Störung der Fettverteilung

Lipödem: Reiterhosen erkennen und behandeln

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Das Lipödem beschreibt eine Störung der Fetteinlagerung an Beinen und Armen. Sport und Diät verlangsamen zwar den Fortschritt, die Ursache der Fetteinlagerungen wird damit aber nicht behoben. Als wirksamste Therapie des Reiterhosensyndroms gilt die Fettaubsaugung.

Lipödem
Typisch für das Lipödem sind Fetteinlagerungen an den seitlichen Oberschenkeln, umgangssprachlich als Reiterhosen bezeichnet.
© iStock.com/miljko

Die Krankheit Lipödem wird auch als Reiterhosen, Reiterhosensyndrom oder Säulenbein bezeichnet. Namensgebend sind die auffälligen Fetteinlagerungen an den seitlichen Oberschenkeln, die bereits zu Beginn der Erkrankung auftreten. Im anfänglichen Stadium 1 bleibt das Lipödem als Ursache für eine Gewichtszunahme häufig unerkannt, da es sich nicht deutlich von ernährungsbedingtem Übergewicht unterscheidet.

Artikelinhalte im Überblick:

Plötzliche Gewichtszunahme? Das sind mögliche Ursachen!

Was ist ein Lipödem?

Das Reiterhosensyndrom ist eine chronische und fortschreitende Erkrankung, die fast ausschließlich bei Frauen vorkommt. Während die Körpermitte meist schlank bleibt, lagert sich Fettgewebe zunächst vermehrt an den Oberschenkeln und Oberarmen, im späteren Krankheitsverlauf auch an den Unterschenkeln, Unterarmen und im Nackenbereich ein. Zusätzlich entstehen schmerzhafte Wassereinlagerungen, Lymphflüssigkeit staut sich im Gewebe und die Anfälligkeit für blaue Flecken steigt. Aufgrund der Einlagerungen fühlen sich Arme und Beine prall an, sind druckempfindlich, schmerzen und können sich entzünden.

Reiterhosensyndrom wird in drei Stadien eingeteilt

Das Lipödem ist ein fortschreitender Prozess. Dauer und Verlauf sind individuell sehr unterschiedlich und lassen sich kaum vorhersagen. Auch kann das Beschwerdebild variieren. Als Unterscheidungsmerkmal gilt:

  • Stadium 1: glatte Hautoberfläche, das Fettgewebe ist gleichmäßig verdickt in der Unterhaut (Subkutis)

  • Stadium 2: unebene, wellige Hautoberfläche, das Fettgewebe tastet sich knotig und verdickt unter der Haut.

  • Stadium 3: Fettschurzbildung an Ober- und Unterschenkeln sowie Ober- und Unterarmen, deutlicher Kalibersprung

Ursachen: Wie und warum entsteht das Lipödem?

Vom Reiterhosensyndrom sind fast ausschließlich Frauen betroffen. Es tritt frühestens nach der Pubertät auf, kann sich nach einer Schwangerschaft entwickeln oder ab dem Einsetzen der Wechseljahre. Hormonelle Veränderungen werden deshalb als Auslöser vermutet. Über ein Lipödem bei Männern sind dagegen kaum Fälle bekannt. In Einzelfällen wurde die Fettverteilungsstörung im Zusammenhang mit einer Hormonersatztherapie oder bei Lebererkankungen bei Männern festgestellt.

Was genau das Lipödem auslöst, ist bislang ungeklärt. Eine Kombination aus genetischen und physiologischen Faktoren wird diskutiert. Als sicher gilt, dass die krankhafte Fetteinlagerungssucht des Körpers nicht ernährungsbedingt ist. Eine kalorienreduzierte Diät kann allerdings die Geschwindigkeit der Gewichtszunahme drosseln.

Familiäre Häufungen dienen dabei als Hinweis, dass das Reiterhosensyndrom erblich bedingt sein muss. Die Gene veranlassen die Fettzellen dazu, sich an bestimmten Körperpartien zu vermehren (Hyperplasie) und im Vergleich zu normalen Fettzellen an Größe stark zuzunehmen (Hypertrophie). Gleichzeitig kommt es zu einer Zunahme der Durchlässigkeit der Gefäßwände, was zu Wassereinlagerungen in den Extremitäten führt und Einblutungen in die Zellzwischenräume verursacht. Unter dem gesteigerten Druck im Gewebe kommt es vermehrt zur schmerzhaften Entzündungen.

