Hyposmie bis olfaktorische Intoleranz

Riechstörungen: Wenn der Geruchssinn beeinträchtigt ist

Ist der Geruchssinn nicht intakt, hat das Auswirkungen auf viele Bereiche in unserem Leben, beispielsweise das Essen. Welche Riechstörungen man unterscheidet, wie sie entstehen können und ob eine Behandlung möglich ist.

Parfum
Ein gutes Parfum, ein leckeres Essen: Gerüche wahrnehmen zu können, ist wichtig für unsere Gesundheit. Der Verlust des Geruchsinns kann zu depressiven Verstimmungen führen.
© iStock.com/DmitriyTitov

Oft am wenigsten beachtet im Ensemble der Sinneswahrnehmungen von Sehen, Hören, Tasten und Schmecken, nimmt der Geruchssinn doch eine zentrale Stellung für uns Menschen ein. Schon bei der Geburt ist er vollständig ausgebildet und hilft beispielsweise dem noch blinden Neugeborenen, die Eltern zu erkennen. Zudem dient der Geruchssinn als Warnsystem. So kann er auf verdorbene Speisen und andere Gefahren wie einen Brand oder giftige Dämpfe aufmerksam machen. Der Verlust des Geruchssinns hingegen kann zu Appetitlosigkeit und Verstimmungen bis hin zur führen.

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Riechstörungen sind daher keinesfalls als Bagatelle abzutun, sondern sollten hinsichtlich ihrer Ursache von einem Spezialisten untersucht und therapiert werden. Etwa 79.000 Menschen werden in Deutschland jedes Jahr wegen Riechstörungen in einer Hals-Nasen-Ohren-Klinik behandelt. Damit zählen Riechstörungen zu den häufigen Erkrankungen im HNO-Bereich.

Unter dem Begriff Riechstörung (Dysosmie) werden alle Störungen des Geruchssinns zusammengefasst. Sie werden quantitativ und qualitativ unterschieden.

Unterschiedliche Arten von Riechstörungen

1. Quantitative Riechstörungen

Riechstörung (Dysosmie) Merkmale
Hyperosmie Übermäßig gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen
Hyposmie Verminderte Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen
Anosmie Vollständiger Verlust des Riechvermögens
Funktionelle Anosmie Sehr deutliche Einschränkung des Riechvermögens, entweder vollständig oder mit Vorhandensein einer geringen Restwahrnehmung, die für den Alltag jedoch nicht hilfreich ist
Partielle Anosmie Deutlich verminderte Empfindlichkeit gegenüber einem bestimmten Duftstoff / einer Duftstoffgruppe (entweder vollständig oder mit Vorhandensein einer geringen Restwahrnehmung, die für den Alltag jedoch nicht hilfreich ist)

2. Qualitative Riechstörungen

Riechstörung (Dysosmie) Merkmale
Parosmie Veränderte Wahrnehmung von Gerüchen. Die "falsch" wahrgenommenen Gerüche sind oft unangenehm – auch wenn sie ehemals als angenehm empfunden wurden.
Phantosmie „Einbildung“, Wahrnehmung eines Geruchs, ohne dass eine entsprechende Geruchsquelle vorhanden wäre
Pseudosmie Fantasievolle Umdeutung eines Geruchseindrucks unter dem Einfluss starker Affekte, etwa bei psychiatrischen Erkrankungen (Synonym: Geruchsillusion)
Olfaktorische Intoleranz Übersteigerte subjektive Empfindlichkeit gegenüber Duftstoffen, obwohl die Empfindlichkeit der Geruchszellen objektiv nicht verändert ist

 

Für die Beurteilung einer Hyposmie, also einer verminderten Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen, wird zum Vergleich das durchschnittliche Riechvermögen gesunder Männer und Frauen im Alter zwischen 16 und 35 Jahren herangezogen. Grundsätzlich muss das Alter eines Patienten berücksichtigt werden, wenn sein Riechvermögen beurteilt werden soll, da die Empfindlichkeit des Geruchssinns mit zunehmendem Alter nachlässt.

Eine weitere Unterteilung der Riechstörungen bezieht sich auf die zugrunde liegenden Ursachen.

Riechstörungen: Mögliche Ursachen

Grundsätzlich unterscheidet man im Hinblick auf die Ursachen zwischen sinunasalen und nicht-sinunasalen Riechstörungen.

Sinunasale Riechstörungen

Sinunasale Riechstörungen entstehen infolge einer Erkrankung der Nase oder der Nasennebenhöhlen. Ursache sind also Veränderungen, die den Atmungstrakt betreffen, nicht jedoch der eigentliche Riechapparat, in der Medizinersprache olfaktorisches System genannt, zu dem die Riechschleimhaut und die Riechbahn gehören. Unterschieden werden entzündliche und nicht-entzündliche Ursachen für sinunasale Riechstörungen.

