Gefäßerkrankung der Beinvenen

Venenschwäche

Müde und juckende Beine, dicke Fußgelenke sind erste Symptome der Venenschwäche, später zeigen sich Hautveränderungen, Krampfadern, Besenreiser und Geschwüre. Die Venenschwäche ist nicht nur ein kosmetisches Problem. Bleibt sie unbehandelt, drohen weitere, ernsthafte Erkrankungen.

Venenschwäche (Chronische Venöse Insuffizienz, CVI)
Wenn Ihre Beine oft geschwollen sind, kann das ein Zeichen für Venenschwäche sein.

Geschwollene Füße, schmerzende und müde Beine, Wadenkrämpfe und das Bedürfnis, die Füße hochzulegen – all das sind deutliche Anzeichen für eine Venenerkrankung. Bei der Venenschwäche sind die Wände der zum Herzen zurückführenden Blutgefäße krankhaft geweitet. Die Venenklappen, die normalerweise verhindern, dass das Blut wieder zurückfließt, schließen nicht mehr richtig. Als Folge bleibt das Blut in den Beinen stehen und verursacht dadurch die verschiedensten Symptome.

Mediziner nennen die Venenschwäche chronisch venöse Insuffizienz (CVI). "Insuffizienz" bedeutet übersetzt "Unzulänglichkeit". Mit "chronischer venöser Insuffizienz" (CVI) wird die mangelnde Fähigkeit des Venensystems beschrieben, die anfallende Menge an sauerstoffarmem Blut in der erforderlichen Zeit zum Herzen zurückzuleiten.

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Bei der Venenschwäche wird die primäre Form von der sekundären Form unterschieden. Bei der primären Venenschwäche sind die Venen nicht in der Lage, die anfallende Blutmenge zum Herzen zurückzuleiten, weil die Klappen der Venen von Geburt an fehlen oder fehlerhaft angelegt sind.

Bei der sekundären Form liegen zunächst andere Venenerkrankungen vor, wie beispielsweise Gefäßmissbildungen oder Thrombosen, also Verschlüsse der Venen durch Blutgerinnsel. Auch bestimmte Erkrankungen der Kollagenfasern des Bindegewebes (Kollagenosen) können zu einer sekundären Venenschwäche führen.

Die chronisch venöse Insuffizienz, die als Folge einer tiefen Venenthrombose entsteht, wird auch als postthrombotisches Syndrom bezeichnet.

Folgen und Komplikation der Venenschwäche

Bleibt eine Venenschwäche unbehandelt, drohen weitere, schwerwiegende Folgen wie

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Als Komplikation kann das so genannte atherogene Stauungssyndrom auftreten. "Atherogen" bedeutet "Gefäßveränderungen fördernd" und "Stauungssyndrom" besagt, dass es durch den Gefäßstau zu einem Syndrom, also mehreren Krankheitszeichen auf einmal kommt. Das atherogene Stauungssyndrom ist dadurch gekennzeichnet, dass Umbauvorgänge nicht nur in der Haut, sondern auch im Unterhautfettgewebe und in der Bindegewebshülle der Muskulatur auftreten. Dies führt zu einer fortschreitenden Bewegungseinschränkung im Sprunggelenk, so dass ein Abrollen des Fußes beim Gehen nicht mehr möglich ist.

Ist die Bewegung im Sprunggelenk eingeschränkt, so ist es dem Betroffenen unmöglich, beim Gehen im Fuß abzurollen und mittels Wadenmuskelpumpe den Rücktransport des Blutes zu erhöhen. Der Ausfall der Muskelpumpenfunktion führt zu einer weiteren Verschlechterung des Krankheitsbildes, so dass Unterschenkelgeschwüre nur schwer abheilen können.

Symptome: So zeigt sich die Venenschwäche

Bei einer Venenschwäche zeigen sich typische Beschwerden in den Beinen sowie Veränderungen der Haut und des Unterhautgewebes vorwiegend des Unterschenkels.