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So verläuft das Reiterhosensyndrom

Das Lipödem verändert das körperliche Erscheinungsbild auf typische Art: Die Fetteinlagerungen sind immer symmetrisch verteilt, also an beiden Ober- und/oder Unterschenkeln, beziehungsweise Ober- und/oder Unterarmen seitengleich. Der Fettanteil grenzt sich deutlich gegenüber den gesunden Regionen mit normalem Körperfett ab und beginnt mit einer wulstartigen Ausstülpung, die je nach Körperstelle als Muff, Reiterhose oder Kragen beschrieben und als Kalibersprung bezeichnet wird. Ein einzelnes Auftreten an nur einer Körperpartie ist selten, die Mischform von gleichzeitig betroffenen Armen und Beinen ist die Regel.

Nachdem Arme und Beine vollständig betroffen sind, lagert sich das Fett im Nacken- und Rückenbereich an. Selbst an Knien oder Fußgelenken entstehen Fettwülste (Wammen), die bei Bewegung gegeneinander reiben und scheuern. Dies führt zu mechanischen Schäden der Haut und es kommt zu großflächigen Hämatomen. Desweiteren entzünden sich die aufeinanderliegenden Hautpartien an den überhängenden Wülsten. Im schwitzig feuchten Milieu siedeln sich Bakterien an, die zur Wundinfektion führen können.

Lebensqualität durch Lipödem stark eingeschränkt

Für Betroffene des Reiterhosensyndroms ist der Alltag mit zunehmendem Gewicht immer schwerer zu bewältigen. Während Fettleibige insgesamt zunehmen, beschränkt sich die Vergrößerung des Körpervolumens beim Lipödem auf die Extremitäten. So ist das Laufen oder Bewegen der Arme mit einem eigentlich normalgewichtigen Körperstamm deutlich schwerer als bei Adipositas.

Hitze ist für Betroffene des Lipödems nur schwer zu ertragen: Aufgrund einer erhöhten Durchlässigkeit der Gefäßwände neigen sie zu vermehrten Wassereinlagerungen und Lymphstau. Dieser Effekt wird durch Wärme verstärkt, sodass bei sommerlichen Temperaturen die Arme und Beine bis zum Abend schmerzhaft angeschwollen sind und besonders empfindlich auf jede Art von Berührung reagieren. Die Schmerzen werden als dumpf und drückend beschrieben und Beine und Arme fühlen sich schwer an.

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Diese Symptome deuten auf das Lipödem hin

Das Lipödem kann oftmals nur schwer von Übergewicht oder einem Lymphödem abgegrenzt werden. Folgende Symptome sprechen für das Reiterhosensyndrom:


  • Änderung des Hormonstatus: Der Beginn einer unklaren Gewichtszunahme an Beinen und Armen liegt oft in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder am Anfang des Klimakteriums.

  • Disproportionalität: Die Fetteinlagerungen sind auf die Extremitäten beschränkt, der Rumpf bleibt schlank.

  • Kalibersprung: An den betroffenen Stellen bilden sich Wülste mit starkem Anstieg zum Fettgewebe hin (Muff- oder Kragenbildung).

  • Auslassungen: Hände und Füße sind nicht betroffen und bleiben schlank.

  • Ödeme: Es kommt zur Einlagerung von Wasser und zum Übertritt von Lymphe in die Gewebszwischenräume.

  • Spannungsgefühl: Aufgrund massiver Wassereinlagerungen und des Lymphstaus schwellen die Extremitäten an und die Haut ist maximal gespannt.

  • Schmerzen: Die geschwollenen Partien neigen zu Entzündungen und sind durch die Flüssigkeitsansammlungen prall gefüllt. Das macht sie druck- und schmerzempfindlich.

  • Hämatomneigung: Eine erhöhte Membrandurchlässigkeit sorgt nicht nur für Wassereinlagerungen, sondern lässt auch Blutbestandteile in das Gewebe übertreten. Es kommt vermehrt zu Einblutungen (blaue Flecken).

  • Stemmer-Zeichen ist negativ: Das Stemmer-Zeichen ist ein nach seinem Entdecker benannte einfach Diagnosemöglichkeit eines Lymphödems. Der Arzt versucht dabei die Hautfalte über der zweiten und dritten Zehe oder den entsprechenden Fingern anzuheben. Beim Lymphödem ist die Haut nicht abhebbar, beim Lipödem in der Regel schon.

