem Rauchstopp fällt er jedoch wieder auf ein normales Niveau zurück.
- Rauchen aktiviert zusätzlich die Fettoxidation
- Die Tabakinhaltstoffe bewirken, dass die Körperzellen nicht so schnell auf Insulin ansprechen (Insulinresistenz). Die Zellen werden somit nur beschränkt zur Herstellung von körpereigenem Fett stimuliert, erklärt Prof. Knut-Olaf Haustein vom Fritz-Lickint-Institut für Nikotinforschung und Raucherentwöhnung in Erfurt.
Außerdem haben die Tabakstoffe eine anti-östrogene Wirkung. Dem Gewebe einer Zigarettenkonsumentin wird darum mehr Wasser entzogen; auch bildet sie weniger Fette (Triglyceride, Cholosterin). "Das erklärt, warum Raucherinnen eine eher männliche Fettverteilung bekommen", sagt Haustein.
Diese physiologische Umstellung bewirkt bei vielen Ex-Rauchern eine Gewichtszunahme von 1-2 kg. Wer stark geraucht hat, muss eventuell mit einigen Pfunden mehr rechnen. Dramatisch steigt das Gewicht nur, wenn der ehemalige Tabakkonsument mehr Kalorien als zuvor zu sich nimmt. Eine gewisse Selbstdisziplin ist also gefordert, denn erschwerend kommt hinzu:
- Der Appetit und das Hungergefühl wird nicht mehr durch das Nikotin gehemmt
- Zusätzlich steigert ein verbesserter Geschmacks- und Geruchssinn den Appetit
- Viele Raucher belohnen sich mit Zigaretten - nach dem Rauchstopp treten an Stelle des Glimmstängels oft Süßigkeiten oder ein feines, mehrgängiges Menü am Abend
Nach Schätzung des Instituts für Raucherberatung und Tabakentwöhnung in München kommt es bei etwa zwei Dritteln der Ex-Raucher zu einer Gewichtszunahme von durchschnittlich 2,5 kg. "Besonders betroffen sind dabei Menschen, die bereits bei früheren Entwöhnungsversuchen zugenommen haben, die bereits übergewichtig sind oder zu großen Gewichtsschwankungen neigen." (kig)
Quellen:
Pressemitteilung vom 03.06.2002 der National Heart, Lung, and Blood Institute (NHLBI) in Memphis (Tennessee/USA); Journal of Consulting and Clinical Psychology (12/1998); BSMO-Gespräch mit Prof. Knut-Olaf Haustein vom Fritz-Lickint-Institut für Nikotinforschung und Raucherentwöhnung in Erfurt; Infotext Institut für Raucherberatung und Tabakentwöhnung in München






