Meist harmlos

Neugeborenengelbsucht nach der Geburt

Die Neugeborenengelbsucht kommt bei vielen Babys in den ersten Lebenstagen vor. Diese Gelbfärbung der Haut ist meist harmlos, kann in manchen Fällen aber auch einen schweren Verlauf nehmen. Was die Ursachen sind, mit welcher Dauer zu rechnen ist und wie behandelt wird

neugeborenengelbsucht
Bei vielen Neugeborenen zeigt sich eine Gelbsucht, die meist gut mit Blaulicht behandelt werden kann.
© iStock.com/jaqy

Bei der Neugeborenengelbsucht (Icterus neonatorum) ist der Anteil des Blutfarbstoffs Bilirubin bei Säuglingen im Blut erhöht und sorgt für eine Gelbfärbung der Haut, der Schleimhäute und Augen. Dies tritt bei etwa 60 Prozent aller neugeborenen Babys auf und ist meist harmlos. Nur in seltenen Fällen verläuft eine Neugeborenengelbsucht schwer.

Im Überblick:

Ursache der Neugeborenengelbsucht

Ursache für den Ikterus beim Neugeborenen ist der Blutfarbstoff Bilirubin, der beim Abbau des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin entsteht. Gewöhnlich wird er mithilfe der Leber wasserlöslich gemacht und über Stuhl oder Urin ausgeschieden. Neugeborene Babys haben nach der Geburt vermehrt rote Blutkörperchen, die abgebaut werden müssen. Da bei Neugeborenen die Leber noch nicht vollständig ausgereift ist, ist sie mit dem Abbau kurzfristig überfordert und das Bilirubin lagert sich in der Haut ab.

Die Bilirubin-Konzentration im Blut wird gemessen und muss behandelt werden, wenn ein Grenzwert überschritten wird, um neurologische Schäden zu verhindern.

Symptome der Neugeborenengelbsucht

Neben dem typischen Symptom der Gelbfärbung weisen auch die Blutwerte auf eine Neugeborenengelbsucht hin: Der Bilirubinspiegel sowie die Konzentration von Retikulozyten, einer Vorstufe der roten Blutkörperchen, ist dann erhöht. Wie lange die Gelbfärbung der Haut anhält, ist unterschiedlich. Bei den meisten Babys klingt die Neugeborenengelbsucht aber innerhalb der ersten zehn Tage wieder ab.

Dauer und Formen der Neugeborenengelbsucht

Es gibt unterschiedliche Formen der Neugeborenengelbsucht, die sich in der Dauer und Häufigkeit deutlich unterscheiden:

  • Harmlose Neugeborenengelbsucht (Icterus neonatorum): Die harmlose Form ist die häufgste. Dabei tritt die Neugeborenengelbsucht um den zweiten bis dritten Lebenstag auf, erreicht ihren Höhepunkt um den fünften Lebenstag und verschwindet bis zum zehnten Lebenstag wieder.

  • Starke Neugeborenengelbsucht (Icterus praecox): Dabei tritt die Neugeborenengelbsucht bereits am ersten Lebenstag auf. Dies ist meist der Fall, wenn Begleiterkrankungen wie die Sichelzellanämie oder eine Unverträglichkeit der Blutgruppen von Mutter und Kind vorliegen.

  • Verlängerte Neugeborenengelbsucht (Icterus prolongatus): Hierbei bleibt die Neugeborenengelbsucht länger als zwei Wochen bestehen.

  • Schwere Neugeborenengelbsucht (Icterus gravis): Überschreitet der Bilirubin-Wert im Blut die Grenze von 18 mg/dl, handelt es sich um eine schwere Form. Sie muss behandelt werden, um Schäden von Nervenzellen im Gehirn (Kernikterus) zu verhindern.

Behandlung und Verlauf

Bei den meisten Säuglingen verschwindet die Neugeborenengelbsucht von alleine wieder. Bei Werten über 18 mg/dl muss jedoch behandelt werden, um Schäden im Gehirn zu verhindern. Dabei gibt es folgende Therapiemöglichkeiten:

  • Phototherapie: Mithilfe von blauem Licht mit einer Wellenlänge von 460 nm, dem das Neugeborene ausgesetzt wird, wird Bilirubin gespalten und über den Urin ausgeschieden, um die Leber zu entlasten. Die Netzhaut der Augen kann durch das Blaulicht geschädigt werden, weshalb Babys eine spezielle Brille zum Schutz auf die Augen bekommen. Die Therapie ist schmerzfrei und wird wiederholt über ein paar Stunden angewendet. Während dieser Zeit wird auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet und die Körpertemperatur kontrolliert.

  • Bluttransfusion: In schweren Fällen, wenn die Phototherapie nicht erfolgreich ist, wird das Blut des Säuglings mit Spenderblut ausgetauscht. So müssen keine weiteren roten Blutkörperchen abgebaut werden.

  • Stillen: Stillen fördert den Abbau der roten Blutkörperchen über die Galle, da durch das Stillen die Darmtätigkeit angeregt wird.

Die Mutter und das neugeborene Kind werden oft zeitgerecht aus dem Krankenhaus entlassen, wenn nur eine leichte Gelbsucht vorliegt. Diese bildet sich normalerweise von selbst zurück und gibt keinen Grund zur Sorge. Hält die Gelbfärbung der Haut jedoch länger als 10 Tage an, sollte mit dem Kinderarzt oder der Hebamme Rücksprache gehalten werden. Unverzüglich muss ein Arzt aufgesucht werden, wenn sich die Gelbsucht deutlich verstärkt, das Baby apathisch wirkt, krampft oder auffällig ist.

Neugeborenengelbsucht vorbeugen

Der Neugeborenengelbsucht selbst kann nicht vorgebeugt werden. Um die Neugeborenengelbsucht rechtzeitig zu erkennen und schwere Verläufe zu verhindern, sollte der Bilirubin-Wert im Blut auch bei Hausgeburten oder früher Entlassung aus der Klinik bestimmt werden.

Eltern können etwas tun, um den Abbau von Bilirubin zu fördern:

  • Das Baby dem Tageslicht (jedoch keiner direkten Sonneneinstrahlung) aussetzen und mit ihm an der frischen Luft spazierengehen

  • häufiges Stillen

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