Bereits in frühen Phase der Erkrankung treten Beschwerden in den Beinen auf, zum Beispiel

  • Schweregefühl
  • Schmerzen
  • Schwellungen der Beine durch Wassereinlagerungen
  • juckende Beine, vor allem im Bereich der Waden und Füße

Diese Anzeichen treten oft auf, bevor es zu den typischen, sichtbaren Hautveränderungen der Erkrankung kommt.

Anhand dieser sichtbaren Zeichen an der Haut des Unterschenkels wird die Venenschwäche in drei Stadien eingeteilt.

CVI - Stadieneinteilung und Symptome

Stadium Merkmale
1 Im Bereich der Fußinnen- und -außenseite zeigen sich kleine sichtbare Venen, die man Corona phlebectatica paraplantaris nennt, es kann eine Gliedmaßenschwellung bestehen.
2

Es besteht eine braune Hautverfärbung im Bereich des Unterschenkels und der Knöchelregion.

Sie entsteht durch den erhöhten Veneninnendruck in den Krampfadern, der rote Blutkörperchen aus den Venen in das Gewebe presst. Dort wurden die eisenhaltigen Blutfarbstoffe der roten Blutkörperchen abgebaut. Die Haut glänzt.

3 Es liegen abgeheilte oder offene Hautgeschwüre im Bereich der Knöchelregion vor.

 

verschiedene Stadien der Venenschwäche
Das Bild zeigt verschiedene Stadien der Venenschwäche: Links ein gesundes Bein, im mittleren Bild sind bereits erste Hautveränderungen und Krampfadern zu erkennen, ganz rechts zeigen sich deutlich Hautgeschwüre.

Ursachen und Risikofaktoren der Venenschwäche

Hinter einer Venenschwäche steckt immer eine Klappeninsuffizienz, dabei haben die Venenklappen die Fähigkeit eingebüßt, sich zu schließen und das Blut  zurückzuhalten. Das kann unterschiedliche Ursachen haben, je nachdem, ob es sich um eine primäre oder sekundäre Venenschwäche handelt.

Ursachen einer primären Venenschwäche sind:

  • das angeborene Fehlen von Venenklappen in oberflächlichen und/oder tiefen Venen (Klappenagenesie)
  • familiär bedingte Schlussunfähigkeit tiefer und/oder oberflächlicher Venenklappen
  • angeborene Gefäßfehlanlagen (Angiodysplasien)

Ursachen einer sekundären Venenschwäche:

  • Verschluss von Venen durch eine Thrombose
  • Venenklappenschädigungen nach vorangegangener Thrombose. Ein Blutgerinnsel in einer Vene löst dort verschiedene Reparaturvorgänge aus, die von Entzündungen und Narbenbildungen im Bereich der Veneninnenwand begleitet sein können. Als Folge dieser Prozesse kann es zu Verklebungen kommen, die die Funktion der Klappe beeinträchtigen oder völlig außer Kraft setzen.
  • Venenklappenschäden nach Punktion der Venen, Injektion venenschädigender Medikamente oder durch Verweilkanülen zur Infusion (Tropf). Auch diese Eingriffe können eine Venenentzündung auslösen und zu dauerhaften Schäden kommen. Besonders unsachgemäße Venenpunktionen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Drogenmissbrauch, können die Venen dauerhaft schädigen.

Risikofaktoren für das Entstehen der Venenschwäche

  • familiäre Vorbelastung mit der Neigung zu Venenerkrankungen
  • vorwiegend stehende Berufsausübung
  • Übergewicht
  • Schwangerschaften

Alle diese Faktoren führen zur Überlastung der Venen: Der Rückstrom des Blutes aus den Beinen zum Herzen wird verlangsamt, eine gewisse Blutmenge staut sich in den Venen und führt zu einem Überdruck auf die Venenwände,  elastische Fasern werden zerstört. Die Venen erweitern sich und ihre Klappenränder schließen nicht mehr. Auch eine nachlassende Bildung und Erneuerung der elastischen Kollagenfasern im zunehmenden Alter unterstützt die Entstehung einer Venenschwäche.

