Erste-Hilfe-Maßnahme

Reanimation: So funktioniert die Wiederbelebung im Notfall

Sei es zu Hause, in der Arbeit oder Freizeit: Es kann immer und überall passieren, dass eine bewusstlose Person Hilfe benötigt. Dann ist schnelles Handeln gefragt. Wie Sie bei der Reanimation vorgehen sollten und wie eine Herzdruckmassage funktioniert.

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Jedes Jahr haben in Deutschland mehr als 60.000 Menschen einen Herz- beziehungsweise Kreislaufstillstand außerhalb eines Krankenhauses. Die Überlebensrate liegt bei 10 Prozent. Das liegt auch daran, dass viele Ersthelfende sich nicht trauen, eine Reanimation durchzuführen. In lediglich 40 Prozent der Fälle wurde vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit einer Wiederbelebung begonnen. Dabei ist jede Hilfe besser als keine. Die Überlebenschance ist etwa zwei- bis dreimal höher, wenn Anwesende rasch handeln.

Artikelinhalte im Überblick:

Stabile Seitenlage: Anleitung in Bildern

Reanimation: Ablauf Schritt-für-Schritt

Die Basismaßnahmen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung lassen sich in folgende Schritte unterteilen:

Mann überprüft Atmung einer bewusstlosen Person
© Getty Images/lemono

1. Bewusstsein prüfen

Zunächst sollten Sie überprüfen, ob die Person ansprechbar ist:

  • Schütteln Sie die Person leicht, aber bestimmt an den Schultern und fragen Sie laut, ob alles in Ordnung ist.

  • Machen Sie umstehende Menschen auf die Situation aufmerksam und rufen Sie beispielsweise laut nach Hilfe.

  • Kontrollieren Sie die Atmung der Person. Bei einem Atemstillstand bewegt sich der Brustkorb nicht mehr und es sind weder Atemgeräusche hörbar, noch lässt sich ein Lufthauch spüren, wenn Sie Ihr Ohr nah über Mund und Nase der bewusstlosen Person halten.

Mann verständigt Notruf.
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2. Notruf verständigen

Wenn keine normale Atmung festgestellt werden kann, sollte unverzüglich der Notruf verständigt werden.

  • Wenn außer Ihnen jemand anwesend ist, bitten Sie die Person, den Notruf 112 zu wählen. Dann können Sie unverzüglich mit der Reanimation beginnen.

  • Sind Sie allein, rufen Sie den Notruf und befolgen die Anweisungen.

  • Versuchen Sie möglichst ruhig und eindeutig die wichtigen W-Fragen (Wo? Wer? Was? Wie viele?) zu beantworten.

  • Wenn möglich, schalten Sie die Freisprechanlage ein, legen Sie neben sich und bleiben mit der Notrufzentrale verbunden. So können diese Sie telefonisch bei der Erste-Hilfe unterstützen.

  • Bitten Sie weitere Anwesende, wenn möglich, einen Defibrillator zu holen.

Mann macht eine Herzdruckmassage bei bewusstloser Person.
© Getty Images/lemono

3. Herzdruckmassage durchführen

Nun sollten Sie schnellstmöglich mit der Herzdruckmassage beginnen.

  • Legen Sie eine Ihrer Hände mit dem Ballen in der Mitte des Brustkorbes auf und platzieren Sie die zweite Hand auf die erste.

  • Drücken Sie senkrecht von oben und mit durchgestreckten Armen fünf bis sechs Zentimeter tief, zweimal pro Sekunde (Frequenz von 100 bis 120 pro Minute). Als Hilfestellung: Das ist in etwa der Rhythmus des Bee-Gees-Songs "Stayin' Alive".

  • Wenn ein automatisierter externen Defibrillator (AED) vor Ort ist, sollten Sie diesen einschalten und den Anweisungen des Gerätes folgen. Unterbrechen Sie die Druckmassage erst, wenn der Defibrillator Sie dazu anweist.

  • Sie sollten so lange drücken, bis die Rettungskräfte eingetroffen sind und Sie aufgefordert werden, aufzuhören.

