Notfallsituation

Anaphylaktischer Schock

Nach dem Genuss eines Lebensmittels bleibt plötzlich die Luft weg oder ein Wespenstich führt zum Kreislaufversagen? Das können die schwerste Ausprägung einer Allergie sein, ein sogenannter anaphylaktischer Schock. Menschen mit erhöhtem Risiko sollten sich hierauf vorbereiten, beispielsweise in entsprechenden Schulungen.

Anaphylaktischer Schock
Ein Insektenstich kann ausreichen, um einen anaphylaktischen Schock auszulösen.

Ein anaphylaktischer Schock kann lebensbedrohlich und sehr Angst einflößend für den Betroffenen sowie Begleitpersonen sein. Ein kleiner Auslöser – ein Insektenstich, das falsche Nahrungsmittel – reicht aus, und innerhalb von Sekunden bis Minuten kommt es teilweise zu erheblichen Beschwerden, die gegebenenfalls den Ruf eines Notarztes erfordern. In den ersten drei Jahren des Anaphylaxie-Registers wurden 1.452 schwere anaphylaktische Reaktionen in Deutschland gemeldet. In 1.177 Fällen waren Erwachsene, in 275 Fällen Kinder betroffen. Die häufigsten Auslöser stellten bei Erwachsenen Insektengifte und Medikamente, bei Kindern hingegen Nahrungsmittel, vor allem Erdnüsse und Nüsse dar.

Anaphylaktischer Schock: Die Maximalvariante der Allergie

Die Anaphylaxie oder anaphylaktischer Schock ist die Maximalvariante der allergischen Typ-I- beziehungsweise Sofortreaktion, die als akute systemische Reaktion den gesamten Organismus erfassen und je nach Schweregrad mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen kann. Die Beschwerden betreffen die unterschiedlichsten Organsysteme (Haut, Magen-Darm-Trakt, Atemwege, Herz-Kreislauf-System) und sind unterschiedlich ausgeprägt. Sie reichen von starkem Juckreiz, Zungenbrennen und Brennen an den Handtellern sowie Fußsohlen über Hitzegefühl, Hautrötung, Nesselsucht und Atemnot bis hin zu Übelkeit, Krämpfen, Blutdruckabfall und Atem- sowie Kreislaufstillstand, dem sogenannten anaphylaktischen Schock.

Das Symptomenbild und der Schweregrad können bei einem Patienten von Anaphylaxie zu Anaphylaxie variieren. So reagiert er womöglich einmal auf einen Wespenstich mit leichtem Juckreiz an Handflächen und Fußsohlen, ein anderes Mal mit einer Nesselsucht am ganzen Körper und dann wiederum mit einem sofortigen anaphylaktischen Schock. Bei der Schwere der Symptome spielt eine Reihe von Faktoren eine Rolle. Hierzu gehören auch Anstrengung, Alkoholgenuss, Vorliegen einer Infektionskrankheit, Medikamenteneinnahme (zum Beispiel Aspirin, Betablocker), psychischer Stress oder gleichzeitiges Einwirken verschiedener Allergene.

Behandlung richtet sich nach Schweregrad des anaphylaktischen Schocks

Je nach Ausprägung werden beim anaphylaktischen Schock vier Schweregrade unterschieden, nach denen sich auch die Behandlung richtet. So kann bei einfachen Hautsymptomen die Behandlung mit H1-Antihistaminika ausreichen. Bei zunehmenden Symptomen des Herz-Kreislauf-Systems wird zusätzlich das sofortige Spritzen von Adrenalin in den Oberschenkelmuskel mithilfe eines speziellen Autoinjektors empfohlen. Bei lebensbedrohlichen anaphylaktischen Reaktionen ist unmittelbar der Notarzt zu verständigen. Doch auch bei glimpflich ablaufenden Anaphylaxien empfiehlt es sich immer, einen Arzt aufzusuchen.

Vorbeugende Maßnahmen sind wichtig

Daher sollten Patienten, die einmal eine anaphylaktischen Schock erlitten haben, sehr sorgfältig untersucht und umfassend über vorbeugende Maßnahmen aufgeklärt werden. Hierzu gehört, das Allergen zu meiden und einen Allergiepass sowie ein vom Arzt individuell zusammengestelltes Notfallset zur Selbstmedikation mit sich zu führen. Wie die Auswertung des deutschen Anaphylaxie-Registers zeigt, werden diese Empfehlungen allerdings noch zu selten befolgt. So wurde nur in zehn Prozent der gemeldeten Fälle ein Notfallset verwendet. Zudem erlitt immerhin ein Drittel der Betroffenen wiederholt anaphylaktische Reaktionen, sodass das Allergen vermutlich nicht konsequent genug gemieden werden konnte.

Um diese Situation zu verbessern, werden derzeit spezielle Schulungen für Patienten mit erhöhtem Anaphylaxierisiko und deren Angehörige entwickelt und bereits angeboten. In manchen Fällen (zum Beispiel bei Insektengiftallergie) ist zudem eine spezifische Immuntherapie möglich und sinnvoll, um das Anaphylaxierisiko zu reduzieren. Bei wiederholt auftretendem anaphylaktischen Schock sollten engmaschige Kontrolluntersuchungen und gegebenenfalls eine langfristige Therapie mit Antihistaminika erfolgen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 07. Februar 2015
Quellen: Ring, J.: Anaphylaxie – der Killer unter den Allergien. In: Allergologie 33 (2010)

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