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Lifeline/Wochit

Diagnose bei Venenschwäche

Zur Diagnose der Venenschwäche betrachtet der Arzt zunächst die Haut der Beine und stellt fest, ob sichtbare Veränderungen wie eine verstärkte Venenzeichnung, Krampfadern, Hautverfärbungen, Schwellungen oder Geschwüre vorliegen.

Anschließend werden verschiedene apparative Untersuchungen durchgeführt. Dabei unterscheidet man nicht-invasive von invasiven Verfahren.

1. Nicht-invasive Verfahren zur Diagnose einer Venenschwäche

Unter nicht-invasiven Untersuchungsverfahren versteht man solche, die für den Patienten nicht belastend und schmerzlos sind.

Gefäßultraschallmethoden (Dopplersonographie, Duplexsonographie)

Mittels Ultraschall lassen sich Venen bildlich darstellen (B-Bild-Methode), oder es kann hiermit die Blutströmung gemessen werden (Dopplersonographie). Geräte, die die B-Bild-Darstellung sowie die Blutströmungsmessung mittels Ultraschall in sich vereinigen, nennt man Duplexsonographie-Geräte. Im Gefäßultraschall können sowohl erweiterte Venen als auch defekte Venenklappen aufgespürt und dargestellt werden.

Mithilfe einer Dopplerstiftsonde kann der Arzt völlig schmerzlos und ungefährlich die Blutströmung in Gefäßen - in diesem Fall in Venen - des Patienten messen. Auf diese Weise kann der Arzt betroffene Venenabschnitte orten. Normalerweise lässt sich in den Beinvenen ein atemabhängiges Blutflusssignal erkennen. Bei Ausatmung fließt das Blut über die geöffneten Klappen herzwärts, sodass ein Dopplerflusssignal entsteht. Im Falle intakter Venenklappen kommt es bei Einatmung zu einem Blutströmungsstopp. In dieser Phase ist kein Dopplersignal ableitbar.

Plethysmographische Verfahren

Die Funktion der Venen kann auch durch venenverschlussplethysmographische Verfahren überprüft werden. Die Venenverschlussplethysmographie ist eine ungefährliche und für den Patienten nicht belastende Methode zur Messung von Änderungen des Blutvolumens in Venen.

Zur Venenverschlussplethysmographie werden am Oberschenkel Staumanschetten und an den Unterschenkeln Dehnungsmessstreifen angelegt. Die Staumanschetten werden dann in einem zeitraum von fünf Minuten langsam aufgepumpt. In dieser Zeit ist der Blutabfluss aus den Beinvenen blockiert. Der zunehmende Unterschenkelumfang wird mit einem Quecksilberdehnungsstreifen gemessen.

Nach fünf Minuten wird die Manschette schlagartig entleert. Über die Verringerung des Wadenumfangs lässt sich bestimmen, wie gut das Blut wieder abströmt. Arbeiten die Klappen nicht richtig, oder liegen Hindernisse, wie ein Blugerinnsel vor, fließt das Blut aus den Beinen langsamer ab.

Überprüfung der Wadenmuskelpumpfunktion

Mit der Venenverschlussplethysmographie kann das Ausmaß des gestörten venösen Abfluss aus den Beinvenen beurteilt werden. Im Gegensatz zu den Doppler- und Duplexultraschall-Methoden erlaubt die Venenverschlussplethysmographie auch eine Überprüfung der Wadenpumpfunktion während Betätigung der Wadenmuskeln.

Zur Überprüfung werden die Staumanschetten von den Oberschenkeln entfernt. Mithilfe der Dehnungsstreifen können die Wadenumfangsänderungen während und nach Belastung (zum Beispiel zehn bis 20 Zehenstandsübungen) gemessen werden. Normalerweise sollte der Wadenumfang während der Übung abnehmen und unmittelbar danach reduziert sein.

