Anatomie und Funktion

Die Gebärmutter – das unterschätzte Organ

Sie ist viel mehr als ein Fortpflanzungsorgan: Die Gebärmutter liegt im Zentrum des Unterleibs der Frau, hat zentrale Funktionen und prägt seine Statik. Daher kann eine Entfernung weitreichende Folgen haben.

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Die Gebärmutter ist nicht nur für das Austragen eines Kindes wichtig, sondern auch für die Statik der Unterleibsorgane.
© iStock.com/RyanKing999

Die Gebärmutter ist das Organ im Körper einer Frau, in dem die befruchtete Eizelle heranwächst. Das Organ, das auch Uterus genannt wird, wird innen durch eine dicke Schleimhaut ausgekleidet. Darin nistet sich eine Eizelle nach ihrer Befruchtung ein. Erfolgt keine Befruchtung, stößt der weibliche Körper die Gebärmutterschleimhaut ab und scheidet sie bei der Menstruation aus. Der Uterus ist also ein zentrales Fortpflanzungsorgan, mitverantwortlich für die monatlichen Regelblutungen. Aber er ist noch mehr.

Die Gebärmutter liegt im Zentrum der Unterleibsorgane. Sie ist mit der Harnblase verbunden und auch der Darm hat eine Brücke zum Uterus. Wenn die Gebärmutter entfernt wird, kann dies daher die Nachbarorgane beeinträchtigen und Blasenschwäche sowie Stuhlprobleme zur Folge haben.

Ohne Gebärmutter eher in die Menopause

Der Uterus besteht aus dem Gebärmuttergrund, dem Gebärmutterkörper und dem Gebärmutterhals. Das untere Ende des Gebärmutterhalses ragt in die Vagina hinein und hält das Scheidengewölbe. Innerhalb des Gebärmutterkörpers befindet sich die Gebärmutterhöhle, in die die Eileiter münden. Sie stellen die Verbindung zu den Eierstöcken dar. Wird die Gebärmutter entfernt, verändert sich die Durchblutung der Eierstöcke. Das beeinflusst ihre Hormonproduktion. "Ohne Gebärmutter kommt eine Frau im Schnitt vier Jahre früher in die Menopause", erklärt die Gynäkologin Dr. Barbara Ehret. Der Gebärmutterkörper hat die Form und Größe einer kleinen Birne und wiegt ungefähr 50 Gramm. Mit zunehmendem Alter und nach mehreren Schwangerschaften kann er sich auf mehr als das Doppelte vergrößern.

Bänder dehnen sich in der Schwangerschaft

Wie alle Organe im Unterleib ist die Gebärmutter in einem elastischen Bändersystem aufgehängt. Während einer Schwangerschaft kann sich dieses stark ausdehnen und nach der Geburt wieder verkürzen. Am bekanntesten ist das breite große Mutterband, das die Gebärmutter mit den Seitenwänden des Beckens verbindet. Zusätzlichen Halt geben ihr Bänder, die den Gebärmutterhals mit den Beckenwänden verbinden. Sie durchziehen den Beckenboden.

Beckenboden hält die Gebärmutter am richtigen Ort

Der Beckenboden trägt alle Unterleibsorgane. Er gleicht einem dreidimensionalen Zelt aus Muskeln und Bindegewebe, das sich zwischen dem Gebärmutterhals, der Scheide und dem Darmausgang spannt. Die Muskeln der äußern Schicht umschlingen den After und den Scheideneingang samt Harnröhre; die mittlere Schicht hält Harnröhre und Scheide sowie zwei Schleimdrüsen, die bei sexueller Erregung für Feuchtigkeit sorgen; die oberste Schicht besteht aus Anusheber und Steißbeinmuskel. Beide tragen die Beckenorgane und halten Gebärmutter, Scheide und Blase.

Im Alter kann der Beckenboden an Spannkraft verlieren – besonders wenn eine Frau viele Kinder ausgetragen und geboren hat. Bei einigen Frauen kommt es dann zu einer Senkung der Gebärmutter, bei der das Organ seinen Halt verliert und Richtung Scheidenausgang rutscht. In ausgeprägten Fällen muss der Uterus operativ angehoben und künstlich neu aufgehängt werden.

Nach Gebärmutter-OP ändert sich die Statik

Der komplizierte Aufbau des weiblichen Unterleibs deutet bereits an, welche komplexen Auswirkungen es haben kann, wenn die Gebärmutter entfernt wird. Besonders weitreichende Folgen hat es, wenn auch der Gebärmutterhals herausoperiert werden muss. Vereinfacht gesagt: Der Beckenboden verliert eine zentrale Stütze und die gesamte Statik der Unterleibsorgane kann ins Wanken geraten. "Wie ein Schlussstein im Kirchengewölbe hält der Gebärmutterhals die Scheide", sagt Ehret.

Ohne Gebärmutter weniger sexuelle Erlebnisfähigkeit

Da der Beckenboden auch sexuelle Nervenbahnen enthält, die bis in den Gebärmutterhals und die Scheide reichen, beeinträchtigt es außerdem stark die sexuelle Erlebnisfähigkeit, wenn die Gebärmutter samt Hals herausgenommen wird. Viele Frauen spüren buchstäblich weniger. Das belastet besonders Frauen, die vor einer Entfernung der Gebärmutter intensive Lustgefühle erlebten. Außerdem fehlt die Ausschüttung von Sekret aus dem Gebärmutterhals, wenn das Organ entfernt wird. Bei sexueller Erregung kommt dieses dann nur noch aus den Drüsen der Scheide und des Scheidenvorhofs – das ist oft nicht ausreichend und Speichel oder Gleitgel müssen Abhilfe gegen die Trockenheit schaffen.

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