Entzündliche Ursachen:

  • Infektionen: chronische oder chronisch wiederkehrende Infektionen der Nase oder Nasennebenhöhlen
  • Nicht-infektiöse entzündliche Ursachen: Allergien, chronische Entzündung der Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut (Rhinosinusitis) mit Nasenpolypen, Entzündung der Nasenschleimhaut durch Reizstoffe (Lösungsmittel wie Tetrahydrofuran, Cyclohexanon, Aceton und andere Ketone) oder ohne erkennbare Ursache

Nicht-entzündliche Ursachen:

  • anatomische Ursachen: besondere anatomische Gegebenheiten, z.B. Schiefstellung der Nasenscheidewand, Engstellen im Nasenraum
  • nicht-anatomische Ursachen: Anschwellen der Nasenschleimhaut mit Veränderung des Riechvermögens, z.B. durch Nervenschäden, bedingt durch Arzneimittel, hormonell bedingt

Nicht-sinunasale Riechstörungen

Bei den nicht-sinunasalen Riechstörungen ist der eigentliche Riechapparat, das olfaktorische System, geschädigt. Es umfasst die Sinneszellen für das Riechen sowie die Riechbahn, auf der die Erregung der Riechsinneszellen ins Gehirn geleitet wird, um dort zu entsprechenden Informationen verarbeitet zu werden. Folgende Ursachen kommen in Frage:

Postviral:

Riechstörungen, die unmittelbar nach einem zeitlich begrenzten viralen Infekt der oberen Luftwege in Erscheinung treten.

Posttraumatisch:

Riechstörungen, die im Zusammenhang mit einer Kopfverletzung auftreten.

Toxisch:

Nicht entzündliche Schädigungen der Nerven infolge von Reizstoffen, z.B. Medikamentennebenwirkung, Kohlenmonoxidvergiftung.

Angeboren:

Der Betroffene gibt an, er habe noch niemals riechen können. Ein Unfall, Infekt oder eine andere Ursache können nicht ermittelt werden. Der Betroffene fühlt sich durch die Riechstörung subjektiv nicht beeinträchtigt. Mitunter lässt sich durch eine bildgebende Untersuchung nachweisen, dass der Riechkolben mit den Riechsinneszellen nur wenig oder gar nicht ausgebildet ist.

Andere Ursachen:

  • Riechstörungen, die infolge einer anderen Erkrankung auftreten (z.B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Mangel- oder Fehlernährung, Parkinsonsche Krankheit, Alzheimersche Krankheit).
  • Auch im Verlauf einer Strahlentherapie bei einem bösartigen Tumor im Kopf-Halsbereich kann es zu Riechstörungen kommen.

Idiopathisch:

Riechstörungen, die keiner der genannten Ursachen zugeordnet werden können.

Diagnose von Riechstörungen

Zunächst versucht der HNO-Arzt durch gezielte Fragen herauszufinden, um welche Art der Riechstörung es sich handelt: Besteht eine Überempfindlichkeit des Geruchssinns oder wird im Gegenteil weniger gerochen? Kann der Betroffene überhaupt noch etwas riechen? Ist auch der Geschmackssinn von den Veränderungen betroffen? Wann wurde die Störung bemerkt? Steht sie im zeitlichen Zusammenhang mit einem besonderen Ereignis, etwa einer anderen Krankheit oder einem Unfall? Welche Medikamente wurden zuletzt bzw. werden eingenommen? Welcher beruflichen Tätigkeit geht der Betroffene nach, gibt es Freizeitaktivitäten, bei denen Reizstoffe eine Rolle spielen könnten?

Anschließend führt der Arzt in der Regel eine körperliche Untersuchung durch, bei der er mit einem kleinen Spiegel die Schleimhaut der Nase und des Rachenraums begutachtet.

Riechtests

Zur Beurteilung der Riechfähigkeiten werden verschiedene Riechtests durchgeführt. Einige der zur Verfügung stehenden Tests ermitteln, ob ein Patient unterschiedliche Duftstoffe identifizieren kann und in welcher Intensität er sie wahrnimmt. Andere bestimmen, in welcher Konzentration ein Patient einen Duft gerade noch wahrnehmen kann. Darüber hinaus können mit aufwändigeren Verfahren auch Hirnsignale gemessen werden, die nach der Präsentation eines Duftreizes entstehen. Dies ist jedoch nur in wenigen spezialisierten Zentren möglich.

Weiterführende Untersuchungen

Wurden die Art und das Ausmaß der Riechstörung ermittelt, können sich unter Umständen weitere Untersuchungen anschließen, um der Krankheitsursache auf den Grund zu gehen bzw. diese behandeln zu können, etwa um Krankheitserreger im Falle einer Infektion zu ermitteln, eine abzuklären oder eine Operation bei Nasenpolypen zu planen.

Therapie der Riechstörung

Ob und wie eine Riechstörung behandelt werden kann, hängt im Wesentlichen von der zugrunde liegenden Ursache ab.

Chronische oder chronisch wiederkehrende bakterielle beispielsweise können mit einer Antibiotikatherapie behandelt werden. Eine lässt sich mithilfe antiallergischer Medikamente eindämmen oder durch eine Hyposensibilisierung beseitigen. Geht die Störung auf eine anatomische Ursache zurück, etwa eine Schiefstellung der Nasenscheidewand, oder auf eine Wucherung der Nasenschleimhaut in Form von Nasenpolypen, kann unter Umständen eine Operation Besserung verschaffen.

Gezieltes Riechtraining kann Erfolg haben

Wurde die Riechstörung durch Medikamente oder Reizstoffe ausgelöst, verschwindet sie oft spontan, ohne jegliche Behandlung, nachdem das Medikament abgesetzt oder der Kontakt mit dem Reizstoff unterbrochen wurde. Bei Riechstörungen, die beispielsweise infolge einer Kopfverletzung auftreten, kann das Riechvermögen durch ein gezieltes Riechtraining in vielen Fällen verbessert werden.

Verschiedene medikamentöse Therapien wurden bislang zur Behandlung von Riechstörungen getestet, die nicht ursächlich behandelt werden können. Mittel der Wahl sind derzeit Kortikosteroide. Die Einnahme von Vitamin A-, C- sowie B-Präparaten oder Zink führte meist nicht zum Erfolg.

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