Lichtreflexrheographie

Auch mit der Lichtreflexrheographie kann der Arzt beurteilen, wie gut die Wadenmuskelpumpe arbeitet und welcher Grad der Venenschwäche vorliegt. Hierzu werden die Volumenschwankungen des Venengeflechts, das direkt unter der Haut liegt, mit Infrarotlicht gemessen. Auf der Hautoberfläche wird eine Sonde befestigt. Der Lichtstrahl der Infrarotquelle dringt bis zu zwei Millimeter unter die Hautoberfläche. Je weniger Blut sich dort befindet, umso größer ist die Lichtmenge, die von der Haut zurückgeworfen und von dem Sensor aufgezeichnet wird.

Die Messungen werden in Ruhe, während zehnmaligen Zehenständen und nach Abschluss der Zehenstandsübung durchgeführt. Durch Betätigung der Wadenmuskelpumpe entleert sich das Hautvenengeflecht. An der Messkurve ist dies an einem Anstieg zu erkennen. In der anschließenden Ruhephase bewirkt die Wiederauffüllung einen langsamen Kurvenabfall. Ist die Wiederauffüllzeit verkürzt, so liegt eine Venenklappenstörung vor. Je kürzer die Wiederauffüllzeit, umso eingeschränkter ist die Funktion der Venenklappen.

2. Invasive Verfahren zur Diagnose einer Venenschwäche

Invasive Verfahren sind solche, die für den Patienten mit einer gewissen Belastung verbunden sind.

Röntgenkontrastmitteldarstellung von Venen (Phlebographie)

Nur mithilfe von Kontrastmitteln gelingt die Röntgendarstellung des Beinvenensystems, da Venen im einfachen Röntgenbild nicht sichtbar sind.

Bei der Phlebographie wird mit einer kleinen Kanüle eine Vene am Fußrücken punktiert und Röntgenkontrastmittel in die Vene gespritzt. Mit einem Röntgengerät verfolgt der Arzt, wie das Röntgenkontrastmittel abfließt.

Auf diese Weise lassen sich Hindernisse in den tiefen Venen darstellen. So können Hindernisse, zum Beispiel eine tiefe Venenthrombose)sichtbar gemacht werden.

Blutige Venendruckmessung (Phlebodynamometrie)

Die blutige Venendruckmessung erlaubt die Beurteilung des Blutrückflusses  aus den Beinen während Wadenmuskelarbeit über die direkte Druckmessung in der Vene. Zusätzlich erlaubt dieses Verfahren auch die Messung des Ruhedrucks im Venensystem.

Zur Durchführung einer blutigen Venendruckmessung muss der Arzt eine oberflächliche Vene im Bereich des Fußrückens mit einer kleinen Kanüle punktieren. Über einen dünnen Schlauch, der mit Kochsalzlösung gefüllt ist, besteht eine Verbindung zwischen Kanüle und einem Druckmessinstrument.

Normalerweise sollte der so genannte Ruhedruck vor Belastungsübung im Stehen nicht größer als 80 mmHg sein. Nach Belastungsübung ist beim Gesunden der Venendruck gegenüber dem Ruhezustand verringert und steigt dann langsam wieder an, um den Ausgangswert zu erreichen. Die Druckausgleichszeit, das heißt das Erreichen des venösen Ausgangsdrucks nach Belastungsübung, sollte normalerweise über 25 Sekunden liegen.

Behandlung der Venenschwäche

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Als Basismaßnahme in der Behandlung der Venenschwäche gelten Kompressionsmittel wie elastische Verbände und Kompressionsstrümpfe. Sie fördern die Aktivierung der Muskelgelenkpumpe im Bereich der unteren Gliedmaßen. Durch das Zusammendrücken (Kompression) der Venen wird die Blutströmungsgeschwindigkeit in den Gefäßen erhöht, sodass einerseits der Rückfluss des Blutest gesteigert und die Thrombosegefahr vermindert wird.