Wichtig: Sind mehrere Personen anwesend, können Sie sich mit der Herzdruckmassage abwechseln. Es sollte aber keine Pause entstehen. Wenn sich die Atmung der Person wieder normalisiert, sie aber weiterhin bewusstlos bleibt, legen Sie sie in die stabile Seitenlage .
Mann macht Mund-zu-Mund-Beatmung bei bewussloser Person.
© Getty Images/lemono

4. Beatmung (nur für geübte Ersthelfende)

Ersthelfende, die entsprechend trainiert sind, können die bewusstlose Person nach 30 Kompressionen durch Mund oder Nase beatmen:

  • Neigen Sie den Kopf des*der Betroffenen leicht nach hinten und heben Sie das Kinn der Person.

  • Für die Beatmung halten Sie mit Daumen und Zeigefinger die Nase des*der Betroffenen zu. Dann atmen Sie ein, umschließen mit Ihren Lippen den Mund der Person und beatmen sie etwa eine Sekunde lang. Blasen Sie gleichmäßig in den Mund und beobachten Sie, wie sich der Brustkorb hebt. Dann nehmen Sie Ihren Mund von dem der hilfsbedürftigen Person und warten, bis der Brustkorb wieder absinkt.

  • Atmen Sie erneut ein und blasen Sie wiederholt Luft in den Mund des*der Patient*in. Nach zwei effektiven Beatmungen fahren Sie mit der Herzdruckmassage fort. Diese sollte maximal zehn Sekunden unterbrochen werden.

  • Ist eine Mund-zu-Mund-Beatmung aufgrund von Verletzungen nicht möglich, kann alternativ eine Mund-zu-Nase-Beatmung angewendet werden. Dafür muss mit einer Hand der Mund geschlossen und mit den Lippen die Nase des*der Verletzten umschlossen werden.

Wichtig: Wer sich unsicher fühlt, sollte die Reanimation ohne Beatmung durchführen. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt Laien sogar ausdrücklich, auf die Mund-zu-Mund-Beatmung zu verzichten. Denn die Herzdruckmassage übernimmt bei der Wiederbelebung die wichtigere Funktion und ist deutlich leichter durchzuführen als eine Beatmung. Eine Ausnahme bilden beispielsweise Ertrinkungsunfälle. Dann erhöht eine zusätzliche Mund-zu-Mund-Beatmung die Überlebenschancen wesentlich.

Wann ist eine Reanimation notwendig?

Die Herz-Lungen-Wiederbelebung oder kardiopulmonale Reanimation ist die wichtigste Erste-Hilfe-Maßnahme bei einem Herzstillstand. Dazu kann es beispielsweise infolge eines Herzinfarktes oder einer Lungenembolie kommen. Die Pumpfunktion des Herzens gelangt zum Stillstand – und dadurch auch der Blutkreislauf.

Die Folge: Lebenswichtige Organe werden nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Die Zellen im Gehirn beginnen bereits nach etwa drei bis fünf Minuten abzusterben. Mithilfe der Herzdruckmassage beziehungsweise einer Defibrillation wird der Herzschlag auf manuelle Weise angeregt und der Blutkreislauf bleibt aktiv. So kann sichergestellt werden, dass lebenswichtige Organe weiterhin Sauerstoff erhalten.

Reanimation: Wie hoch ist die Überlebenschance?

Die meisten Herz-Kreislauf-Stillstände treten zu Hause auf und werden von Familienangehörigen oder Freunden beobachtet. Bis der Rettungsdienst eintrifft, vergehen im Durchschnitt acht Minuten. Vor allem in ländlichen Regionen dauert es meist wesentlich länger. Aber in jeder Minute, in der eine Person mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand nicht behandelt wird, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um etwa 10 Prozent.

Umso wichtiger ist es, dass auch medizinische Laien unverzüglich mit einer Herzdruckmassage beginnen und so das wichtige Zeitfenster bis zum Eintreffen der Rettungskräfte überbrücken. Schätzungsweise könnten in Deutschland so jedes Jahr 10.000 Leben gerettet werden.


Wie funktioniert die Reanimation bei Kindern und Säuglingen?

Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder oder Säuglinge können das Bewusstsein verlieren. In diesem Fall ist es ebenfalls wichtig, schnellstmöglich mit den richtigen Reanimationsmaßnahmen zu beginnen. Der Ablauf ist ähnlich wie bei Erwachsenen, es gibt jedoch ein paar Besonderheiten zu beachten:

  • Atmung überprüfen: Da bei Kindern häufig verschluckte Gegenstände der Grund sind, weshalb sie nicht mehr atmen, sollte sichergestellt werden, dass die Atemwege frei sind. Achtung: Den Kopf von Babys nicht überstrecken!

  • 5 x Atemspende: Vor Beginn der Herzdruckmassage sollten Sie Babys und Kinder fünfmal über Mund und Nase gleichzeitig beatmen. Ist eine Atemspende nicht möglich, erfolgt ausschließlich die Herzdruckmassage.

  • 30 x Herzdruckmassage: Nach den fünf Atemhüben drücken Sie das Brustbein 30-mal nach unten (Frequenz: 100- bis max. 120-mal pro Minute). Bei Säuglingen platzieren Sie hierzu zwei Fingerkuppen einer Hand auf dem unteren Drittel des Brustbeins und drücken etwa vier Zentimeter tief nach unten. Bei Kleinkindern können Sie den Ballen einer oder beider Hände auf dem unteren Drittel des Brustbeins platzieren und etwa fünf Zentimeter nach unten drücken. Achten Sie darauf, dass die Finger nicht auf der Brust liegen.

  • Atemspende und Herzdruckmassage im Wechsel: Führen Sie Wiederbelebungsmaßnahmen im Verhältnis von 30 Herzdruckmassagen zu zwei Beatmungen im schnellen Wechsel fort.

Wichtig: Zusätzlich sollte so schnell wie möglich der Notruf 112 gewählt werden. Wenn Sie allein sind, sollten Sie die Wiederbelebungsmaßnahmen nach einer Minute unterbrechen und den Rettungsdienst verständigen. Nach dem Anruf sollten die Reanimationsmaßnahmen sofort fortgeführt werden. Sind andere Personen anwesend, bitten Sie diese, den Rettungsdienst zu alarmieren.

Reanimation bei Corona: Hilfreiche Schutzmaßnahmen

Auch während der Coronapandemie müssen Menschen Erste Hilfe leisten. Um sich dabei selbst vor einer Ansteckung zu schützen, empfehlen Fachleute, die Atmung von Menschen nur durch Hinschauen zu überprüfen.

Bewegt sich der Brustkorb nicht regelmäßig auf und ab, sollte sofort der Rettungsdienst verständigt und mit der Herzdruckmassage begonnen werden. Dasselbe gilt bei einer Schnappatmung, also wenn die Person kurze, ruckartige Atemzüge mit vielen Pausen macht – auch dies gilt nicht als normale Atmung und erfordert eine sofortige Herzdruckmassage ("Prüfen – Rufen – Drücken"). Diese wird als wichtiger erachtet als eine Mund-zu-Mund-Beatmung, die zunächst als nachrangig beachtet wird. Zusätzlich schützen sich Ersthelfende selbst, indem sie eine Schutzmaske (FFP2-Maske) tragen.

Reanimation: Mögliche Risiken

Eine Reanimation birgt einige Risiken. Beispielsweise kann es durch starkes Drücken zu Rippenprellungen oder -brüchen kommen. Möglich sind auch

  • Lungenverletzungen,
  • Risse des Zwerchfelles oder
  • Einatmen von Blut in den Raum zwischen Herz und Herzbeutel.

Diese möglichen Risiken sollten Ersthelfende aber nicht vor einer Reanimation abhalten. Denn der größte Fehler, den Ersthelfende machen können, ist gar nichts zu tun.

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Zusammenfassung


Bedeutung: Eine Reanimation ist bei einer bewusstlosen Person, die nicht mehr atmet, notwendig. Das kann beispielsweise bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand der Fall sein.

Vorgehen: Als wichtigste Vorgehensweise gilt: Atmung prüfen, Notruf verständigen und Herzdruckmassage durchführen. Geübte Ersthelfende können zusätzlich eine Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen. Bei Kindern gelten bei der Reanimation einige Besonderheiten.

Risiken: Viele Menschen haben Angst, bei der Reanimation die bewusstlose Person zu verletzen. Das Schlimmste ist aber, gar nicht zu handeln.

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