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Diagnose des Lipödems nur schwer zu stellen

Bei Verdacht auf das Reiterhosensyndrom wird der*die Arzt*Ärztin zu Beginn der Diagnostik Betroffene zu einer Diät auffordern. Empfehlenswert ist bei jeder Diät eine Dokumentation der Körpermaße, die nicht nur auf das Gewicht beschränkt sein sollte: Dieses wird sich auch beim Lipödem-Patienten reduzieren, doch die Wassereinlagerungen bleiben erhalten und Arme und Beine sind weiterhin angeschwollen.

Darum sollten folgende Faktoren beobachtet werden:

  • Umfang von Oberschenkeln und Oberarmen

  • Body-Mass-Index (BMI)

  • Waist-to-Hip-Ratio (WHR), das Verhältnis aus Bauch- und Hüftumfang

  • Weist-to-Height-Ratio (WHR), das Verhältnis von Bauchumfang und Körpergröße

  • täglicher Aktivitätsindex

Bei bestehendem Lipödem ist zwar eine Gewichtsreduktion zu erwarten, da aber das abgenommene Fettgewebe durch Wassereinlagerungen oder Lymphanstauungen aufgefüllt wird, bleiben die Verhältnisse von WHR und WTR beinahe unverändert und nur der BMI sinkt.

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Bildgebende Verfahren wie Sonografie oder Magnetresonanztomografie (MRT) geben nur bedingt Auskunft. Die dabei ermittelbare Verdichtung des Fettgewebes in der Unterhaut gilt aber als wichtiger Marker.

Bewegung, Ernährung, Fettabsaugung: Therapie bei Lipödem

Mit der Behandlung sollen sich der Zustand des Lipidödems und die damit verbundenen Beschwerden bessern. Also ein Ödem abschwellen, Schmerzen gelindert und eine altersentsprechende, normale Figur wieder hergestellt werden. Zusätzlich sollen Folgeerkrankungen aufgrund von Ödemen oder Übergewicht verhindert werden.

Bei einem Lipödem gilt die stadiengerechte und individuell angepasste Behandlung. Möglichkeiten sind die folgenden:

  • Ödemreduktion: Um das vorhandene Ödem zu reduzieren, kommt die kombinierte physikalische Entstauungstherapie (KPE) zum Einsatz. Sie besteht aus manueller Lymphdrainage, Kompressionsstrümpfe, Bewegungstherapie und Hautpflege.

  • Schmerzlinderung: Entsteht der Schmerz durch den Druck im Gewebe, ist auch hier die KPE das Mittel der Wahl, bevor Schmerzmittel verabreicht werden. Diese können zusätzlich eingenommen werden. Diese haben meist auch eine entzündungshemmende Wirkung.

  • Hämatome verhindern: Lymphdrainage und Kompression unterstützen und schützen das Gewebe.

  • Diät: Eine Ernährungsumstellung soll neues Unterhaut-Fettgewebe verhindern und reduzieren. Am effektivsten ist eine kalorienarme Ernährung mit ausreichend Bewegung.

  • Sport: Regelmäßige Bewegung sorgt für Mobilität und Beweglichkeit. Geeignet sind Wassergymnastik, Schwimmen, Walken oder Radfahren.

  • Körperkonturen wiederherstellen: Bilden sich durch die Fetteinlagerungen Hautfalten oder Scheuerstellen (kommen häufig zwischen den Innenseiten der Knie und an den Oberschenkeln vor), drohen Entzündungen und Ablederungen der Oberhaut. Diese Stellen müssen mittels plastisch-chirurgischen Eingriffen korrigiert werden.

Fettabsaugung erzielt sichtbare Erfolge

Als effektivste Therapiemaßnahme bei Lipödem gilt die Fettabsaugung (Liposuktion). Mit ihr lassen sich die oben genannten Behandlungsziele einfach erreichen. Zudem profitieren die Patienten davon, dass das auf Einlagerung programmierte Fettgewebe theoretisch komplett entfernt wird, sodass an den betroffenen Stellen an Armen oder Beinen wieder Platz für gesundes Fettgewebe in der Unterhaut entsteht. Das Lipödem kann sich an diesen Stellen nicht neu bilden.

Es ist allerdings unter Umständen möglich, dass sich das Lipödem in den Jahren nach der Liposuktion erneut bildet. Von den Krankenkassen wird die Fettabsaugung jedoch meist nur einmalig übernommen. Weitere Eingriffe sind medizinisch möglich, die Kosten trägt dann aber die*der Betroffene.

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