Kompression sollte nicht erfolgen bei:

  • einer Nervenerkrankung der Gliedmaßen mit Empfindungsstörungen. Hier ist die Behandlung mit Kompressionsmitteln ungeeignet, da es durch diese zu Druckstellen mit der Ausbildung von schlecht heilenden Geschwüren kommen kann.
  • arteriellen Durchblutungsstörungen der Beine. Hier kann durch die Kompression die Durchblutung, also der Zustrom von sauerstoffreichem Blut ins Gewebe zu stark eingeschränkt werden. Deshalb muss vor Anwendung dieser Maßnahmen ein Arzt konsultiert werden. Er wird mittels Dopplermethode den Knöchelarteriendruck messen. Beträgt er unter 70 mmHg, so dürfen Kompressionsmittel an der betroffenen Gliedmaße nicht angewendet werden.
  • schlecht zu behandelnder Herzschwäche. Durch die Kompression wird der Rückfluss des Venenblutes zum Herzen hin verstärkt, was das Herz noch mehr belastet.
  • nässenden Hauterkrankungen. Unter dem Kompressionsstrumpf kann es zur Bildung feuchter Wärme kommen, was die Bildung von Hautausschlägen fördert.
  • Empfindungsstörungen im Bereich der unteren Gliedmaßen
  • primär chronischer Polyarthritis einer entzündlichen Gelenkerkrankung. Aufgrund der eingeschränkten Gelenkbeweglichkeit ist es für den Patienten sehr schwer oder schmerzhaft, die Strümpfe anzuziehen.

Eine Kompression der Beine durch elektrische Kompressionsgeräte, mit aufblasbaren Beinmanschetten ist bei der chronisch venösen Insuffizienz nicht anzuraten. Zwar kommt es während der Maßnahme zu einer guten Verschiebung des Flüssigkeitsvolumens in Richtung Herz, nach Beendigung der Kompression sackt dieses Blutvolumen jedoch sehr schnell wieder in die Beine ab.

Medikamentöse Behandlung

Zur medikamentösen Behandlung der Venenschwäche stehen folgende Medikamentengruppen zur Verfügung:

  • Medikamente, die die Durchlässigkeit der Venenwand für Flüssigkeit und Eiweiß vermindern (Ödemprotektiva) wie zum Beispiel Extrakte aus Rosskastaniensamen, Mäusedorn, Wurzelstock oder Flavonoide. Flavinoide sind Pflanzenfarbstoffe, die früher den Vitaminen zugeordnet wurden.
  • entwässernde Medikamente (Diuretika). Diese Medikamente schwemmen Wasser aus, sodass die Beinschwellung abnimmt. Der Einsatz entwässernder Medikamente bei chronischer Veneninsuffizienz sollte nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen und unbedingt nur von kurzfristiger Dauer sein. Nach langfristiger Einnahme von Diuretika kann das Absetzen der Medikamente wieder zur vermehrten Ödembildung führen. Eine Gewöhnung an Diuretika ist dann die Gefahr.

Verödung oberflächlicher Venen bei Venenschwäche

Bei chronischer Veneninsuffizienz, die ihre Ursache in einer Venenklappenschwäche oberflächlicher Venen hat, kann eine Verödungsbehandlung das Beschwerdebild mindern. Ziel  dieser Sklerotherapie ist das Ausschalten des betroffenen Venen- oder Krampfaderabschnitts. Zur Verödung geeignet sind kleine Hautvenen oder Seitenastkrampfadern. Die großen oberflächlichen Venenstämme sollte nicht sklerosiert sondern operiert werden.

Eine Verödungsbehandlung sollte nicht durchgeführt werden bei:

  • Allergie auf das Verödungsmittel
  • Immobilität, also Bewegungseinschränkungen, zum Beispiel bei Bettlägerigkeit. Das Verödungsmittel führt zu einer Thrombose, die jedoch lokal auf die erweiterte Vene beschränkt ist. Bei Bettlägerigkeit und Bewegungseinschränkung kann es zu einem Fortschreiten der Thrombose in das tiefe Venensystem kommen.
  • in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft oder nach der 36. Schwangerschaftswoche
  • Störungen des Blutbildes, die mit einer vermehrten Blutgerinnungsneigung einhergehen. Hier kann es durch das Verödungsmittel zu einer Thrombose kommen, die über das angestrebte Maß hinausgeht und zu dauerhaften Venenschäden führt.
  • Bronchialasthma, da es bei Verödung zu einer Allergie kommen kann, die gerade beim allergischen Bronchialasthma gefährlich ist und zur Verschlimmerung der Atemnot führt.

Bei der Verödung kann es zu folgenden Komplikationen kommen:

  • Hautpigmentstörungen
  • Hautgeschwüre
  • allergische Reaktionen
  • unerwünschtes Auftreten von kleinen Äderchen im Bereich der verödeten Vene
  • Nervenschädigungen
  • versehentlichem Punktieren einer Arterie, die schwerwiegendste Komplikation mit der Folge von Geschwürbildung oder der Gliedmaßenamputation. Dies ist jedoch eine sehr seltene Komplikation.

Operationen gegen Venenschwäche

Ziel der Operation ist die Ausschaltung oberflächlicher Venenstämme oder -abschnitte, die erweitert sind, oder deren Klappen defekt sind. Dabei werden auch nicht mehr funktionierende Verbindungsvenen entfernt. Folgende Operationsverfahren stehen zur Verfügung:

  • Ausschaltung des in die tiefe Vene mündenden Abschnitts des oberflächlichen Venenstammes in der Leiste durch Abtragung (Crossektomie) oder Abbindung (Crossenligatur)
  • Isoliertes Ausschalten von Verbindungsvenen (Perforansdissektion). Dies ist in einer offenen OP möglich, wird aber mittlerweile auch endoskopisch durchgeführt. Hierbei werden durch sehr kleine Schnitte ein dünnes Sichtinstrument und kleine Operationsinstrumente in den Bereich der Verbindungsvenen eingeführt.
  • Fasziotomie oder Fasziektomie, das ist die Spaltung oder Abtragung der bindegewebigen Hülle von Muskelgruppen des Unterschenkels. Diese Operation ist dann angezeigt, wenn es in der Folge der chronischen Venenschwäche zu Weichteilschrumpfungen gekommen ist. Diese Schrumpfungen können den ganzen Umfang des Unterschenkels betreffen und die Muskelgruppen, die für die Aufrechterhaltung der Wadenmuskelpumpe zuständig sind, in ihrer Funktion beeinträchtigen.

Varizenstripping

Bei der Stripping-Operation (oder Venenstripping) wird der komplette oberflächliche Venenstamm der V. saphena magna oder V. saphena parva entfernt.

Über einen kleinen Hautschnitt (ein bis zwei Zentimeter) im Knöchelbereich wird die Krampfader eröffnet und ein Drahtkatheter durch die Vene nach oben geschoben. Sämtliche Verbindungsvenen der Krampfader zu den tiefen Beinvenen, an der Einmündung in die Oberschenkelvene und zum Venennetz des Fußrückens müssen abgebunden werden.

Dazu sind weitere kleine Hautschnitte notwendig. An der Einmündungsstelle im Oberschenkelbereich wird die Katheterspitze schließlich durch einen kleinen Schnitt wieder nach außen geführt und mit einem kleinen Schraubkopf versehen. Wenn nun anschließend der Draht wieder zum Knöchel hin herausgezogen wird, schiebt der Katheterkopf die gesamte Vene aus ihrem Unterhautbett heraus, sie wird auf dem Katheter aufgefädelt und durch den Einschnitt am Knöchel komplett herausgezogen. Abschließend werden alle Schnitte vernäht und ein Kompressionsverband angelegt.

Die Operation bei chronischer Veneninsuffizienz ist zu vermeiden:

  • bei tiefer Becken-/Beinvenenthrombose, hier sollte man Krampfadern, die äußere Umgehungskreisläufe darstellen, nicht entfernen, da dies den venösen Abstrom noch weiter verschlechtert.
  • wenn der geschädigte oberflächliche Venenabschnitt wichtiger Teil des Umgehungskreislaufes einer tiefen Beinvenenthrombose ist. Ist eine Vene durch ein Blutgerinnsel verschlossen, so dienen andere Venen als Umleitung für das venöse Blut der Beine. Diese müssen also unbedingt erhalten bleiben.
  • bei Bettlägerigkeit, da die Bewegungseinschränkung zu einem ungenügenden Abfluss des venösen Blutes aus den verbleibenden Venen führt.
  • bei periphärer arterieller Verschlusskrankheit schwerer Ausprägung. Dabei kommt es im Operationsgebiet oft zu Wundheilungsstörungen, die schwere Gewebsdefekte verursachen können.

Personen mit Krampfaderleiden, bei denen gleichzeitig eine Herzkranzgefäßerkrankung besteht, sollten sich vor geplantem Varizenstripping unbedingt mit ihrem Hausarzt oder einem Arzt für Herzkrankheiten in Verbindung setzen. In diesen Fällen könnte es später notwendig sein, dass oberflächliche Venen später für eine Bypass-Operation benötigt werden.

Behandlung venös bedingter Beingeschwüre

Ist es durch die Venenschwäche bereits zu  Hautgeschwüren gekommen, so erfordern diese eine konsequente und fachkundige Behandlung.

Wichtig ist dabei vor allem, dass die betroffenen Hautstellen keimfrei gehalten werden. Die Oberflächen und Ränder der Wunden müssen von abgestorbenen Gewebsresten befreit werden. Beläge können dazu in Bädern mit Kamillen- oder Betaisodona-Zusätzen eingeweicht werden. Die Krusten werden dann mit einer sterilen Pinzette abgelöst. Sollte dies schmerzhaft sein, kann der Arzt zuvor eine Salbe mit einem örtlichen Betäubungsmittel auftragen. Kommt es beim Reinigen der Wunde zu Blutungen, so ist dies förderlich für den Wundheilungsprozess, da das Blut auf den Zellen der Wundoberfläche bestimmte Wachstumsfaktoren freisetzt, die die Zellerneuerung beschleunigen. Die Ränder nässender Wunden werden durch das Auftragen von Zinksalbe ausgetrocknet. Mit diesen Maßnahmen, sofern sie regelmäßig und gründlich durchgeführt werden, können auch lang bestehende Geschwüre abheilen. Die Bildung neuer Zellen der Hautoberfläche kann durch spezielle Wundfolien oder Salbengitter beschleunigt werden.

Die Oberfläche der Geschwüre ist meist von Bakterien besiedelt. Durch eine mikrobiologische Untersuchung lassen sich die Erreger feststellen und es kann gezielt ein Antibiotikum gewählt werden, welches die Keime abtötet. Solch ein Antibiotikum muss systemisch, also im ganzen Körper wirkend verabreicht werden, antibiotische Salben führen hier sehr oft zu Allergien oder einer Entwicklung von Unempfindlichkeit der Bakterien (Resistenzen) gegen das Antibiotikum. Sollte dies nicht gelingen, so muss der Hautdefekt eventuell in einer Operation mit einem Hauttransplantat (an anderer Körperstelle entnommenen Hautinseln) bedeckt werden.

Kann man Venenschwäche vorbeugen?

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Öfters mal die Füße hochlegen - ein gutes Mittel, um die Beinvenen zu entlasten.
iStock

Wenn eine erbliche Vorbelastung vorliegt, wenn also in der Verwandtschaft bereits Krampfaderleiden oder tiefe Venenthrombosen auftrat, sollten frühzeitig vorbeugende Maßnahmen eingeleitet werden. So lässt sich die weitere Ausbildung und das Fortschreiten der chronischen Veneninsuffizienz oft verhindern. Dazu gehört als wichtigste Maßnahme das Tragen von Kompressionsstrümpfen der Kompressionsklasse II.

Kompressionsstrümpfe helfen vorbelasteten Schwangeren

Besonders Schwangere, bei denen eine erbliche Neigung zur schwachen Venen vermutet wird, sollten während der Schwangerschaft Kompressionsstrümpfe tragen, da durch die Zunahme des Bauchvolumens der Blutrückstrom aus den Beinen erheblich behindert werden kann. Zusätzlich besteht in der Schwangerschaft durch hormonelle Einflüsse eine gesteigerte Neigung zur Einlagerung von Wasser im Gewebe, welches ebenfalls zu einer Zunahme des Flüssigkeitsvolumens führt, welches über die Venen zum Herzen zurücktransportiert werden muss.

Darüber hinaus sind gegen Venenschwäche Wasseranwendungen in Form von kalten Güssen und Kneippschem Wassertreten empfehlenswert.

Warme Güsse oder Saunabesuche sollte ein Patient mit chronischer Veneninsuffizienz unbedingt vermeiden, da dies über eine Erweiterung der Arterien zu einer erhöhten Blutmenge in den Beinen führt, die über die Venen wieder abtransportiert werden muss.

Ebenso schwächt das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen die Venen. Es empfiehlt sich, hohe und flache Absätze häufig zu wechseln und den Beinen besondere Pflege zukommen zu lassen, zum Beispiel mit kühlenden Cremes und Sprays mit Rosskastanie, Arnika oder Menthol.

Was Sie sonst noch gegen Venenschwäche tun können

Folgende Maßnahmen sind empfehlenswert, um Venenschwäche vorzubeugen oder schwache Venen zu unterstützen:

  • Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Gehen und Joggen sowie Tanzen
  • Wer viel sitzt oder lange stehen muss, sollte regelmäßig Pausen machen und die Wadenmuskeln aktivieren
  • Übungen, die die Sprunggelenkbeweglichkeit und die Verbesserung der Wadenmuskelpumpenwirkung steigern, zum Beispiel Zehenstandsübungen, Pedalergometertraining, auf der Stelle laufen, Treppensteigen, Fußwippen
  • aufrecht sitzen, um ein Abknicken der tiefen Venen der Leistenregion zu vermeiden
  • Übungen, bei denen nicht die Betätigung der Bauchmuskulatur im Vordergrund steht
  • kalte Güsse
  • häufig die Füße hochlegen
  • Übergewicht reduzieren

Eine ausgewogene, gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen und ausreichendes Trinken trägt dazu bei, die Venen und das Bindegewebe gesund zu erhalten.

Hinsichtlich des Arbeitsplatzes sollten Personen mit fortgeschrittener Venenschwäche beachten, dass Tätigkeiten im Sitzen grundsätzlich einer stehenden Tätigkeit vorgezogen werden sollten. Empfehlenswert ist das Einlegen von Arbeitspausen, in denen Entstauungsübungen wie Gehen oder Füßekreisen durchgeführt werden können.

Ist Venenschwäche heilbar?

Die Therapie der Venenschwäche ist abhängig davon, wie ausgeprägt die Symptome sind und in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet. In einer frühen Phase, wenn erste Anzeichen wie geschwollene, schmerzende Beine auftreten, lässt sich die Venenschwäche meist mit den oben genannten Maßnahmen zurückdrängen.  Bei ausgeprägten chronischen Verläufen sorgt eine  den Krankheitsanzeichen angepasste Behandlung für eine Linderung der Beschwerden und wirkt gegen das Fortschreiten der  Erkrankung.

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